Das gelebte Europa: Formen und Praktiken der Vernetzung in Alltagskultur und Lebenswelten, circa 1870 – 1950

Das gelebte Europa: Formen und Praktiken der Vernetzung in Alltagskultur und Lebenswelten, circa 1870 – 1950

Veranstalter
Mathias Häußler (Universität Regensburg) und Florian Greiner (Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte Heidelberg)
Veranstaltungsort
Regensburg
PLZ
93053
Ort
Regensburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.03.2023 - 24.03.2023
Deadline
15.05.2022
Von
Mathias Häußler (Universität Regensburg) und Florian Greiner (Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte Heidelberg)

Die Konferenz untersucht das „gelebte Europa“ im Zeitraum von circa 1870 bis 1950. Im Zentrum steht die Frage, wie sich innereuropäische Verflechtungen zwischen dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und dem Beginn des politischen Integrationsprozesses in konkrete gesellschaftliche Praktiken übersetzten und das Alltagsleben auf einem sich rapide wandelnden Kontinent beeinflussten.

Das gelebte Europa: Formen und Praktiken der Vernetzung in Alltagskultur und Lebenswelten, circa 1870 – 1950

Lieferengpässe, Grenzschließungen, Infektionsausbrüche infolge von Arbeitsmigration oder Reisen – die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf das Alltagsleben zeigten eindrucksvoll, wie stark europäische Gesellschaften im 21. Jahrhundert miteinander verflochten sind. Die Wurzeln dieser Verbundenheit reichen indes deutlich weiter zurück. So haben in der historischen Europaforschung gesellschaftliche Verflechtungen und innereuropäische Annäherungen jüngst verstärkt Aufmerksamkeit erfahren, wobei diese keinesfalls ausschließlich auf die Zusammenarbeit innerhalb der Europäischen Union oder ihrer Vorgängerorganisationen zurückgeführt werden. Vielmehr stehen zunehmend auch europäische Verbindungen jenseits institutioneller Entwicklungen im Fokus, etwa zivilgesellschaftliche Netzwerke, transnationale Austauschprozesse oder Dynamiken infrastruktureller Vernetzung. Mit diesem Trend einher geht eine chronologische Erweiterung der europäischen Integrationsgeschichte, die immer stärker längerfristige Entwicklungslinien und Kontinuitäten aus der Zeit vor den 1950er Jahren herausarbeitet. Doch blieb bisher weitgehend unerforscht, inwieweit und in welcher Form sich diese vielfältigen Verflechtungen auf die alltäglichen Lebenswelten der Europäer:innen auswirkten.

Unsere Konferenz setzt sich zum Ziel, aus einer „bottom-up“ Perspektive heraus Formen, Praktiken und Wirkmächtigkeit des „gelebten Europa“ empirisch zu untersuchen. Im Zentrum steht die Frage, wie sich innereuropäische Verflechtungen zwischen dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und dem Beginn des politischen Integrationsprozesses in konkrete gesellschaftliche Praktiken übersetzten und das Alltagsleben auf einem sich rapiden wandelnden Kontinent beeinflussten: Wie stark kamen Menschen mit anderen Europäer:innen in Kontakt, welche Berührpunkte existierten zwischen europäischen Gesellschaften, wie verschränkten sich individuelle Lebenswelten? Und welche Folgen hatten solche Austauschprozesse wiederum für Ideen und Konstruktionen „Europas“? Ebenso wichtig ist mit Blick auf die Vielfalt an Europavorstellungen in jener Zeit auch die Frage nach Diskontinuitäten und Momenten der Desintegration: Wo lagen die Grenzen des „gelebten Europa“, wo fand eben gerade kein Austausch statt?

Potenzielle Themenschwerpunkte könnten sein:

- Elitennetzwerke und wissenschaftliche, kirchliche und koloniale Kooperationen
- Zivilgesellschaftliche Vernetzung durch politische Verbände oder transnationale Interessensgruppen
- Grenzüberschreitende wirtschaftliche Verbindungen und Unternehmensverflechtungen, infrastrukturelle Verdichtung
- Mediale Kommunikationsräume und europäische Öffentlichkeiten
- Mobilität, Migration, Tourismus und andere Formen transnationaler Kontakte
- Grenzüberschreitende Transfers und Europäisierungsprozesse in Alltags- und Vergnügungskultur

Die Konferenz wird vom 22.-24. März 2023 in Regensburg stattfinden und von der Daimler und Benz Stiftung finanziell unterstützt. Die Keynotes werden von Ulrike von Hirschhausen (Rostock) und Christoph Cornelißen (Frankfurt) gehalten. Vorträge sollten die Länge von 20 Minuten nicht überschreiten; Übernachtungs- und Reisekosten (Bahnfahrt, 2. Klasse) der Vortragenden werden erstattet. Eine Veröffentlichung ausgewählter Beiträge im Rahmen eines Sammelbands ist geplant; zur inhaltlichen Abstimmung wird sich ein eintägiger digitaler Workshop an die Konferenz anschließen.

Wir bitten um Themenvorschläge mit einem Abstract (max. 300 Wörter) und einer etwa halbseitigen Kurzbiografie bis zum 15. Mai 2022 an Mathias Häußler (mathias.haeussler@ur.de) und Florian Greiner (florian.greiner@ebert-gedenkstaette.de).

Kontakt

Mathias Häußler, mathias.haeussler@ur.de

Redaktion
Veröffentlicht am
10.03.2022
Klassifikation
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Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung
Sprache Beitrag