Steine des Anstoßes oder normiertes Ritual? Zur Rolle des Stolperstein-Projekts in den Erinnerungskonflikten der Gegenwart

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Veranstalter
Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin und Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam (ZZF)
Datum
21.02.2019 - 22.02.2019
Bewerbungsschluss
15.10.2018
Von
Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin

- For English version see below -

Vor über 20 Jahren begann das Erinnerungsprojekt Stolpersteine als eine kleine künstlerische Intervention im öffentlichen Raum. Der Künstler Gunter Demnig verlegt seither 10x10cm große Messingplatten, die vor ihren letzten freiwillig gewählten Wohnorten an das Schicksal der im Nationalsozialismus verfolgten Menschen erinnern. Auf den Stolpersteinen sind der Name und die Lebensdaten der Verfolgten eingeprägt. Zu Beginn ließ sich dieses Projekt oftmals nur ohne offizielle Genehmigung oder gegen große Widerstände durchsetzen. Im Laufe der Zeit jedoch gewann es in Deutschland an Zuspruch und zählt nun zu den in der Gesellschaft am stärksten verankerten Erinnerungsprojekten. Mittlerweile werden Stolpersteine auch in fast allen von der deutschen Wehrmacht besetzten Ländern verlegt, aber nicht überall stoßen sie auf Zustimmung. Im Zentrum der Konferenz steht der Austausch über den erinnerungs- und geschichtspolitischen Kontext dieses Kunstprojektes und seine Verortung in den europäischen Erinnerungskulturen. Wir freuen uns über Vortragsvorschläge zu folgenden Themenbereichen:

1) Wer sind die Akteure dieses Projektes vor Ort? Was ist das Ziel des Projektes und inwieweit wurde dies erreicht? Regen die Stolpersteine zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit an oder haben sie eine gesellschaftliche und persönliche Entlastungsfunktion im Sinne einer Vergangenheitsbewältigung? In welchem Verhältnis stehen die Stolpersteine zu anderen zeithistorischen Markierungen im Raum wie Denkmälern, Informationsstelen, Gedenkstätten und elektronischen Simulationen? Welchen Anteil hat das Stolperstein-Projekt an der deutschen Erinnerungskultur und ihrer Wahrnehmung im Ausland („DIN-Norm des Erinnerns“)? Hat Gunter Demnig sein Projekt als Soziale Skulptur konzipiert und kann es als solche nach der Definition von Joseph Beuys verstanden werden?

2) Stolpersteine werden mittlerweile in mehr als 20 europäischen Ländern verlegt. Welche Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede in Form und Inhalt des Gedenkens gibt es? In welchem Verhältnis steht die Verlegung von Stolpersteinen zu den lokalen, nationalen und internationalen Erinnerungskonflikten? Welche Kontroversen entstehen durch die Initiierung des Projektes in unterschiedlichen Kontexten? Was sagen die Verlegungen, aber auch die Kontroversen über die verschiedenen europäischen Erinnerungskulturen aus?

3) Welche ähnlichen Projekte gibt es und was genau unterscheidet sie von dem ursprünglichen Stolperstein-Projekt? Was bedeutet es für das Stolperstein-Konzept Gunter Demnigs, dass es auf andere historische Kontexte und Erinnerungskulturen übertragen wird? Ist die Vorbildwirkung Ausdruck seines Erfolgs oder droht durch die zahlreichen Adaptionen eine Verwässerung und Entwertung?

Die Tagung ist ein Kooperationsprojekt des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam und der Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin, die Teil des Aktiven Museums Faschismus und Widerstand in Berlin e.V. ist.
Die Tagung wird in deutscher und englischer Sprache stattfinden. Sie richtet sich sowohl an ein Fachpublikum als auch an die geschichtsinteressierte Öffentlichkeit. Vorschläge für Vorträge mit fächerübergreifenden Ansätzen sind besonders willkommen. Die Veröffentlichung eines Tagungsbandes ist geplant. Den Referentinnen und Referenten der Tagung werden Reise- und Übernachtungskosten erstattet.
Wer Ergebnisse seinerihrer Forschung bei der Tagung vorstellen möchte, ist herzlich eingeladen, bis zum 15. Oktober 2018 eine Kurzbeschreibung (max. 3.500 Zeichen) seinesihres Vortrags und einen kurzen Lebenslauf in Deutsch oder Englisch an info@stolpersteine-berlin.de einzusenden. Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.
Über die Annahme Ihres Vorschlags informieren wir Sie bis zum 15. Dezember 2018.

- English version -

Stones of contention - provocation or mainstream ritual? The role of
the Stolpersteine project in contemporary remembrance conflicts.

The Stolpersteine (stumbling stones) memorial project began over 20 years ago as a small artistic intervention in public space. Its initiator, the artist Gunter Demnig, has been laying 10x10cm brass plates in front of the last voluntarily chosen places of residence of people having been persecuted by the Nazis ever since. Their names and dates of persecution are inscribed on the stumbling stones, commemorating their fate. Initially, Gunter Demnig did so without official authorization or in the face of considerable resistance. But over time, the project has gained increasing public support and is now one of the most broadly approved remembrance projects in Germany. With interest spreading internationally, stumbling stones have been laid in almost all the countries formerly occupied by the Wehrmacht, and do not always meet with approval. The conference aims to discuss the art project’s context in terms of remembrance and political history and its place in European memorial cultures, and welcomes proposals for talks on the following thematic areas:

1. Who are the local protagonists of the project? What are the goals of the project and to what extent are they being achieved? Do stumbling stones stimulate critical consideration of the Nazi past or do they serve to ease the public's social and personal burden of responsibility? How do stumbling stones relate to other markers of contemporary history in the public sphere, such as monuments, information posts, memorial centres and electronic simulations? What role do the stumbling stones play in German memorial culture and their perception abroad (“DIN standards of remembrance”)? Did Gunter Demnig conceive the project as a social sculpture, as defined by Joseph Beuys, and can it be regarded as such?

2. Stumbling stones have now been laid in over 20 European countries. What commonalities and differences in terms of the forms and content of remembrance can be observed? What relevance does the laying of stumbling stones have for local, national and international remembrance conflicts? What controversies have arisen from the project's application in different contexts? What do the stone-layings, and the controversies, tell us about the different memorial cultures in Europe?

3. What similar projects as the stumbling stones exist - which functions do they fulfil, and which do they not? What does it imply for Gunter Demnig’s project when its concept is borrowed for application to other historical contexts and memorial cultures? Is its model function an indication of its own success or does it threaten to dilute and devalue it?

The conference is co-hosted by the Centre for Contemporary History Potsdam and the Coordination Office Stolpersteine Berlin, part of the Active Museum Fascism and Resistance in Berlin e.V.
The conference will be held in German and English. It is aimed at specialist scholars and historically interested members of the public. Proposals based on interdisciplinary research are especially welcome. A conference publication is planned. Speakers' travel and accommodation costs will be reimbursed.
If you would like to present the findings of your research at the conference, please send a short proposal (max. 3,500 characters) and a brief curriculum vitae in German or English by 15 October 2018 to info@stolpersteine-berlin.de. Also contact us here should you have any inquiries.
Approved speakers will be notified by 15 December 2018.

Kontakt

Dr. Silvija Kavcic

Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin, Stauffenbergstr. 13-14, 10785 Berlin

030/2639890-14

kavcic@stolpersteine-berlin.de

Zitation
Steine des Anstoßes oder normiertes Ritual? Zur Rolle des Stolperstein-Projekts in den Erinnerungskonflikten der Gegenwart, 21.02.2019 – 22.02.2019 Berlin, in: H-Soz-Kult, 25.07.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-37817>.