Umbrüche und Transformationsprozesse in Europa (ca. 1830–heute)

"Umbrüche und Transformationsprozesse in Europa (ca. 1830–heute)"

Veranstalter
Dr. Michaela Bill-Mrziglod (Institut für Katholische Theologie, Fachbereich Kirchengeschichte, Universität Koblenz), Dr. Sarah Schäfer-Althaus (Institut für Anglistik und Amerikanistik, Universität Koblenz)
PLZ
56070
Ort
Koblenz
Land
Deutschland
Vom - Bis
14.10.2022 -
Von
Michaela Bill-Mrziglod, Institut für Kath. Theologie, Universität Koblenz-Landau

Digitaler interdisziplinärer Workshop 14. Oktober 2022.

"Umbrüche und Transformationsprozesse in Europa (ca. 1830–heute)"

STAND – BERUF(UNG) – GESCHLECHT – KÖRPERLICHKEIT

Umbrüche sind instabile, hochdynamische und zeitlich begrenzte Phasen, die alle Bereiche des Lebens betreffen und Auswirkungen auf individuelle Biografien wie auch gesellschaftsprägende, kollektive Veränderungen zur Folge haben können. Brüche und Kontinuitäten legen dabei Konflikt- und Konsensdiskurse innerhalb gesellschaftlicher, politischer und religiöser Systeme offen und ziehen nicht selten Transformationen und Neuformierungen sowie ein ‚Neudenken‘ gesellschaftspolitischer Konstruktionen und Ordnungen nach sich. Ob selbst- oder fremdinduziert, freiwillig getragen oder unter Zwang erlitten, Umbrüche werden oftmals als prägende Einschnitte in ganzen Gesellschaften oder individuellen (geschlechtlichen) Biografien verstanden und veranschaulichen den schmalen Grat zwischen Fragilität und Anpassungsfähigkeit der Gesellschaft und des Individuums im Laufe der Geschichte.

In einem ersten Workshop im Februar 2022 wurden europäische Transformationsprozesse im Zuge von Spätmittelalter, Konfessionalisierung und Aufklärung (ca. 1450–1830) interdisziplinär diskutiert. Im Rahmen des zweiten Teils des Workshops, der die Zeitspanne zwischen 1830 und heute in den Blick nimmt, sind erneut vier Bereiche von Interesse, die von Umbruchphasen betroffen sein können: Stand, Beruf(ung), Geschlecht und Körperlichkeit. Da Umbrüche und Veränderungen in sogenannten dynamischen „Schwellenräumen“ des Nicht-mehr-und-noch-nicht – in Anlehnung an Liminalitätskonzepte (z.B. Victor Turner) – entstehen, leisten diese Kategorien einen wertvollen Beitrag zur Erschließung der historischen Genese von Standes-, Geschlechts- und Berufsidentitäten.

Der Workshop hat einen Schwerpunkt in den Geschichts-, Kultur- und Literaturwissenschaften mit Anknüpfungsmöglichkeiten für Gesellschaftswissenschaften, Theologien, Medizin und Kunstwissenschaften. Biografische Zeugnisse (Selbstzeugnisse, Lebensbeschreibungen, literarische Zeugnisse) sind dabei ebenso von Interesse wie normative, erbauliche, literarische (fiktional / non-fiktional), medizinische, politische und künstlerische Auseinandersetzungen mit Transformationsprozessen, Umbrüchen und Phasen des Übergangs.

Eingeladen sind Projekte, die sich mit folgenden oder daran anknüpfenden Fragestellungen auseinandersetzen:

- Welche Schwellenräume geschlechts- und standeskonstituierender Identitäten und deren Übergangsriten sind historisch interessant? (z.B. der Übergang vom Kindes- zum Jugend-/ Erwachsenenalter; Schwangerschaft, Wochenbett, Stimmbruch; die Wahl eines neuen Standes wie Verlobung, Heirat, Priestertum, Noviziat, Mönchtum; Investitur, Beisetzung, Krankensalbung, Körpermodifikation (z.B. Schönheitsoperationen, Tätowierungen))? Welche Umbrüche im Bereich Beruf und Arbeit machen gesellschaftlich vorgegebene Modelle sichtbar (wie z.B. wirkt sich das Modell der ‚männlichen‘ (Erwerbs)Arbeit auf Konzepte der Arbeitsmodelle von / für Frauen aus; beruflicher Aufstieg / Niedergang; Berufswahl)? Wie hängt dies mit kulturellen, gesellschaftlichen, politischen und religiösen Transformationsprozessen im Raum „betwixt and between“ zusammen? Gibt es gesellschaftlich angebotene „‚Soll-Bruch-Stellen‘ und Sequenzmuster für konkretes Handeln und biographische Entscheidungen“, mit denen Individuen interagieren, indem sie sie annehmen oder ablehnen?
- Welche Ursachen und Auswirkungen haben – unter Berücksichtigung etwa auch der Disability Studies – körperliche Veränderungen (natürliche, passiv erlittene (bspw. Verlust eines Körperteils, körperliche Beeinträchtigungen, Krankheit, Seuchen) bzw. aktiv beeinflusste (etwa durch Askese, Sport oder Körpermodifikationen)) auf Individuen oder Gesellschaften? Welche Rolle spielen ‚embodied experiences‘, Affekte, Emotionen und Identität als Motivatoren von Entscheidungsprozessen?
- Welche Rolle spielt das ‚Warten‘ in Umbruchsprozessen (Krankheit, Diagnose, Unsicherheiten, Kontrollverlust)?
- Welche Versuche werden unternommen, um Umbrüche und Transformationen einerseits aufzuhalten und zu verlangsamen bzw. andererseits zu beschleunigen oder ggf. auch umzukehren (körperliche/geistige Entsagung, Erhaltung von körperlicher und geistiger ‚Fitness‘, Verzögerung biologischer Prozesse (Altern); aber auch Negation und Verleumdung des gesellschaftlichen Wandels)?
- Welche kulturellen, geographischen Unterschiede, Interdependenzen, wiederkehrenden Muster und Auslöser individueller wie kollektiver Umbrüche sind erkennbar?

Eine Publikation aller Beiträge des ersten und zweiten Workshops ist im Anschluss geplant. Im Sinne der Nachhaltigkeit findet der Workshop ausschließlich digital statt. Beiträge von Nachwuchswissenschaftler:innen sind ausdrücklich erwünscht. Bitte senden Sie Ihren Themenvorschlag und ein Abstract (max. 500 Wörter) für einen 20-minütigen Vortrag in deutscher oder englischer Sprache bis zum 13.06.2022 an beide Organisatorinnen.

Kontakt

E-Mail: billmrziglod@uni-koblenz.de
E-Mail: salthaus@uni-koblenz.de

Redaktion
Veröffentlicht am
10.04.2022
Klassifikation
Region(en)
Thema
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Englisch, Deutsch
Sprache der Ankündigung