Westfälische Forschungen 68 (2018)

Titel
Westfälische Forschungen 68 (2018).
Zeitschriftentitel
Weitere Titelangaben
'Heimatfronten' und Kriegsgesellschaften im 20. Jahrhundert


Hrsg. v.
Die Westfälischen Forschungen werden als Zeitschrift des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte von Malte Thießen und Thomas Küster herausgegeben. Das Institut ist eine Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.
Heft(e)
68
Erschienen
Münster 2018: Aschendorff Verlag
Umfang
610 S.
Preis
69,60
Herausgeber d. Zeitschrift
Die Westfälischen Forschungen werden als Zeitschrift des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte von Malte Thießen und Thomas Küster herausgegeben. Das Institut ist eine Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.
Erscheinungsweise
jährlich
Kontakt
Geschäftsführende Redaktion: Dr. Thomas Küster LWL-Institut für Regionalgeschichte Karlstraße 33 D-48147 Münster Tel. 0251-591 5703 Fax 0251-591 3282

‚HEIMATFRONTEN‘ UND KRIEGSGESELLSCHAFTEN IM 20. JAHRHUNDERT

Herausgegeben von Julia Paulus und Marcus Weidner

Vor dem Hintergrund der erinnerungskulturellen Aufarbeitung des Ersten Weltkriegs im Jahr 2014 wurde deutlich, dass die vergleichende diachrone Erforschung der ‚Heimatfronten‘ als zivilen „Resonanzräumen“ des Krieges nach wie vor ein Desiderat darstellt. Während die Betrachtung von Kriegen aus der Perspektive der ‚Front‘ wie auch die Beschäftigung mit vornehmlich militärgeschichtlichen Themen lange Zeit im Vordergrund standen, gibt es in der Forschung seit den großen Darstellungen von Münkler, Leonhard, Ziemann u.a. vermehrt Bestrebungen, Kriegsereignisse als Teil einer übergreifenden Geschichte der Gewalt im 20. Jahrhundert zu lesen. In diesem Kontext versteht sich der Themenschwerpunkt der „Westfälischen Forschungen 2018“ zum Thema „‚Heimatfronten‘ und Kriegsgesellschaften“ als Beitrag zu einer Gewaltgeschichte in den Umbruchzeiten der (Post-)Moderne. Zum einen wird dabei mit dem Begriff der ‚Heimatfront‘ der Gegenstand territorial eingegrenzt. Zum anderen verweist dieser Begriff als propagandistische Neu¬schöpfung des Ersten Weltkriegs auf eine spezifische Deutung des Krie¬ges, die sich die politische und militärische Führung zu eigen machten. Militärische Konflikte waren aus dieser Sicht nicht mehr auf ein eng um¬grenztes Kampfgebiet – die Front – beschränkt, sondern erfassten in ihren Auswirkungen wie in den begleitenden Strategien auch das Gebiet, in dem sich die Zivilbevölkerung aufhielt, und damit diese selbst.

Weitere Beiträge des Bandes behandeln das historische Lehren und Lernen in der Region, Formen der Schadensbeobachtung und -bekämpfung im 18. Jahrhundert, die Teilnahme eines westfälischen Offiziers an den Kriegen 1792-1795 (und seine Eindrücke zu den unmittelbaren Folgen der Französischen Revolution nach Valmy), die masurische Zuwanderung ins Ruhrgebiet, die Tätigkeit von Martin Niemöller als Geschäftsführer der Inneren Mission in Münster in den 1920er Jahren sowie Einblicke in das Verhältnis von technischer Innovation und traditioneller Ökonomie am Beispiel des Energieträgers Wasserkraft und unter- bzw. überirdischer Verkehrsplanungen in Dortmund und Hagen nach 1945. Projektberichte aus dem SFB „Kulturen des Entscheidens“ und zur Sparkassengeschichte Westfalens sowie Tagungs-, Zeitschriften- und Jahresberichte der wissenschaftlichen Kommissionen und ein Buchbesprechungsteil beschließen den 68. Band der WF, die nach dreißig Jahren „in blau“ nun in neuem Design und Layout erscheinen.

INHALTSVERZEICHNIS

Julia Paulus/Marcus Weidner
‚Heimatfronten‘ und Kriegsgesellschaften – Eine Einführung

Daniel Schmidt
Heimatfront Industriegebiet – der Raum Gelsenkirchen im Ersten Weltkrieg 1914–1918

Lothar Kurz
„Enemies Within“. Wie ging das Münsterland im Ersten Weltkrieg mit ‚feindlichen Ausländern‘ um?

Daniel Samaga
Berichte von der protestantischen ‚Heimatfront‘. Die Heimat-Grüße der evangelischen Gemeinde Schwerte im Ersten Weltkrieg

Arnold Maxwill
Literarische Inszenierungen der ‚Heimatfront‘ in Westfalen (1914–1918)

Stefan Goch
Der Ruhrkampf in der Geschichtspolitik und in der Wahrnehmung der Bevölkerung Gelsenkirchens

Sandra Holtrup
„So sind wir zwar getrennt, doch durch die Briefe fast täglich vereint“. Eine Kommunikation zwischen Heimat und Front am Beispiel der Feldpostkorrespondenz des Ehepaares Grete und Theo Strodthoff (1943)

Tobias Hirschmüller
Geschichtskultur in Kriegsgesellschaften. Das Bismarckbild in den beiden Weltkriegen im Rheinland und in Westfalen

HISTORISCHES LEHREN UND LERNEN IN REGIONALER PERSPEKTIVE

Bernd Mütter
Regionalgeschichte und historisches Lernen am Beispiel des ländlichen Strukturwandels während der Industrialisierung. Oldenburg und Paderborn im Vergleich (1871–1914)

Barbara Hanke
„… wieder durchaus im Geist wissenschaftlicher Objektivität“? − Geschichtsunterricht im Übergang an den höheren Schulen Westfalens 1918/19

WEITERE BEITRÄGE

Gerhard E. Sollbach
Brandverhütung und Brandbekämpfung am Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts – Norm und Praxis in der Stadt Wetter an der Ruhr

Horst Conrad
Ein preußischer Offizier im Revolutionskrieg 1792–1795. Das Feldzugstagebuch des Franz von Bockum-Dolffs

Johannes Hofmeister
„Die abnorme Dürre von Ende März bis Mitte Mai“. Klima- und Wetterbeschreibungen des 18. und 19. Jahrhunderts als historische Quellen − Befunde aus den Beständen des Landesarchivs NRW (Abteilung Westfalen)

Christian Zumbrägel
Vom Verschwinden und Fortbestehen des Alten – Kleinwasserkraft an Ruhr und Wupper (1860–1920)

Wilfried Reininghaus
Masurische Zuwanderung ins Ruhrgebiet im Spiegel der standesamtlichen Eheregister. Das Amt Wanne als Beispiel (1880–1925)

Benjamin Ziemann
Martin Niemöller als Geschäftsführer des westfälischen Provinzialverbandes der Inneren Mission 1924–1931

Thomas Urban
Mobilität in neuen Bahnen: Innovative Verkehrsprojekte und ihre Akteure in Westfalen nach 1945 am Beispiel der Dortmunder Stadtbahn und des Hagener Cabinentaxis

FORSCHUNGSBERICHTE

Werner Freitag
Entscheidungsgesellschaften? Dörfer und Kleinstädte in Westfalen um 1900. Ein Bericht aus dem Teilprojekt C 05 des SFB 1150 „Kulturen des Entscheidens“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Laufzeit 1. Juli 2015 - 30. Juni 2019)

Harald Wixforth
Die Sparkassen in Westfalen und ihre Geschichte. Ergebnisse und Perspektiven

TAGUNGSBERICHTE

Antonia Gießmann-Konrads/Darius Harwardt
„Industrielle Arbeitswelt und Nationalsozialismus – Der Betrieb als Laboratorium der ‚Volksgemeinschaft‘ 1920–1960“, Gelsenkirchen 11.–13. Oktober 2017

Regina Göschl
„Willkommenskulturen? Re-Aktionen der Aufnahmegesellschaften auf Flucht und Vertreibung im Vergleich (1945–1955)“, Münster 14.–15. Dezember 2017

NACHRUF

Karl Ditt
Stephanie Reekers (17. November 1917 - 21. September 2017)

JAHRESBERICHTE
des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte und der wissenschaftlichen Kommissionen

ZEITSCHRIFTENSCHAU
Ausgewählte Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens in Periodika des Jahres 2017

BUCHBESPRECHUNGEN

Politische Geschichte

Thomas Großbölting
1968 in Westfalen. Akteure, Formen und Nachwirkungen einer Protestbewegung, Münster 2018
(D. Templin)

Barbara von Hindenburg
Die Abgeordneten des Preußischen Landtags 1919–1933. Biographie – Herkunft – Geschlecht, Frankfurt a.M. 2017
(W. Reininghaus)

Konrad Repgen
Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Friede, Studien und Quellen, hg. von Franz Bosbach und Christoph Kampmann, 3. Aufl., Paderborn 2015
(H. Conrad)

Andreas Rutz
Die Beschreibung des Raums. Territoriale Grenzziehungen im Heiligen Römischen Reich, Köln/Weimar/Wien 2018
(W. Reininghaus)

Martin Schlemmer (Bearb.)
Die Kabinettsprotokolle der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen 1975 bis 1980 (Achte Wahlperiode), 2 Tle., Duisburg/Siegburg 2016
(Th. Küster)

Carl Philipp Tenge-Rietberg (Hg.)
400 Jahre Schloss Holte. Aus der Geschichte der ehemaligen Grafschaft Rietberg, Bielefeld 2017
(J. Altenberend)

Michael P. Vollert
Für Ruhe und Ordnung. Einsätze des Militärs im Innern (1820–1918). Preußen − Westfalen – Rheinprovinz, Bonn 2014
(Th. Tippach)

Religion und Kirche

Werner Freitag
Die Reformation in Westfalen. Regionale Vielfalt, Bekenntniskonflikt und Koexistenz, Münster 2016
(H. Otte)

Ingo Grabowsky u.a.
Luther. 1917 bis heute. Katalog zur Sonderausstellung der Stiftung Kloster Dalheim/LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Münster 2016
(Ph. Sölken)

Johannes Stüer
Der Röhrentruper Rezess von 1617. Religion und Politik in Lippe am Vorabend des Dreißigjährigen Krieges, Bielefeld 2017
(L. Krull)

Soziale Gruppen

Sabine Eibl
Küster im Fürstbistum Münster. Stabsdisziplinierung, Gemeindeansprüche und Eigeninteressen im konfessionellen Zeitalter, Münster 2016
(L. Schütte)

Karl Christian Führer
Gewerkschaftsmacht und ihre Grenzen. Die ÖTV und ihr Vorsitzender Heinz Kluncker 1964–1982, Bielefeld 2017
(M. Frese)

Andreas Müller
Die Ritterschaft im Herzogtum Westfalen 1651–1803. Aufschwörung, innerer Struktur und Prosopographie, Münster 2017
(H. Conrad)

Rainer Pöppinghege
Schloss Benkhausen. Vom Rittersitz zum Ort der Bildung, Mainz 2017
(H. Conrad)

Michael Schneider
In der Kriegsgesellschaft. Arbeiter und Arbeiterbewegung 1939 bis 1945, Bonn 2014
(M. Frese)

Wissenschaft und Erinnerungspolitik

Werner Freitag/Wilfried Reininghaus (Hg.)
Westfälische Geschichtsbaumeister. Landesgeschichtsforschung und Landesgeschichtsschreibung im 19. und 20. Jahrhundert, Münster 2015
(E. Trox)

Matthias Frese/Marcus Weidner (Hg.)
Verhandelte Erinnerungen. Der Umgang mit Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorten nach 1946, Paderborn 2018
(R. Pöppinghege)

Martin Schlemmer (Hg.)
Digitales Edieren im 21. Jahrhundert, Essen 2017
(Th. Küster)

Biographien

Guido von Büren/Ralf-Peter Fuchs/Georg Mölich (Hg.)
Herrschaft, Hof und Humanismus. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Zeit, Bielefeld 2018
(S. Schröder)

Elisabeth Hömberg
Dein Volk ist mein Volk. Thy People – My People. Tagebuch und Briefe 1938–1946, hg. von Dieter Pferdekamp, übers. und komm. von Renate Rensing, Münster 2017
(B. Weber)

Jürgen Scheffler/Stefan Wiesekopsieker (Hg.)
Starke Frauen in der Kunst. Künstlerinnen im Aufbruch zur Moderne. Von Ida Gerhardi bis Ilse Häfner-Mode, Bielefeld 2018
(U. Krey)

Stadt- und Ortsgeschichte

Reiner Ahlborn (Red.)
Wahlen und Wähler in Hüsten während der Weimarer Republik, hg. vom Heimatbund Neheim-Hüsten e.V., Neheim-Hüsten 2016
(W. Reininghaus)

Guido Heinzmann/Christa Setzer/Heinz-Dieter Steven/Josef Ulfkotte (Hg.)
Chronik der Stadt und Bürgermeisterei Dorsten. Quellenedition zur Geschichte der Städte Dorsten und Marl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Bielefeld 2017
(H. Conrad)

Michael Koch/Andreas König/Gerhard Streich
Höxter – Geschichte einer westfälischen Stadt, Bd. 2: Höxter und Corvey im Spätmittelalter, Paderborn 2015
(L. Schütte)

Alexander Kraus/Daniel Schmidt (Hg.)
Eine Geschichte des modernen Gelsenkirchen in 25 Objekten, Essen 2016
(Ph. Sölken)

Kristina Nowak-Klimscha
Die früh- bis hochmittelalterliche Wüstung Twesine im Hochsauerlandkreis. Siedlungsentwicklung an der Grenze zum Frankenreich, Darmstadt 2017
(W. Reininghaus)

Cordula Obergassel
„Das ist doch keine Kunst!“. Kulturpolitik und kultureller Wandel in Dortmund und Münster (1960–1985), Paderborn 2017
(S. Thieme)

Dieter Overhageböck (Bearb.)
Das Urkataster der Altstadt von Münster 1828–1830. Grundeigentümer in Karten und Tabellen, Münster 2017
(P. Burg)

Zitation
Westfälische Forschungen 68 (2018). in: H-Soz-Kult, 19.12.2018, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-11466>.
Weitere Hefte ⇓