Westfälische Forschungen 65 (2015)

Titel
Westfälische Forschungen 65 (2015).
Zeitschriftentitel
Weitere Titelangaben
Inklusion/Exklusion in regionalgeschichtlicher Perspektive


Hrsg. v.
Die Westfälischen Forschungen werden als Zeitschrift des LWL-Instituts für Regionalgeschichte von Bernd Walter und Thomas Küster herausgegeben. Das Institut ist eine Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.
Erschienen
Münster 2015: Aschendorff Verlag
Umfang
698 Seiten
Preis
€ 69,60
Herausgeber d. Zeitschrift
Die Westfälischen Forschungen werden als Zeitschrift des LWL-Instituts für westfälische Regionalgeschichte von Malte Thießen und Thomas Küster herausgegeben. Das Institut ist eine Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.
Erscheinungsweise
jährlich
Kontakt
Geschäftsführende Redaktion: Dr. Thomas Küster LWL-Institut für Regionalgeschichte Karlstraße 33 D-48147 Münster Tel. 0251-591 5703 Fax 0251-591 3282

INKLUSION/EXKLUSION IN REGIONALGESCHICHTLICHER PERSPEKTIVE

Themenschwerpunkt in den WESTFÄLISCHEN FORSCHUNGEN
Band 65/2015.
Herausgegeben von Elbeth Bösl

Das aus der Gegenwartssprache stammende Begriffspaar „Inklusion/Exklusion“ dient seit den 1990er Jahren zur kritischen Selbstbeschreibung westlicher Gesellschaften. Inklusion ist heute Teil zahlreicher sozial-, bildungs-, und kulturpolitischer Programme und Projekte in der Bundesrepublik. Sie scheint dann verwirklicht, wenn alle Menschen unabhängig von den Kriterien und Eigenschaften, die sie unterscheiden, möglichst umfassend am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Der Begriff Exklusion hingegen wird häufig eher vage verwendet, um zu kennzeichnen, welche sozialen Phänomene und Konstellationen vermieden oder aufgehoben werden sollen.

Der Themenschwerpunkt des Bandes 65 behandelt Praktiken der Inklusion und Exklusion in historischer und regionaler Perspektive: Gefragt wird, wie soziale Differenzierung Inklusions- und Exklusionsphänomene im 19. und 20. Jahrhundert bestimmt hat. Im Mittelpunkt stehen dabei Kategorien wie Ethnizität, Nationalität, Klasse, Schicht, (Nicht-)Behinderung, chronische Krankheit, sexuelle Orientierung bzw. die jeweilige Konzeption dessen, was insbesondere von staatlicher und kirchlicher Seite als „normal“ angesehen wird und was nicht. Fallstudien − u.a. zum Umgang mit Armut auf dem Lande, zur Heimerziehung und zu den Auswirkungen der Psychiatriereform in Westfalen − veranschaulichen Inklusions- und Exklusionsprozesse in der Geschichte und vermitteln neue Einsichten zum gesellschaftlichen Umgang mit menschlicher Differenz.

Ein zweiter Schwerpunkt widmet sich den Nutzungsmöglichkeiten und den methodischen Problemen, die bei der Auswertung überlieferter (älterer) Interviews und Ego-Dokumente zum Zweiten Weltkrieg und zur Nachkriegszeit entstehen. Weitere Einzelbeiträge behandeln die Arbeitsmigration im Amt Rietberg während des 19. Jahrhunderts, die Kinderlandverschickung in Hagen im und nach dem Ersten Weltkrieg, den Umgang mit lokalen Erinnerungsorten in Münster nach 1945, das von den Amerikanern im Film dokumentierte Vorrücken der US-Armee in Westfalen sowie die wirtschaftlichen und redaktionellen Herausforderungen, mit denen sich auch die westfälischen Tageszeitungen seit 1990 konfontiert sehen. Ein Nachruf auf den Landeshistoriker und langjährigen Institutskollegen Karl-Heinz Kirchhoff, Tagungs- und Jahresberichte, Zeitschriftenschau und ein umfangreicher Rezensionsteil beschließen die „Westfälischen Forschungen 2015“.

INHALTSVERZEICHNIS

Elsbeth Bösl:
Einführung in den Themenschwerpunkt

Beate Althammer:
Grenzregime: Mobilität, Freizügigkeit und die Ausweisung von Fremden im 19. Jahrhundert

Eva-Maria Lerche:
Inklusion/Exklusion in der preußischen Armenfürsorge. Überlegungen zum westfälischen Landarmenverband und Landarmenhaus Benninghausen (1844–1891)

Désirée Schauz:
Gefängnisbeiräte als institutionelle Inklusionsstrategie. Ein ungeliebtes Kind der Weimarer Strafvollzugsreform

Andreas Henkelmann:
‚Gottvater‘ und seine ‚Kinder‘: Inklusion und Exklusion im katholischen Milieu des Kaiserreichs

Ylva Söderfeldt:
‚Opfer der Arbeit‘. Verkörperte Differenz in der Arbeiterbewegung 1917–1933

Annelie Ramsbrock:
Körperpolitik als Sozialpolitik. „Entstellungsfürsorge“ in der Weimarer Republik

Anne Kugler-Mühlhofer:
Mit den Erinnerungen des Vaters leben – Erfahrung von Zwangsarbeit aus der Sicht einer Tochter

Uwe Kaminsky:
Heimerziehung als Exklusions-/Inklusionsprozess (1878–1975)

Hans-Walter Schmuhl/Ulrike Winkler:
Die Entdeckung des Geschlechts. Der Umgang mit Sexualität und Partnerschaft in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel im Wandel

Judith Samson/Willy Jansen/Catrien Notermans:
‚Gender-Ideologie‘ oder Minderheitenrechte? Wie katholische FundamentalistInnen in Europa Nichtheterosexualität darstellen

ZEITZEUGENSCHAFT UND MÜNDLICHE ERINNERUNG.
CHANCEN UND PROBLEME DER SEKUNDÄRANALYSE VON INTERVIEWS UND EGO-DOKUMENTEN ZUM ZWEITEN WELTKRIEG UND ZUR NACHKRIEGSZEIT

Matthias Frese/Julia Paulus:
Zeitzeugenschaft und mündliche Erinnerung. Zur Sekundäranalyse von Oral-History-Interviews – Einführung und Fragestellungen

Linde Apel:
Oral History reloaded. Zur Zweitauswertung von mündlichen Quellen

Almut Leh:
Vierzig Jahre Oral History in Deutschland. Beitrag zu einer Gegenwartsdiagnose vonZeitzeugenarchiven am Beispiel des Archivs ‚Deutsches Gedächtnis‘

Philipp Koch:
Biografische Zeitzeugeninterviews – authentisches Erfahrungskapital oder wertloses Geschichtskonstrukt? Chancen und Risiken historischer Forschung im Tonarchiv des Mindener Museums

Dagmar Kift/Olaf Schmidt-Rutsch:
Tonband – Vitrine – Digitalisat. Das Erinnerungsarchiv des LWL-Industriemuseums

Brigitte Halbmayr:
Chancen und Probleme der Sekundäranalyse von ZeitzeugInneninterviews in der historischen Forschung

Sabine Beckmann:
Möglichkeiten und Grenzen einer Sekundäranalyse qualitativer historischer Daten – Reflexionen aus der qualitativen Sozialforschung

Thomas Schürmann:
Erinnerung in Fragmenten. Erzählungen zur NS- und Nachkriegszeit in Interviews aus dem Archiv für westfälische Volkskunde

WEITERE BEITRÄGE

Alwin Hanschmidt:
Nach Holland, zum Eisenbahnbau und nach Amerika. Wanderarbeit und Abwanderung im Amt Rietberg im 19. Jahrhundert

Gerhard E. Sollbach:
Die Not der Kinder. Landverschickung im und nach dem Ersten Weltkrieg im Stadt- und Landkreis Hagen

Jan Matthias Hoffrogge:
Erinnerungsorte in Münster. Die Droste, die Täufer, der Westfälische Friede und der Kiepenkerl zwischen Weimarer und früher Bonner Republik

Markus Köster:
Westfalen 1945 im Fokus der Amerikaner: US-Filmaufnahmen vom Ende des Zweiten Weltkriegs

Kathrin Nolte:
Westfälische Tageszeitungen in der Krise: Auflagenschwund, Pressekonzentration und Neuausrichtungen seit 1990

TAGUNGSBERICHTE

Korbinian Böck/Tano Gerke:
Tagungsbericht „Neue Soziale Bewegungen in der ‚Provinz‘ (1970–1990)“

Korbinian Böck/Magnus Tintrup gen. Suntrup:
Tagungsbericht „Die Externsteine. Ein Denkmal als Objekt wissenschaftlicher Forschung und Projektionsfläche völkischer Vorstellungen“

NACHRUF

Peter Johanek:
Karl-Heinz Kirchhoff (1925–2014)

JAHRESBERICHTE DES LWL-INSTITUTS FÜR WESTFÄLISCHE REGIONALGESCHICHTE UND DER WISSENSCHAFTLICHEN KOMMISSIONEN 2014

ZEITSCHRIFTENSCHAU

Ausgewählte Beiträge zur geschichtlichen Landeskunde Westfalens in Periodika des Jahres 2014

BUCHBESPRECHUNGEN

Landesgeschichte allgemein

Karl Ditt u.a.:
Westfalen in der Moderne 1815-2015. Geschichte einer Region, Münster 2015 (W. Reininghaus)

Harm Klueting (Hrsg.):
Das Herzogtum Westfalen, Bd. 2: Das ehemalige kurkölnische Herzogtum Westfalen im Bereich der heutigen Kreise Hochsauerland, Olpe, Soest und Märkischer Kreis (19. und 20. Jahrhundert), 2 Teilbde., Münster 2012 (Th. Küster)

Robert Kretzschmar/Anton Schindling/Eike Wolgast (Hrsg.):
Zusammenschlüsse und Neubildungen deutscher Länder im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 2013 (P. Burg)

Wilfried Reininghaus/Bernd Walter (Hrsg.):
Räume, Grenzen, Identitäten. Westfalen als Gegenstand landes- und regionalgeschichtlicher Forschung, Paderborn 2013 (C.-H. Hauptmeyer)

Christiane Schröder/Heike Düselder/Detlef Schmiechen-Ackermann/Thomas Schwark/ Martin Stöber (Hrsg.):
Geschichte, um zu verstehen. Traditionen, Wahrnehmungsmuster, Gestaltungsperspektiven. Carl-Hans Hauptmeyer zum 65. Geburtstag, Bielefeld 2013 (P. Burg)

Politische Geschichte, Verwaltungs- und Rechtsgeschichte

Hartmut Bösche:
Holste und Hoya – Reformation an der Mittelweser, Hoya 2015 (M. Derksen)

Heinz Duchhardt:
Der Westfälische Friede im Fokus der Nachwelt, Münster 2014 (M.U. Ferber)

Annette Gerstenberg (Hrsg.):
Verständigung und Diplomatie auf dem Westfälischen Friedenskongress. Historische und sprachwissenschaftliche Zugänge, Köln/Weimar/Wien 2014 (M.U. Ferber)

Jens Heckl (Hrsg.):
Unbekannte Quellen: „Massenakten“ des 20. Jahrhunderts. Untersuchungen seriellen Schriftguts aus normierten Verwaltungsverfahren, Bd. 2, Düsseldorf 2012 (Th. Küster)

Ursula Knäpper:
Die Hoch- und Herrlichkeit Heessen. Geschichte eines Gerichtes und seiner Jurisdiktion mit einem besonderen Blick auf die Verfahren gegen das crimen magiae (1543–1612), Hamm 2014 (N. Rügge)

Michael Lagers:
Der Paderborner Stiftsadel zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zum Auf- und Ausbau niederadliger Machtstrukturen, Paderborn 2013 (H. Conrad)

Paul Leidinger (Hrsg.):
Deutsche Ostflüchtlinge und Ostvertriebene in Westfalen und Lippe nach 1945. Beiträge zu ihrer Geschichte und zur deutsch-polnischen Verständigung, Münster 2011 (B. Brunner)

Barbara Stollberg-Rilinger/Tim Neu/Christina Brauner (Hrsg.):
Alles nur symbolisch? Bilanz und Perspektiven der Erforschung symbolischer Kommunikation, Köln/Weimar/Wien 2013 (P. Burg)

Stefan Thäle:
Herrschertod und Herrscherwechsel. Kommunikative Strategien und medialer Wandel in der Grafschaft Lippe des 18. Jahrhunderts, Münster 2014 (P. Burg)

Sozial- und Wirtschaftsgeschichte

Frank Hoffmann:
„Ein den thatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild nicht zu gewinnen“. Quellenkritische Untersuchungen zur preußischen Gewerbestatistik zwischen Wiener Kongress und Reichsgründung, Stuttgart 2012 (Th. Küster)

Theo Plesser/Hans-Ulrich Thamer (Hrsg.):
Arbeit, Leistung und Ernährung. Vom Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie in Berlin zum Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie und Leibnitz Institut für Arbeitsforschung in Dortmund, Stuttgart 2012 (M. Frese)

Christian F. Seidler:
Das ältere Protokollbuch der Sprockhöveler Markengenossenschaft. Die Höltings-Protokolle von 1634 bis 1664 – vollständige Quellenedition, Sprockhövel 2014 (W. Reininghaus)

Dieter Ziegler (Hrsg.):
Rohstoffgewinnung und Strukturwandel. Der deutsche Bergbau im 20. Jahrhundert, Hrsg. von Klaus Tenfelde, Stefan Berger und Hans-Christoph Seidel (Geschichte des deutschen Bergbaus, Bd. 4), Münster 2013 (H. Conrad)

Konfession und Kirche

Erwin Gatz/Marcel Albert (Hrsg.):
1700 Jahre Christentum in Nordrhein-Westfalen. Ein Atlas zur Kirchengeschichte, Regensburg 2013 (M. Dröge)

Lena Krull:
Prozessionen in Preußen. Katholisches Leben in Berlin, Breslau, Essen und Münster im 19. Jahrhundert, Würzburg 2013 (Ph. Sölken)

Joachim Kuropka (Hrsg.):
Grenzen des katholischen Milieus. Stabilität und Gefährdung katholischer Milieus in der Endphase der Weimarer Republik und in der NS-Zeit, Münster 2013 (P. Burg)

Markus Müller:
Das Deutsche Institut für wissenschaftliche Pädagogik 1922–1980. Von der katholischen Pädagogik zur Pädagogik von Katholiken, Paderborn 2014 (B. Weber)

Klaus Schatz:
Geschichte der deutschen Jesuiten (1814–1983), 5 Bde., Münster 2013 (P. Burg)

Sieglind Stork:
Das Theater der Jesuiten in Münster (1588–1773). Mit Editionen des ‚Petrus Telonarius‘ von 1604 und der ‚Coena magna‘ von 1632, Münster 2013 (Ph. Sölken)

Manfred Wolf (Bearb.):
Visitationen im Herzogtum Westfalen in der Frühen Neuzeit, Paderborn 2012 (H. Conrad)

Architektur, Wissenschaft und Medien

Markus Behmer/Birgit Bernard/Bettina Hasselbring (Hrsg.):
Das Gedächtnis des Rundfunks. Die Archive der öffentlich-rechtlichen Sender und ihre Bedeutung für die Forschung, Wiesbaden 2013 (M. Stallmann)

Birthe Franziska Heitkötter:
Geburtshilfe und Gynäkologie im Nationalsozialismus. Peter Esch und die Frauenklinik der Universität Münster von 1925 bis 1950, Münster 2013 (K. Böck)

Karl Eugen Mummenhoff/Gerd Dethlefs:
Schloss Nordkirchen, Berlin/München 2012 (M. Derksen)

Peter Vormweg:
Die Neugotik im westfälischen Kirchenbau von den ersten Gotizismen bis zum Kulturkampf, Lindenberg 2013 (J. Sander)

Stadt- und Ortsgeschichte

Jürgen Büschenfeld/Bärbel Sunderbrink (Hrsg.):
Bielefeld und die Welt. Prägungen und Impulse, Bielefeld 2014 (D. Gruttmann)

Albrecht Eckhardt (Hrsg.):
Oldenburgisches Ortslexikon. Archäologie, Geografie und Geschichte des Oldenburger Landes, 3 Bde., Oldenburg 2010–2012 (K. Schultze)

Thomas Großbölting (Hrsg.):
Hindenburg- oder Schlossplatz? Was die Debatte über Münster verrät, Münster 2015 (M. Frese)

Detlef Grothmann:
Salzkotten 1945–1975. Teil 1: Mangel, Improvisation, Aufbruch. Salzkotten 1945–1948, Paderborn 2013 (D. Gruttmann)

Jürgen Herres:
Köln in preußischer Zeit 1815–1871 (Geschichte der Stadt Köln, Bd. 9), Köln 2012 (Th. Parent)

Franz-Werner Kersting/Clemens Zimmermann (Hrsg.):
Stadt-Land-Beziehungen im 20. Jahrhundert. Geschichts- und kulturwissenschaftliche Perspektiven, Paderborn u.a. 2015 (W. Reininghaus)

Daniel Schmidt (Hrsg.):
„Bin noch gesund und munter“. Gelsenkirchener Feldpost aus dem großen Krieg 1914–1918, Essen 2014 (J. Paulus)

André Schnepper:
Prozesse der Machtergreifung in einer katholischen Kleinstadt: Das Beispiel Billerbeck, Coesfeld 2011 (B. Weber)

Christian Steinhagen:
Münster 1914–1918. Eine Stadt im Krieg, Münster 2014 (K. Böck)

Gisbert Strotdrees:
Tatort Dorf. Historische Kriminalfälle vom Land, Münster 2014 (K. Böck)

Zitation
Westfälische Forschungen 65 (2015). in: H-Soz-Kult, 19.01.2016, <www.hsozkult.de/journal/id/zeitschriftenausgaben-9392>.
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Veröffentlicht am
19.01.2016
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