Heimat, Heimweh, Geschichte: Geschichtskulturen als Projektionen emotionaler Aushandlung von Heimat. Bestandsaufnahme und Perspektiven

Ort
Berlin
Veranstalter
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Forschungsbereich Geschichte der Gefühle / Arbeitsbereich Didaktik der Geschichte der Freien Universität Berlin
Datum
06.06.2019 - 07.06.2019
Von
Luise Fakler, Cornelia Chmiel, Anna Panhoff, Maria Ganten (Didaktik der Geschichte / FMI, Freie Universität Berlin)

Bei dem zweitägigen Workshop ging es um die Verknüpfung, Rahmung und Konzeption von Heimat, Heimatgefühlen und deren geschichtskulturellen Repräsentationen sowie Narrativen. Vor dem Hintergrund der emotionalen politischen Debatte um das Konzept Heimat waren gerade konkrete Projekte und Initiativen Teil der Diskussion. Anhand didaktischer Darstellung und Deutung von Flucht und Vertreibung bzw. Inklusion und Exklusion wurde diskutiert, inwiefern geschichtskulturelle Repräsentationen als Projektionsflächen zur Aushandlung von Heimatgefühlen dienen können.

Das erste Panel wurde von Irmgard Zündorf (Potsdam) eröffnet. MARTIN LÜCKE (Berlin) stellte in seinem Vortrag einer populären Definition von Heimat geschichtsdidaktische Prinzipien und das Konzept Lebenswelt entgegen, um aufzuzeigen, dass Geschichte (eigentlich) nicht Heimat sein kann. Er arbeitete heraus, dass historisches Denken mit einem populären Heimatbegriff den Wandel zum Störfall macht. Alternativ schlug er historisches Denken vor, in dem Kontingenz als historischer Normalfall verstanden werden kann. Dazu führte er den Lebensweltbegriff in Anlehnung an Jürgen Habermas mit den geschichtsdidaktischen Prinzipien Alterität und Historizität zusammen. Diese Prinzipien verdeutlichen, dass der Blick in die Vergangenheit einen Raum öffnet, in dem Subjekte ihre Zukunftserwartungen an ständigem Wandel orientierten. Lücke argumentierte, dass Heimat heute oft als Legitmationstopos genutzt werde, indem der Begriff historisch als Position des Sesshaften angeführt wird. Macht man das Konzept der Lebenswelt fruchtbar für diese Überlegungen, wird deutlich, dass die Zukunft viele Möglichkeiten bietet, weil die Vergangenheit ein Raum war, der diese Möglichkeiten ständig aufzeigt.

Im zweiten Beitrag charakterisierte JULIANE BRAUER (Berlin) vier Verwendungen des Heimwehbegriffs. Zunächst identifizierte sie ein pathologisiertes Heimweh, das als tödliche Krankheit beschrieben wird, und ein pädagogisiertes Heimweh, das mit richtigem pädagogischen Umgang gestillt werden könne. Dann beschrieb sie das nostalgische Heimweh, das sich auf konkrete Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit bezieht, und das politisierte Heimweh, mit dem ein Gefühl beschrieben werden kann, das als unwohle Reaktion auf Veränderung an einem Ort aufkommt. Als relevant für Heimweh beschrieb sie eine Zeit- und eine Raumkomponente, also zum einen die Erfahrung der räumlichen Entfernung von Heimat und zum anderen das Wahrnehmen von Vergänglichkeit. Wiederkehrend kommt es dann zur Pathologisierung des emotionalen Spannungsverhältnisses „Heimweh“, das zur Legitimierung führen kann, diese Vergänglichkeit, den Wandel aufhalten zu wollen.

In ihrem Kommentar stellte VERONIKA SPRINGMANN (Berlin) heraus, dass die Verwendung des Begriffs Heimat nach wie vor je nach Kontext unterschiedlich genutzt wird, und plädierte für eine analytische Verwendung des Begriffs.

Das zweite Panel nahm Definitionen und Aushandlungen von Heimat in Geschichte und Gegenwart in den Blick. Zunächst thematisierte SONA MIKULOVÁ (Berlin) „alte Heimat“ und „neue Heimat“ von sudetendeutschen Vertriebenen unter Fokussierung der Ambivalenz und des Wandels von Heimatgefühlen. Für ihre umfangreiche Arbeit untersuchte sie unter anderem die Heimatblätter der Sudetendeutschen und führte zudem mehrere Interviews mit ZeitzeugInnen aus dem mährischen Iglau. In ihnen wurden explizit Gefühle und Einstellungen zur „alten“ und „neuen“ Heimat erfragt. Mikulová unterschied zwischen zwei unterschiedlichen Perspektiven auf das Gefühl Heimat. Einerseits empfänden MigrantInnen einen Verlust von Sicherheit, verursacht durch Ausgrenzung und Diskriminierung. MigrantInnen würden eine lange Zeit brauchen, um sich in der „neuen Heimat“ heimisch zu fühlen. Auf der anderen Seite existiere das Gefühl der Heimat außerdem als eine kollektive Identität und durch die Zugehörigkeit zu einer emotionalen Gemeinschaft. Anhand von Beispielen aus ihren Interviews belegte Mikulová die Sinnhaftigkeit dieses emotionstheoretischen Zugangs und betonte dabei die Historizität der einzelnen, individuellen und der kollektiven Emotionen.

Daran anschließend stellte LALE YILDIRIM (Berlin) ihre Arbeit zur historischen Identität von Jugendlichen mit einem Türkeibezug in der dritten Generation vor. Anhand eines anschaulichen Beispiels machte sie deutlich, dass für people of color in Deutschland Heimat immer noch ein exklusiver Begriff sei und SchülerInnen mit Migrationshintergrund nicht als Teil der deutschen Erinnerungskultur wahrgenommen würden. In ihrer umfangreichen Studie stand die Frage im Mittelpunkt, ob es einen Zusammenhang zwischen Geschichtsbewusstsein und Integration gebe. Die Operationalisierung von Yildirims Verfahren erfolgte in Bezug auf das Integrationsmodell von Hartmut Esser, die Historik Jörn Rüsens und die balancierte Ich-Identität nach Lothar Kappmann. Die Ergebnisse der Studie zeigten unter anderem, dass Jugendliche mit einem Türkeibezug der dritten Generation nur strukturell assimiliert seien, aber über ein breiteres Repertoire an historischen Narrationstypen verfügten. Zudem wurde deutlich, dass diese Jugendlichen hauptsächlich „Diasporageschichten“ nutzten, um ihre Identität zu konstruieren. Anhand ihrer Ergebnisse stellte Yildirim zur Diskussion, dass auch Jugendliche der dritten Generation nur Gäste seien und forderte, dass der Diskurs um Rassismus dynamisiert und zum Bestandteil der geschichtsdidaktischen Theorie und Diskussion werden müsse.

In seinem Kommentar zog RAINER OHLINGER (Berlin) auf verschiedenen Ebenen Vergleiche zwischen den beiden Ansätzen, die beide deutsche Migrationsgeschichte betrachteten und sich mit der letztendlich großen Frage nach einem transnationalem Geschichtsnarrativ befassten. Besonders wies er auf die normativen Debatten hin, die sich von beiden Arbeiten ableiten ließen, wie zum Beispiel die Debatten über Ethnizität und über Zuordnung und Diasporisierung von migrantischen Communities und die Frage, wie home-making und place-making eigentlich funktionierten.

In der Keynote zum Abschluss des ersten Tages betrachtete BEATE BINDER (Berlin) den Heimatbegriff mit einem „doppelten Interesse“: einerseits im Hinblick auf eine zunehmende Emotionalisierung und Politisierung des Begriffs und andererseits in seiner Beziehung auf konkrete Orte im Kontext der Globalisierung. Wichtiger als die Frage nach der Definition und Notwendigkeit von Heimat sei eine Untersuchung, in welchen Kontexten über Heimat geredet und verhandelt wird. In diesem Sinne problematisierte sie die Polarisierung des Begriffs durch rechtspopulistische Gruppen wie die AfD, erläuterte aber auch Heimatauffassungen anderer politischer AkteurInnen wie des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier oder die Selbstdarstellung des ein Jahr zuvor eingerichteten Heimatministeriums. In vielen dieser Aussagen wird der Begriff der Heimat oft betont inklusiv verwendet und als utopisches Moment umschrieben. In Anbetracht der von hoher Mobilität geprägten Lebenswirklichkeit in einer globalisierten Welt sieht Binder die Sehnsucht nach Heimat als Antwort auf Verlustängste und Entfremdungstendenzen durch Globalisierung und gesellschaftlichen bzw. demografischen Wandel. Sie schlug jedoch vor, das Bedürfnis nach ontologischer Sicherheit („homing desires“) nicht mit der statischen Metapher der Verwurzelung zu füllen, sondern mit der Metapher des Ankers, die die Möglichkeiten des Gestaltens und der Flexibilität beinhaltet.

JENS JÄGER (Köln) warf in seiner Keynote einen erweiterten Blick auf Heimatkonzepte. Seinem Vortrag lag die Beobachtung zugrunde, dass Heimatkonzepte über eine sprachliche Verfassung und den Begriff „Heimat“ hinausgehen. Am Beispiel des Mediums der Postkarte, 1900 eines der populärsten Kommunikationsmittel, stellte er Überlegungen dazu an, wie durch Bildformen und Ikonografien Assoziationen und Emotionen ausgelöst werden, die mit dem Konzept Heimat verbunden sind. Wie er herausstellte, mache diese Beobachtung die Untersuchung von Heimatdiskursen nicht einfacher, zeige jedoch gleichzeitig, dass Heimat weder an den deutschsprachigen Raum noch an eine bestimmte politische Ordnungsvorstellung gebunden sei, sondern ein Grundkonzept der Moderne darstelle. Anhand ausgewählter Postkarten arbeitete er heraus, über welche Darstellungen Heimatkonzepte abgerufen werden. So werden Dörflichkeit, Landschaft und Harmonie zwischen Mensch und Lebenswelt dargestellt, um eine Form von Stabilität und Überschaubarkeit zu suggerieren, die vor Veränderung schütze. Solche Darstellungen dienten dazu, Emotionen zu wecken, und zielten im Angesicht von gesellschaftlichen Modernisierungs- und Wandlungsprozessen auf Assoziationen von Sicherheit, Identität und Handlungsfreiraum.

Für das dritte Panel brachte Michele Barricelli AkteurInnen verschiedener geschichtskultureller Felder ins Gespräch. Zunächst berichtete ROUVEN HALLWASS (Siegen) von seinem Umgang mit Heimatkonzepten in der Praxis außerschulischen Unterrichts. Im Rahmen der Arbeitsgruppe „Sachunterricht vernetzen“ ist Hallwaß daran beteiligt, Kooperationen zwischen Grundschulen und lokalen Heimatvereinen auf kommunaler Ebene in Siegen-Wittgenstein aufzubauen. Ziel sei es, historische Narrationen über die Region sichtbar zu machen und mit den SchülerInnen zu dekonstruieren, wobei der Heimatbegriff eine zentrale Rolle spiele. Indem die SchülerInnen einen kritischen Umgang mit den sie umgebenden Erzählungen lernten, erhielten sie die Möglichkeit, eigene Erzählungen zu entwickeln. Heimat werde dabei sichtbar als individuelle oder gruppenbezogene Interpretation der eigenen Lebenswelt, die Zugehörigkeit schaffe, jedoch immer auch Ausschlüsse produziere und an eine bestimmte Vorstellung von Herkunft geknüpft sei.

CHRISTINE ABSMEIER (Stuttgart), Leiterin des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg, charakterisierte ihre Institution als Projektionsfläche für verschiedene Heimatvorstellungen. Insbesondere Geflüchteten und Vertriebenen aus Ost- und Mitteleuropa diene das Haus als Landeseinrichtung seit seiner Gründung 1976 als Repräsentations- und Gedenkort für eine „verlorene Heimat“. Mehr als 40 Jahre später sei das Haus mit der Region stark verwurzelt. Die Erinnerung an die alte Heimat trete zurück hinter einem lebendigen Kulturangebot, das die Heterogenität der Region abbilde und zugleich als Informationsort für die Geschichte Ost- und Mitteleuropas diene. Durch Bildungsangebote, SchülerInnenwettbewerbe und kulturelle Veranstaltungen habe sich das Haus der Heimat zu einem Ort entwickelt, an dem verschiedene Heimatbegriffe und -konzepte aufeinandertreffen und in eine stetige Aushandlung miteinander treten.

JENNIFER FARBER (Vogelsang) ist Bildungsreferentin im pädagogischen Team des NS-Dokumentationszentrums Vogelsang, einer ehemaligen Schulungsstätte für zukünftige NSDAP-Parteifunktionäre, und Mitglied im Arbeitskreis „Räume öffnen“ für eine inklusivere Erinnerungskultur. In der Eifel gelegen, war Vogelsang als Standort für eine NS-Schulungsstätte gewählt worden, weil die umliegende Natur sowie eine ländliche Szenerie von Einsamkeit und Stabilität fern von den negativen Folgen der Modernisierung den Heimatbegriff der nationalsozialistischen Ideologie verkörperte. Die Natur und architektonische Relikte aus der NS-Zeit dienten als „Lesehilfe für Heimat als Abstammungsgemeinschaft“ und böten heutzutage Rechtsextremen Anknüpfungspunkte an nationalsozialistisches Gedankengut. Ausgehend von diesen Beobachtungen, problematisierte Farber die angenommene Geschichtslosigkeit des Heimatbegriffes, der stets der Konstruktion einer vorgestellten homogenen Gesellschaft diene. Versuche, den Heimatbegriff neu und inklusiv zu besetzen, bewertete sie kritisch. Schließlich, so Farber, sei ohne den Heimatbegriff nichts verloren, und man könne ebenso gut von einer „Gesellschaft der Vielen“ sprechen, in der Menschen sich zuhause fühlten.

FRANK WOLFF (Osnabrück) erkannte in seinem Kommentar drei mögliche Deutungen des Heimatbegriffs in den Beiträgen der Vortragenden. Heimat könne erstens als Notwendigkeit für eine Selbstverortung für die Zukunft dienen. Zweitens könne man Heimat aber auch als Konstrukt entlarven, das der In- und Exklusion diene. Drittens könne man Heimat als politisches Instrument verstehen, dem es gelinge, Emotionen in der Sphäre des Politischen nutzbar zu machen. Mit diesen Beobachtungen leitete er die anschließende Diskussion ein, in der die Notwendigkeit des Konzepts „Heimat“ in Frage gestellt und zugleich die Möglichkeit einer inklusiven Neubesetzung des Begriffes diskutiert wurde.

Im von Nina Reusch geleiteten vierten Panel demonstrierte ROBERT FUCHS (Köln), Geschäftsführer des Dokumentationszentrums und Museums für die Migration in Deutschland e. V. (DOMiD), wie die Themen Heimat und Migration in der Arbeit des Vereins in Zusammenhang gesetzt werden. DOMiD wurde 1990 als Initiative vor allem türkischer MigrantInnen gegründet und machte sich die Sammlung verschiedener Zeugnisse von nach Deutschland migrierten Menschen zur Aufgabe. Die marginalisierten Stimmen dieser Bevölkerungsgruppen sollen auf diese Weise in der deutschen Gesellschaft sichtbar gemacht werden. Nach einem kurzen Abriss über die Geschichte des DOMiD bezog Fuchs sich auf die vier von Naika Foroutan herausgearbeitete Typen von „Heimigkeit“ (ein-Heimigkeit, mehr-Heimigkeit, kein-Heimigkeit und neu-Heimigkeit) als theoretisches Konzept von Heimat und Zugehörigkeit. Anschließend widmete er sich deren Übersetzung in konkrete kuratorische Ideen für ein zukünftiges Migrationsmuseum, exemplarisch verdeutlicht am „Konzeptraum Identität“. Fuchs betonte mehrfach die Notwendigkeit einer multiperspektivischen Herangehensweise und Umsetzung einer Ausstellung, die die Aushandlung eines fluiden und vielschichtigen Heimatbegriffs möglich machen soll.

In seinem Kommentar interpretierte BENNO GAMMERL (London) den von Fuchs zitierten Begriff der kein-Heimigkeit dahingehend, dass Heimat immer dort sei, wo man gerade nicht sei, und somit auch immer ein Moment der Sehnsucht beinhalte und der Migration inhärent sei. Anschließend brachte er das Konzept der queer domesticity, eines aktiven home-makings, ein und fragte nach Anknüpfungspunkten für die Ausstellungspraxis des DOMiD. Zuletzt stellte er die Frage, inwieweit der Begriff der Heimat formbar und individualisierbar sei oder vielmehr eine kollektive Dimension brauche. In der anschließenden Diskussion wurde die emotionale Bedeutung sowohl von Heimat als auch von Migrationserfahrungen aufgeworfen und die Wichtigkeit betont, auch gewaltvolle Migrations- und Exklusionserfahrungen sichtbar zu machen.

In der Abschlussdiskussion griff Nina Reusch während des Workshops aufgeworfene und angerissene Fragen wieder auf und stellte sie den GesprächsteilnehmerInnen. Neben der grundsätzlichen Frage, ob die Wissenschaft den Heimatbegriff jenseits eines Quellenbegriffs als Analysekategorie brauche, wurden die Zusammenhänge, Beziehungen und Spannungsverhältnisse des Heimatbegriffs zu Kategorien wie sozialer Ungleichheit, Territorialität, Migration, Individualität, Politik und Emotionen kontrovers diskutiert. Im Hinblick auf die Rolle und Prominenz des Begriffs in Zeiten des politischen Rechtsrucks wurden dabei auch Verantwortung und Handlungsoptionen von WissenschaftlerInnen thematisiert.

Die Tagung erwies sich als wichtiger und fruchtbarer Austausch zwischen WissenschaftlerInnen und PädagogInnen über den heute wieder zunehmend politisierten und polarisierten Begriff der Heimat und seine Bedeutung in der Geschichtskultur. Einführende konzeptionelle Betrachtungen zum Verhältnis von Heimat und Geschichte sowie Auffassungen des Heimatbegriffs unter Individuen und Gruppen machten es möglich, den Begriff in gesellschaftlichen Diskursen zu verorten. Die Beispiele aus der Praxis im zweiten Teil des Workshops erlaubten einen konkreten Einblick in die Verwendung, Repräsentation und Aushandlung von Heimat in der Arbeit von Gedenkstätten, Museen, Dokumentationszentren und in der schulischen Bildung. Die Diskussionsrunden kreisten immer wieder um die Definition des Begriffs und die Frage, ob er ein für die Wissenschaft sinnvolles Analysekonzept darstelle oder als reiner Quellenbegriff in seinen jeweiligen politischen und gesellschaftlichen Diskursen zu untersuchen sei. Die tagespolitische Aktualität des Heimatbegriffs und seiner gesellschaftlichen Aushandlung macht eine weitere kritische Beschäftigung mit diesem Konzept notwendig, bei der die hier aufgeworfenen und ausgetauschten Fragen sicherlich wertvolle Denkanstöße liefern.

Konferenzübersicht

Juliane Brauer (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) und Lale Yildirim (Freie Universität Berlin): Begrüßung

Panel 1: Heimat, Heimatgefühle und Geschichtskulturen. Konzeptionelle Überlegungen
Chair: Irmgard Zündorf (Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam)

Martin Lücke (Freie Universität Berlin): Herkünfte oder Möglichkeiten? Warum Geschichte (eigentlich) nicht Heimat sein kann

Juliane Brauer (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin): Heimweh. Über die emotionale Relevanzdebatte von Heimat

Veronika Springmann (Freie Universität Berlin): Kommentar

Panel 2: Definitionen und Aushandlungen von Heimat in Geschichte und Gegenwart
Chair: Nina Reusch (Freie Universität Berlin)

Soňa Mikulová (Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, Berlin): „Alte Heimat“ – „neue Heimat“: Wie geht das zusammen? Über Ambivalenz und Wandel der Heimatgefühle der sudetendeutschen Vertriebenen

Lale Yildirim (Freie Universität Berlin): Keine Haymat? Der Diaspora-Komplex. Zur historischen Identität von türkeibezogenen Jugendlichen der dritten Generation

Rainer Ohliger (Netzwerk Migration in Europa e. V., Berlin): Kommentar

Keynote
Beate Binder (Humboldt-Universität zu Berlin): Heimat als Begriff der Gegenwartsanalyse? Aktuelle Beobachtungen

Keynote
Jens Jäger (Universität zu Köln): Heimatgeschichte? Geschichte von Heimat? Geschichte eines zentralen Konzepts der Moderne

Panel 3: Heimat in geschichtskulturellen Feldern. Der Blick aus der Praxis I
Chair: Michele Barricelli (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Rouven Hallwaß (Universität Siegen): „Heimat“ (re)konstruieren? – Überlegungen zur Bedeutung des Heimatbegriffs für die Praxis außerschulischen Unterrichts

Christine Absmeier (Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg, Stuttgart): Ein Haus und vielerlei Heimat. Das Haus der Heimat des Landes Baden-Württemberg

Jennifer Farber (Arbeitskreis „Räume öffnen“, Vogelsang): Wo Heimat ist, ist auch immer ein „die Fremden“. Projektarbeit an Gedenkstätten und NS-Dokumentationen in rassismuskritischer Absicht

Frank Wolff (Universität Osnabrück): Kommentar

Panel 4: Heimat in geschichtskulturellen Feldern. Der Blick aus der Praxis II
Chair: Nina Reusch (Freie Universität Berlin)

Robert Fuchs (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland e.V., Köln): Eindeutig mehrdeutig. Überlegungen zu Heimat(en) im Migrationsmuseum

Benno Gammerl (Goldsmiths University of London): Kommentar

Abschlusspodium: Heimat und Geschichtskultur. Eine (un)mögliche Beziehung?

Roundtable, moderiert von Nina Reusch, mit Veronika Springmann, Benno Gammerl, Tobias Becker (German Historical Institute, London), Rainer Ohliger und Frank Wolff

Zitation
Tagungsbericht: Heimat, Heimweh, Geschichte: Geschichtskulturen als Projektionen emotionaler Aushandlung von Heimat. Bestandsaufnahme und Perspektiven, 06.06.2019 – 07.06.2019 Berlin, in: H-Soz-Kult, 30.08.2019, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8414>.