The Stalingrad Myth. Russian-German Comparative Perspectives

Ort
Berlin
Veranstalter
Claude Haas / Matthias Schwartz, Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin; Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge; Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst
Datum
07.11.2019 - 09.11.2019
Von
Valerie Brosch / Dmitrij Herrmann / Diana Minaeva / Arthur Molt / Elizaveta Mukhina / Ruth Rist / Vaclav Sevcik, Freie Universität Berlin

Keine andere militärische Auseinandersetzung des Zweiten Weltkrieges war von Anfang mit so viel symbolträchtiger Bedeutung belastet wie die Schlacht von Stalingrad im Herbst und Winter 1942/43. Für das nationalsozialistische Deutschland sollte eine Eroberung der Stadt den Durchbruch zum Sieg an der Ostfront bringen, während sich die sowjetische Führung von ihrer Verteidigung eine Kriegswende erhoffte. Entsprechend galt die Einkesselung und Kapitulation der 6. Armee im Februar 1943 in Westdeutschland noch jahrzehntelang als „Synonym für Apokalypse“ (Jens Ebert), während sie in der Sowjetunion als entscheidender Sieg im Großen Vaterländischen Krieg gefeiert wurde. Es scheint kaum einen ‚Erinnerungsort‘ zu geben, der für die seinerzeit kämpfenden Parteien so gegensätzlich codiert geblieben ist und der im Lauf der Zeit so unterschiedliche imaginationspolitische Aufgaben erfüllen musste wie ‚Stalingrad‘. Die historische Aufarbeitung folgte im Zeichen des Ost-West-Konflikts diesem Wahrnehmungsmuster ebenso wie die zahlreichen dokumentarischen, filmischen, literarischen und kulturpolitischen Auseinandersetzungen mit der Schlacht. Erst mit den Debatten um den Vernichtungskrieg der Wehrmacht im Osten Europas begann der Mythos von der "verratenen Armee" in Deutschland allmählich zu verblassen. Die von Jochen Hellbeck herausgegebenen "Stalingrad-Protokolle" (2012) mit Interviews und Berichten von sowjetischen Augenzeugen sowie die Stalingrad-Ausstellung zum 70. Jahrestag der Schlacht im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden brachten in letzter Zeit bedeutende Impulse hinsichtlich der Revision bestehender Sichtweisen. Vor diesem Hintergrund widmete die Konferenz den unterschiedlichen Wahrnehmungen des „Mythos Stalingrad“. Das Ziel der Konferenz lag darin, so die Organisatoren CLAUDE HAAS (Berlin) und MATTHIAS SCHWARTZ (Berlin) in ihrer Eröffnungsansprache, aus interdisziplinärer Perspektive die gegensätzlichen Ansichten der Schlacht, ihre symbolischen Kodierungen und mythischen Muster vor dem jeweiligen kulturpolitischen Hintergrund und im gesellschaftlichen Kontext der Zeit genauer zu betrachten und zu analysieren, wie diese Schlachtenbilder bis heute in unterschiedlichen Medien immer wieder neu aktualisiert werden. Vor diesem Hintergrund widmete sich die Konferenz den unterschiedlichen Wahrnehmungen des „Mythos Stalingrad“.

Das erste Panel war den Schlachtenbildern des Kalten Krieges in Frankreich und der DDR in politikwissenschaftlicher Perspektive gewidmet. PHILIP DECKER (Oxford) deckte in seinem Beitrag die unterschiedlichen Funktionen der Schlacht-Darstellung in den ostdeutschen Printmedien auf. Angesichts der Aufgabe, demobilisierte Wehrmachtssoldaten zu entnazifizieren und in den sozialistischen Staat zu integrieren, musste die Schlacht ein heikles Thema darstellen. Im Kontext des Kalten Krieges projizierte man alle Kriegsschuld auf den ‚Klassenfeind‘ und instrumentalisierte Stalingrad im „Informationskrieg“ gegen den Westen. So wurde die Schlacht als Sinnbild für die „faschistischen Verbrechen“ des Imperialismus oft in einem Atemzug mit Hiroschima, Nagasaki oder der Bombardierung von Dresden genannt. Noch am 16. Juni 1986 verglich ein Artikel der Zeitschrift ‚Neue Zeit‘ den Angriff auf Stalingrad mit den Menschenrechtsverletzungen des Apartheitsregimes in Südafrika, das vom Westen toleriert würde. So diente die Schlacht in der DDR-Presse dazu, die eigene Bevölkerung von jeder Schuld zu entlasten und die Westmächte für ihre Verbrechen zu verurteilen. Eine ganz andere Funktion hatte der Mythos in Frankreich. OLIVER BENJAMIN HEMMERLE (Grenoble) zeigte in seinem Vortrag, wie wichtig der Sieg der Roten Armee in Stalingrad für das Selbstbild der französischen Resistance seit 1943 gewesen ist. Bereits 1944 besuchte Charles de Gaulle als erster westlicher Politiker die Stadt, war er doch auf die Unterstützung der sowjetischen Führung angewiesen, um in den Kreis der Alliierten aufgenommen zu werden. Bis heute ist „Stalingrad“ im französischen öffentlichen Raum präsent, über 100 Orte – von Metrostationen über Straßen- bis hin zu Platznamen – sind nach der Stadt benannt. Auch zahlreiche Werke aus der Unterhaltungskultur sind dem Ort gewidmet, die ihn häufig in einem Atemzug mit großen Schlachten der französischen Geschichte wie denjenigen um Verdun, um die Normandie und von Bir Hakeim nennen. So gilt Stalingrad in Frankreich noch heute vielen als ein wichtiges Symbol der Hoffnung und des Triumphes.

Zum Abschluss des ersten Konferenztages fand eine Podiumsdiskussion statt, die sich der Darstellung der Schlacht in europäischen Museen widmete. JÖRG MORRÉ, der Direktor des Deutsch-Russischen Museums Karlshorst, in dessen Gebäude in der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 von der Obersten Heeresführung die bedingungslose Kapitulation Deutschlands unterzeichnet worden war, diskutierte mit JÖRG ECHTERNKAMP (Potsdam) vom Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr sowie der Kulturanthropologin SARAH KLEINMANN (Berlin) die gesellschafts- und imaginationspolitischen Herausforderungen, mit denen die museale Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg heute konfrontiert ist. Kleinmann wies darauf hin, wie wichtig die Mikroperspektive auf die einzelnen Akteure in der Darstellungsweise von historischen Ereignissen ist, damit sich eine differenziertere Sicht auf die politischen Dynamiken und Zusammenhänge einstellen kann. Demgegenüber erläuterte Morré in Hinsicht auf die gegenwärtige russische Museumspraxis, dass der Verweis auf den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion hier oft dazu führe, dass nötige Differenzierungen für die eigene Seite ausblieben. Echternkamp betonte hingegen, dass man bei der Funktionsweise eines Museums zwischen Bildungs- und Gedenkstätte unterscheiden müsse. In Russland hätten die Museen des Zweiten Weltkrieges oft jedoch beide Funktionen gleichzeitig: sie dienten der Bildung, seien aber auch Orte des Gedenkens.

Das zweite Panel widmete sich dann Sichtweisen auf die Schlacht, die während oder unmittelbar nach ihrem Ablauf entwickelt worden sind. DMITRY BELOV (Moskau) vom Zentralmuseum der sowjetischen Streitkräfte sprach über das sehr umfangreiche Interviewmaterial, das die Kommission zur Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges im Dezember 1942 und Februar 1943 in Stalingrad zusammentrug. Unter ihrem Vorsitzenden Isaak Minc befragte die Historikerkommission systematisch Rotarmisten, aber auch zivile Kriegsteilnehmer über ihre Erfahrungen während der Kampfhandlungen. Während ein Teil des Interviewmaterials bereits in den erwähnten „Stalingrad-Protokollen“ (Jochen Hellbeck, 2012) veröffentlicht wurde, wies Belov darauf hin, dass der Großteil des Bestandes auch nach Öffnung der Archive noch kaum rezipiert worden sei. Gerade die Interviews mit Zivilisten seien jedoch von großer Bedeutung, da deren Perspektive bislang weitgehend unbeachtet geblieben ist. Die Besonderheit der Interviews bestehe darüber hinaus in der Abbildung von Emotionen und Affekten, wie beispielsweise schwarzem Humor oder offen eingestandener Furcht. Mit einer sehr frühen Kritik an der Mythologisierung der Schlacht aus deutscher Perspektive beschäftigte sich EUGEN WENZEL (Berlin). In seinem Vortrag untersuchte Wenzel eines der Moabiter Sonette (Nr. 53 „Mythos“) von Albrecht Haushofer, die dieser 1945 nach seiner Verhaftung im Kontext des 20. Juli 1944 und in unmittelbarer Erwartung seiner Hinrichtung verfasste. Wenzel deutete das Sonett als einen der ersten Versuche in deutscher Sprache, den Mythos der Schlacht von Stalingrad aufzubrechen, da sich in ihm sowohl Verweise auf die bereits in Görings Rede vom 30. Januar 1943 erwähnte Schlacht an den Thermopylen als auch auf den Kampf der Nibelungen im Festsaal des Hunnenkönigs Etzel finden.

Im dritten Panel ging es um literarische Verfahren, mit denen die Schlacht in frühen Stalingrad-Romanen dargestellt wurde. FRANZISKA THUN-HOHENSTEIN (Berlin) überschrieb ihren Vortrag über Viktor Nekrasovs „In den Schützengräben von Stalingrad“ (1947) mit „Perspektive des Leutnants“. Der Roman, den Nekrasov zuerst unter dem zu ikonographisch klingenden Titel „Stalingrad“ veröffentlichen wollte, wurde seinerzeit zwar mit dem Stalinpreis ausgezeichnet, durch die Zensur aber auch entschärft. Nekrasov, der selbst in Stalingrad am Mamajew-Hügel als Leutnant eingesetzt war, bemühte sich um eine nicht- oder zumindest nicht rein heroisierende Darstellung der Kriegsteilnehmer. Der Roman sollte dank seiner ‚realistischen‘ Darstellungsweise die "Stimme des einfachen Soldaten“ abbilden, erfüllte gerade darüber aber auch eine politische Funktion im Rahmen der staatlichen Erinnerungskultur. SIBYLLE MOHRMANN (Berlin) verglich in ihrem Vortrag die beiden während des Krieges entstandenen Romane "Tage und Nächte" (1944) von Konstantin Simonov und "Stalingrad" (1945) von Theodor Plievier. Während der sowjetische Schriftsteller Simonov seine Erfahrungen als Frontberichterstatter mit tradierten Motiven von Liebe, ehrenhaftem Tod, Mut und Opferbereitschaft verband, suche man diese Sujets bei Plievier, dessen Antikriegsroman auf Dokumenten und Interviews mit deutschen Soldaten beruht, vergebens.

Im Rahmen des vierten Panels wurden dann unterschiedliche Strategien diskutiert, mit denen in frühen Werken aus der DDR und der Sowjetunion die Schlacht als Erinnerungsort oder Gründungsmythos präpariert wurde. Der englische Übersetzer von Vasilij Grossman, ROBERT CHANDLER (London), berichtete von seiner Arbeit an der Übersetzung von dessen Roman "Für die gerechte Sache"(1952; deutscher Übersetzungstitel "Wende an der Wolga"), den er im Juni 2019 unter dem ursprünglich von Grossman intendierten Titel "Stalingrad" erstmals in englischer Übersetzung herausgebracht hat. Grossmans Ziel sei es gewesen, mit dem Roman an den Krieg in all seinen Facetten zu erinnern. Jedoch mussten gerade die kleinen, politisch oft kontroversen Details der Zensur weichen. Diese Streichungen habe Chandler nun auf Grundlage der Originalmanuskripte für seine Übersetzungen wieder rückgängig gemacht. DIRK ROCHTUS (Leuven) beschäftigte sich in vergleichender Perspektive mit dem lyrischen Werk von Johannes R. Becher ("Dank an Stalingrad", 1943) und Franz Fühmann ("Die Fahrt nach Stalingrad", 1953). Während der spätere Minister für Kultur der DDR, Becher, im Moskauer Exil an die Auferstehung Deutschlands nach der Befreiung von Hitler glaubte und die Schlacht in diesem Sinne glorifizierte, stilisierte Fühmann seine Begegnung mit Stalingrad zum 10. Jahrestag des Sieges als ein persönliches Initiationserlebnis und als Bollwerk gegen den neuen Kapitalismus wie gegen die Barbarei der Nazis. Erst mit dem Sieg in Stalingrad sei den Deutschen ihr (sozialistisches) Vaterland wiedergegeben worden.

Am Abend des zweiten Konferenztages ordnete NINA TUMARKIN (Wellesley) in ihrer Keynote die Erinnerung an die Schlacht von Stalingrad dann in den größeren Zusammenhang der sich wandelnden Bedeutung des Großen Vaterländischen Krieges in der Sowjetunion und im heutigen Russland ein. Wie zentral der Krieg und die Schlacht insbesondere seit den 1960er-Jahren für das sowjetische und postsowjetische kulturelle Selbstverständnis gewesen sind, zeigte sie anhand zentraler Erinnerungsorte und Gedenkstätten. Gegenwärtig verschiebe sich der erinnerungs- und geschichtspolitische Fokus zunehmend von der Darstellung des Kriegsverlaufs hin zum Ereignis des Sieges an sich. Zugleich finde im Gedenken an den Sieg vermehrt eine Einbeziehung individueller Schicksale und Mikronarrative statt, die mit einer generellen Heroisierung aller sowjetischen Kämpfer und Kriegsteilnehmer einhergehe.

Das fünfte Panel war den literarischen Rekonstruktionen und Umkodierungen des Erinnerungsortes Stalingrad in der Nachkriegszeit gewidmet. IAN GARNER (Kingston, Ontario) zeigte anhand von weitgehend vergessenen Werken der späten Stalinzeit, wie individuelle Kriegserfahrungen hier mit dem Mythos von der Wiederauferstehung der Stadt verbunden wurden. Dabei wurden oft persönliche Erinnerungen an die Zerstörung und heroische Verteidigung der Stadt mit utopischen Visionen ihres Wiederaufbaus als einer idealen Stadt der Zukunft synthetisiert. Diese Verknüpfung und Umkodierung von negativen und positiven Aspekten weise, so Garner, deutlich ein religiöses Moment auf, wonach Stalingrad, ähnlich wie einst Jesus Christus, sterben musste, um in neuer Größe auferstehen zu können. DANIEL WEIDNER (Berlin) beschäftigte sich mit Alexander Kluges experimentellem Montageroman „Schlachtbeschreibung“ (1964). Dessen Verknüpfung verschiedenster Textsorten prosaischen, dokumentarischen und theoretischen Charakters diene zum einen einer Kritik einer mythisierenden (deutschen) Geschichtsschreibung, zeige aber auch, dass jedes historische Ereignis verschiedenste Perspektiven zulasse. Weidner beendete seinen Vortrag mit der Feststellung, dass nach Kluge die Wahrheit der Schlacht um Stalingrad aus deutscher Perspektive gar nicht repräsentiert und rekonstruiert werden könne. MICHAEL AUER (München) spürte Heiner Müllers Auseinandersetzung mit der Schlacht nach, ausgehend von einer nach der Wende in einem Interview gemachten, zunächst paradox klingenden Äußerung des Schriftstellers, wonach Stalingrad das Ende der DDR gewesen sei. Auer nahm dies zum 30. Jahrestag des Mauerfalls unter anderem zum Anlass, um anhand von Müller vieldeutige Parallelen zwischen der Strategie der Einkesselung einer Armee und der Einmauerung eines Landes wie der DDR aufzeigen.

Das letzte Panel befasste sich mit den postsowjetischen Neuaneignungen und Umdeutungen der Schlacht von Stalingrad in literatur- und politikwissenschaftlicher Perspektive. EGOR LYKOV (Zürich) ging auf einige aktuelle Darstellungen der Schlacht in russischsprachigen digitalen Medien ein, in denen Stalingrad nationalistisch glorifiziert und zu politischen Zwecken instrumentalisiert werde. Aber auch Fedor Bundarčuks Film "Stalingrad (2013) diene der Legitimierung eines autoritären Staates unter starker Führung. Diese generelle Beobachtung spezifizierte ALEXANDER CHERTENKO (Berlin) anhand der "Stalingradisierung" des Ostukraine-Konflikts in der zeitgenössischen russischen Literatur. Gerade die nach 2014 entstandenen Werke, die den heroischen Kampf für "Neurussland" propagieren, hätten Donezk (1924-1961 "Stalino") wiederholt als Stalingrad mythisiert, wobei der historische Sieg über den Faschismus mit dem gegenwärtigen Kampf gegen die ukrainische Armee verglichen werde. Zwecks einer Rechtfertigung aktueller expansiver Politik werde dadurch der gesamtsowjetische Heroismus des Krieges in einen exklusiv russischen Heroismus verwandelt. IVAN KURILLA (St. Petersburg) befasste sich im letzten Beitrag demgegenüber mit der Entwicklung des offiziellen Stalingrad-Narrativs der Russischen Föderation seit den 1990er-Jahren. Eine entscheidende Wende im staatlichen Umgang mit Stalingrad als symbolischem Ort der Geschichte habe seit 2014 stattgefunden, und diese sei gerade nicht expansiv ausgerichtet. Vielmehr habe es eine zunehmende "Nationalisierung der Schlacht" gegeben, deren Symbolik im Unterschied zu anderen Erinnerungsorten und Gedenkstätten des Großen Vaterländischen Krieges nur noch innenpolitisch an die eigene Bevölkerung appelliert habe. Ausländische Staatsoberhäupter würde Vladimir Putin hier seit 20 Jahren überhaupt nicht mehr empfangen. Bei dieser staatspolitischen Instrumentalisierung des Gedenkens blieben gleichzeitig die Feinde, aber auch die zivilen Opfer weitgehend ausgeblendet, wohingegen die Vaterlandsverteidigung und Heimatliebe im Vordergrund stünden. Im Zuge dessen sei seit 2014 auch eine vermehrte Nennung des Namens Stalingrad anstelle von Wolgograd zu beobachten.

Insgesamt machte die Konferenz insbesondere zweierlei deutlich: zum einen, dass ungeachtet des zeitlichen Abstands von nunmehr 77 Jahren die Wahrnehmung der Schlacht von Stalingrad sich in deutscher und russischer Perspektive weiterhin grundlegend unterscheidet; zum anderen, dass der interdisziplinäre Zuschnitt von geschichts-, kultur-, literatur-, medien- und politikwissenschaftlichen Zugängen neue differenzierte Einsichten in die jeweilige Genese der deutsch-deutschen und russisch-sowjetischen Positionen und Darstellungsformen eröffnet. Gerade der Beitrag von Benjamin Hemmerle zum französischen Stalingrad-Mythos zeigte aber auch, dass es dringend einer vergleichenden transnationalen und globalisierten Erweiterung der Forschungsperspektiven bedarf.

Konferenzübersicht:

Opening

Claude Haas (Berlin) / Matthias Schwartz (Berlin) / Jörg Morré (Berlin), Heike Winkel (Berlin)

Panel I – Cold War Mythologies of the Battle

Philip Decker (Oxford): The Battle of Stalingrad in Newspapers of the Late GDR

Benjamin Hemmerle (Grenoble): Stalingrad – A French Myth

Panel Discussion – Exhibiting War: Stalingrad in European Museum

Jörg Echternkamp (Potsdam) / Sarah Kleinmann (Berlin) / Jörg Morré (Berlin)
Moderation: Heike Winkel (Berlin)

Panel II – Witnessing the Battle: Perspectives from Near and Far

Dmitry Belov (Moscow): Live Stories. The Battle of Stalingrad from the Perspective of Participants and Eyewitnesses

Eugen Wenzel (Berlin): The Demythologization of Stalingrad in a Gestapo Prison in the Year 1945

Panel III – Fictionalizing the Victory: Early Literary Narrations
Franziska Thun-Hohenstein (Berlin): The Lieutenants' Perspective. On Viktor Nekrasov's "In the Trenches of Stalingrad"

Sibylle Mohrmann (Berlin): Myths of Love and Death: The First Novels on the Battle of Stalingrad

Panel IV – Remembering the Triumph: Early Ambivalent Representations

Robert Chandler (London): Vasily Grossman. Remembering Stalingrad

Dirk Rochtus (Leuven): Stalingrad: A Myth Hiding the Ideological Doubts of East German Poets Johannes R. Becher and Franz Fühmann?

Keynote Lecture

Nina Tumarkin (Wellesley): What Has Happened to Russian War Memory and the Myth of Iconic Stalingrad?

Panel V – Work on Myth: Literary Reconstructions and Transcriptions

Ian Garner (Kingston, Ontario): Writing the Past, the Future, and the Self: Post-War Reconstruction and the Stalingrad Myth

Daniel Weidner (Berlin): "30 days or 300 years.". Myth and Montage in Alexander Kluge’s "Description of the Battle"

Michael E. Auer (München): Encirclement and Teichoscopy. Heiner Müller’s Stalingrad Tragedy

Panel VI – Post-Socialist Revivals: Political und Public Reinterpretations

Egor Lykov (Zürich): The Stalingrad Myth in the Digitalized Space. Memory, Conventions, and Controversies

Alexander Chertenko (Berlin): Nationalizing the Soviet Past. Donbass as a New Stalingrad in Russian Literature and Publicism after 2014

Ivan Kurilla (St. Petersburg): The Battle of Stalingrad in the Contemporary Political Landscape of Russia

Concluding Discussion

Zitation
Tagungsbericht: The Stalingrad Myth. Russian-German Comparative Perspectives, 07.11.2019 – 09.11.2019 Berlin, in: H-Soz-Kult, 24.02.2020, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8665>.
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Veröffentlicht am
24.02.2020
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