Conference Postponement and CfP Extension: Gender Pay Gap – Vom Wert und Unwert von Arbeit

Conference Postponement and CfP Extension: Gender Pay Gap – Vom Wert und Unwert von Arbeit

Veranstalter
Rainer Fattmann, Bonn; Michaela Kuhnhenne, Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf; Stefan Müller, Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn; Mandy Stalder-Thon, Institut für soziale Bewegungen, Bochum; Wiebke Wiede, Universität Trier; Johanna Wolf, Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt am Main
Ort
Bonn
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.04.2021 - 23.04.2021
Deadline
15.09.2020
Von
Wiebke Wiede

Aktualisierung: Auf Grund der aktuellen Corona-Entwicklungen verschieben wir die geplante Tagung vom November 2020 auf den 22./23. April 2021 und aktualisieren zugleich den CfP. Die neue Einreichungsfrist ist der 15. September 2020.

Der Lockdown, der Mitte März in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen wurde, zeigt, wie unterschiedlich Arbeit immer noch wahrgenommen wird. Das trifft zum einen die innerhäusliche Care-Arbeit, die zum großen Teil von Frauen übernommen wurde und wird und oftmals mit einer Verkürzung der Erwerbsarbeit einhergeht. Zum anderen trifft es aber auch die außerhäusliche Arbeitswelt: Die meisten relevanten Entscheidungen, wie mit dieser Krise umzugehen sei, werden von Experten begleitet – Expertinnen dagegen stehen kaum im Fokus der Öffentlichkeit. Die Berufe, in denen Frauen überdurchschnittlich stark vertreten sind, wurden zu Beginn des Lockdowns zwar als „systemrelevant“ gelobt – vor allem der Einzelhandel, die Krankenpflege – gefolgt ist den großen Worten und der kurzzeitigen Anerkennung jedoch wenig.
Damit macht die Pandemie die Frage nach dem vergeschlechtlichten Wert und Unwert von Arbeit und den Ursprüngen dessen noch einmal ganz aktuell. Wir wissen, dass auch die wissenschaftliche Arbeit durch weitere Faktoren eingeschränkt wurde: Umplanungen an Universitäten, Homeoffice, geschlossene Bibliotheken und Archive. Daher haben wir uns entschieden, auch weil die Tagung nun erst im kommenden Frühjahr stattfinden wird, den Call bis zum 15. September 2020 zu verlängern.

Die diesjährige Tagung der Reihe „Neue Perspektiven auf die Gewerkschaftsgeschichte“ widmet sich der Problematik des Gender Pay Gaps und der mit ihm verknüpften Fragestellungen in historischer Perspektive.
In der Bundesrepublik verdienten im Jahr 2018 Frauen pro Arbeitsstunde ca. 20 Prozent weniger als Männer.[1] Dieser Abstand in der Entlohnung ist seit den 1980er-Jahren nahezu konstant geblieben. Im europäischen Durchschnitt gehört die Bundesrepublik zwar diesbezüglich zu den Spitzenreitern, die Persistenz des Phänomens ist allerdings länderübergreifend. Der Gender Pay Gap, das geschlechtsspezifische Lohngefälle zwischen Männern und Frauen, weist eine frappierende, relative Stabilität über die Zeit auf, und an einer Erklärung dieser Ungleichbehandlung versuchen sich Sozialwissenschaftlerinnen seit Jahren. Als Hauptursachen des Gender Pay Gap, die empirisch klar nachgewiesen werden können, gelten Berufsstruktur, Beschäftigungsumfang, Aufteilung von Familien- und Care-Arbeit oder der Anteil von Frauen und Männern in Führungspositionen. Diskriminierung von Frauen ist auf vielen Ebenen und in intersektionaler Dependenz anzunehmen.
Der historische Blick auf Ausprägungen und Ursachen des Gender Pay Gaps ermöglicht es, seine vielfältigen Verflechtungen mit Entwicklungen von Ungleichheitsstrukturen in Arbeitsmärkten und generell der gesellschaftlichen Arbeitsorganisation zu verdeutlichen. Das geschlechtsspezifische Gehaltsgefälle hängt mit historisch bedingten Definitionen von Arbeits- und Leistungsnormen oder politökonomischen Setzungen von Produktivität zusammen und nicht zuletzt mit der Frage, wie Arbeit bewertet wird und wie es zu diesem „Wert“ kommt. Wir möchten auf Grundlage eines weiten Verständnisses von „Wert“ danach fragen, wie Arbeit bewertet wurde, mit welchen Entwicklungen diese Bewertung erklärt werden kann und welche Rolle Gender dabei spielt. Warum wird Arbeit gut oder schlecht bezahlt und bewertet? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Gender und den spezifischen Vorstellungen „guter Arbeit“, die entsprechend entlohnt wird? Welche Rolle spielen die Interessenvertretung in Gewerkschaften und Betrieben und die Tarifpolitik? Welche Bewertungen von Arbeit, welche Formen von Anerkennung kann Arbeit jenseits von Entlohnung in Aussicht stellen (Selbstentfaltung, Zuneigung, Erlösung)? Wie und warum funktioniert eine „vergeschlechtlichte“ Bewertung von Arbeit? Mit welchen anderen Klassifizierungsmustern (race, class) war und ist die geschlechtsspezifische Bezahlung und Bewertung von Arbeit intersektional verknüpft?
Diesen und anderen Problemstellungen möchte die Tagung nachgehen, fokussiert auf die Frage nach Ausprägungen und Ursachen des Gender Pay Gaps, im Sinn einer ungleichen Entlohnung von Arbeit. Das breite historische Problemfeld möchten wir anhand von theoretisch und empirisch fundierten Studien durchmessen, deren zeitlicher Rahmen vom frühen 19. Jahrhundert bis zum beginnenden 21. Jahrhundert reichen sollte (aber auch auf die Frühe Neuzeit zurückgreifen kann).
Denkbar sind folgende Themen, die als Vorschläge verstanden werden sollten. Andere Schwerpunktsetzungen sind sehr erwünscht.
1) Geschichte und Konjunktur der Debatten um den „Gender Pay Gap“
2) Prozesse von Verberuflichung von Gender und Vergeschlechtlichung von Berufen
3) Interessenvertretung und Gender in Gewerkschaften/Interessen von Gewerkschaften an Genderproblematiken
4) Performanz und Inszenierung von Arbeit und „doing gender“
5) Ungleiche Schwestern – Lohngefälle in DDR und Bundesrepublik
6) Internationale Perspektiven der Arbeitsorganisation und Interessenvertretung

(Eine ausführlichere Erläuterung der Schwerpunkte findet sich im CfP vom 24.01.2020: https://www.hsozkult.de/event/id/termine-42278)

Als Keynote Speaker konnten wir Susan Zimmermann (Universität Wien) gewinnen.

Abstracts mit ca. 400 Wörtern und einem kurzen akademischen CV können eingereicht werden bei Wiebke Wiede (wiede@uni-trier.de).

Die Tagung wird vom Kooperationsprojekt „Jüngere und jüngste Gewerkschaftsgeschichte“ der Hans-Böckler-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstaltet. Reisekosten und Unterkunftskosten für Vortragende werden durch die Hans-Böckler-Stiftung und die Friedrich-Ebert-Stiftung getragen.

[1] Angaben nach: WSI GenderDatenPortal 2019, online unter: https://www.boeckler.de/52854.htm#.

Programm

Kontakt

Wiebke Wiede

Universität Trier, Universitätsring 15, 54286 Trier

wiede@uni-trier.de


Redaktion
Veröffentlicht am
25.06.2020
Beiträger