Auf dem Weg zur liberalen Demokratie? Deutsches Kaiserreich, Nationalstaat und Europa

Auf dem Weg zur liberalen Demokratie? Deutsches Kaiserreich, Nationalstaat und Europa

Veranstalter
Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit; Forschungsstelle Weimarer Republik, Institut für Politikwissenschaft, Friedrich-Schiller- Universität Jena
Veranstaltungsort
Friedrich-Schiller-Universität Jena
PLZ
07743
Ort
Jena
Land
Deutschland
Vom - Bis
04.11.2021 - 05.11.2021
Deadline
22.10.2021
Von
Dr. Wolther von Kieseritzky, Archiv des Liberalismus

Die 150-jährige Wiederkehr der Reichsgründung 1871 nehmen die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und das Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena zum Anlass, im 19. Kolloquium zur Liberalismus-Forschung die Geschichte und Gegenwart des deutschen Kaiserreichs zu vermessen.

Auf dem Weg zur liberalen Demokratie? Deutsches Kaiserreich, Nationalstaat und Europa

Die Tagung soll die aktuellen Auseinandersetzungen um das Kaiserreich aufgreifen und zugleich den Problemkreis Liberalismus und nation- bzw. state-building neu beleuchten. Dazu gehören Fragen nach dem Zusammenhang des Aufstiegs des Liberalismus als politisches Leitbild mit der Idee der Nation, aber auch die nach alternativen Ordnungskonzepten und Handlungsebenen. Welche Reichweite besaßen Emanzipationsprozesse, welche Potentiale entwickelten sie, auf welche Begrenzungen trafen sie? Welche Dynamik entfalteten Modernisierung und Globalisierung, in welchem Verhältnis stand dazu ein verstärkter Nationalismus?

In den fünf Sektionen der Tagung (Politik und Nationsbildung, Kommunikation, Globalisierung, Emanzipationsprozesse, spätere Rezeption von „Reich“ und „Nation“) sollen diese Themen mit Blick auf den Liberalismus in vergleichender europäischer Perspektive diskutiert werden. Dabei sind auch traditionelle Deutungen der liberalen Zielvorstellungen zu überprüfen. Dies gilt etwa für den Dualismus von „Einheit“ und „Freiheit“ und den daraus folgenden Zielkonflikten. Wie verhält sich die Vorstellung des Liberalismus als Emanzipationsidee zur in mehrfacher Hinsicht widersprüchlichen Praxis nach Erringen der Einheit 1871. Was ist gemeint, wenn von Nation, Staatlichkeit und Staatsbürgerschaft gesprochen wird – eine Frage, die auch für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zu stellen sein wird. Welche Rolle spielen liberale Konzepte multilateraler Verflechtung und supranationaler Ordnung, die eine lange Tradition im 20. Jahrhundert aufweisen? Die aktuellen Kontroversen über die Deutung des Kaiserreichs stehen in der abendlichen Podiumsdiskussion im Zentrum.

Programm

Donnerstag, 4.11.2021

13:30 Begrüßung und Eröffnung

13:40 – 15:30 Uhr:
Sektion I: Kaiserreich und nation-building

- Auf dem Weg zur Nation: Nationalbewegung, Reichsgründung und Liberale (Oliver Haardt, Cambridge)
- Einheit, Recht und Freiheit – die „Innere Reichsgründung“ revisited (Wolther von Kieseritzky, Potsdam)
- Reich, Nation, Länder: Liberale Perspektiven zwischen kommunaler Selbstverwaltung und föderaler Nation (Michael Dreyer, Jena)
- Die Krone und der Liberalismus – im europäischen Vergleich (Frank Lorenz Müller, St. Andrews)

16:00 – 17:30 Uhr:
Sektion II: Öffentlichkeit, Partizipation und konstitutionelles System

- Macht des Faktischen? Konflikt und Kompromiss in Parlament und Regierung (Andreas Biefang, Berlin)
- Wahlrecht und Wahlpraxis im Kaiserreich im internationalen Vergleich (Hedwig Richter, München)
- Strukturwandel der Öffentlichkeit? Meinungsfreiheit und politische Kommunikation im internationalen Vergleich (Christoph Jahr, Berlin)

19:00 Uhr:
Podiumsdiskussion:
Neue Kontroversen um das alte Reich? Kaiserreich, Nation und Liberalismus / Liberale Demokratie
mit Eckart Conze (Marburg), Dominik Geppert (Potsdam), Sonja Levsen (Freiburg), Anne Chr. Nagel (Gießen)
Moderation: Anja Reinhardt (Köln)

anschließend Verleihung des Wolf-Erich-Kellner-Preises 2021

Freitag, 5.11.2021:

9:00 – 10:45 Uhr:
Sektion III: Emanzipation – Inklusion und Exklusion

- Staatsbürgerschaft, Identität und Gemeinschaft in liberaler Theorie und Praxis (Andreas Fahrmeir, Frankfurt/M.)
- Liberale und die Gleichberechtigung (Kerstin Wolff, Kassel)
- Liberalismus und Judentum (Uffa Jensen, Berlin)
- Fin de siècle – Liberalismus und die Ambivalenz der Moderne (Ulrich Sieg, Marburg)

11:15 – 13:00 Uhr:
Sektion IV: Kommunikation und Globalisierung

- Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftspolitik im internationalen Kontext (Anne C. Nagel, Gießen)
- Infrastrukturentwicklung in (trans-)nationalen Räumen (Dirk van Laak, Leipzig)
- Wirtschaftskrisen und erste Globalisierung (Carsten Burhop, Bonn)
- Liberalismus, Kolonialismus und Imperialismus. Globale Ordnungskonzepte der Liberalen im internationalen Vergleich (Christoph Nonn, Düsseldorf)

13:00 - 14:00 Mittagessen

14:00 – 15:15 Uhr:
Sektion V: Liberale, Nation und Europa

- Liberaler Konstitutionalismus und Republikanismus. Die Zwischenkriegszeit (Jens Hacke, München)
- "Reich“ und „Nation“ im Liberalismus nach 1945 (Jürgen Frölich, Bonn)
- Von der deutschen Einheit zur europäischen Einigung? Liberale Konzeptionen (Henning Türk, Potsdam)

15:15 – 15:45 Uhr: Abschlussdiskussion

Kontakt

Dr. Wolther von Kieseritzky
Public History / Archiv des Liberalismus
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Karl-Marx-Str. 2, 14482 Potsdam
Tel. 0331 - 7019 341
wolther.von-kieseritzky@freiheit.org

https://www.freiheit.org/archiv-des-liberalismus