K. Ehling u.a. (Hrsg.): Hellenistische Königreiche

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Titel
Hellenistische Königreiche.


Hrsg. v.
Ehling, Kay; Weber, Gregor
Erschienen
Umfang
192 S.
Preis
€ 29,95
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Benjamin Wieland, Seminar für Alte Geschichte, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Die Erforschung des Hellenismus ist in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren stark vorangeschritten und hat dabei einiges an wertvoller, richtungsweisender Literatur produziert. Im vorliegenden Sammelband ist es den Hellenismus-Kennern Kay Ehling und Gregor Weber gelungen, einen Großteil der deutschsprachigen Forscher, die maßgeblich für jene richtungsweisende Literatur verantwortlich zeichnen, in einem knappen Übersichtswerk zu versammeln. Wenn es auch an keiner Stelle explizit erwähnt wird, so ist bereits beim ersten Seitenaufschlag zu erkennen, dass der Sammelband sich vornehmlich an interessierte Laien und Studierende richtet: die Einzelbeiträge sind alle zwischen vier und sieben Seiten lang gehalten und bieten dem Leser auf geringem Raum einen dichten Überblick zum jeweiligen Spezialthema. Unterstützt wird die einzelne Darstellung durch sinnvoll ausgesuchte Bilder, die zum Teil ganze Seiten einnehmen. Mit insgesamt knapp 170 Seiten ist das Buch wunderbar kompakt produziert, was die Zugänglichkeit für Interessierte erhöht. Leider ist der Preis mit 29,95 Euro im freien Verkauf und 24,95 Euro für WGB-Mitglieder doch einigermaßen hoch ausgefallen, was insbesondere mit Blick auf inhaltlich ähnliche Vergleichswerke aus dem Darmstädter Verlagshaus[1], die zum Teil deutlich günstiger zu erhalten sind, ein wenig verwundert.

Eine große Leserschaft ist dem Sammelband nämlich nur zu wünschen: Obschon das Werk allein durch den Titel einen Fokus auf „Reichsthemen“ legt, werden eine ganze Reihe von Bereichen betrachtet, die insgesamt einen guten Rundumblick über die gesamte Epoche des Hellenismus bieten. Dabei haben die Herausgeber die Einzelbeiträge sinnvoll und leserfreundlich gegliedert: Insgesamt zwölf Beiträge befassen sich mit der historischen Darstellung der einzelnen hellenistischen Königreiche, wobei sich nicht auf die „großen Vier“ (Antigoniden, Seleukiden, Ptolemäer und Attaliden) beschränkt wird, sondern auch die „peripheren“ Monarchien wie die Könige von Syrakus, die Schwarzmeer-Könige oder auch die Parther, welche alle in den letzten Jahren eine stärkere Untersuchung erfahren haben, Erwähnung finden. Diese Beiträge sind in der Regel reine chronologische Darstellungen, die sich zumeist an den einzelnen Königen orientieren und nur vereinzelt auf Dissense in der Forschungslandschaft eingehen. Im Fokus steht hierbei in der Regel die aktuelle communis opinio, welche trotz der räumlichen Knappheit mit erstaunlicher Prägnanz präsentiert wird.

Es ist den Herausgebern hoch anzurechnen, dass sich zu den Überblicksdarstellungen neun Beiträge gesellen, die einige zentrale Themenbereiche aus den altertumswissenschaftlichen Grund- bzw. Nachbarwissenschaften (Papyrologie, Epigraphik, Numismatik und Archäologie) behandeln. Diese ebenfalls konzisen Beiträge geben auch dem Laien einen nützlichen Einblick in jene Untersuchungsbereiche, die große Gesamtdarstellungen erst ermöglichen, und tragen zu einem besseren Verständnis der antiken Lebensrealität bei. Diese Kombination aus Überblicksdarstellungen und Spezialthemen wird durch Beiträge zu einzelnen markanten Herrscherpersönlichkeiten des Hellenismus, die laut den Herausgebern „Spezifika ihrer Dynastie bzw. der gesamten Epoche verkörpern oder aber signifikante Besonderheiten aufweisen“ (S. 9), abgerundet. Mit Demetrios I. Poliorketes, Ptolemaios III. Euergetes, Kleopatra VII. Thea Philopator, Antiochos III. und Eumenes II. Soter hat man auch hier eine sehr sinnvolle Auswahl getroffen, die das Skelett der Gesamtdarstellung mit biographischem Fleisch füllt. Alexander der Große erhält als epochenschaffender Herrscher selbstverständlich auch eine eigene Darstellung, welche die Herausgeber jedoch zu den allgemeinen Überblicksbeiträgen zählen. Die drei Kategorien von Artikeln werden im Inhaltsverzeichnis farblich unterschiedlich markiert (rot, blau und grün), was das Zurechtfinden erleichtert, auch wenn hier ebenso eine konventionellere Unterteilung in verschiedene Großkapitel denkbar gewesen wäre. Abgerundet wird der Sammelband durch einen Rundumblick von Hans-Joachim Gehrke, der sich grundlegende Gedanken zur Verbindung zwischen dem Hellenismus und der „Moderne“ macht.

Der vorliegende Sammelband schließt eine Lücke zwischen Expertentum und Laienleserschaft und vollzieht damit auf sehr elegante Art und Weise einen schwierigen Spagat. Alle Autoren sind ausgewiesene Fachleute in ihrem jeweiligen Themenbereich und können damit den Anspruch auf sachliche Korrektheit und wissenschaftliche Objektivität erheben. Gleichzeitig ist die Art der Darstellung geeignet, ein breites Nicht-Fachpublikum zu erreichen und verlässliche Informationen über die in der Öffentlichkeit immer noch vernachlässigte Epoche des Hellenismus zu verbreiten. Dieser Drahtseilakt ist den Herausgebern im Zusammenspiel mit den einzelnen Autoren außergewöhnlich gut gelungen. Beispielhaft hierfür steht die Tatsache, dass sich am Ende jedes Textes die wichtigsten ein- und weiterführenden Literaturtitel zum jeweiligen Thema finden, gleichwohl im Fließtext aus Gründen der Übersichtlichkeit auf Fußnoten verzichtet wurde. Die Texte sind für jedermann verständlich geschrieben und fordern trotzdem zur intellektuellen Befassung mit den einzelnen Themen auf. Kurze Inhaltszusammenfassungen über jedem Artikel geben dem Leser die Wahlmöglichkeit, entweder schnell über einen Abschnitt hinwegzufliegen oder sich tiefer mit ihm zu beschäftigen, wohingegen die ausgezeichnete Bebilderung auch zum Durchblättern einlädt und je nach Interessenlage innegehalten und sich genauer informiert werden kann. Hinzu gesellen sich Schaukästen mit Quellenzitaten in Übersetzung, welche optisch ansprechend einen weiteren Einblick in das Fundament der historischen Forschung bieten. Abgerundet wird das Werk durch eine übersichtliche Zeitleiste, vier schematische und übersichtliche Karten sowie sehr hilfreiche Stammbäume zu sämtlichen hellenistischen Herrscherdynastien von Makedonien bis Indien. Nicht zuletzt aufgrund der großen Themendiversität und der anschaulichen Appendices besitzt dieser Sammelband den Charakter eines Nachschlagwerkes, das sich nicht nur für Laien, sondern auch für Forscher zur Erstinformation als außerordentlich nützlich erweisen wird.

Anmerkung:
[1] Als markante Beispiele sind hier zu nennen: Hans-Ulrich Cain u.a. (Hrsg.), Hellenismus – eine Welt im Umbruch, Darmstadt 2012 (24,95 Euro frei; 19,90 Euro WBG) und Burkhard Meißner, Hellenismus (= Geschichte kompakt), Darmstadt 2007 (14,99 Euro frei; 7,99 Euro WBG).

Zitation
Benjamin Wieland: Rezension zu: Ehling, Kay; Weber, Gregor (Hrsg.): Hellenistische Königreiche. Darmstadt  2014 , in: H-Soz-Kult, 24.11.2014, <www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-22590>.
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24.11.2014
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