C. Handschell: Handbuch zur Statistik der Parlamente

: Handbuch zur Statistik der Parlamente und Parteien in den westlichen Besatzungszonen und in der Bundesrepublik Deutschland. Abgeordnete in Bund und Ländern. Mitgliedschaft und Sozialstruktur 1946-1990. Düsseldorf 2002: Droste Verlag , ISBN 3-7700-5245-5, 524 S. € 59,80.

: Handbuch zur Statistik der Parlamente und Parteien in den westlichen Besatzungszonen und in der Bundesrepublik Deutschland. CDU und CSU. Mitgliedschaft und Sozialstruktur 1945-1990. Düsseldorf 2005: Droste Verlag , ISBN 3-7700-5268-4, 875 S. € 99,80.

: Handbuch zur Statistik der Parlamente und Parteien in den westlichen Besatzungszonen und in der Bundesrepublik Deutschland. FDP sowie kleinere bürgerliche und rechte Parteien. Mitgliedschaft und Sozialstruktur 1945-1990. Düsseldorf 2005: Droste Verlag , ISBN 3-7700-5269-2, 717 S. € 84,80.

: Handbuch zur Statistik der Parlamente und Parteien in den westlichen Besatzungszonen und in der Bundesrepublik Deutschland. SPD, KPD und kleinere Parteien des linken Spektrums sowie Die Grünen. Mitgliedschaft und Sozialstruktur 1945-1990. Düsseldorf 2005: Droste Verlag , ISBN 3-7700-5270-6, 1.053 S. € 118,00.

Rezensiert für H-Soz-Kult von
Hubert Woltering, Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

Das „Handbuch zur Statistik der Parlamente und Parteien in den westlichen Besatzungszonen und in der Bundesrepublik Deutschland“ (HSPP) ist in vier Bänden erschienen. Mit insgesamt 3.169 Seiten ist das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Großprojekt nun abgeschlossen. Behandelt wird der Zeitraum 1945 bis 1990, also vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur deutschen Wiedervereinigung.[1]

Der bereits 2002 erschienene erste Band befasst sich mit der Sitzverteilung/Mitgliedschaft der Abgeordneten in Bundestag und Landesparlamenten (Teil A) und ihrer Sozialstruktur (Teil B). Hierbei ist von besonderem Interesse, wann Abgeordnete welcher Partei ihre parlamentarische Laufbahn begannen und ob sie vor ihrer parlamentarischen Tätigkeit im Deutschen Bundestag bestimmten Landesparlamenten angehörten. Im Rahmen der Sozialstruktur-Untersuchung wurden der Frauenanteil, das Alter, der erlernte Beruf und die Schul- bzw. Hochschulausbildung ermittelt. Den Tabellen vorangestellt sind eine Einleitung, in der die Kriterien der Tabellen erläutert werden, sowie ein Quellen- und Literaturverzeichnis, aus dem ersichtlich wird, welche Materialien ausgewertet wurden.

Die folgenden drei, alle 2005 erschienenen Bände befassen sich mit den einzelnen Parteien: CDU und CSU (Bd. 2), FDP, DP, BHE, DZP, BP, SRP, DRP und NPD (Bd. 3), SPD, Die Grünen, KPD und weitere kleinere Parteien des linken Spektrums (Bd. 4).[2] Die Bände wurden von unterschiedlichen Bearbeiter/innen erstellt, wodurch sich die Darstellungsstruktur leicht unterscheidet. Während sich die Bearbeiter/innen im zweiten und dritten Band vor den Tabellen über den Forschungsstand und die historische Entwicklung, die Parteistruktur und Mitgliederverwaltung sowie über ausgewertete Quellen und Literatur auslassen, differenzieren die Bearbeiter des vierten Bandes nur in Einleitung und Quellen/Literatur. Bei der CDU umfasst dieser vorangestellte Teil lediglich 54 Seiten, bei der SPD sind es beispielsweise 94 Seiten. Trotz des recht unterschiedlichen Umfanges bieten die Einleitungen zu den einzelnen Parteien sehr gute Einführungen in die Organisationsgeschichte des behandelten Zeitraumes; die in den Fußnoten genannten Titel bringen den Leser/innen auf den Literaturstand zum Thema.

Die Tabellen der Bände zwei bis vier bieten in Teil I jeweils Einblicke in die Mitgliederentwicklung der Parteien (Gesamtzahl, Zu- und Abgänge, Geschlecht, Alter, Konfession, Familienstand, berufliche Stellung, Dauer der Parteimitgliedschaft, Vertriebene/Flüchtlinge, Ausländer, Mitgliedschaften in parteiinternen Vereinigungen oder auch die Gewerkschaftsmitgliedschaft). Im Teil II sind die „Neumitglieder“ Gegenstand der Untersuchung[3], während sich die Bearbeiter/innen der Bände im Teil III mit den „ausgeschiedenen Mitgliedern“ der Parteien befassen.[4] Teil IV bringt unter der Überschrift „Funktionäre“ Zahlen zur Führungsschicht der einzelnen Parteien im Untersuchungszeitraum.[5] Auch hier wird versucht – je nach Überlieferungsstand des statistischen Materials –, ein differenziertes Bild dieser Schicht zu bieten (angestellte politische Funktionäre, Neumitglieder in Funktionärsstellen, Geschlecht, Alter, berufliche Stellung, Dauer der Parteimitgliedschaft, Mitgliedschaft in Gewerkschaften).

Dass die Daten nur zum Teil vergleichbar sind, ist die Folge einer sehr unterschiedlichen statistischen Überlieferung der einzelnen Parteien wie auch Folge der wechselnden Bearbeiterschaft der Bände. In den editorischen Vorbemerkungen des vierten Teilbandes heißt es (S. 21): „Die Gestaltung der vorliegenden Bände orientiert sich an zwei Grundsätzen. Die statistische Überlieferung soll sowohl möglichst quellennah als auch einheitlich dargeboten werden. Es ist einerseits ein wichtiges Anliegen des Handbuches, die einzelnen Statistiken möglichst in ihrem historischen Kontext und mit der überlieferten Terminologie zu präsentieren, lassen sich doch dadurch über die Zahleninformationen hinaus Einblicke in das statistische Verständnis und die Selbstbeschreibung der Parteien gewinnen. [...] Andererseits wurde eine weitgehende Vereinheitlichung der Parteiüberlieferungen und der Darstellungsform angestrebt, die einen einfachen Vergleich informationsverwandter Tabellen und Tabellegruppen zwischen den einzelnen Parteien sowie eine schnelle Orientierung im Gesamtwerk ermöglicht. Es wurden große Anstrengungen unternommen, die einzelnen Teilbände und Kapitel hinsichtlich des Aufbaus, der Tabellenabfolge und -gestaltung möglichst eng aneinander anzugleichen.“

Es wäre wünschenswert gewesen, eine noch bessere Abstimmung unter den Bearbeiter/innen zu erzielen oder auch seitens der Herausgeber/innen noch bessere Vorgaben zu machen. Die Nutzung vorhandenen statistischen Materials in unterschiedlicher Dichte und Überlieferung bei den unterschiedlichen Parteien einerseits und das Bemühen um eine konsistente Darstellung des Materials andererseits ist wohl eine unausweichliche Zwickmühle, in der Herausgeber/innen und Bearbeiter/innen des Handbuches steckten. Natürlich wäre es ein zeitgemäßer und einfacherer Weg, der Forschung das Material über eine Datenbank anzubieten. Aber es schießt doch ein wenig übers Ziel hinaus, von „ärgerliche[r] Verwunderung“ und „unlesbaren Büchern“ zu schreiben.[6] Die Bände müssen als Materialsammlung betrachtet werden, die es für bestimmte eigene Fragen auszuwerten gilt.

Im Zeitalter sich auflösender oder zumindest sich rascher verändernder gesellschaftlicher Bindungen bieten die vier Bände manche Antworten auf die Fragen nach dem „Wie“ und „Wohin“ der Mitgliedschaft und Trägerschaft der einzelnen Parteien. So lässt sich mit Hilfe des Handbuches künftig einfacher untersuchen, wie sich bei Abgeordneten- und Mitgliedschaft bestimmter Parteien im Laufe der Jahre die Berufsstruktur wandelte: Stimmt es zum Beispiel, dass parlamentarische Gremien immer seltener Spiegelbilder der bundesrepublikanischen Gesellschaft darstellten? Das Handbuch bietet zudem differenzierte Antworten auf die Frage, wie es auf den unterschiedlichen Parteiebenen um Alters- oder Geschlechterentwicklung bestellt war. Auch Abwanderungsbewegungen bestimmter Alters- oder Berufsgruppen von Partei zu Partei können nachvollzogen werden. Dies sind nur einige wenige Fragen, die anhand der Zahlen des Handbuches leichter zu klären sind als bisher. Das Werk erleichtert auf diese Weise den komprimierten Zugang zu recht trockenen organisationssoziologischen Daten. Gerade auf solche Basisdaten beziehen sich die Anfragen zahlreicher Nutzer/innen unserer Bibliothek, und so dürfte die Materialfülle des Handbuchs für viele Forscher/innen eine wirkliche Hilfe sein.

Anmerkungen:
[1] Für den ersten Band ist der Zeitraum 1946 bis 1990 genannt.
[2] Bei diesen Parteien handelt es sich um DKP und SEW.
[3] Für folgende Parteien fehlen Angaben zu Neumitgliedern: CSU, DP, BHE, DZP, BP, SRP, DRP, NPD, DKP, SEW.
[4] Für folgende Parteien fehlen Angaben zu ausgeschiedenen Mitgliedern: CSU, FDP, DP, BHE, DZP, BP, SRP, DRP, NPD, SPD, DKP, SEW.
[5] Für folgende Parteien fehlen Angaben zur Funktionärsschicht der Partei: CDU, CSU, FDP, DP, BHE, DZP, BP, SRP, NPD, Die Grünen.
[6] So die kritische Rezension von: Jochen Lengemann zu Bd. 1: <http://www.bsz-bw.de/rekla/show.php?mode=source&eid=IFB_02-2_423_423>.

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17.07.2006
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