Kunst in der Kommune: Über die Gleichzeitigkeit von Innovation und Kontinuität deutscher Kunstpolitik nach 1945

Kunst in der Kommune: Über die Gleichzeitigkeit von Innovation und Kontinuität deutscher Kunstpolitik nach 1945

Veranstalter
Christiane Wanken (Kunstmuseum Gelsenkirchen), Annika Becker (Kunstmuseum Gelsenkirchen), Daniel Schmidt (Institut für Stadtgeschichte), Fabian Köster (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) (Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen, Kunstmuseum Gelsenkirchen)
Ausrichter
Institut für Stadtgeschichte Gelsenkirchen, Kunstmuseum Gelsenkirchen
Veranstaltungsort
Kunstmuseum Gelsenkirchen
PLZ
45897
Ort
Gelsenkirchen
Land
Deutschland
Vom - Bis
22.06.2022 - 24.06.2022
Deadline
31.10.2021
Von
Annika Becker, Kunstmuseum Gelsenkirchen

Die Tagung des Kunstmuseums Gelsenkirchen und des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen stellt die Frage nach der Gleichzeitigkeit von Innovation und Kontinuität in der kommunalen Kunstpolitik in der langen westdeutschen Nachkriegszeit.

Kunst in der Kommune: Über die Gleichzeitigkeit von Innovation und Kontinuität deutscher Kunstpolitik nach 1945

Im Nachkriegsdeutschland stellte sich kommunale Kulturpolitik als eines der wenigen kaum reglementierten oder vorstrukturierten Politikfelder dar, kulturelle Förderung mutete hierbei nach wie vor als weitestgehend freiwillig an. Das Begriffspaar Kunst und Politik schien zugleich fast unzertrennlich mit Demokratisierung und Re-Education einerseits sowie Sozialismus und antifaschistischer Erziehung andererseits verbunden zu sein.

Die Kommune kann – noch vor den Einflüssen der Institutionskritik – als der wesentliche Bereich verstanden werden, in dem die Kunst den Menschen unmittelbar gegenübertritt. Die Kunst wurde dementsprechend im Westen Deutschlands zu einem vermeintlichen Demokratisierungsparameter und die Kommune zum Ermöglichungsraum für unterschiedliche Kunstimpulse und -erzählungen. Allerdings war ihre Rolle ambivalent, da Räume für Kunst geschaffen und gleichzeitig verhindert wurden. Dieses Spannungsfeld zeigt sich beispielhaft an zwei konträren Entscheidungen der Stadt Gelsenkirchen:

Einerseits beriet im Oktober 1957 eine Jury über die künstlerischen Arbeiten, welche im und am Bau des neuen Theaters in Gelsenkirchen integriert werden sollten. Die Künstler Robert Adams, Paul Dierkes, Rupprecht Geiger, Yves Klein und Norbert Kricke wurden ausgewählt. Klein beschrieb 1958 die Zusammenarbeit der Künstler mit dem Architektenteam als von einem „sehr 'avantgardistische(n)' Geist“ geprägt. Andererseits erwarb die Stadt im selben Jahr die Olympia des Künstlers Fritz Klimsch und ließ die Skulptur nahe des Rathauses in Gelsenkirchen-Buer aufstellen. Klimsch – als „Gottbegnadeten“-Künstler von den Nationalsozialisten protegiert –, arbeitete an der Olympia im Auftrag der nationalsozialistischen Heeresführung.

Vor diesem Hintergrund stellt die geplante Tagung des Kunstmuseums Gelsenkirchen und des Instituts für Stadtgeschichte Gelsenkirchen die Frage nach der Gleichzeitigkeit von Innovation und Kontinuität in der kommunalen Kunstpolitik in der langen westdeutschen Nachkriegszeit. Der primäre Untersuchungszeitraum beschränkt sich auf die Jahre 1945 bis 1973. Zugleich ist ein Blick auf die Entwicklungen in der SBZ bzw. DDR als Vergleichsfolie ausdrücklich erwünscht.

Die interdisziplinär angelegte Tagung wird sich folgenden Untersuchungsebenen widmen:

I Akteur:innen: Wer setzt welche Impulse für und gegen Innovation? Welche Bedeutung lässt sich Kulturpolitiker:innen, Künstler:innen, Mäzen:innen, Kunstvereinen, bestehenden kommunalen Netzwerken, dem Publikum sowie der Alliierten Besatzungsmacht zuschreiben?

II Instrumente und Strukturen: Welche Bedingungen beeinflussen die Entscheidungen kommunaler Kunstpolitik? Wie werden Räume für Kunst geschaffen? Wie werden Erzählungen über und mit Kunst tradiert oder neu gestaltet? Welche Rolle spielen die Ankäufe kommunaler Museen und deren Sammlungspolitik, aber auch die Einrichtung von Kunstpreisen, die Förderung von Kunst im öffentlichen Raum und der freien Szene und weiterführend die Gründung von Kunstschauen?

III Motive: Was sind die vorherrschenden Parameter, welche die kommunale Kunstpolitik antreibt? Wie sind Faktoren wie kommunale Imagebildung, Demokratisierung, Volksbildung, Prestige, Städtekonkurrenz, Stadtentwicklung und die Beweggründe Einzelner zu gewichten?

Interessierte Wissenschaftler:innen sind aufgerufen, bis zum 31. Oktober 2021 für mögliche Beiträge zur Tagung eine kurze Ideenskizze (max. 500 Wörter) sowie biobibliografische Angaben zu ihrer Person und ihren Forschungsinteressen unter kunstmuseum@gelsenkirchen.de einzureichen. Reise- und Unterbringungskosten für Referent:innen werden übernommen.

Kontakt

kunstmuseum@gelsenkirchen.de

Redaktion
Veröffentlicht am
23.06.2021
Beiträger
Klassifikation
Epoche(n)
Region(en)
Thema
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung