„Zustand: unbeschrieben“. Der Bückeberg bei Hameln – Ort der Reichserntedankfeste 1933 bis 1937/38

Ort
Hameln
Veranstalter
Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Celle
Datum
19.09.2013 - 20.09.2013
Von
Hagen Stöckmann, Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte, Universität Göttingen

Der Bückeberg bei Hameln war von 1933 bis 1937 Austragungsort der nationalsozialistischen Reichserntedankfeste. Das Gelände war – neben dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg und dem Tempelhofer Feld in Berlin – Schauplatz der größten Massenspektakel des NS-Regimes in der Vorkriegszeit. Als ein fester Bestandteil des nationalsozialistischen Festkalenders hielt das nationalsozialistische Regime hier insgesamt fünf sogenannte Reichserntedankfeste ab mit zuletzt – nach NS-offiziellen Angaben – über einer Million Besuchern. Unter organisatorischer Leitung des Reichspropagandaministeriums war das Fest ein mediales Großereignis und eine propagandistische Bekundung des politischen Willens – ein Ort der Selbstdarstellung der Regimes, dessen Besucher sich zum Werkzeug der Inszenierung machen ließen. Der Bückeberg wurde damit zu einem zentralen und einem der bedeutendsten Orte für die nationalsozialistische Inszenierungspolitik im Zeichen der „Volksgemeinschafts“-Propaganda. Gleichzeitig verweist dieses Fest auf Ausgrenzung, Terror und Vernichtung sowie militärische Aggression und Eroberungspolitik im NS.[1] Seit 2011 stehen der nach den Plänen von Albert Speer landschaftlich gestaltete Festplatz und wesentliche Bauten der umgebenden Infrastruktur unter Denkmalschutz. Der weitere Umgang mit dem Bückeberg und dem Thema „Reichserntedankfeste“ ist jedoch offen. Vor diesem Hintergrund lud die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten 30 Fachleute unterschiedlicher Disziplinen (Bildungsexperten, Denkmalpfleger, Gedenkstättenmitarbeiter, Historiker, Kulturgeografen, Kulturwissenschaftler, Landschaftsarchitekten, Museologen, Vertreter der Kommunen) ein, um über die Zukunft des Ortes zu diskutieren und damit einen Diskurs über den weiteren Umgang mit dem Kulturdenkmal auf breiter Ebene in Gang zu setzen.

In seiner Einleitung verwies HABBO KNOCH (Celle / Göttingen) auf den besonderen Charakter dieser NS-Hinterlassenschaft, handele es sich dabei doch nicht um eine Gedenkstätte im Sinn eines Ortes nationalsozialistischer Gewaltverbrechen und Leiden der Opfer des NS-Regimes, sondern vielmehr um einen Ort, der geradezu prädestiniert sei, Inklusions- und Exlusionsmechanismen, das Funktionieren propagandistischer Überwältigungsstrategien und deren Aneignung durch die vermeintlichen Volksgenossen zu thematisieren. Dazu bedürfe es freilich einer historischen Einordnung unter Bezug auf andere Orte der nationalsozialistischen Macht, Herrschaft und Ordnungsdenken sowohl in Niedersachsen als auch darüber hinaus. In diesem Zusammenhang seien Fragen der Zuständigkeiten von Bund, Land, Kommunen, Eigentümern oder auch der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten zu prüfen sowie konkrete Handlungsempfehlungen für die Zukunft zu entwickeln.

In seinem Rückblick auf die bisherige Auseinandersetzung mit dem Gelände am Bückeberg zeichnete ROLF KELLER (Celle) die Arbeit der vergangenen 15 Jahre nach. Im Ergebnis einer 2002 von der niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung durchgeführten Tagung zum Thema „Reichserntedankfeste“ war festgestellt worden, dass der Bückeberg als politische Architektur zur Veranschaulichung von Faszination und Gewaltcharakter des NS sowie dessen Inklusions- und Exklusionsmechanismen unverzichtbar sei. Aufgrund der dort verhandelten Blut-und-Boden-Ideologie sei der Ort außerdem in den Kontext anderer Kultstätten einzuordnen. 2011 wurde der Bückeberg in die Liste der Bau- und Bodendenkmale aufgenommen. Die in den letzten Jahren unternommenen Bemühungen, den Ort als historisches Denkmal angemessen zu kontextualisieren, stießen in Teilen der Kommunalpolitik sowie der Bürgerschaft auf Skepsis und bisweilen Ablehnung. Es wurde argumentiert, dass hier eine späte „Huldigung des Führers“ in Form einer „Kultstätte für Neonazis“ geschaffen werde.

Die Auseinandersetzung um den Ort steht auch im Mittelpunkt des Dokumentarfilms „Der Bückeberg – ein unbequemes Denkmal“ (2013), den JOSEFINE PUPPE (Hannover / Frankfurt an der Oder) vorstellte. Der etwa 20minütige Film, zeichnet vor allem die regionale Auseinandersetzung um den Bückeberg nach und liefert damit eine exemplarische Detailstudie zu Fragen der Denkmalpflege und historisch-politischen Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften des Nationalsozialismus.

BERNHARD GELDERBLOM (Hameln) erläuterte die dokumentarische Überlieferung und die Quellenlage zu den Reichserntedankfesten. Neben Akten in den Beständen des Hamelner Bauamtes sind vor allem zeitgenössische Filmaufnahmen, Fotos, Zeitungsartikel und Teilnehmerberichte überliefert, die bisher nicht zentral erfasst worden seien und die Rückschlüsse auf Teilnehmerstruktur, Konfliktpotential und Rivalitäten im Zusammenhang mit den Reichserntedankfesten zuließen. Ungeklärte Forschungsfragen seien das Zusammenspiel zwischen den Reichserntedankfesten und den Reichsbauerntagen in Goslar, Rolle und Verhalten der Kirchen und Kirchenverbände, sowie der Führermythos und die politische Ästhetik des Nationalsozialismus. Hinzu komme die Einmessung und Dokumentation der baulichen Hinterlassenschaften sowie die weitere Sammlung, Archivierung und Digitalisierung der historischen Quellen und Artefakte.

Die erste Gesprächsrunde stand unter dem Titel „Der Bückeberg als historischer Ort. Potenziale und Grenzen aus historischer und denkmalpflegerischer Perspektive.“ Leitfragen waren hier die historische Bedeutung des Ortes und der Feste, unter anderem ihre Rolle als mediales Ereignis, sowie der baulichen Hinterlassenschaften.

BERND WEISBROD (Göttingen / Berlin) verwies anhand des Bückebergs auf die Bedeutung der Symbolpolitik des Nationalsozialismus. Der Bückeberg sei ein Monument der Machtergreifungsphase. Die Reichserntedankfeste dienten eher dazu, bestehende Konflikte zwischen bäuerlicher Bevölkerung und Staat zu überdecken, als dass sie Zeichen bäuerlicher Zustimmung gewesen seien (Reichserbhofgesetze). Der „volksgemeinschaftliche“ Charakter sei als Erlebnisangebot des NS zu verstehen, verweise aber gleichzeitig auch auf die Täuschungsbereitschaft bei Funktionären wie Teilnehmern, diese Angebote anzunehmen („Illusionsmaschine“). Wie kurzfristig solcherlei Prozesse der Vergemeinschaftung unter dem fluiden und flüchtigen Eindruck des charismatischen Führermythos gewesen seien, zeigten auch Studien zu anderen Massenveranstaltungen im Nationalsozialismus.[2]

INGE MARSZOLEK (Bremen) unterstrich den „Verhandlungscharakter“ der „NS-Volksgemeinschaft“. Die Frage nach dem Exklusionscharakter dieser Vergemeinschaftungspolitik stelle sich auch am Beispiel der Reichserntedankfeste. Um den konflikthaften Charakter der Politik, die Gebrochenheit und nichtintendierte Konsequenzen derselben zu beleuchten, nützen in propagandistischer Absicht produzierte Film- und Bildquellen indes wenig, da sie vielmehr die funktionierende Inszenierung „beglaubigten“, einen Blick auf die „Hinterbühne“ (Blaschke) jedoch nicht erlaubten.[3] Vielmehr sei auch die Inszenierung selbst auf ihre exkludierenden Aspekte zu hinterfragen.

HENNING HASSMANN (Hannover) widmete sich dem Ort aus denkmalpflegerischer Perspektive. Die umfangreichen Planierungs- und Erdarbeiten am Berg stellten einen massiven Eingriff in die Landschaft dar und rechtfertigten die Einschätzung als obertägig sichtbares Denkmal, zu dem auch die Treppenanlagen und Zuwegungen zählen. Darüber hinaus seien die Fundamente der Rednertribüne und der sich über das gesamte Areal ziehende und baulich emporgehobene sogenannte „Führerweg“ ausgesprochen gut erhalten. Eine Vermessung des Geländes sei sinnvoll, um die Planungen und Denkmalpflege voranzutreiben.

Gestalterische und museale Fragen waren Gegenstand des Panels „Der Bückeberg als Kulturdenkmal: Potenziale der landschaftsgestalterischen und musealen Erschließung“. THOMAS LUTZ (Berlin) nahm dazu eine Einordnung des Bückebergs in die nationalsozialistische „Topographie des Terrors“ vor. Neben die Auseinandersetzung und Dokumentation der Leiden der Opfer des Nationalsozialismus, sei auch die Frage, woher die große Teile der deutschen Bevölkerung umfassende Zustimmung zu und das Arrangieren mit dem System rührte, Teil von Gedenkstättenarbeit. Mit einem Verweis auf Maurice Halbwachs’ „Theorie des kollektiven Gedächtnis“ argumentierte Lutz dabei, dass es nach dem Ende der dritten Generation erinnernder Institutionen bedürfe, die einer Professionalisierung kollektiver Gedächtnisbildung vorarbeiteten. Aus der Arbeit des Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“ gebe es darüber hinaus keine Anhaltspunkte, dass gerade die historische und denkmalpflegerische Umnutzung von NS-Hinterlassenschaften und Überführung in eine historische Dokumentation neonazistischen Aneignungsversuchen Vorschub leiste. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall.

STEFANIE KREBS (Hannover) stellte Konzepte der Sichtbarmachung durch Landschaftsarchitektur im Bereich von Gedenkstätten vor. Häufig – und auch beim Bückeberg und den Reichserntedankfesten – bestehe die Herausforderung gerade darin, das nicht mehr Sichtbare anzudeuten, ohne auf traditionelle Muster der Heroisierung oder Ästhetisierung abzustellen. Wie etwa beim Beispiel der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenen- und Konzentrationslagers Bergen-Belsen sei nicht auf Rekonstruktionen, sondern auf die Sichtbarmachung der Lagertopografie und Verstärkung vorhandener Strukturen durch landschaftsgestalterische Elemente gesetzt worden. Grundsätzlich gelte es auch, eine Balance aus dem Respekt gegenüber dem historischen Ort als solchem, der nicht mehr vorhandenen historischen Topografie, den heutigen Strukturen und den Erfordernissen der Narrativierung herzustellen.

Pädagogische und touristische Apekte des Bückebergs standen im Mittelpunkt der dritten Gesprächsrunde „Der Bückeberg als öffentlicher Ort. Potenziale für die historisch-politische Bildungsarbeit und für den Bildungstourismus“. MICHELE BARICELLI (Hannover) stellte auf die Bedeutung des historischen Ortes insbesondere für schulische Lernprozesse ab. Auch der Bückeberg ermöglich es in diesem Sinne Geschichte(n) zu erzählen, die einerseits sehr fremdartig anmuteten, andererseits aber auch Vertrautes enthielten und so auch Prozesse vorsichtiger Identifizierung und Selbstbefragung ermöglichten. An Orten wie dem Bückeberg sei Zugang zur NS-Thematik vergleichsweise leichter herzustellen als in KZ-Gedenkstätten.

ALBERT MORITZ (Schleiden) stellte mit dem Projekt „Vogelsang IP“ die Bemühungen um eine Konversion der ehemaligen sogenannten NS-Ordensburg Vogelsang und späteren belgischen Kaserne dar. Besonders vor dem Hintergrund der ehemaligen Ordensburg als intendierte Funktionärsschmiede des nationalsozialistischen Staates habe man dort frühzeitig auf die politische Bildung gesetzt, bei der die historische Dokumentation nur einen Aspekt neben der Initiierung sozialer Projekte und Inklusionsmechanismen darstelle. Die Ausstellung „Bestimmung: Herrenmensch“ dokumentiere die Ausleseschulung dabei als ambivalenten Prozess zwischen Aufstieg und Teilhabe einerseits und Prozessen der Hierarchisierung andererseits. Für den Bückeberg sei zu überlegen, inwiefern ein Hinausgehen über die reinen NS-Bezüge den Ort um eine produktive Note erweitern könne.

STEFAN KÜBLBÖCK (Salzgitter) referierte über die Frage, inwiefern das Reichserntedankfest und der Bückeberg unter dem Stichwort dark tourism verhandelt werden können. Dunkler Tourismus finde meist an historischen Orten extremer Gewalt, tragischer Unglücke oder anderweitiger Grenzerfahrungen statt. Um den Bückeberg als touristischen Ort zu erschließen, müssten infrastrukturelle Voraussetzungen für Tourismus geschaffen werden. Es müsste eine Vernetzung mit anderen Orten hergestellt, der Rückhalt in der Bevölkerung gesichert, intensive und behutsame Kommunikation betrieben werden.

In den zahlreichen Diskussionsbeiträgen wurden wichtige Leitfragen des weiteren Umgangs mit dem Bückeberg vertieft:

1. Hinsichtlich der Bedeutung der medialen Inszenierung des Führermythos am Bückeberg durch die Nutzung moderner Fotografie und filmischen Übertragung wies Dietmar von Reeken darauf hin, dass gerade in der Versöhnung von Stadt und Land sowie Moderne und Tradition ein zentrales Moment der Reichserntedankfeste gelegen haben könnte. Bernd Weisbrod machte auf die Gefahr einer dokumentarischen und historiographischen Illusion einer geschlossenen „Volksgemeinschaft“ aufmerksam. Inge Marszolek schlug die Kategorie des „Medienevents“ für eine Untersuchung der Reichserntedankfeste vor, um zeitgenössische Pathosformeln und Überwältigungsbegriffe zu vermeiden.

2. Mit Blick auf die künstlerische Gestaltung historischer Orte betonte Thomas Lutz, dass solche Formensprachen schnell veralten und nur begrenzt Raum für eine inhaltliche Auseinandersetzung lassen. Habbo Knoch problematisierte zudem die gestaltete Landschaft selbst. Mit ihr schreibe sich eine Vorstellung des Nationalsozialismus als Projektionsfläche ideologischer Narrative in die natürliche Umgebung ein. Albert Moritz unterstrich, dass rein landschaftsgestalterische Behandlung nicht ausreiche, sondern die historische Auseinandersetzung gestärkt werden sollte. Eine historische Kontextualisierung des Ortes wurde einhellig als erforderlich angesehen.

3. Die Zukunft des Ortes solle nicht allein den Entscheidungen der Gemeinde Emmerthal überlassen werden. Für Einbindungen in touristische Konzepte dürften keinesfalls monetäre Gründe ausschlaggebend sein. Vielmehr sei die bereits vorhandene Infrastruktur ein zusätzliches Potenzial, um den Bekanntheitsgrad des Orts zu steigern. Wichtig sei, bei der lokalen Bevölkerung eine positive Einstellung für einen Lern- und Dokumentationsort zu erreichen. Dazu müsse die Öffentlichkeit bereits am Prozess dahin aktiv beteiligt werden.

Habbo Knoch formulierte abschließend offene Fragen: Notwendig seien weitere Überlegungen, um die Bedeutung des Bückebergs für Fragen der sozialen Mobilisierung, Verführbarkeit und Selbstmobilisierung zu klären. Dass dabei keine eindeutigen Antworten im Sinne einer ausschließlichen und singulären Funktion der Reichserntedankfeste zu erwarten seien, liege sowohl in der Natur des Ortes wie auch des NS als prekäre und uneindeutige Gesellschaftsform. Die Auflösung und Konfrontation des propagandistischen Volksgemeinschaftsnarrativs mit Einzelerzählungen und individuellen zeitgenössischen Sinndeutungen sei dazu unabdingbar. Der Charakter des Erlebnisangebots an den Einzelnen als Verheißung sozialer Integration, aber auch als Drohung gegenüber dem Individuum in einem Gewaltsystem, sei herauszuarbeiten, um dem historischen Ort quasi als Prisma des NS-Gesellschaft – mit durchaus aktuellen Bezügen – gerecht zu werden.

1. Der historische Ort Bückeberg soll als zentraler Ort in Niedersachsen zur Aufklärung über den Nationalsozialismus mit bundesweiter und internationaler Aufmerksamkeit entwickelt werden.

2. Die exemplarische Bedeutung des Bückebergs als Ort des historisch-politischen Lernens und der Information zur Geschichte des Nationalsozialismus und seine Gegenwartsrelevanz müssen präzisiert werden. Dabei sind im Umgang mit Ort und Quellen (insbesondere Bildern) Wege zu finden, die eine Refaszinierung oder Mythenbildung verhindern.

3. Die überlieferten historischen Quellen sind zu erschließen und zu sichern, insbesondere die Sammlung Gelderblom (Sicherung, Erfassung, Digitalisierung).

4. Das historische Gelände ist mit entsprechenden Mitteln zu vermessen (unter anderem Airborne Laserscan). Die baulichen Reste auf dem Gelände sowie mobile Überreste sind zu erfassen und für ihren Erhalt gegebenenfalls erforderliche Maßnahmen zu prüfen.

5. Es ist keine Rekonstruktion von historischen baulichen Elementen des Ortes vorgesehen. Vielmehr soll der historische Ort unter Einbeziehung der überlieferten baulichen Reste und der gestalteten Topographie durch behutsame (landschaftsgestalterische, gegebenenfalls künstlerische) Maßnahmen lesbar gemacht werden (z.B. Sichtachsen, Konturierung von Funktionsbereichen).

6. Der historische Ort muss on-site und off-site als Großexponat erläutert und kontextualisiert werden. Dafür ist unter Berücksichtigung moderner musealer Techniken ein integriertes Konzept unter Berücksichtigung stationärer, mobiler und digitaler Medien zu entwickeln. Bei der Erläuterung ist insbesondere auf die Planungen, Phasen und Maßnahmen der Umgestaltung des Ortes einzugehen, um die Historizität des Bückebergs zu veranschaulichen.

7. Ein eigenständiges Dokumentationszentrum vor Ort ist derzeit nicht vorzusehen. Es müssen jedoch infrastrukturelle Voraussetzungen für einen Lern- und Bildungsort und für touristische Zwecke geschaffen werden.

8. Es ist eine Institutionalisierung und Professionalisierung des Bückebergs als Dokumentations- und Informationsort unter Berücksichtigung von personeller und sachlicher Infrastruktur erforderlich.

9. Es wird zunächst ein ständiger Arbeitsausschuss zum weiteren Umgang mit dem Bückeberg eingerichtet. Ziel ist es, einen Masterplan zu erarbeiten. Dabei sollen auch die Belange der lokalen Bevölkerung in angemessener Weise in den Prozess eingebracht werden können.

10. Um die Entwicklung des Masterplans zu fundieren, sind Evaluationen von Besucherinteressen (unter anderem Schulklassen), Exkursionen zu vergleichbaren historischen Orten (unter anderem Vogelsang IP) und (studentische) Workshops zur Entwicklung von Gestaltungsentwürfen sinnvolle nächste Schritte.

Konferenzübersicht:

Einführung
Rolf Keller (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Gedenkstättenförderung Niedersachsen, Celle), Zur Diskussion über den Bückeberg: Kontroversen, Handlungsempfehlungen und konzeptionelle Ansätze der vergangenen 15 Jahre

Josefine Puppe (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover / Europa-Universität Viadrina Frankfurt an der Oder), Der Bückeberg – Ein unbequemes Denkmal. Dokumentarfilm, 2013

Bernhard Gelderblom (Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V.), Die dokumentarische Überlieferung der Erntedankfeste auf dem Bückeberg und die Forschungslage

Gesprächsrunde 1: Der Bückeberg als historischer Ort: Potenziale und Grenzen aus historischer und denkmalpflegerischer Perspektive

Moderation: Habbo Knoch (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Celle)

Impulsreferate:

Bernd Weisbrod (Seminar für mittlere und neuere Geschichte, Universität Göttingen)

Inge Marszolek (Institut für Kulturwissenschaft, Universität Bremen)

Henning Haßmann (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover)

Gesprächsrunde 2: Der Bückeberg als Kulturdenkmal: Potenziale der landschaftsgestalterischen und musealen Erschließung

Moderation: Rolf Keller (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Celle)

Impulsreferate:

Thomas Lutz (Stiftung Topographie des Terrors, Berlin)

Stefanie Krebs (Institut für Freiraumentwicklung, Universität Hannover)

Gesprächsrunde 3: Der Bückeberg als öffentlicher Ort: Potenziale für die historisch-politische Bildungsarbeit und für den Bildungstourismus

Moderation: Dietmar von Reeken (Institut für Geschichte, Universität Oldenburg)

Impulsreferate:

Michele Barricelli (Historisches Seminar, Universität Hannover)

Albert Moritz (Vogelsang IP gGmbH Schleiden)

Stefan Küblböck (Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften Salzgitter, Fakultät für Verkehr, Sport, Tourismus, Medien)

Abschlussdiskussion und Formulierung von Handlungsempfehlungen
Moderation: Habbo Knoch

Tagungskonzeption: Juliane Hummel (Celle)

Anmerkungen:
[1] Vgl. dazu Bernhard Gelderblom, Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg 1933 – 1937, 3. Aufl. Hameln, 2012; Mats Burström / Bernhard Gelderblom, Dealing with difficult heritage: The case of Bückeberg, site of the Third Reich Harvest Festival. In: Journal of Social Archaeology 11 (3), London 2011, S. 266-282; Die Reichserntedankfeste auf dem Bückeberg bei Hameln. Diskussion über eine zentrale Stätte nationalsozialistischer Selbstinszenierung. Arbeitshefte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 36,Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Hannover 2010; Karel Margry, The Nazi Bückeberg harvest festival. After the battle, Issue 160, Harlow, May 2013.
[2] Markus Urban, Die Konsensfabrik. Funktion und Wahrnehmung der NS-Reichsparteitage, 1933-1941, Göttingen 2007.
[3] Siehe dazu auch Anette Blaschke, Die Reichserntedankfeste vor Ort: Auf der „Hinterbühne“ einer nationalsozialistischen Masseninszenierung, in: Dietmar v. Reeken / Malte Thießen (Hrsg.), „Volksgemeinschaft“ als soziale Praxis: Neuere Forschungen zur NS-Gesellschaft vor Ort, Paderborn 2013, S. 125-141.

Zitation
Tagungsbericht: „Zustand: unbeschrieben“. Der Bückeberg bei Hameln – Ort der Reichserntedankfeste 1933 bis 1937/38, 19.09.2013 – 20.09.2013 Hameln, in: H-Soz-Kult, 08.03.2014, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5264>.