Neo-völkische Geschichtsbilder in populären Vergangenheitsaneignungen im östlichen Europa. Neuheidentum –Reenactment – Musikszene

Ort
Leipzig
Veranstaltungsort
GWZO, Specks Hof (Eingang A), 4. Etage Reichsstraße 4–6, 04109 Leipzig,
Veranstalter
Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO)
Datum
27.09.2018 - 28.09.2018
Von
Reichenbach, Karin

In rechtsextremen (Sub)Kulturen lässt sich seit einigen Jahren wieder ein verstärkter Rückgriff auf vermeintlich bis in vor- und frühgeschichtliche Zeiten zurückreichende Traditions- und Herkunftslinien beobachten. Insbesondere vorchristliche Gesellschaften dienen als Identifikationsobjekte und Projektionsflächen für scheinbar „natürliche“ und „unverfälschte“ Lebensbilder, Spiritualität und Gesellschaftsordnungen. Die Konstruktion solcher Kontinuitäten reproduziert Auffassungen von zumeist biologistisch verstandenen Zugehörigkeiten im Sinne eines Ethnonationalismus und schafft gleichzeitig Abgrenzungen gegenüber anders interpretierten Gesellschaften in Geschichte und Gegenwart.
Der Workshop stellt das Aufgreifen völkischer Geschichtsbilder in Populärkulturen des östlichen Europa zur Diskussion und nimmt anhand konkreter Beispiele in den Blick, wie durch selektive historisierende Bezüge und Vergangenheitserzählungen nationalistische und rassistische Ideologien in die Mitte der Gesellschaft getragen werden können.

Konzept
Karin Reichenbach (GWZO, Abt. Kultur und Imagination)
Ralf Hoppadietz (Universität Leipzig)

Organisation
Ines Rößler (GWZO, Leipzig)
ines.roessler@leibniz-gwzo.de
www.leibniz-gwzo.de

Programm

Donnerstag, 27.9.2018
Geschichtsbilder, (neo)völkische Ideologien, neopagane Kosmologien
Moderation: Karin Reichenbach, Arnold Bartetzky (Leipzig)

9:00
Begrüßung und Einführung
Karin Reichenbach, Ralf Hoppadietz (Leipzig)

9:15
Horst Junginger (Leipzig): Begriff und Bedeutung des Völkischen

10:00
Ralf Hoppadietz (Leipzig): Von „Götterdämmerung“ bis „Töten für Wotan“. Quellen völkisch-rassistischer Geschichtsaneignungen und ihre Wechselwirkungen im kulturellen und subkulturellen Diskurs

10.45
Hermann Ritter (Herford): Verbindungen zwischen germanischem Heidentum, rechtsextremer Literatur und „Nerd“-Einflüssen wie Rollenspiel und phantastischer Literatur

11:30–12:00 Kaffeepause

12:00
Heike Sahm (Göttingen): Grenzziehungen: Die Germanenfrage in wissenschaftlichen und populären Buchpublikationen

12:45
Hannes Buchmann, Julius Roch (Halle): Der Verlag Antaıos und die neo-völkische Ideologie der „Neuen Rechten“

13:30–14:30 Mittagsimbiss

14:30
Mariusz Filip (Poznań): The Past is our Country. Historicity Among the Neo-Pagan Extreme Right-Wing in Poland

15:15
Karin Reichenbach (Leipzig): Polish Vikings and Russian Aryans. Ethnonationalist and Racist Dimensions in Alternative Historical Cultures

16:00–16:30 Kaffeepause

Geschichtsmythen vom rechten Rand Ungarns
Moderation: Robert Born (Leipzig)

16:30
Gwen Jones (Berlin): Self-Orientalisation on the Hungarian Radical Right

17:15
László Simon-Nanko (Tübingen): Schamane, Reiter, Sonnenvogel – Hintergrund vermeintlich mythischer Chiffren eines "magyarischen" Selbstverständnisses

18:00
Magdalena Marsovszky (Fulda): Die „Heilige Krone“ – Sinnbild der magyarischen Rassenhegemonie

Gelegenheit zum gemeinsamen Abendessen

Freitag, 28.9.2018
Reenactment, Rekonstruktionen, Visualisierungen
Moderation: Matthias Hardt (Leipzig)

9:30
Michał Pawleta (Poznań): Historical Reenactment in Poland: Reconstruction of the Past or a More Political-Oriented Movement?

10:15
Karl Banghard (Oerlinghausen): Ein ganz normaler Wikingertag

11:00–11:30 Kaffeepause

11:30
Katrin Kremmler (Berlin): Das Kurultáj-Festival in Ungarn: Völkische Wissenschaftstraditionen im Dienst der neuen nationalen Geopolitik

12:15
Anna Novikov (Jerusalem): Re-Invention and Visualization of Gender in the Post-Communist Countries in Eastern Europe and Central Asia

13:00–14:30 Mittagsimbiss

14:30–17:00 Musikalische (Sub)Kulturen
Moderation: Ralf Hoppadietz (Leipzig)

14:30
Jan Raabe (Bielefeld): Projektionen von Germanen und Wikingern als Ideologieträger im deutschen RechtsRock

15:15
Margit Feischmidt (Budapest): The Mainstreaming Far Right and the Popular Culture of New Nationalism in Hungary

16:00
Dominik Marcinkowski (Opole)
The Mythologization of History in the Polish Right-Wing Rock Music

16:45–17:00 Kaffeepause

17:00–18:00 Schlussdiskussion

Kontakt

Karin Reichenbach

GWZO, Specks Hof (Eingang A), 4. Etage Reichsstraße 4–6, 04109 Leipzig,

karin.reichenbach@leibniz-gwzo.de

Zitation
Neo-völkische Geschichtsbilder in populären Vergangenheitsaneignungen im östlichen Europa. Neuheidentum –Reenactment – Musikszene, 27.09.2018 – 28.09.2018 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 22.08.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-37945>.