Türkenkriege und Adelskultur in Ostmitteleuropa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert

Ort
Leipzig
Veranstalter
Projektgruppe „Osmanischer Orient und Ostmitteleuropa. Vergleichende Studien zu Perzeptionen und Interaktionen in den Grenzzonen“ am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas an der Universität Leipzig (GWZO)
Datum
23.10.2008 - 25.10.2008
Von
Heiner Grunert, Leipzig

Die komplexen und stetigem Wandel unterliegenden Beziehungsgeflechte verschiedenster sozialer Gruppen in den Grenzbereichen des Osmanischen Reiches und einem weit verstanden Ostmitteleuropa stehen im Fokus der Arbeit der am Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) angesiedelten Projektgruppe „Osmanischer Orient und Ostmitteleuropa – Vergleichende Studien zu Perzeptionen und Interaktionen in den Grenzzonen“. Ziel der interdisziplinären Projektgruppe ist es, fernab von dichotomischen Perspektiven die spezifischen Formen von Interaktion in sich wandelnden sozialen Gruppen im Grenzraum zu untersuchen. Darüber hinaus soll die in verschiedenen Medien kreierte und tradierte Perzeption des jeweils Anderen analysiert werden.

Der Titel der Tagung markiert sowohl räumlich als auch zeitlich die Rahmung des Phänomens. Vom Aufkommen der „Türkengefahr“ im 15. Jahrhundert und der Schlacht von Mohács 1526 erstreckt sich die Geschichte der militärischen Auseinandersetzungen über den Langen Türkenkrieg (1593-1606), einzelne polnisch-osmanische und österreichisch-osmanische Konflikte in der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zur als Schlüsselmoment gesehenen zweiten Belagerung Wiens 1683 und den folgenden Kriegs- und Verhandlungsphasen. Bis ins 18. Jahrhundert wandelten sich Dynamik und Formen der Kontakte zwischen den Reichen von der rein militärischen Auseinandersetzung zu einer diplomatischen Annäherung, welche auch eine bis dato unbekannte Anerkennung des Gegners mit sich brachte. Somit veränderten sich auch die produzierten Bilder vom „Gegenüber“. Die Verschiebung und Erweiterung des Grenzraumes zwischen Osmanischem und Habsburger Reich in Gebiete südlich der Donau brachte auch einen Wandel in diesen Kontaktzonen. Migrationsprozesse und Elitenverschiebungen werden hierbei im gleichsam konfessionell stark durchmischten Raum auf ihren strukturbildenden Charakter hin überprüft. Eine herausragende Rolle spielt dabei die hochgradig heterogene soziale Gruppe des ostmittel- und südosteuropäischen Adels, der die Hauptlast der kriegerischen Auseinandersetzung trug.

Nach einer thematischen Einführung durch SABINE JAGODZINSKI, die gemeinsam mit ROBERT BORN die Veranstaltung konzipiert hatte, eröffnete KARL VOCELKA (Wien) die Konferenz mit einem Abendvortrag zu den komplexen Beziehungsgeflechten zwischen Herrschern, Adel und Osmanen aus der Perspektive der Habsburger. Er ging dabei besonders auf die sich überschneidenden Beziehungsebenen ein, die oft wechselnde und eher pragmatische Bündnissysteme zeitigten. Vom frühen 16. bis zum 18. Jahrhundert spielten hierfür die konfessionellen, reichspolitischen und die Auseinandersetzungen des Adels mit dem jeweiligen Machtzentrum unter den Bedingungen stetiger mehrfacher Konfliktlagen (Zweifrontenkriege, politisch/konfessionell/militärische Bedrohungen) die Rolle von Katalysatoren.

Innerhalb des ersten inhaltlichen Blocks thematisierte RADU G. PǍUN (Paris/Bucureşti) die unterschiedlichen Formen, mit denen der byzantinische Adel auf den Fall Konstantinopels 1453 reagierte. Neben Flucht und Konversion existierte auch ein „dritter Weg“ der so genannten „ralliés“ (Nicolae Iorga), die sich für eine Zusammenarbeit mit dem Eroberer entschieden hatten, ohne ihren orthodoxen Glauben aufzugeben. Zwei weitere Referate dieser Sektion hatten den kroatisch-dalmatischen Bereich im Fokus. DOMAGOJ MADUNIĆ (Zagreb/Budapest) präsentierte die bewusste Einbindung von ehemals osmanischen Untertanen – Wlachen oder Morlacken – in das Grenzsicherungssystem der Republik Venedig im 17. Jahrhundert. Im Vordergrund stand dabei die Adaption der aus osmanischer Tradition übernommenen sozialen Strukturen durch die christliche Machtelite. Innerhalb der von der Serrennissima für die neuen dalmatinischen Besitzungen aus habsburgischem Kontext übernommenen Institution der Militärgrenze kam es zu einer staatlich gelenkten Stratifizierung der Gesellschaftsstruktur der Morlacken. Am Beispiel des kroatischen und slawonischen Adels stellte NATAŠA ŠTEFANEC (Zagreb) die vielfältigen Formen der Koexistenz an der Grenze dar, welche sich im zeitgenössischen Begriff des Grenzgesetzes (zakon krajiški, vira krajiška) bündelten, und teilweise diametral dem Antemurale-Mythos widersprachen. Hieran diskutierte sie die Aushandlungs- und Kompromisspraktiken des mittleren und hohen Adels mit osmanischen Akteuren jenseits der Grenze. Die konkreten Formen der Zusammenarbeit über räumliche, konfessionelle und politische Grenzen der beiden Reiche hinweg stellen dabei die Tradierung des Osmanischen Reiches als Hauptfeind der Christenheit in der Frühen Neuzeit in Frage, da stellenweise der innerchristliche konfessionelle Konflikt Prioriät besaß.

CLAUS HEINRICH GATTERMANN (Göttingen) thematisierte am Bespiel des Adels im ungarischen Komitat Baranya im 16. und 17. Jahrhundert die verschiedenen Anpassungsformen der Eliten an sich grundlegend wandelnde politische Rahmenbedingungen. Nach der Schlacht von Mohács 1526 und der Eroberung Szigetvárs 1566 geriet die transdanubische Baranya unter osmanische Oberherrschaft. In der Folgezeit bildete sich eine Art Doppelherrschaft heraus, in der der örtliche Kleinadel seine klassischen Adelspflichten (wie zum Beispiel Landesverteidigung, Rechtsprechung) verlor, jedoch teilweise weiterhin Abgaben erhob, was für die Bauern eine Doppelbesteuerung bedeutete. Die osmanische Zeit stellte sich dennoch besonders für den Adel als ein Jahrhundert größter Umbrüche dar.

Die nachfolgende Sektion eröffnete UWE TRESP (Potsdam) mit einem Beitrag zur Konstruktion der Memoria des böhmischen Grafen Stefan Schlick (gestorben 1526 bei Mohács). Mit besonderem Augenmerk auf Münz- und Medaillenprägungen der durch den nordwestböhmischen Bergbau reich gewordenen Adelsfamilie verdeutlichte Tresp, wie der Kampf der Familie gegen die Osmanen bei Mohács als ein legitimatorisches Argument verwandt und gegen die Enteignungen der Familie durch die Habsburger und generell deren zentralistische Politik unter Ferdinand I. eingesetzt wurde.

Im Lichte osmanischer Quellen zur Einsetzung János Szapolyais als “Yanoş Kral” (König Janos) von Ungarn 1529 diskutierte ZEYNEP YELÇE (İstanbul) dessen Legitimierung und Anerkennung durch Sultan Süleyman zum christlichen König. Yelçe erläuterte die Machtausstattung Szapolyais besonders auf symbolischer Ebene als König von Ungarn durch den osmanischen Sultan, der damit wiederum seinen universellen Machtanspruch dokumentierte.

Am Beispiel Frankreichs und des Herzogs Philippe Emmanuel von Mercœur (1558-1602) führte MARCO PENZI (Paris) persönliche und politische Intentionen des Türkenkampfes von Adligen vor, die sich im Falle Philippe Emmanuels auch ökonomisch und innenpolitisch erklären lassen. Einzelne Adlige aus dem Umfeld der Katholischen Liga in Frankreich waren zum Ende des 16. Jahrhunderts erwerbslos geworden und folgten so dem Aufruf des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches zum Kampf gegen die Türken 1599.

Die ungarische Adelskultur und die europäische Öffentlichkeit im Umfeld des antiosmanischen Kampfes thematisierend, zeichnete NÓRA G. ETÉNYI (Budapest) die mediale Präsentation der „Türkenabwehr“ als Schlüsselmoment in der politischen Selbstdarstellung des ungarischen Adels nach. Zum einen betonten ungarische Adelsfamilien darin, gleichsam als Kontinuitätsbeweis, ihr dauerhaftes Engagement sowie zum anderen den Staatscharakter Ungarns. Die politische Elite Ungarns setzte dabei das neue Medium des Pressewesens innovativ ein, um die europäische politische Öffentlichkeit zu erreichen.

Der folgende Abschnitt war speziellen Memorabilia aus der Zeit der Türkenkriege – Beutestücken, diplomatischen Geschenken und Trophäen – und den damit verbundenen Rezeptions- und Erinnerungsstrategien gewidmet. Im ersten Referat sprach BARBARA KARL (Wien) zur symbolischen Bedeutung im Allgemeinen und der Instrumentalisierung erbeuteter osmanischer Flaggen im Speziellen. Als Indikatoren des Status der Träger, sowie Medien der Kommunikation und gleichzeitig der Repräsentation gehörten Banner und Standarten zu den wichtigsten symbolischen Beutestücken der Türkenkriege der Frühen Neuzeit.

Ebenfalls auf die Darstellung des imaginierten Türken im christlichen Europa eingehend beschrieb HOLGER SCHUCKELT (Dresden) die Wahrnehmungen des osmanischen Gegenübers in der Selbstdarstellung der sächsischen Kurfürsten. Obwohl selbst nicht Nachbar, unterhielt das Kurfürstentum rege Kontakte zum Osmanischen Reich – sowohl diplomatische und militärische als auch ökonomische. Das Türkenbild am sächsischen Hof war dabei von Furcht und Faszination gleichermaßen geprägt. Nach der Personalunion mit dem Königreich Polen verstärkten sich die Kontakte deutlich. Höhepunkt der Türkenmode in Sachsen war die Zeit Friedrich August I. (der Starke), der sich beispielsweise zu seinem 58. Geburtstag sogar als sächsischer Sultan betiteln ließ.

Als Beitrag zur Erforschung ästhetischen und technologischen Austausches zwischen Ungarn und dem Osmanischen Reich untersuchten ADRIENN PAPP und ESZTER KOVÁCS (beide Budapest) die Verbreitung osmanischer Fayence-Kunst an ungarischen Adelshöfen im 16. und 17. Jahrhundert. Dabei wurden besonders die unlängst bei archäologischen Grabungen in Siebenbürgen entdeckten Ofenkacheln (ung. bokálcsembe) vorgestellt, welche vornehmlich als Auftragswerke für ungarische Adelshöfe im Osmanischen Reich hergestellt wurden.

SABINE JAGODZINSKI (Leipzig) fragte in ihrem Beitrag anhand eines polnischen „Thrones der Andenken“, welcher anlässlich des 100. Jahrestages des Entsatzes von Wien 1783 in Nieśwież als Trophäum errichtet worden war, nach den dargestellten Protagonisten des Krieges gegen die Osmanen, den Formen der Sakralisierung des weltlichen Schlachtengeschehens sowie der Auswahl der Exponate in dem reich verzierten Thron. Hierbei zeigte sich, dass das Gedenken an den Erfolg von 1683 im polnischen Adel des ausgehenden 18. Jahrhunderts in neuer Form bewusst für die kontinuierliche Familienmemoria genutzt wurde.

Die vierte Sektion der Tagung eröffnete BORBÁLA GULYÁS (Leipzig) mit einem Referat zur symbolischen Rolle der Türken bei höfischen Festen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Als Türken verkleidete Figuren waren häufiges Element der höfischen Festkultur der Habsburger. Zu verschiedenen Anlässen wurden „Ungarische“ oder „Hussarische Turniere“ veranstaltet. In ihren Darlegungen präsentierte Gulyás die wichtigsten Quellen und zeitgenössischen Darstellungen solcherart Feste.

Mit dem Prozess der Selbstinszenierung eines ungarischen Adligen in osmanischer Gefangenschaft befasste sich ÁGNES DROSZTMÉR (Budapest) in ihrem Referat über Ferenc Wathay (1568-1609). Als Kommandant der Festung Székesféhérvár (dt. Stuhlweißenburg) war dieser 1602 in vierjährige osmanische Gefangenschaft gekommen und schrieb während dessen sein „Liederbuch“ – eine der frühesten Dichtungen auf Ungarisch. Neben Gedichten und Abbildungen enthält das Werk die erste größere Autobiographie in ungarischer Sprache. Das Liederbuch vereint dabei verschiedene Quellengattungen und stellt eine einzigartige Quelle einer aufkommenden literarischen Produktion von Laien im frühneuzeitlichen Ungarn dar.

Anhand eines literarischen Werkes Pál Esterházys (1635-1713), dem symbolträchtigen Gedicht „Egy csudálatos ének” (Ein phantastisches Lied), analysierte PÁL ÁCS (Budapest) die Vorstellungen einer Kunst- und Wunderkammer der Esterházys als Mikrokosmos einer vor- und darstellbaren großen Welt, welche mit Ungarn im Zentrum erschaffen wurde. In Fraknó (Forchtenstein, Österreich) besteht diese in Teilen immer noch. Ács führte vor, wie die Einbeziehung von Exponaten dieser Sammlung in die Analyse des Gedichts eine völlige Neuinterpretation der im lyrischen Werk aufgeführten Welt zulässt.

Zur Repräsentationskultur des siebenbürgisch-sächsischen Patriziats sprach EVELIN WETTER (Riggisberg/Leipzig), wobei sie insbesondere auf hochwertige osmanische Textilien wie Teppiche und Stickereien fokussierte. Exemplarisch führte sie am Textilschatz der Schwarzen Kirche zu Kronstadt (rum. Braşov, ung. Brassó) unterschiedliche Formen von Aneignungs- und Integrationsprozessen osmanischer Luxusgüter aus, besonders im dezidiert lutherischen Kontext des siebenbürgisch-sächsischen Patriziats.

Die fünfte und letzte Sektion eröffnete für diese beispielhaft VÁCLAV BŮŽEK (České Budějovice) mit seinem Beitrag zu türkischen Motiven in der materiellen Kultur des Adels in den frühneuzeitlichen Böhmischen Ländern. In Interieuren und an Fassaden böhmischer und mährischer Schlösser finden sich seit Mitte des 16. bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts orientalische Szenen – besonders habsburgisch-osmanische Schlachten. Bei der Analyse des symbolischen Charakters stellte Bůžek die Darstellung eines immer wiederkehrenden überkonfessionellen christlichen Ritters als Selbstbildnis des Adels heraus. Parallel hierzu war auch die Rezeption der exotischen, anderen bzw. fremden Kultur Intention der Darstellung.

Thematisch eng verbunden mit seinem Vorredner stellte HANS-PAUL TIES (Basel) die Relevanz der Teilnahme an den Türkenkriegen für das Selbstverständnis und die Selbstdarstellung des beteiligten Adels anhand einer Reihe von Raumausstattungen adliger Bauten dar. In zahlreichen Adelssitzen von Ungarn über Franken bis nach Tirol und in die Toskana hätten sich repräsentative Bildausstattungen mit glorifizierender Türkenkriegsmotivik erhalten, die einer umfassenden komparativen Studie noch weitgehend harren. Mit besonderem Augenmerk auf Tirol legte Ties vielfältigste Beispiele für die Bandbreite spezifischer Motivation für das Engagement in antiosmanischen Kämpfen dar.

HEINKE FABRITIUS (Leipzig) fragte in ihrem Beitrag nach der bildlichen Repräsentation des besiegten Feindes in der Person Kara Mustafas, des „Belagerers von Wien“. Bei dem meistreproduzierten Werk Kara Mustafas handelt es sich, obwohl mit einem Spottvers überschrieben, um ein sehr repräsentatives, in Öl auf Leinwand ausgeführtes Portrait. In vergleichender Analyse des Bildes mit habsburgischen, französischen, ungarischen und niederländischen Bildnissen Kara Mustafas zeigte Fabritius ein von verblüffender Diversität gekennzeichnetes Panorama der Darstellung des unterlegenen Feindes.

Der letzte Tagungsbeitrag stellte erneut die tradierte Trennschärfe zwischen christlich-westlicher und osmanisch-islamischer Welt in Frage. KLAUS SCHNEIDERHEINZE (Leipzig) legte die speziell polnische Variante einer orientalischen Mode innerhalb der Adelskultur dar, welche sich bis in Repräsentationsformen, Bewaffnung und Kampftaktiken des polnischen Heeres hinein äußerten. Das Auftreten des polnischen Entsatzheeres vor Wien 1683 führte so teils zu deutlichen Verwirrungen auf Seiten der christlichen Verteidiger, welche oftmals Schwierigkeiten hatten, Angreifer von Verbündeten zu unterscheiden. Krummsäbel, gefiederte Flügel und andere Ausrüstungsstücke orientalischen Zuschnitts waren dabei nur materielle Äußerungen einer spezifischen Form polnischer Adelskultur, die in der Interaktion mit östlichen und westlichen Nachbarn sowie gruppenidentitärer Selbstverortung entstanden waren.

In der von den beiden Projektleitern EVELIN WETTER (Riggisberg/Leipzig) und ROBERT BORN (Leipzig) geleiteten Schlussdiskussion wurden die Vorannahmen der Tagungssektionen den Forschungsergebnissen der Teilnehmer gegenüber gestellt. Anspruch der Leipziger Organisatoren an sich und die Vortragenden war es, durch die Loslösung von einer reinen Konflikt- zu einer stärker überkonfessionellen und transkulturellen Verflechtungsgeschichte zu gelangen und die Grauzonen und Ambivalenzen stärker zu erhellen. Anhand der Adelskultur und der spezifischen Wahrnehmung des „Gegenübers“ gelang dies weitgehend. Das als strukturbildend angenommene Phänomen des Elitenwandels im behandelten Grenzraum stellte sich in der Diskussion als in zeitlicher wie räumlicher Hinsicht deutlich zu differenzierendes Merkmal heraus.

Es fiel auf, dass die Türkenkämpfe dieser Zeit einen wichtigen Beweggrund sowie Thema der ostmitteleuropäischen Adelskultur darstellten. Die osmanische Perspektive war auf der Konferenz verhältnismäßig wenig vertreten. Als ein Desiderat für künftige Forschungen wurde daher eine Zusammenführung ostmitteleuropäischer und osmanischer Forschungen formuliert sowie die stärkere Untersuchung von Wechselwirkungen.

In der Betrachtung des adlig-militärischen Bereiches fielen zudem zivile Lebenswelten weitgehend heraus, die es trotz schwieriger Quellenlage stärker zu erhellen gelte, um in der Abgrenzung über die Qualität adliger Kultur Aussagen zu treffen.

Konferenzübersicht:

CHRISTIAN LÜBKE (Leipzig) – Grußwort
SABINE JAGODZINSKI (Leipzig) – Einführung in die Tagung
Abendvortrag: KARL VOCELKA (Wien) – Herrscher, Adel und Osmanen. Gedanken zu einem komplexen Beziehungsgeflecht

Adelseliten in den Konfliktzonen – Barrieren und Kontakte
Moderation: JÖRG DEVENTER (Leipzig)

DOMAGOJ MADUNIĆ (Zagreb / Budapest) – Capi di Morlacchi: Rise of the New Elite? Venetian Policy Regarding the Formation of the Morlacci Elite during the War for Crete (1645–1669)
CLAUS HEINRICH GATTERMANN (Göttingen) – Flucht, Ausharren, Rückkehr. Der Adel der Baranya im 16. und 17. Jahrhundert
RADU G. PĂUN (Paris / Bucureşti) – Πολυτιν ευγενιν. Ottoman Conquest, Christian Reaction and the Reconstruction of the Greek Orthodox Elites under Ottoman Rule (15th–17th Centuries)
NATAŠA ŠTEFANEC (Zagreb) – Negotiating with an Archenemy. Border Ethics of the Croatian and Slavonian Nobility in the 16th and 17th Century

Karriere und Propaganda – Die Türkenkriege und ihre politischen Instrumentalisierungen im 16. und 17. Jahrhundert
Moderation: KARL VOCELKA (Wien)

UWE TRESP (Potsdam) – „Pro patria pugnando contra Turcam oppetiit“. Die Erinnerung an Graf Stefan Schlick (+1526 bei Mohács) als kulturelles Propagandainstrument
ZEYNEP YELÇE (İstanbul) – The Ottoman Reception and Perception of János Szapolyai in 1529
MARCO PENZI (Paris) – From Frenchman to Crusader. The Political and Military Itinerary of Philippe Emmanuel, Duke of Mercoeur
NÓRA G. ETÉNYI (Budapest) – Information, Tradition, Glorifikation. Ungarische Adelskultur und Öffentlichkeit während der Türkenkriege

Strategien der Kommemoration – Turcica in adligen und höfischen Sammlungen
Moderation: EVELIN WETTER (Riggisberg / Leipzig)

BARBARA KARL (Wien) – Osmanische Flaggen in Wiener Sammlungen
HOLGER SCHUCKELT (Dresden) – Mars Saxonicus und ﻰﺴﻛﺎﺳ ﻥﺎﻄﻠﺳ (Sultan Saksi). Die Kurfürsten von Sachsen zwischen Habsburgern und Osmanen
ADRIENN PAPP (Budapest) / ESZTER KOVÁCS (Budapest) – “Windy Garden”. The Features of Turkish Faience Craftsmanship in Hungary
SABINE JAGODZINSKI (Leipzig) – Ein polnischer „Thron der Andenken“ aus dem Jahr 1783

Das Fremde im Vertrauten I – Wahrnehmungs- und Inszenierungsmodi des Orients
Moderation: HEINKE FABRITIUS (Leipzig)

BORBÁLA GULYÁS (Budapest) – Die symbolische Rolle der Türken bei den höfischen Festen der Habsburger in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts
ÁGNES DROSZTMÉR (Budapest) – Self-Fashioning in the Song Book of Ferenc Wathay. Ideas and Ideals of Authorship in Ottoman Captivity
PÁL ÁCS (Budapest) – The Idea of “Kunst- und Wunderkammer” in the Poetry of Pál Esterházy
EVELIN WETTER (Riggisberg / Leipzig) – Osmanische Textilien in der patrizischen Repräsentationskultur Siebenbürgens

Das Fremde im Vertrauten II – Aneignung des Orients in europäischen Repräsentationskulturen
Moderation: WINFRIED EBERHARD (Leipzig)

VÁCLAV BŮŽEK (České Budějovice) – Die türkischen Motive in der materiellen Kultur des Adels in den frühneuzeitlichen Böhmischen Ländern
HANNS-PAUL TIES (Basel) – Die Türkenkriege des 16. und frühen 17. Jahrhunderts in Ostmitteleuropa als Thema adeliger Raumausstattungen
HEINKE FABRITIUS (Leipzig) – Repräsentation des Feindes. Kara Mustafa in der Bildniskunst um 1700
KLAUS SCHNEIDERHEINZE (Leipzig) – Sobieskis Janitscharen – Wie türkisch war das polnische Militär?

Schlussdiskussion: EVELIN WETTER (Riggisberg/Leipzig) / ROBERT BORN (Leipzig)

Zitation
Tagungsbericht: Türkenkriege und Adelskultur in Ostmitteleuropa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, 23.10.2008 – 25.10.2008 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 12.08.2009, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-2757>.