Zur Kulturgeschichte der Dinge. Materialität – 'westliche Lebensstile' – Menschenwissenschaft

Ort
Berlin
Veranstalter
Wolfgang Ruppert, Arbeitsstelle für kulturgeschichtliche Studien, Universität der Künste Berlin
Datum
01.07.2011 - 02.07.2011
Von
Stefanie Johnen, Berlin

Am 1. und 2. Juli 2011 fand an der Universität der Künste Berlin die vierte Berliner Tagung „Zur Kulturgeschichte der Dinge“ statt. Veranstaltet wurde sie von Wolfgang Ruppert, Arbeitsstelle für kulturgeschichtliche Studien. An die vorausgegangenen drei Tagungen anknüpfend und die im Rahmen der letzten Tagung bereits begonnenen, wissenschaftstheoretischen Reflexionen fortschreibend,[1] sollten die Leitfragen diesmal die drei Begriffe „Materialität“, „'westliche Lebensstile'“ und „Menschenwissenschaft“ umkreisen. In einigen systematisierenden Bemerkungen erläuterte der Veranstalter in seiner Einführung die Eckpunkte seiner Programmatik. Er plädierte für eine empirisch-kulturhistorische Erforschung der materiellen Kultur, in der die Objekte, eingebettet in die Vorstellungen von ihnen, in ihren menschlichen Handlungskontexten und unter Offenlegung der weltanschaulichen Bezüge erforscht werden. Entgegen der Abspaltungen zwischen den Sphären „des Geistigen“ und denen des Materiellen – sowie der Abwertung der materiellen Kultur in der deutschen Geistesgeschichte bzw. deren wissenschaftlichen Disziplinen – seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert, betonte er, dass seinem Kulturbegriff und seinem Forschungsansatz die Einsicht in das unauflösliche Wechselverhältnis zwischen materieller und immaterieller Kultur zugrunde liege. Im Hinblick auf die jüngere Rezeption Bruno Latours und der Akteur-Netzwerk-Theorie, sah er für das Forschungsfeld zu den Dingen weiterhin einen offenen Theoriebedarf.

„Was ist Materialität und in welchen Formen haben Menschen ihre materielle Kultur gestaltet und entwickelt?“ Unter dieser Leitfrage stand die erste Sektion. In dieser Perspektive legte ANDREAS LUDWIG (Berlin/Eisenhüttenstadt) seine Überlegungen zur Bedeutung der materiellen Kultur für die Zeitgeschichte dar. In der zeithistorischen Forschung sah er zweierlei „Kollisionen“ zwischen materieller Kultur und Zeitgeschichte: Erstens werde die Zeitgeschichte von einem normativen Durchsetzungsinteresse in der unmittelbaren Gegenwart in Anspruch genommen und mit einer entsprechenden Wirkungsabsicht betrieben. In einem deutlichen Gegensatz zu derartigen Tendenzen in Geschichtspolitik und Erinnerungskultur (beispielsweise der argumentativen Gegenüberstellung »Demokratie« versus »Diktatur«) stünden die Ergebnisse der Erforschung der materiellen Kultur insofern, weil sie von vielschichtigeren Realitäten zeugten. Zweitens sei die Zeitgeschichte überwiegend Politikgeschichte. Der materiellen Kultur werde hier gegenüber den schriftlichen Quellen keine gleichberechtigte Bedeutung beigemessen. Auf Johann Gustav Droysen rekurrierend, differenzierte Ludwig zwischen Quellen und Spuren. Während Quellen intentional hergestellt wurden – hierzu rechnete er vor allem schriftliche Überlieferungen – seien Spuren für den praktischen Gebrauch gemachte Artefakte, die darüber hinausweisend zunächst keinen Wert besessen hätten. Hierauf aufbauend erörterte er zwei Analyseebenen: Bei der Spurensuche sei das Objekt als ein „Set von Hinweisen“ zu begreifen, wobei die Aufgabe des Historikers darin bestünde, diese zu versammeln und ihnen nachzugehen. Bei der Dinganalyse wiederum stünde die Materialität selbst im Fokus.

An diese methodologischen Ausführungen schlossen zwei zeitlich und örtlich sehr unterschiedlich gelagerte, historische Fallstudien an. Unter dem Titel „Dinge der Gewalt“ wandte sich STEPHANIE ZEHNLE (Kassel) der Objektgeschichte ostafrikanischer Waffen im 19. Jahrhundert zu. Ihrem Forschungsprojekt liegt die Intention zugrunde, eine gewaltoffene Kultur in Gebieten Ostafrikas zwischen etwa 1830-1890 von ihren materiellen Dimensionen her zu erfassen: So beschrieb Zehnle Sozialstrukturen, die Organisation von Waffenproduktion und -handel sowie den Gebrauch der Waffen als Elemente gesellschaftlicher und politischer Machtkonfigurationen in vorkolonialer Zeit. Bei der Erörterung der Waffennutzung vollzog Zehnle den Rückgriff auf Latour. Ihrer Auffassung nach könne hier eine „Autonomie des Materiellen“ proklamiert werden: Neueingeführte Waffen würden zu „Auslösern des Täterwerden des Menschen“ und selbst „auch Mörder“.

NANINA EGLI (Zürich) erörterte die repräsentativen Funktionen und Bedeutungen, die einer Burg, Schloss Kyburg, zwischen 1864 und 1877 in der Schweiz zukamen, genutzt als Sammlungs- und Ausstellungsstätte durch ihre bildungsbürgerlichen Eigentümer. Als Ziel einer exemplarischen Auseinandersetzung mit der Burg selbst und einigen ausgestellten Artefakten beschrieb sie die Kontextualisierung der Narrative (Texte wie Bilder) und Materialitäten. Methodisch und theoretisch basierte auch dies auf der Annahme einer Interaktion zwischen den Dingen und den Menschen. So seien die Dinge in ihrer Materialität gleichzeitig geschichtlich handelnde Akteure. Egli analysierte die Umnutzung der Burg durch ihren neuen Besitzer Matthäus Pfau, nachdem diese 1832 ihre Funktion als Verwaltungssitz verloren hatte. Sie charakterisierte sein Museumsprojekt der Schloss Kyburg als eine dezidiert politische Intention, im Sinne einer „Erziehung zum Bildungsbürger“. Indem sie sich anschließend einzelnen Objekten zuwandte, legte sie die ihnen und ihrer Inszenierung immanenten Bedeutungszuschreibungen offen und lieferte so Beispiele für die Narration und Materialisierung bürgerlicher Vorstellungswelten, aber auch moralischer Konventionen im Historismus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Die Sektion abschließend, wandte sich STEFAN GAUß (Berlin) Entwürfen von Materialität in der Gestalterausbildung in Berlin von den 1980er Jahren bis in die unmittelbare Vergangenheit zu. Er verwies auf die Bedeutung der zugleich intellektuellen, künstlerischen wie handwerklichen Sozialisation innerhalb der Kunsthochschule, während der eine Formung eines Selbstbildes vollzogen und auf den Entwurf ausgerichtete Denk- und Handlungsschemata erlernt würden. Vor diesem Hintergrund fragte er nach sinnvollen Entwurfs- und Praxisformen des Machens der Dinge unter dem Gesichtspunkt der Bezugnahme auf die Herausforderungen der gesellschaftlich geteilten Lebenswirklichkeit und des kulturellen Wandels in den vergangenen dreißig Jahren. Indem er die Gestaltungsauffassungen und Konzepte von Fridtjof Schliephacke, Günter Kupetz, Gerhard Schlüter und Hans Roericht, vier Lehrende im Studiengang Design an der Universität der Künste Berlin (UdK), hintereinander reihte, veranschaulichte er unterschiedliche Sinnkonzepte für die Gestaltung der materiellen Kultur. Dies reichte von postmodernen Selbstbezügen und künstlerischen Autonomiebehauptungen (Roericht) über die ästhetisierende Bezugnahme auf Technik und Alltagswelt mit dem Anspruch Verbesserung der Lebenswelt (Kupetz/Schlüter). Daneben referierte er einen Ansatz zur Neugestaltung der materiellen Kultur (Ruppert) an der UdK, der bereits 1989 auf die drängenden sozialen und ökologischen Problemstellungen aufmerksam machte und einen neuen, hierauf bezogenen Gestalterhabitus forderte.

Welche Formen des Konsums und von kulturellen Praktiken sind mit den 'westlichen Lebensstilen' verbunden? Ferner: sind die Dinge der industriellen Massenkultur in der globalisierten Welt untrennbar Ausdruck eines 'westlichen Lebensstils'? Diese letzte Frage beantwortete HANS PETER HAHN (Frankfurt am Main) negativ. In seinem Beitrag beschäftigte er sich zunächst auf der Makroebene mit „westlichen“ Theorien des Konsums in Ökonomie (I. Wallenstein: stetige Expansion), Soziologie (Simmel, Bourdieu, Douglas: Artikulation sozialer Unterschiede, Oberflächlichkeit), Kultur- und Geschichtswissenschaften (R. Wiki: Überwindung von Rückständigkeit), um zu resümieren, dass das er die hieran gebundenen Behauptungen von „den Konsumgesellschaften“ für Erfindungen hielte. Vielmehr, so der Ethnologe, komme es auf die Wahrnehmung der Dinge innerhalb von spezifischen, lokalen Kontexten an. In diesen seien vielfältigere und ausdifferenzierte Formen des Konsums nachvollziehbar. Dies verdeutlichte er an ethnografischen Fallstudien zu Konsumpraktiken in ärmeren Gesellschaften Westafrikas. Hahn beschrieb einen vergleichsweise geringen materiellen Sachbesitz in den untersuchten Haushalten und die Bedeutungen, die „neue Güter“ wie Plastikflaschen, Fahrräder und Radio dort einnehmen. Die Dinge würden zwar global auftreten, aber innerhalb lokaler Identitätsbezüge in Transformationsprozessen genutzt und bewertet. Weil aber der Konsum gleicher Dinge in Kontexten geringen Sachbesitzes anders geprägt sei und es innerhalb der Globalisierung verschiedene Formen gäbe, bliebe die Behauptung einer Hegemonie westlicher Konsumkultur eben eine Erfindung.

Hieran anschließend, beschäftigte sich der Kulturwissenschaftler THOMAS DÜLLO (Berlin) mit einem doch sehr westlich erscheinenden Sektor des Lebensstils: der Popkultur der Gegenwart. Unter dem Titel „Dinglichkeit außerhalb der Dingbeziehung“ fragte er nach der Rolle der Dinge in den zeitgenössischen „Lebensstilromanen“ 'Chronic City' von Jonathan Lethem und in Michel Houellebecqs 'Karte und Gebiet'. Im Agieren der fiktiven Protagonisten um die Dinge herum und in ihrem Begehren, in den Kommentierungen und mythisierenden Zuschreibungen an konkrete Dinge wie eine Vase und die Kronkorken auf der Straße machte er eine hedonistisch-materialistische Lebensweise und Haltung zur Welt erfahrbar. Die Welt, die er beschrieb, war die eines Kampffeldes und des Chaos, der Sinnlosigkeit und Leere der Existenz außerhalb des Konsums. Für Düllo selbst ist in den Romanen eine Verschiebung wahrnehmbar: Die Dinge besitzen in den Zuschreibungen durch die Protagonisten eine Dinglichkeit und gleichzeitig stehen sie außerhalb aller Dingbeziehung (Transzendenz). Vor diesem Hintergrund brachte er die Dinge von popkulturellem Interesse mit Hybriden bzw. mit soziotechnischen Aktanten in Verbindung. Für die zeitgenössische Popkultur diagnostizierte er schließlich eine Form des Dingfetischismus und für ihre Akteure eine „reflexive Materialität popkulturellen Versprechens und Begehrens“.

STEFAN BAUERNSCHMIDT (Kiel) konzentrierte sich auf die „Amerikanisierung“ in Deutschland in den 1920er-Jahren am Beispiel von Ford in Berlin. Mit der Diskussion einer Werbeanzeige bzw. der ihr immanenten Kulturmuster, im Nachvollzug des Bemühens sich auf dem deutschen Markt zu etablieren sowie des in der Öffentlichkeit existierenden Bildes von den Produkten zeigte er die negativen, semantischen Aufladungen, die in der Zwischenkriegszeit in der deutschen Gesellschaft mit dem Begriff der „Amerikanisierung“ verbunden waren. Dementsprechend ließen sich der Misserfolg des Unternehmens und die ablehnende Haltung einer Mehrheit der automobilinteressierten Zielgruppe in dieser Zeitphase nicht eindimensional durch die strukturellen Rahmenbedingungen (Wirtschaftskrise und Armut, Kriegswirtschaft), sondern vor allem durch ein Konglomerat von Vorurteilen und mentalen Mustern erklären.

Aus soziologischer Perspektive erörterte ANNA HENKEL (Bielefeld) die Bedeutungsaufladung von Arzneimitteln und deren „sozial konstruierte“ Funktion. In einem historischen Abriss machte sie zunächst drei Phasen der „sozialen Konstruktion“ dieser Dinge von der „zauberhaften“ über die „medizinische“ bis hin zur „Wirkstoffpharmazie“ der Gegenwart aus. Im Vergleich der vier Kategorien Wirksamkeitskriterium, Darreichungsform, Verwendbarkeitsgrad und medizinische Verwendungsbestimmung stellte sie jeweils einen Wandel der kulturellen Formen und des Umgangs mit Arzneimitteln fest. Im Verlauf dieses historischen Prozesses habe sich der Stellenwert der Arzneimittel in der Gesellschaft verändert und innerhalb des für unsere Gegenwart angenommenen 'westlichen Lebensstils' seien Arzneimittel zu Massenprodukten und zu Konsumgütern geworden. Über ihre Objektgeschichte hinausweisend, fragte Henkel nach den Ursachen eines „material turns“ in den Geistes- und Sozialwissenschaften und danach, inwiefern man diesen auf die Dinge der Pharmazeutik rückbeziehen könne? Vor dem Hintergrund einer angenommenen Verselbständigung und „prekären Sozietät der Dinglichkeit“ formulierte sie die These, der „material turn“ sei ein allgemeineres Phänomen welches damit zusammenhinge, dass neue Forschungsergebnisse sowohl die Dinge als auch die an sie geknüpften Erwartungen veränderten („knowing materials“).

Die abschließende Sektion zur „Menschenwissenschaft“ wurde von theoretischen Positionen WOLFGANG RUPPERTs (Berlin) eingeleitet. Auf die drohende Klimakatastrophe hinführend, fragte er danach, welches Wissen wir „vom Menschen“ brauchen, um Chancen zur ökologischen Reform unserer materiellen Kultur zu entwickeln. Dabei wies er auf die Rolle des Menschenbildes, als einer weltanschaulichen Positionierung gegenüber der Ökologisierung in der Gegenwart, hin. Aus der Perspektive einer notwendigen Aufklärung heraus lasse sich die Konstruktion der Dinge auf übergreifende Sinn- und Wertzusammenhänge hin hinterfragen und ggf. die materielle Kultur neu erfinden. Dies impliziere die Bezugnahme und den aktiven Gestaltungsanspruch der Moderne anstelle des postmodernen und kulturpessimistischen Ichbezugs. Hierfür bedürfe es weniger eines Spezialistenwissens als eines umfassenden, intellektuellen und politischen Bewusstseins sowie von Verantwortlichkeit im individuellen Selbstbild. In dieser Perspektive fragte er nach dem nötigen Wissen „vom Menschen“. In der Entwicklung einer historischen Kulturtheorie der Mensch-Ding-Beziehung zeigte er, dass alle Dinge „von Menschenhand“ (Droysen) gemacht werden. Der Einsatz der materiellen Ressourcen durch den Menschen sei immer an konkrete Zielvorstellungen der immateriellen Kultur und Bedürfnisse geknüpft. Von den Frühformen der Dingkultur bis in die Moderne ließen sich systematisch fünf Bereiche der materiellen Kultur unterscheiden. Wie kann man nun in den komplexen und beschleunigten Bezirken unserer Lebenswelt, vor dem Hintergrund der Intensivierung von Zeit, der technischen Reproduzierbarkeit mit der unendlichen Vervielfältigung der Dinge, Symbole und Zeichen sowie der Entlokalisierung des Raumes mit einem guten wissenschaftlich-intellektuellen Konzept überzeugen? Der kulturgeschichtliche Blick erlaube Erkenntnisse darüber, was zivilisationsgeschichtlich über die Dingerfindung entwickelt wurde.

Es schlossen zwei empirische Studien an. MARLENE JANK (Jena) fragte in ihrem wissenschaftsgeschichtlich-vergleichenden Beitrag nach Bezügen zwischen den Vorstellungen vom mechanischen Menschen, wie sie Automatenbauer im 18. Jahrhundert entwickelten (La Mettrie, Vaucauson) bis zu den ingenieurwissenschaftlichen Forschungen zur humanoiden Robotik im 21. Jahrhundert. Beispielhaft machte sie fassbar, welche Bedeutungen jeweils einer spezifischen Materialität beigemessen wurden und welche Visionen von Menschlichkeit und Lebendigkeit jeweils damit verbunden sind. Während die frühen Automatendenker und -bauer innerhalb materialistischer Theoriekonstrukte versuchten, den menschlichen Organismus zu begreifen und sie mit ihren “lebendigen Maschinen“ bemüht waren, größtmögliche Authentizität bei der Rekonstruktion des Lebendigen zu erreichen, würde der Mensch in der zeitgenössischen Robotik vollständig als Maschine begriffen.

ISABEL RICHTER (Bochum) lieferte hingegen Einblicke in die materielle Kulturgeschichte des Todes im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Deutschland. In der Auseinandersetzung mit Objekten zu Trauer und Tod, mit Trauerschmuck aus menschlichem Haar und mit Totenmasken, gewann sie Aussagen über die Rituale und Umgangsweisen der Menschen mit dem Tod. Wenn die Schmuckstücke im Idealfall interfamiliär, in weiblicher Handarbeit, produziert wurden und Teil der schichtspezifischen, bürgerlichen Alltagskultur waren, sah Richter bei der Auseinandersetzung mit solchen Objektivationen ihre These bestätigt, dass Entwürfe des Selbst in der Materialität der konkreten Objekte zum Vorschein kämen. Ihnen stellte sie die anders gelagerte, soziale und wirtschaftliche Praxis der Produktion in der arbeitsteilig organisierten, hierarchisch strukturierten bürgerlichen Gesellschaft gegenüber. Aus dem Befund der heutigen, relativen Abwesenheit derartiger Objekten und gestützt auf den Vergleich mit gegenwärtigen Designentwürfen zu Trauer und Tod konstatierte sie einen Wandel der Mentalitäten und Kulturtechniken im Umgang mit dem Tod.

Die an der Tagung beteiligten Historiker bedauerten die nachlässige Behandlung ihrer Forschungsfelder zur materiellen Kultur innerhalb der Geschichtswissenschaften. Gerade deswegen maßen sie der Tagung eine hohe Bedeutung bei. Zu begrüßen sind daher auch die intensiven und reflexiven Diskussionen, mit denen die Vorträge begleitet wurden.

Konferenzübersicht:

Wolfgang Ruppert (UdK Berlin): Einführung

1. Materialität
Andreas Ludwig (Berlin/Eisenhüttenstadt): Materielle Kultur und Zeitgeschichte

Stephanie Zehnle (Universität Kassel): Die Dinge der Gewalt. Objektgeschichten ostafrikanischer Waffen im 19. Jahrhundert

Nanina Egli (Universität Zürich): Die Burg und die Bildungsbürger

Stefan Gauß (Berlin): Der Entwurf von Materialität im Bezug zur Welt

2. Westliche Lebensstile

Hans Peter Hahn (Universität Frankfurt am Main): Die Erfindung der Konsumgesellschaft und die Wahrnehmung der Dinge

Thomas Düllo (Universität der Künste Berlin): Dinglichkeit außerhalb aller Dingbeziehung

Stefan Bauernschmidt (Universität zu Kiel): Ford in der Zwischenkriegszeit in Berlin

Anna Henkel (Universität Bielefeld): Schöne neue Pharmaka. Heilmittel als sozial konstruierte Dinge

3. ‚Menschenwissenschaft’?

Wolfgang Ruppert: Welches Wissen brauchen wir „vom Menschen“? Perspektiven eines Kulturhistorikers

Marlen Jank (Universität Jena): Der Homme machine des 21. Jahrhunderts. Von lebendigen Maschinen im 18. Jahrhundert zur humanoiden Robotik der Gegenwart

Isabel Richter (Universität Bochum): Die „letzte Reise“ gestalten. Einblicke in die materielle Kulturgeschichte des Todes im 19. und 20. Jahrhundert

Anmerkung:
[1] Vgl. Tagungsbericht Objektgeschichte als ‚Menschenwissenschaft'. Dinge – Materialität – Kultur. 30.10.2009-31.10.2009, Berlin, in: H-Soz-u-Kult, 07.01.2010, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2935>.

Zitation
Tagungsbericht: Zur Kulturgeschichte der Dinge. Materialität – 'westliche Lebensstile' – Menschenwissenschaft, 01.07.2011 – 02.07.2011 Berlin, in: H-Soz-Kult, 14.12.2011, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3982>.