Medien des begrenzten Raumes − Regional- und landesgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert

Ort
Münster
Veranstalter
LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte
Datum
12.05.2011 - 13.05.2011
Von
Julia Rinser, Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität München

„Was hast Du da?“ „Das ist ein Buch!“ „Scrollst Du darin?“ „Nein, ich blättere um.“ Das Bilderbuch des New Yorker Zeichners Lane Smith, „It’s a book“, führt dem Leser auf humorvolle Art die verschiedenen Lesegewohnheiten vor Augen und plädiert für den Text, der in den Händen gehalten werden kann. Die Möglichkeiten der digitalen Medien verändern jedoch nicht nur den Umgang mit Unterhaltung, sondern auch den wissenschaftlichen Buch- und Zeitschriftenmarkt, so dass gefragt werden muss: Ist es nicht vielleicht auch ein Vorteil, in einer Zeitschrift scrollen zu können?

Solche und ähnliche Fragen zur digitalen Zukunft waren ein Schwerpunkt in dem großen Rahmen von Diskussionspunkten zum Thema „Regional- und landesgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert“, den THOMAS KÜSTER (Münster) als Organisator der Tagung des Instituts für westfälische Regionalgeschichte beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in seinem Einführungsvortrag absteckte. Ziel der Tagung war das Gespräch über institutionelle Grundlagen, Themen, Programmatiken, Autorenkreise sowie aktuelle Perspektiven regional- und landesgeschichtlicher Zeitschriften. Wie schlagen sich zum Beispiel universitäre und außeruniversitäre Forschung in diesen Zeitschriften nieder? Wie lauten die Themen und was sind die Aufgaben landesgeschichtlicher Zeitschriften im Unterschied zu allgemeinhistorischen Periodika? Wie gehen die Herausgeber/-innen mit dem Rückgang guter wissenschaftlicher Beiträge, der Überalterung historischer Vereine als Träger landesgeschichtlicher Zeitschriften oder eben den Möglichkeiten und Grenzen des digitalen Publizierens um?

Und natürlich standen auch landes- und regionalgeschichtliche Zeitschriften der letzten beiden Jahrhunderte selbst im Fokus der Tagung. So stellte MARLENE NIKOLAY-PANTER (Bonn) die „Rheinischen Vierteljahresblätter“ vor, die 1931 aus der Zusammenlegung älterer Zeitschriften mit dem Konzept einer rheinischen Heimatzeitung entstanden waren. Vor dem Krieg hätten sich die Herausgeber der Zeitschrift vor allem auf den Bereich der Kulturraumforschung konzentriert, wobei immer ein Schwerpunkt auf der Mediävistik gelegen habe. Deshalb habe sich der Kreis der Autoren/-innen anfangs überwiegend aus den Mitarbeitern des Institutes zusammengesetzt. Nach 1945 sei Abstand von volkskundlichen Themen genommen und der Blick − im Zeichen einer neuen vergleichenden Landesgeschichte − zunehmend auch auf andere bundesrepublikanische Länder gerichtet worden. Studien zum Mittelalter würden jedoch nach wie vor die Aufsatzpalette der „Rheinischen Vierteljahresblätter“ dominieren.

Diese Bevorzugung mediävistischer Themen konstatierte auch HANS OTTE (Hannover) bei seiner Untersuchung landeskirchengeschichtlicher Periodika für die katholischen Zeitschriften. Dagegen wären in den protestantischen Periodika eher Arbeiten zur Reformation und der frühen Neuzeit vertreten. Insbesondere das Paradigma der Konfessionalisierung habe der Subdisziplin ‚Kirchengeschichte‘ und ihren Zeitschriften vor einigen Jahrzehnten Auftrieb gegeben. THOMAS VOGTHERR (Osnabrück) griff diese Feststellungen auf, die sich auch auf andere landesgeschichtliche Zeitschriften übertragen ließen und plädierte in seinem Vortrag für eine größere Berücksichtigung der Zeitgeschichte. Darüber hinaus müssten komparatistische Ansätze mit Blick auf die europäische Dimension von Regional- und Landesgeschichte stärker verfolgt werden, wie MATTHIAS STEINBRINK (München) in seinem Vortrag anhand des „Jahrbuchs für Regionalgeschichte“ forderte. Der Blick über den Tellerrand auf die Geschichte benachbarter Regionen, Länder und Staaten sei ein methodisches Alleinstellungsmerkmal der Landesgeschichte im Vergleich mit den allgemeinhistorischen Disziplinen und zugleich deren große Chance auf einen weit über die eigene Region hinausgehenden Erkenntnisgewinn.

Auch FERDINAND KRAMER (München) wies auf die Notwendigkeit einer vergleichenden Landesgeschichte hin, räumte jedoch zugleich ein, dass dafür die detaillierte Untersuchung mindestens zweier Regionen zu leisten sei, was eine erhebliche Arbeitsleistung verlange. Der Vergleich mehrerer Räume habe jedoch auch den Vorteil, das jeweils Eigene besser herausarbeiten, eine schärfere Abgrenzung vornehmen oder auch Verbindendes genauer darstellen zu können. Als Gegenstand dieser Fragen eignet sich besonders die seit 2011 ratifizierte Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino, deren landesgeschichtliche Zeitschriften durch HANNES OBERMAIR (Bozen) vorgestellt wurden. Der nationenübergreifende Raum Tirol präfiguriere die Landesgeschichte und weise über kleinteilige Betrachtungen hinaus. Dafür stehe die Zeitschrift „Storia e Regione“, die mit großer Themenvielfalt und epochenübergreifend eine örtlich losgelöste Regionalgeschichtsschreibung betreibe. Zu einer ähnlichen Feststellung, allerdings aus der entgegen gesetzten Richtung, kam WINFRIED SPEITKAMP (Kassel), der die These eines entgrenzten Raumes vorstellte. Die hessischen Geschichtsvereine und ihre landesgeschichtlichen Zeitschriften hätten sich in stetig veränderten Räumen bewegt: innerhalb kulturräumlicher Grenzen, die mit der Zeit ihre Bedeutung verloren haben, oder innerhalb staatlicher Grenzen, die durch politische Umwälzungen verschoben bzw. zugunsten einer stärkeren nationalstaatlichen Orientierung in den Hintergrund gerückt wurden. Es sei hier also die Frage nach Konstruktionen von und Zuordnungen zu Räumen zu stellen, die zu Diskussionen in den landesgeschichtlichen Zeitschriften führen und somit zu einer Entgrenzung des Raumes beitragen könnten.

Ebenso ging es aber immer wieder um Abgrenzung oder auch Behauptung des eigenen Raumes gegen nationalstaatliche Deutungshegemonie, was auch durch das Tiroler Beispiel deutlich wurde. So prägten, wie Obermair erläuterte, vor allem die großen allgemein-italienischen Zeitschriften das staatliche Geschichtsbild, während die regionalen Zeitschriften an den Rand gedrängt würden. Blickt man auf die Geschichte einiger auf der Tagung vorgestellter Zeitschriften, werden ähnliche Konfliktlinien erkennbar. WINFRIED MÜLLER (Dresden), der die sächsischen landesgeschichtlichen Zeitschriften und vor allem das „Neue Archiv für Sächsische Geschichte“ vorstellte, führte aus, dass die Landesgeschichte in der DDR eher behindert als gefördert worden sei. Diskussionen innerhalb dieser Teildisziplin seien weitgehend auf eine Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Heimatbegriff im Sinne einer marxistischen Geschichtsschreibung hin gelenkt worden. Nach der Hochschulreform zu Beginn der 1970er-Jahre habe es schließlich in der DDR gar keine Fachrichtung ‚Landes- und Regionalgeschichte‘ mehr gegeben. Die Einstellung der entsprechenden Periodika habe diesen Prozess zwangsläufig verstärkt, zumal keine adäquate ‚Ersatzkommunikation‘ entstanden sei.

Abgrenzungen gegen den übergeordneten Staat gab es aber auch von Seiten der Regionalgeschichtsschreibung, wie Kramer am Beispiel der bayerischen landesgeschichtlichen Periodika und der „Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte“ darlegte. Bereits im 19. Jahrhundert hatten die bayerischen Zeitschriften die Abgrenzung Bayerns vom Reich betont, ab 1927 übernahm die neugegründete „Zeitschrift für Bayerische Landesgeschichte“ diese Linie. Wichtiger jedoch als die Abgrenzung von der Nation war in bayerischen wie auch in anderen landesgeschichtlichen Zeitschriften die Stiftung und Stärkung des regionalen Eigenbewusstseins, der Identität. Besonders nach 1945, als in den neuen Ländern politische Veränderungen und beträchtliche Migrationsbewegungen zu bewältigen waren, seien verstärkte identitätspolitische Anstrengungen auch in den bayerischen landesgeschichtlichen Zeitschriften zu bemerken gewesen. Dennoch seien in den regionalen Organen zugleich auch Arbeiten über „alte“ Teilidentitäten und somit eine weitere Integration dieser Räume gefördert worden. Auch Obermair bestätigte die identitätsstiftende Wirkung der Tiroler landesgeschichtlichen Zeitschriften, die der Region jedoch keine dominante Identität aufdrücken wollten; vielmehr sei die überstaatliche und mehrsprachige Region Tirol durch ein hohes Maß an Pluralität gekennzeichnet. Obermair sprach in diesem Zusammenhang von einem „identitären Schachtelprinzip“.

Eine Vielzahl von Regionen, deren Identitäten durch landesgeschichtliche Zeitschriften gefördert werden, stellte BIRGIT KEHNE (Osnabrück) am Beispiel Niedersachsens, einem ‚Land der Regionen‘, und seiner landesgeschichtlichen Zeitschriftenlandschaft vor. Bereits die Namen der fünf führenden Zeitschriften, Niedersächsisches Jahrbuch, Hannoversche Geschichtsblätter, Braunschweigisches Jahrbuch, Oldenburger Jahrbuch, Schaumburg-Lippische Mitteilungen und Osnabrücker Mitteilungen, zeigen die stark unterschiedlichen regionalen Selbstausrichtungen und räumlichen Bezugsgrößen, die 1946 im Bundesland Niedersachsen zusammengeschlossen wurden. Träger dieses regionalen Eigenbewusstseins und seiner Zeitschriften seien in Niedersachsen nach wie vor die historischen Vereine. Deren weitere Entwicklung sei jedoch, so Kehne, durch den Rückgang der Mitgliederzahlen und den als Belastung empfundenen großen Arbeitsaufwand für die ehrenamtlichen Herausgeber/-innen bedroht. Winfried Speitkamp verwies auf das 19. Jahrhundert als Hochphase positiver Geschichtsdeutung in den Vereinen. Die wichtigsten Funktionen der Zeitschriften seien damals begründet worden: die Legitimation von Region, die Sicherung von Überlieferung und Kontinuität durch die Medialisierung von Erinnerung, aber auch die Begründung und Förderung des überregionalen Diskurses.

Neben den Vereinen oder Gesellschaften seien aber auch Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen oder Verlage als Träger und Herausgeber von landesgeschichtlichen Zeitschriften in den Blick zu nehmen, wie OLAF BLASCHKE (Trier) erläuterte. Verlage bewege vor allem die Aussicht auf den Gewinn von Reputation, wenn sie eine wissenschaftliche Zeitschrift in ihr Programm aufnähmen. Zugleich aber sei eine anerkannte Zeitschrift, für die der Anspruch auf eine Verwissenschaftlichung von Geschichte zum Selbstverständnis gehöre, auch Reputations- und Karriereschmiede für Autoren und Rezensierte und ebenso in mehrfacher Hinsicht ein Steuerungsinstrument. In den Zeitschriften werde eine Sortierung von Wissen vorgenommen. Die Herausgeber als ‚gate keeper‘ entschieden, was publiziert werde und was nicht und bestimmten dadurch auch die Kommunikation über Wissen. Allerdings müssten es die Autoren/-innen hinnehmen, dass auch publizierte Titel nur sehr wenig gelesen werden, selbst wenn hier Zeitschriften noch wesentlich besser abschnitten als Sammelbände. Blaschke betonte, dass jeder Artikel durchschnittlich nur einen Leser habe, häufig sogar gar keinen, da im Hinblick auf die Rezeption ein großes Ungleichgewicht zwischen den einzelnen Aufsätzen bestehe: 80 Prozent der Zitationen bezögen sich auf nur 20 Prozent der Beiträge.

Trotzdem sei der Platz für Publikationen bei Autoren begehrt. Bei den Schreibenden könnte man seit der Akademisierung der Gesellschaft in den 1960er- und 1970er-Jahren einen deutlichen Professionalisierungsschub ausmachen, wie Kramer und Otte feststellten. Allerdings gebe es durchaus Verbesserungspotential bei der Zusammenarbeit zwischen Vertretern universitärer und außeruniversitärer Forschung, Archiven, Bibliotheken und Museen. Zeitschriften könnten nach Meinung Vogtherrs dafür als Treffpunkt dienen. Ebenso warb Vogtherr für eine Öffnung landesgeschichtlicher Zeitschriften für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Junge Leute seien interessiert an Landesgeschichte und an landesgeschichtlichen Themen, bräuchten vielleicht etwas Anleitung, lieferten aber zuverlässig gute wissenschaftliche Beiträge. Zu hoffen sei, dass die Bachelor- und Masterausbildung auf der einen Seite und die Bindung der Nachwuchswissenschaftler/-innen an die Forschungsverbünde bzw. Cluster auf der anderen Seite nicht vom Aufsuchen der Archive und vom Veröffentlichen in landesgeschichtlichen Zeitschriften abhielten. Auch Heimatforscher müssten ernster genommen werden. Die Wissenschaft solle den Heimatkundlern Mut machen, ihre Ergebnisse zu präsentieren. Dieser Forderung stimmte auch Kramer zu: In den 1980er-Jahren habe in Bayern ein Boom der Geschichtswerkstätten und ein großes Interesse für die Geschichte der näheren Räume eingesetzt, von dem auch die wissenschaftliche Landesgeschichte profitieren könne.

Dass der Kontakt zwischen Fach- und heimatkundlichen Periodika auch Probleme bereithält, zeigt das Beispiel der Region Lippe, in der zwei unterschiedlich ausgerichtete landesgeschichtliche Zeitschriften herausgegeben werden. BETTINA JOERGENS (Detmold) stellte die Zeitschrift „Lippische Mitteilungen“ vor, die Wissenschaft für die Region bieten wolle und doch zu wenig an den wissenschaftlichen Prozess angebunden sei. Joergens möchte ihre Zeitschrift in Zukunft verstärkt im Netz präsentieren und setzt dabei vor allem auf eine stärkere Einbeziehung visueller Quellen. Vermehrt stelle man sich unter den Herausgebern die Frage, was Wissenschaft für die Region überhaupt bedeute. Ebenso um das lippische Publikum wirbt die Internet-Zeitschrift „Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte“[1], die einer der beiden Herausgeber, ANDREAS RUPPERT (Detmold), vorstellte. In der Diskussion dieses Beitrags wurde nicht nur die − in diesem Zeitschriftensegment seltene − Konkurrenzsituation zu den „Lippischen Mitteilungen“ angesprochen, sondern auch das Spezifikum der Internetpublikation thematisiert. Die Frage der Qualitätssicherung im Rahmen einer privaten Zeitschrifteninitiative und der dauerhaften Archivierung der einzelnen Ausgaben, die sich nach wie vor eng an das Printformat anlehnen, standen dabei im Vordergrund.

Ebendiese Herausforderungen des digitalen Publizierens behandelte im abschließenden Vortrag der Verleger LUDGER CLAßEN (Essen), der auch auf rechtliche Probleme in diesem Zusammenhang einging. Nicht immer sei vollkommen klar, ob ein Autor seinen Text auch wirklich für eine Publikation im Netz freigegeben habe. Darüber hinaus seien die Datensicherung und die Archivierung von Beiträgen sowie die Pflege der Seiten mit Fragen verbunden, denen man sich stellen müsse. Claßen sprach im Hinblick auf das Verhältnis zwischen Druck- und digitalen Medien von einer Generationenfrage und betonte, dass gerade regionale Angebote regen Anklang fänden. Wie Thomas Vogtherr sprach er sich für hybride Angebote aus, wobei es sich aus seiner Sicht empfehle, eine Zeitschrift sowohl als digitale wie als Druckausgabe bereitzustellen (mit einer ‚moving wall‘ von zwei Jahren), also sowohl einen Text zum Scrollen wie zum Blättern. Printzeitschriften übernähmen aber nach wie vor eine wichtige „Scharnierfunktion“ zwischen Landeshistorikern und engagierter Öffentlichkeit; insbesondere Ausgaben, die sich einem Themenschwerpunkt widmen, ließen sich zumeist auch über den Abonnentenstamm hinaus gut verkaufen.

Die Tagung „Medien des begrenzten Raumes: Regional- und landesgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert“ wies eine große Bandbreite von Aspekten zum Thema auf. Am Beispiel von Herausgeberentwürfen und Inhalten ging es vor allem um die sich wandelnden Programme und Konzepte regional- und landesgeschichtlicher Zeitschriften. Die Räume, die durch Zeitschriften erst konstruiert, gestärkt oder auch gefüllt werden, veränderten sich im Laufe der Zeit. Landesgeschichtliche Periodika arbeiten für bestehende Regionen oder sie umschreiben einen Raum, der im Entstehen begriffen ist oder erst auf eine junge gemeinsame Vergangenheit zurückblickt. In beiden Fällen sind sie Bühnen für Landesgeschichte. Und in beiden Fällen sehen sie es in der Regel als ihre Aufgabe an, eine gemeinsame Identität zu bewirken und zu bestärken, die jedoch auch aus vielen Teilidentitäten bestehen kann und darf. Gerade dieser Aspekt lässt sich auch an den Titeln der vielen regional- und landesgeschichtlichen Zeitschriften ablesen. Hier hätte noch genauer inspiziert werden können, warum Zeitschriften so benannt werden und welches Etikett ihnen dabei mitgegeben wird. Erklären sich wirklich immer alle Titel von selbst oder wird dadurch bereits eine Einschränkung oder eine Ausweitung vorgegeben? Welche Programmatik steckt hinter den Titeln und den nicht seltenen Umbenennungen?

Des Weiteren ging es auf der Tagung immer wieder um das Verhältnis von Historikern und Heimatkundlern als Autoren regionalgeschichtlicher Zeitschriften. Es müsste noch viel mehr darüber diskutiert werden, wie eine fruchtbare Zusammenarbeit aussehen könnte. Wie können Fachwissen und Kontextualisierungsvermögen auf der einen und heimatgeschichtliche Ansätze auf der anderen Seite klug verbunden werden? Die Diskussionsteilnehmer charakterisierten diese Aufgabe teils als „Spagat“, teils als „Gratwanderung“. Und schließlich wurde deutlich, dass der Umgang mit digitalen Publikationsmöglichkeiten noch viele Fragen aufwirft und der Medienwandel insgesamt stärker reflektiert werden sollte: Macht zum Beispiel jedes digitale Angebot und jede Digitalisierung eines Printmediums wirklich Sinn? Sind Herausgeber und Leser überhaupt schon hinreichend in der Lage, text- und quellenkritisch mit digitalen Beiträgen umzugehen?

Die Tagung hat gezeigt, dass Fragen nach den Einflussfaktoren, die auf das wissenschaftliche Arbeiten und Publizieren einwirken, auch in der Landesgeschichte an Bedeutung gewinnen. Für die Analyse des großen, äußerst heterogenen Feldes der landes- und regionalgeschichtlichen Zeitschriften ist nach diesem vielversprechenden Auftakt auf weitere Systematisierung und weitere emprische Unterfütterung zu hoffen. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist beabsichtigt.

Konferenzübersicht:

Bernd Walter (Münster): Begrüßung

Thomas Küster (Münster): Einführung: Landes- und regionalgeschichtliche Zeitschriften zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit  Befunde und Perspektiven

Sektion 1: Ausgangskonstellationen und strukturelle Entwicklungen
Moderation: Mechthild Black-Veldtrup, Münster

Winfried Speitkamp (Kassel): Regionalismen und wissenschaftliche Konzeptionen: Landesgeschichtliche Vereine, Kommissionen, Institute und ihre Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert

Olaf Blaschke (Trier): Der Beitrag der historischen Zeitschriften zur Wissenskommunikation im 19. und 20. Jahrhundert

Marlene Nikolay-Panter (Bonn): Autorenkreise und Netzwerke am Beispiel der ‚Rheinischen Vierteljahrsblätter‘: Kontinuitäten und Brüche

Sektion 2: Regionale und thematische Profile im 19. und 20. Jahrhundert
Moderation: Franz-Werner Kersting, Münster

Hans Otte (Hannover): Spezialisierung in der Regionalgeschichte: (landes-)kirchengeschichtliche Periodika in der Bundesrepublik

Ferdinand Kramer (München): Zeitschriftenlandschaften als Kartographien regionaler Identität I: Das Beispiel Bayern

Birgit Kehne (Osnabrück): Zeitschriftenlandschaften als Kartographien regionaler Identität II: Das Beispiel Niedersachsen

Hannes Obermair (Bozen): Umbrüche, Brüche, Chancen: Landesgeschichtliche Zeitschriften im Raum Tirol-Südtirol-Trentino und in Italien

Sektion 3: Aktuelle Entwicklungen und Positionierungen
Moderation: Winfried Speitkamp, Kassel

Thomas Vogtherr (Osnabrück): Regionalhistorische Zeitschriften und universitäre Landesgeschichte: gemeinsame Plattform oder Auseinanderentwicklung?

Winfried Müller (Dresden): Landesgeschichtliche Zeitschriften in Sachsen - vor und nach der Wende

Matthias Steinbrink (München): Landesgeschichtliche Zeitschriften und das Problem der ‚Überregionalität’: Entwicklung, Neuausrichtung und Zielgruppen des ‚Jahrbuchs für Regionalgeschichte‘

Bettina Joergens (Detmold): Landesgeschichtliche Periodika in der strategischen Planung. Die Weiterentwicklung der ‚Lippischen Mitteilungen’

Sektion 4: Regional- und landesgeschichtliche Zeitschriften im Onlinezeitalter
Moderation: Thomas Küster, Münster

Andreas Ruppert (Detmold): Ein privat initiiertes E-Journal für die regionale Geschichte: Start und Etablierung der Zeitschrift ‚Rosenland. Zeitschrift für lippische Geschichte‘

Ludger Claßen (Essen): Analog - digital online - hybrid - multimedial? Die Zukunft historischer Zeitschriften aus der Perspektive der Verlage

Zusammenfassung und Abschlussdiskussion:
Landesgeschichtliche Zeitschriften als Medien und Institutionen im 19. und 20. Jahrhundert
Moderation: Ferdinand Kramer

Anmerkung:
[1] <http://www.rosenland-lippe.de> (06.07.2011).

Zitation
Tagungsbericht: Medien des begrenzten Raumes − Regional- und landesgeschichtliche Zeitschriften im 19. und 20. Jahrhundert, 12.05.2011 – 13.05.2011 Münster, in: H-Soz-Kult, 16.07.2011, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3727>.
Redaktion
Veröffentlicht am
16.07.2011
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