27. Polizeigeschichtliches Kolloquium

27. Polizeigeschichtliches Kolloquium

Veranstalter
Bayerisches Hauptstaatsarchiv; Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
Ort
München
Land
Deutschland
Vom - Bis
06.07.2017 - 08.07.2017
Deadline
03.07.2017
Von
Bernhard Gotto, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Institut für Zeitgeschichte

Das 27. Kolloquium zur Polizeigeschichte findet dieses Jahr in München statt und wird sich vor allem mit zwei thematischen Schwerpunkten beschäftigen:

1. Polizei, Archiv und Forschung – Ressourcen und Wechselwirkungen

Das erste Panel beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld von Polizei, Archiven und historischer Forschung. Archivare haben Forschungsinteressen mit schutzwürdigen Belangen Betroffener und mit der bisweilen skeptischen Vorsicht der Sicherheitsorgane in Einklang zu bringen, und sie müssen dafür sorgen, dass einschlägige Unterlagen übernommen, aufbereitet, konserviert und zugänglich gemacht werden. Historikerinnen und Historiker fragen nach Kriterien und Lücken der Überlieferungsbildung, erstreben ungehinderten Aktenzugang und erwarten eine zuverlässige Erschließung. Exemplarisch werden polizeigeschichtlich relevante Archivbestände des 19. und 20. Jahrhunderts sowie deren Quellenwert und Erschließung vorgestellt, verbunden mit Fragen der Aktenaussonderung bei Polizeibehörden und der Überlieferungsbildung im Bereich öffentliche/innere Sicherheit und Ordnung.

2. Polizei und „NS-Belastung“ – Auswirkungen der NS-Vergangenheit in den Nachkriegspolizeien in Deutschland und Europa

Im Zuge der expandierenden Auftragsforschung zahlreicher Bundes- und Landesbehörden werden seit einigen Jahren die Nachwirkungen der nationalsozialistischen Polizeipraxis und ihrer Protagonisten in der Zeit nach 1945 intensiv erforscht. Die Tagung will daran anknüpfen und fragt nach „NS-Belastungen“ in weit gefasstem Sinn in den Polizeien in Deutschland, aber auch in dessen Nachbarländern. Neben personellen (Dis-)Kontinuitäten und Netzwerken werden Nachwirkungen im konzeptionellen Denken und im praktischen Handeln von Polizei- und Geheimdienstorganisationen im Kontext des Kalten Krieges untersucht. Der Blick richtet sich zunächst exemplarisch auf die Länder Baden, Bayern und Nordrhein-Westfalen, anschließend auf die drei großen Sicherheitsbehörden des Bundes: BGS, BKA und BND. Im dritten Schritt erweitert sich die Perspektive vergleichend auf West- und Südeuropa, speziell auf Belgien, die Niederlande und Italien.

Die thematisch offene dritte Sektion bietet Beiträge zur polizeilichen „Führungsaufsicht“, zur Wahrnehmung des Rechtsradikalismus der 1970er und 1980er Jahre in der bundesdeutschen Polizei, zur Computereinführung in zentralen Sicherheitsbehörden West- und Ostdeutschlands, zur Mitwirkung der polnischen Polizei bei der Judenverfolgung im Zweiten Weltkrieg und zu einem spektakulären Kriminalfall in Australien im späten 19. Jahrhundert.

Die Teilnahme an der Tagung steht allen Interessenten kostenfrei offen, es wird aber wegen begrenzter Plätze um Anmeldung bis 3.7.2017 gebeten.

Programm

Donnerstag, 6. Juli: Polizei, Archiv und Forschung – Ressourcen und Wechselwirkungen (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Schönfeldstraße 5, 80539 München, Raum 207, Beginn: 13:30 Uhr)

Magnus Brechtken (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin), Bernhard Grau (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München), Gerhard Fürmetz (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München): Begrüßung und Einführung

Gerhard Fürmetz (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München): Polizei, Archiv und Forschung – Wechselwirkungen und Spannungsfelder am Beispiel Bayerns

Christine Kofer, Teresa Massinger (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München): Schutz des Amtsgeheimnisses und wissenschaftlicher Wert – Bewertung und Er-schließung von Unterlagen des bayerischen Innenministeriums und des Landes-kriminalamtes

Christoph Bachmann, Markus Schmalzl (Staatsarchiv München): Was gibt die Polizei ans Archiv? Zur Überlieferungsbildung polizeigeschichtlicher Quellen im Staatsarchiv München

Kerstin Rahn (Niedersächsisches Landesarchiv Hannover): „Castor-Einsatz, Leo-Leine und Polizeihubschrauberstaffel“? Zur Erarbeitung des Bewertungsmodells „Innere Sicherheit und Ordnung“ für die analoge und digitale Überlieferung nie-dersächsischer Polizeieinrichtungen

Philipp Springer (BStU Berlin): Das „Gedächtnis“ der Staatssicherheit. Aufgaben, Entwicklung und Personal der Kartei- und Archivabteilung des MfS

Thomas Grotum, Lena Haase (Universität Trier): Die Erschließung der Ermittlungs-akten der Gestapo Trier. Ein deutsch-französisches Kooperationsprojekt

Freitag, 7. Juli 2017: Polizei und „NS-Belastung“ – Auswirkungen der NS-Vergangenheit in den Nachkriegspolizeien in Deutschland und Europa (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin, Leonrodstraße 46b, 80636 München, Seminarraum, Beginn: 9:00 Uhr)

Eberhard Stegerer (Freiburg): Neuaufbau der uniformierten badischen Polizei in der französischen Besatzungszone nach der Entnazifizierung, sowie personelle (Dis-) Kontinuitäten aus regionalgeschichtlicher Perspektive

Franziska Walter (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin): Das Bayerische Landeskriminalamt und sein Gründungspersonal (1946-1952). Kriminalistische Prägungen aus vier Systemen

Joachim Schröder (Erinnerungsort Alter Schlachthof Düsseldorf): Ein SS-Netzwerk in der nordrhein-westfälischen Kriminalpolizei

David Livingstone (University of California): The Burden of the Nazi Past in West Germany’s Bundesgrenzschutz and the Forgotten Case of Nazi War Criminal Wil-helm Radtke

Patrick Wagner (Universität Halle): Braune Wurzeln – faule Früchte? Die Bedeutung der NS-Vergangenheit für Konzepte, Organisation und Praktiken des Bun-deskriminalamtes 1951 bis 1985

Gerhard Sälter (Gedenkstätte Berliner Mauer): Nationalsozialistische Funktions-träger im BND: Rekrutierung, Netzwerke und die Feindbilder der jungen Demokratie

Herbert Reinke (Berlin/Brüssel): Mémoires en souffrance – Unerledigte Erinne-rungen. Geschichte, Geschichtsschreibung und Erinnerungskulturen westeuropäi-scher Polizeien (Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit)

Guus Meershoek (Univerity of Twente): Continuity and Decline of Police Practices Acquired During the German Occupation of the Netherlands (1945-1985)

Johnathan Dunnage (Swansea University): Narratives about Fascist Pasts and Democratic Policing in Post-War Italian and West German Police Journals

Samstag, 8. Juli 2017: Freie Sektion (Institut für Zeitgeschichte München – Berlin, Leonrodstraße 46b, 80636 München, Seminarraum)

Alexander Baur (Universität Hamburg): Von der Polizeiaufsicht zur Führungsaufsicht – Entwicklungslinien der ambulanten Sicherung vor den Gefahren entlassener Straftäter

Klaus Weinhauer (Universität Bielefeld): Eine rechte RAF? Rechtsradikalismus in der Wahrnehmung bundesdeutscher Sicherheitsbehörden der 1970er und 1980er Jahre

Rüdiger Bergien (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam): Zwischen „Datenbänkchen“ und „Big Data“. Die Computereinführung in BKA, BfV und MfS (1960-1990)

Sylwia Szymańska-Smolkin (University of Toronto): Guardians of the Law, Extor-tionists, and Perpetrators: Complicity of the Polish Police in the Holocaust

Peter Münch-Heubner (Universität Augsburg): Die australische Polizei, der anglo-irische Konflikt und die Herausforderung der „bushranger“ im Verlauf des „Kelly outbreak“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Das vollständige Programm inklusive aller Zeiten finden Sie auf der Hompage des IfZ und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs.

Kontakt

Bernhard Gotto
Institut für Zeitgeschichte München-Berlin
Leonrodstr. 46b
80636 München
gotto@ifz-muenchen.de

Gerhard Fürmetz
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Schönfeldstr. 5
80539 München
gerhard.fuermetz@bayhsta.bayern.de