7. Kolloquium zu Kriminalität und Strafjustiz in der frühen Neuzeit und der Moderne: Kriminalität, Recht und Räumlichkeit

7. Kolloquium zu Kriminalität und Strafjustiz in der frühen Neuzeit und der Moderne: Kriminalität, Recht und Räumlichkeit

Veranstalter
Jeannette Kamp, Leiden University; Benjamin Seebröker, Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Volker Zimmermann, Collegium Carolinum, München; in Kooperation mit dem Käte Hamburger Kolleg „Einheit und Vielfalt im Recht“, Münster
Veranstaltungsort
Evangelische Tagungs- und Freizeitstätte Dresden
PLZ
01324
Ort
Dresden
Land
Deutschland
Vom - Bis
08.06.2022 - 10.06.2022
Deadline
15.02.2022
Von
Benjamin Seebröker, Käte Hamburger Kolleg "Einheit und Vielfalt im Recht", Westfälische Wilhelms-Universität Münster

7. Kolloquium zu Kriminalität und Strafjustiz in der frühen Neuzeit und der Moderne: Kriminalität, Recht und Räumlichkeit

Das Kolloquium bietet ein offenes Forum für Diskussionen, Debatten und die Präsentation von Dissertations-, Postdoc- und anderen Forschungsprojekten zur Kriminalitäts- und Strafrechtsgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne. Das Kernthema des 7. Kolloquiums lautet "Kriminalität, Recht and Räumlichkeit".

7th Colloquium on Crime and Criminal Justice in Early Modern and Modern Times: Crime, Justice and Spatiality

The colloquium provides an open forum for discussion, debate and the presentation of PhD-, postdoc- and other research projects related to the history of crime and criminal justice in the early modern and modern period. The core theme of the 7th colloquium is Crime, Justice and Spatiality.

7. Kolloquium zu Kriminalität und Strafjustiz in der frühen Neuzeit und der Moderne: Kriminalität, Recht und Räumlichkeit

Das Kolloquium bietet ein offenes Forum für Diskussionen, Debatten und die Präsentation von Dissertations-, Postdoc- und anderen Forschungsprojekten zur Kriminalitäts- und Strafrechtsgeschichte der Frühen Neuzeit und der Moderne. Es zielt auf einen interdisziplinären Austausch zwischen Wissenschaftler:innen aus einem breiten Spektrum von Fächern wie Geschichte, Rechtsgeschichte, Soziologie, Anthropologie, Ethnologie, Geisteswissenschaften, Politikwissenschaft u.a.

Kernthemen sind verschiedene Formen von Kriminalität und Delinquenz, Recht und Normativität, Strafverfolgung und Justiz, Strafe und soziale Kontrolle sowie Quellen und methodische Ansätze. Wir laden auch Wissenschaftler:innen ein, die mit Forscher:innen aus dem Bereich Kriminalität und Strafjustiz in einen Dialog treten möchten, auch wenn die genannten Themen nur Teilaspekte ihrer eigenen Projekte darstellen.
Vorschläge für Panels mit 2-4 Vorträgen werden ebenso wie Vorschläge für Einzelvorträge akzeptiert. Konferenzsprachen sind Englisch und Deutsch.

Das Kernthema des 7. Kolloquiums lautet "Kriminalität, Recht and Räumlichkeit". In einer offenen Sektion können zudem Vorträge vorgestellt werden, die sich nicht mit diesem engeren Themenbereich befassen, aber ebenfalls einen Bezug zur Geschichte der Kriminalität und der Strafjustiz aufweisen.

Kriminalität, Recht and Räumlichkeit

Die Geografie von Kriminalität und Strafjustiz war von Anfang an eine Analysekategorie für Historiker:innen, die sich mit Kriminalitätsgeschichte befassten. Sie untersuchten den Kontrast zwischen städtischen und ländlichen Kriminalitätsmustern, stellten Vergleiche zwischen verschiedenen Städten oder Ländern an, berücksichtigten die Bedeutung der physischen Präsenz von Richtern und des Zugangs zu Gerichtsgebäuden, erörterten, wie Unterschiede in der Nutzung öffentlicher Räume geschlechtsspezifische Kriminalitätsmuster beeinflussten usw. Trotz dieses Interesses und des dominierenden Einflusses des „spatial turn“ in der historischen Forschung seit den späten 1990er Jahren haben sich nur wenige Kriminalitätsforscher:innen der Herausforderung gestellt, Raum und Ort – im weitesten Sinne dieser Begriffe – in den Mittelpunkt ihrer Analyse zu stellen.

Ein räumlicher Blick kann unser Verständnis von Kriminalität und Strafjustiz in der Vergangenheit auf vielfältige Weise erweitern. Zum einen ermöglichen uns digitale Werkzeuge, den Raum auf neue Weise zu analysieren. Die Stadt ist nicht länger ein verschwommener Hintergrund für Verbrechen oder Polizeiarbeit, sondern kann mit Hilfe von geographischen Informationssystemen (GIS) auf der Ebene der Straßen oder sogar Häuser unter Einbeziehung einer großen Anzahl von Fällen analysiert werden. Wie bewegten sich Straftäter durch die Stadt? Welche Stadtteile waren "Brennpunkte" der Kriminalität und der Polizeiarbeit und in welchem Verhältnis standen diese zueinander? Natürlich ist die räumliche Analyse nicht auf die Verwendung großer Datensätze und digitaler Werkzeuge beschränkt. Eine andere Möglichkeit, die Beziehung zwischen Kriminalität und Raum zu untersuchen, besteht beispielsweise darin, die Auswirkungen der baulichen Umgebung auf die Kriminalität besser zu verstehen. Gut beleuchtete, offene Räume – wie städtische Plätze – werden als sicherer empfunden als dunkle und enge Gassen, und die städtischen Behörden berücksichtigen dies bei ihren Maßnahmen zur Bekämpfung der Kriminalität.

In ähnlicher Weise verbessert ein räumlicher Ansatz unser Verständnis der Funktionsweise der Justiz. In den letzten zehn Jahren haben deutsche Historiker:innen das Konzept der Gerichtslandschaften verwendet, das die vielfältigen Akteure, Rechtstraditionen und -kulturen beschreibt, die beispielsweise auf dem Gebiet des Heiligen Römischen Reiches nebeneinander existierten und miteinander konkurrierten. Es gibt viele andere Bereiche, in denen dieses Konzept als nützliches Analyseinstrument dienen könnte, z. B. im kolonialen und imperialen Kontext. Diese Aspekte sind auch eng mit dem umfassenderen Begriff des Rechtspluralismus verbunden. Auch bei der Untersuchung von Gebieten mit mehreren sich überschneidenden Jurisdiktionen oder unklaren Grenzen einer bestimmten Jurisdiktion kann eine Raumanalyse hilfreich sein.

Themenbeispiele:
- umkämpfte Rechtsräume
- der „spatial turn“ und digitale Werkzeuge
- „blank spaces“ - d.h. geografische Regionen, die nicht Teil des vorherrschenden Diskurses in der Kriminalitätsgeschichte sind (man denke an kleine Städte anstelle von Metropolen; Grenzregionen oder das Verhältnis von Peripherie und Zentrum; nicht-westliche Regionen gegenüber westlichen Regionen usw.)
- sich überlappende oder überschneidende Gerichtsbarkeiten
- Kartografie des Verbrechens (Sichtbarmachen von räumlichen Brennpunkten von Kriminalität)
- imperiale Zentren, koloniale Peripherien
- Städte und „kriminelle Räume“ (Zentren vs. Außenbezirke, Überwachung bestimmter Viertel)
- Kriminalgeografie als kriminologisches Feld in Vergangenheit und Gegenwart
- „Gefährliche“/„kriminelle“ Räume und Emotionsgeschichte

Vorschläge

Bitte senden Sie eine einseitige Zusammenfassung (max. 300 Wörter, deutsch oder englisch) mit dem Titel des Vortrags und einem kurzen Überblick über den Inhalt zusammen mit einer Kurzvita (eine Seite) in einer PDF-Datei an die unten aufgeführten Mitglieder des Organisationsteams. Bei Panelvorschlägen senden Sie bitte eine Zusammenfassung des Panelthemas (max. 200 Wörter) zusammen mit den Zusammenfassungen der einzelnen Präsentationen (max. 300 Wörter) und den entsprechenden Angaben zu den beteiligten Personen ebenfalls in einer PDF-Datei.
Die Vorträge sollen nicht länger als 20 Minuten dauern und können in deutscher oder englischer Sprache gehalten werden.

Die Frist für die Einreichung von Vorschlägen ist der 15. Februar 2022.

Zeit & Ort

Die Konferenz wird vom 8. bis 10. Juni 2022 in der Evangelischen Tagungs- und Freizeitstätte in Dresden, Deutschland, stattfinden. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 Personen begrenzt. Übernachtung und Verpflegung für die gesamte Aufenthaltsdauer werden für ca. 160 € angeboten. Kosten für Anreise und Unterkunft können nicht übernommen werden. In begründeten Fällen kann Doktorand:innen und Post-Docs eine finanzielle Unterstützung für Reise und Unterkunft gewährt werden. Bitte wenden Sie sich dafür an das Organisationsteam.

7th Colloquium on Crime and Criminal Justice in Early Modern and Modern Times: Crime, Justice and Spatiality

The colloquium provides an open forum for discussion, debate and the presentation of PhD-, postdoc- and other research projects related to the history of crime and criminal justice in the early modern and modern period. It aims for an interdisciplinary exchange between scholars of a wide range of subjects such as history, legal history, sociology, anthropology, ethnology, humanities, political science and others.

Core issues that will be addressed are various forms of crime and delinquency, law and normativity, criminal prosecution and justice, punishment and social control as well as sources and methodical approaches. We also invite contributions of scholars who would like to enter into a dialogue with researchers from the field of crime and criminal justice even though the mentioned topics would only constitute a part of the respective projects.

Both, proposals for panels of 2–4 speakers as well as proposals for individual presentations are accepted. Conference languages are English and German and papers in both languages are accepted.
The core theme of the 7th colloquium is Crime, Justice and Spatiality. There will also be room in an open section for panel/paper proposals that do not deal with this theme but are also related to the history of crime and criminal justice.

Crime, Justice and Spatiality

Since the very beginning, geographies of crime and criminal justice have been a factor of analysis for historians studying the subject. Scholars studied contrasting urban and rural crime patterns; made comparisons between different cities or countries; took into account the importance of physical presence of judges and access to court houses; discussed how differences in the use of public spaces influenced gendered delinquency patterns and so on. Despite this interest, and the dominant influence of the spatial turn in historical research since the late 1990s, only few crime historians have embarked on the challenge to put space and place – in the broadest definition of these terms – at the center of their analysis.

There are many ways in which a spatial lens can broaden our understanding of crime and criminal justice in the past. For one, digital tools enable us to analyze space in new ways. The city is no longer a uniform background of crime or policing, but can be studied on the street – or even house – level for a large number of cases at once with the use of GIS. How did offenders move through the city? What neighborhoods were „hot zones“ of crime and policing and how did this relate to one another? Obviously, the spatial analysis is not limited to the use of large datasets and digital tools. Another way of looking at the relationship between crime and space, for instance, is to get a better sense of the impact of the built environment on crime. Well lit, open spaces – for example urban squares – are perceived as safer than dark and narrow alleyways and urban authorities take this into account in their responses to crime.

Similarly, a spatial approach enhances our understanding of the functioning of justice. The past decade or so, German historians have used the concept of Gerichtslandschaften – legal landscapes – the multiple actors, legal traditions and cultures coexisting and competing with one another across the territories of the Holy Roman Empire. There are many other areas where this concept could serve as a useful tool of analysis, e.g. in a colonial and imperial context. These aspects are also closely linked to the broad concept of legal pluralism. On a spatial level, legal pluralism can be helpful for examining areas with multiple overlapping jurisdictions or unclear borders of a certain jurisdictions.

Examples for topics:
- Contested legal spaces
- The spatial turn and digital tools
- Blank spaces – i.e. geographical regions that are not part of the dominant discourse in crime history (think of small cities instead of metropoles; frontier regions or the periphery vs the center; non-western regions vs western regions)
- overlapping/ intersecting jurisdictions
- Cartographies of crime (making “problematic” areas visible)
- Imperial centres, colonial peripheries
- Cities and “criminal spaces” (centres vs. outskirts, surveillance of certain quarters)
- Criminal geography as a criminological field in past and present
- “Dangerous”/ ”criminal” spaces and the history of emotions

Proposals

Please send a one-page abstract (max 300 words, German or English) with the title of the presentation and a brief summary of the content along with a short CV (one page) in one PDF file to the members of the organising team listed below. In the case of panel proposals please send an abstract of the panel topic (max 200 words) together with abstracts of the individual presentations (max 300 words) and the corresponding short CVs in one PDF file as well.
The presentations should not exceed 20 minutes and can be given in German or English
The deadline for proposals is 15 February 2022.

Time & Place

The conference will take place at the “Evangelische Tagungs- und Freizeitstätte” in Dresden, Germany on 8-10 June 2022. The number of participants is limited to 25 persons. Bed and board for the whole time of stay will be available for about 160€. Costs for travel and accommodation cannot be covered. In duly justified cases, financial support for travel and accommodation can be granted to PhD-students or post-docs. Please contact the organising team in this matter.

Kontakt

Jeannette Kamp, Leiden University, Institute for History, j.m.kamp@hum.leidenuniv.nl;
Benjamin Seebröker, Käte-Hamburger Kolleg „Einheit und Vielfalt im Recht“, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, benjamin.seebroeker@uni-muenster.de;
Volker Zimmermann, Collegium Carolinum, München, volker.zimmermann@collegium-carolinum.de