Making Saints in a Glocal Religion: Practices of Holiness in Early Modern Catholicism

Making Saints in a Glocal Religion: Practices of Holiness in Early Modern Catholicism

Organisatoren
Deutsches Historisches Institut Rom; Istituto Svizzero di Roma; Birgit Emich, Historisches Seminar, Johann Wolfgang Goethe Universität, Frankfurt am Main; Samuel Weber / Christian Windler, Historisches Institut, Universität Bern; Daniel Sidler, Departement Geschichte, Universität Basel
Ort
Rom
Land
Italy
Vom - Bis
20.10.2021 - 22.10.2021
Von
Giuanna Beeli / Lukas Camenzind / Nicolas Rogger, Historisches Institut, Universität Bern

Die internationale Tagung vereinte Forscherinnen und Forscher zur Diskussion von neuen Ansätzen für die Erforschung von Heiligkeitspraktiken im frühneuzeitlichen Katholizismus. Heiligkeit wurde dabei als ein komplexes System von Glauben und Praktiken definiert, das auf unterschiedliche soziale, kulturelle und spirituelle Bedürfnisse reagierte und in der Frühen Neuzeit eine grundlegende Neubewertung erfuhr. Während das nachtridentinische Papsttum seinen universellen Anspruch geltend machte, blieb der frühneuzeitliche Katholizismus gleichzeitig tief in lokalen Kontexten verwurzelt. Ausgehend von diesem Spannungsverhältnis strebten die Tagungsteilnehmer:innen in vier Sektionen an, die Praktiken frühneuzeitlicher Heiligkeit aus einer „glokalen“ Perspektive zu beleuchten.

Das erste Panel untersuchte, wie sich die Spannung zwischen lokaler Frömmigkeit und dem universalen Anspruch des nachtridentinischen Papsttums in der Praxis auswirkte.

SIMON DITCHFIELD (York) zeigte auf, dass weder Universalisierung noch Partikularisierung getrennt voneinander betrachtet werden können. Die wechselseitige Abhängigkeit zwischen dem Lokalen und dem Globalen habe die Entstehung und Ausbreitung des frühneuzeitlichen römischen Katholizismus erst ermöglicht. Der Prozess der Heiligsprechung diente als Instrument, um sowohl den universellen Ansprüchen als auch den partikularen Bedürfnissen der römisch-katholischen Kirche als Weltreligion gerecht zu werden. Dies beleuchtete Ditchfield am Beispiel dreier Akteure aus dem Umfeld des Heiligen Offiziums im 17. und 18. Jahrhundert.

ERIN K. ROWE (Baltimore) stellte in ihrer Studie über die Globalität der Heiligen Iphigenie, der legendären Tochter eines äthiopischen Königs des 1. Jahrhunderts, fest, dass sich Heiligenkulte in ihrer Bedeutung und Repräsentation verändern konnten. Die lateinische Kirche, Christen afrikanischer Herkunft sowie religiöse Orden versuchten, sich Iphigenie anzueignen. Unterschiedliche Eigenschaften der Heiligenfigur wirkten dabei identitätsstiftend. Während die mittelalterliche Kirche Iphigenie als Nebenfigur in der Geschichte des Apostels Matthäus verehrte, stellte sie seit dem 16. Jahrhundert eine Identifikationsfigur für versklavte West- und Zentralafrikaner in Amerika dar. Mit der Aufnahme Iphigenies in die Riege karmelitischer Heiliger suchte der Orden insbesondere im iberischen Raum seine Anciennität genealogisch zu konstruieren.

NADINE AMSLER (Fribourg) beleuchtete anhand des Umgangs der Jesuitenmissionare mit christlicher Frömmigkeit im frühneuzeitlichen China den Facettenreichtum von Praktiken der Heiligkeit in der Frühen Neuzeit. Zahlreiche Anknüpfungspunkte in unterschiedlichen chinesischen religiösen Traditionen ermöglichten es den Missionaren, katholische Vorstellungen und Praktiken von Heiligkeit im lokalen Kontext zu verankern. Indem sie in der Interaktion mit chinesischen Christinnen und Christen römische und chinesische Elemente miteinander verflochten, begünstigten sie die Entstehung lokalspezifischer Formen von Heiligkeit, die sich einer Anerkennung durch die Kurie weitgehend entzogen.

In seinem Kommentar stellte Vincenzo Lavenia (Bologna) fest, dass die nachtridentinische römische Kurie zunächst nicht mit der Vielfalt der Kulte und Praktiken umzugehen wusste. Sie vertrat einen universalen Anspruch, der jedoch tief im lokalen Kontext Roms eingebettet war. Daher mussten zuerst Prozesse entwickelt werden, um mit der hybrideren, offeneren und inklusiveren Religion verfahren zu können, die mit der Expansion des Katholizismus über Europa hinaus Gestalt annahm. Die anschließende Diskussion drehte sich um das Spannungsverhältnis zwischen Universellem und Lokalem. Hervorgehoben wurde im Hinblick auf weitere Forschung insbesondere die Rolle der Missionare, die als Virtuosen zwischen dem Partikularen und dem Universellen vermittelten.

Die zweite Sektion fragte nach dem symbolischen Kapital, das Heiligkeit in der Frühen Neuzeit generierte.

CÉCILE VINCENT-CASSY (Paris) beleuchtete anhand der Feierlichkeiten aus Anlass der Kanonisierung der letzten spanisch-habsburgischen Heiligen 1690/91 die Dynamiken innerkatholischer Konkurrenz, die Heiligsprechungen innewohnten. Gleich drei iberische Kandidaten erlangten den Rang der Heiligkeit, was wenigstens auf dem religiösen Feld den fortdauernden Vorranganspruch der spanischen Monarchie zu untermauern schien. Die Referentin rückte die unterschiedlichen Räume und Formen der Festlichkeiten in den Blick und zeigte dabei auf, dass das integrative Potenzial der Heiligsprechungen durch gruppenspezifische und lokale Präferenzen untergraben wurde, was die Brüche innerhalb der Monarchie weiter vertieft habe.

MARKUS FRIEDRICH (Hamburg) nahm zwei jesuitische Viten des Petrus Canisius als Ausgangspunkt, um die organisatorischen Schwierigkeiten aufzuzeigen, die mit der Förderung eines Heiligsprechungskandidaten durch das Medium der Hagiographie einhergingen. Sowohl in der oberdeutschen Provinz als auch im Umfeld der Ordensleitung in Rom entstanden parallel und unabhängig voneinander zwei Lebensbeschreibungen des Canisius. Dabei widerspiegelten die Viten weniger inhaltliche Differenzen zwischen Zentrum und Peripherie als vielmehr die unterschiedlichen dokumentarischen Zugänge und die mangelnde Koordination innerhalb eines Ordens, der gemeinhin für seine ausgeprägte bürokratische Organisation bekannt ist.

SAMUEL WEBER (Bern) beleuchtete in seiner Fallstudie zum Streben einer mailändischen Adelsfamilie nach einem Familienheiligen die Zusammenhänge zwischen den zeitgenössischen Verhöflichungsprozessen und dem barocken Wiederaufblühen der Kanonisationen. Die Borromeo versprachen sich von der Heiligsprechung ihres Carlo einen entscheidenden Vorteil im Ringen um soziale Distinktion. Die Darstellung des Heiligen musste kontinuierlich gepflegt und den politischen Umständen angepasst werden, um zur Festigung der Position der Familie innerhalb der spanisch-mailändischen Aristokratie beizutragen.

Im abschließenden Kommentar strich Christian Windler (Bern) in Anlehnung an John Elliott’s Thesen zu den composite monarchies den zusammengesetzten Charakter des frühneuzeitlichen Katholizismus heraus. Heiligkeit stellte per Definition eine universelle Eigenschaft dar, deren Inanspruchnahme jedoch von Konkurrenz gekennzeichnet und gemeinschaftsspezifisch war. Der frühneuzeitliche Katholizismus sei nicht nur in Bezug auf die Kirchenregierung, sondern auch auf die religiösen Praktiken vielschichtig zusammengesetzt gewesen. Die Diskussion griff das im Kommentar vorgestellte Konzept des zusammengesetzten Katholizismus auf, andererseits drehte sie sich um die Frage, inwieweit den Heiligen eine individuelle Handlungsmacht zugesprochen werden kann. Während sich das Panel auf die irdischen Interessen, Strategien und Agenten der Heiligsprechung konzentrierte, sollte trotz schwieriger Quellenlage eine emische Perspektive auf die Heiligen als wirkmächtige Akteure ihres eigenen Kults nicht vernachlässigt werden.

Der frühneuzeitliche Weg zur Heiligkeit bestand aus einem komplexen Zusammenspiel von Akteurinnen, Akteuren und Verfahren im lokalen Kontext und an der römischen Kurie, das im Zentrum der dritten Tagungssektion stand.

BIRGIT EMICH (Frankfurt am Main) richtete einen neuen Blick auf die Rolle von Verwandtschaftsbeziehungen im Heiligsprechungsverfahren, indem sie nach dem Einfluss der Papstnepoten fragte. Deren Einflussnahme scheint sich selbst in der Blütezeit des päpstlichen Nepotismus überwiegend auf die formalisierte Verfahrensrolle beschränkt zu haben. Die Referentin erklärte ihren Befund mit den in den erneuerten Prozessrichtlinien hervortretenden Bestrebungen, die Kernbereiche theologischer Entscheidungsfindung von Patronagelogiken abzuschirmen, um die Regeltreue eines wiedererstarkten Papsttums zu akzentuieren. Damit habe der Heilige Stuhl gleichzeitig auf eine zunehmende Spiritualisierung von Verwandtschaft im kirchlich-religiösen Kontext reagiert, die eine Abwertung biologisch-dynastischer Beziehungen im Bereich von Heiligkeit eingeleitet habe.

MARIA TERESA FATTORI (Berlin) richtete ihre Aufmerksamkeit auf die juristisch-bürokratische Dimension des Heiligsprechungsverfahrens. Auf der Basis des Werks „De Servorum Dei“ von Prospero Lorenzo Lambertini (des späteren Papstes Benedikt XIV.) rekonstruierte sie, wie das Papsttum des 18. Jahrhunderts über ein bürokratisches Verfahren moralische Gewissheit und damit die Legitimation für unfehlbare Entscheidungen über Heiligkeit herzustellen suchte. In vorgeschriebenen Momenten der Stille und des Gebets oblag es jedoch schließlich dem Papst, den letztentscheidenden Willen Gottes zu erfahren. In der longue durée betrachtet, verdeutliche „De Servorum Dei“ im Bereich des Heiligsprechungsverfahrens eine zunehmende Monarchisierung zwischen der Etablierung der Ritenkongregation und dem Papsttum des 18. Jahrhunderts.

Am Beispiel eher unbekannter Kandidatinnen und Kandidaten für Heiligkeit aus dem mittel- und osteuropäischen Raum untersuchte MARIE-ÉLIZABETH DUCREUX (Paris) die Zirkulation von Heiligenfiguren über zeitliche und geografische Grenzen und deren Bewegungen zwischen lokaler, regionaler und universaler Anerkennung. Die Referentin illustrierte die Schwierigkeit eindeutiger Klassifizierungen anhand der „nomadischen“ Bewegung des Dismas-Kults, der translokalen Verehrung Agostino Gazottos und des plötzlichen Wiederauflebens des Kults um Hemma von Gurk im Zuge der Reformen Josephs II. und der Neuziehung von Diözesangrenzen.

DANIEL SIDLER (Basel) richtete seinen Blick auf „lokale Heilige“, Frauen und Männer, die in der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft im Ruf der Heiligkeit verstarben, jedoch nie zu römischer Anerkennung gelangten. Die zunehmend strikte Regelung des römischen Heiligsprechungsverfahrens führte dazu, dass die Promotion selten zu einem erfolgreichen Abschluss kam. Mit dem Rückgriff auf die Bezeichnung als „Vielseelige“ und indem sie ein formelles Verfahren in Rom bewusst umgingen, hätten sich lokale Akteurinnen und Akteure Handlungsspielräume geschaffen, die die Verehrung lokaler Heiliger ermöglichten. Durch kreative Praktiken räumlicher Anordnung und im Windschatten offiziell anerkannter Heiliger besetzten „Vielseelige“ in der Folge oftmals prominente Orte in lokalen Kirchen und Kapellen.

In ihrem Kommentar hob Barbara Stollberg-Rilinger (Berlin) die gemeinsamen sozialen Logiken von Himmel und Erde hervor. Die Geschichte der Heiligsprechung könne als Spiegel für eine Vielzahl frühneuzeitlicher Transformationsprozesse dienen. Die Kommentatorin illustrierte diese Überlegung an den wechselseitigen Einflüssen zwischen Staatsbildung und Heiligsprechung. Der erstaunliche Grad an Formalisierung, der das Heiligsprechungsverfahren prägte, verdeutliche das Bestreben, Legitimation durch geregelte Verfahren herzustellen. Die Integration des Heiligen Geistes stellte dabei eine Inkonsistenz dar, die auf das mangelnde Vertrauen der Kirche in die bürokratische Rationalität verweise. Im Zentrum der Diskussionsrunde standen die Auswirkungen von Kanonisierungen auf die Effektivität von Heiligenfiguren, der Einfluss von Gabentauschpraktiken auf Heiligsprechung und die möglichen Folgen für das apostolische Verfahren.

Das letzte Panel befasste sich mit den Netzwerken, die Rom mit anderen Handlungsebenen verbanden und in denen Heiligkeit ausgehandelt wurde.

CHRISTOPHE DUHAMELLE (Paris) zeigte auf, dass die Entdeckung römischer Katakomben ab 1578 zur Aushebung zehntausender namenloser Körper führte, die von der römischen Bürokratie zu Heiligen gemacht und anschließend als Reliquien frühchristlicher Märtyrer in die gesamte katholische Welt versandt wurden. Jene, die solche Reliquien zu erhalten suchten, aktivierten die Beziehungen zu einflussreichen römischen Akteuren, etwa Kardinälen oder Offizieren der Schweizer Garde, die den Versand der Reliquien in ihre Herkunftsorte in die Wege leiten konnten. Während das Interesse der Eliten für die massenhaft produzierten Katakombenheiligen im 18. Jahrhundert merklich abflaute, blieb deren Verehrung in den lokalen Frömmigkeitskulturen bis weit in die Neuzeit hinein verankert.

Dass von oben eingeführte Frömmigkeitspraktiken für die nachtridentinische Kirche neben Chancen auch Risiken bargen, zeigte PHILIPP ZWYSSIG (Zürich) an der Verehrung des Aloysius von Gonzaga im Veltlin. Die ursprünglich auf Bildern fußende Verehrung des Heiligen Aloysius im veltlinischen Sazzo entwickelte eine von der kirchlichen Hierarchie nicht mehr kontrollierbare Eigendynamik: Sie wurde von den Laien in eine lokale, Wunder produzierende Frömmigkeitspraxis umgewandelt, die unter anderem den Gebrauch von Lampenöl zur Heilung Kranker beinhaltete. Heiligkeit erforderte in der Frühneuzeit neben formalisierten Verfahren die Mitwirkung von Laien, die durch Frömmigkeitspraktiken und erlebte Wunder die fama eines Heiligen determinierten.

Wie ANDREEA BADEA (Frankfurt am Main) am Beispiel der spanischen Mystikerin María de Ágreda herausarbeitete, war Heiligkeit eng verbunden mit Häresie und theologischen Irrtümern. Aufmerksamkeit erregende ekstatische Zustände nach dem Empfang der Kommunion und Berichte über Bilokationserfahrungen bewogen die spanische Inquisition dazu, ein Häresieverfahren gegen María einzuleiten. Indem sie die Häresievorwürfe zu ihren Gunsten umdeutete und sich mit Hilfe eines theologischen Sprachgebrauchs und der Bezugnahme auf Theresa von Ávila verteidigte, gelang es María de Ágreda, in diesem Verfahren ihren Ruf der Heiligkeit zu festigen. Die auf kontrovers diskutierten Wundern beruhende fama sanctitatis stieß in Rom und Paris auf große Skepsis, während die Franziskaner und der spanische König ihre Heiligsprechung tatkräftig vorantrieben.

JODI BILINKOFF (Greensboro) untersuchte ausgehend von Zeugenaussagen, die anlässlich des Seligsprechungsprozesses des Johannes vom Kreuz gesammelt worden waren, wie dessen Jünger an seiner Heiligsprechung beteiligt waren. Die Preisgabe intimer Details zum Leben des Johannes vom Kreuz beeinflusste den Heiligsprechungsprozess ebenso wie die mirakelbehaftete Verehrung seines Körpers und von Gegenständen, die er gebraucht hatte. Bemerkenswerterweise legten die Jünger in ihren Aussagen Abweichungen des Ordensgründers von den Normen des Ordens offen und kreierten dabei ein komplexes und bisweilen widersprüchliches Bild des affektiven Lebens ihres Anführers. Diese Diskrepanzen wurden bei der Heiligsprechung und in den Hagiographien jedoch diskret übergangen.

Ausgehend von Ignatiuskulten, die um 1600 in Mexiko und Peru entstanden, beleuchtete JONATHAN GREENWOOD (Ottawa), wie die Jesuiten mithilfe ihrer Netzwerke Berichte über Wunder sowie Devotionalien wie Reliquien, Bilder und Medaillen zur Heilung körperlicher Gebrechen oder zum Schutz vor extremen Wetterereignissen zirkulieren ließen. Auf diese Weise verbreiteten sie den Kult um den wundertätigen Ignatius von Loyola in der gesamten katholischen Welt. Obwohl die Existenz von Wundern außerhalb Europas hinlänglich bekannt war, berücksichtigte der römische Kanonisierungsprozess bloß Wunder aus dem europäischen Kontext.

Eva Brugger (Zürich) reflektierte in ihrem Kommentar die Zusammenhänge zwischen Heiligsprechungspraktiken und dem Aufbau personaler Netzwerke sowie die Verwissenschaftlichung von Heiligsprechungen. Als Forschungsdesiderat bezeichnete sie die eingehende Beschäftigung mit den wirtschaftlichen Aspekten von Heiligsprechungspraktiken. In der Sektionsdiskussion wurde auf die Überlieferungslage hingewiesen, die es erschwere, dieser Forderung Rechnung zu tragen. Trotzdem erschien es den Teilnehmer:innen vielversprechend, auf Logiken des Gabentauschs und Strukturen von Angebot und Nachfrage zukünftig stärker einzugehen.

In der Abschlussdiskussion wurde versucht, charakteristische Merkmale der frühneuzeitlichen Heiligkeitskultur zu bestimmen. Als entscheidende Faktoren wurden dabei der erneuerte Heiligsprechungsprozess gesehen sowie die zunehmende Anzahl von Akteuren und Akteurinnen, die an der Aushandlung von Heiligkeit beteiligt waren. Vorstellungen von Heiligkeit wurden durch zeitspezifische Werte und Normen geprägt. Als Vertreter des katholischen Glaubens konnten Heilige nach den Bedürfnissen der Gläubigen geformt werden. Die Frühe Neuzeit unterschied sich daher von früheren und späteren Epochen durch mehr Möglichkeiten des Wettbewerbs zwischen Heiligen. Im Kontext der Ausbreitung des Katholizismus mussten dabei immer mehr Instanzen mit divergierenden Wertehorizonten in das katholische System von Heiligkeit integriert werden.

Die Forscher:innen formulierten drei Desiderate, auf die sich künftige Heiligkeitsforschung konzentrieren sollte: Erstens wurde es als gewinnbringend erachtet, in der Erforschung von Heiligkeit stärker auf Intersektionalität zu achten, d.h. Kategorien wie Geschlecht, Alter und Stand in die Fragestellung einzubeziehen. Zweitens sollten Fälle von erfolglosen Heiligsprechungen systematischer betrachtet werden, da sie Grenzen des Heiligenkults deutlich machen. Schließlich müsse künftige Forschung berücksichtigen, dass frühneuzeitliche Praktiken der Heiligkeit nicht als Resultat einseitiger Entwicklungen zu sehen sind, sondern diese sich im Sinne der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen aus dem Zusammenspiel verschiedener Ebenen, zeitlichen und geografischen (Dis-)Kontinuitäten sowie kulturellen Wahrnehmungsverschiebungen konstituierten.

Konferenzübersicht:

Panel I: Localisation and Universalisation

Simon Ditchfield (York): Exemplary Lives in the Particularisation of the Universal (and Universalisation of the Particular)

Erin Rowe (Baltimore): Nubian Princess to Carmelite Nun. The Global Journey of Santa Efigenia

Nadine Amsler (Fribourg): Sainthood Sinified. Jesuit Hagiography and Christian Piety in Early Modern China

Comment: Vincenzo Lavenia (Bologna)

Panel II: Holiness as Symbolic Capital

Cécile Vincent-Cassy (Paris): Saint John of God, a Saint for the Monarchy? Juxtaposing Saints’ Cults in the Spanish World in the Seventeenth Century

Markus Friedrich (Hamburg): Constructing a Saint’s Life between Rome and the Provinces. Jesuit Hagiographical Literature on Petrus Canisius

Samuel Weber (Bern): The Promises and Pitfalls of a Family Saint. The Borromeo Family and the Canonisation of Carlo (c. 1590–1620)

Comment: Christian Windler (Bern)

Panel III: Roman and Local Procedures

Birgit Emich (Frankfurt am Main): Holy Family? The Role of Kinship Relations in the Canonization Procedure

Maria Teresa Fattori (Berlin): The Juridical-Bureaucratic Roman Machine for Making Saints. Procedures and Instances in Benedict XIV’s De Servorum Dei

Marie-Élizabeth Ducreux (Paris): How Local was a Local Saint? How Global was a Regional Saint? Contrasted Cases of Recognitio Cultus from a (Large) Central European Space in Early Modern Times

Daniel Sidler (Basel): The Making of Local „Saints“ in Early Modern Switzerland

Comment: Barbara Stollberg-Rilinger (Berlin)

Panel IV: Networks

Christophe Duhamelle (Paris): Roman Saints all over Europe. Catacomb Martyrs: Materiality and Networks

Philipp Zwyssig (Zürich): From the Alps to Rome. Cult and Miracles of St. Aloysius (Luigi) Gonzaga in Valtellina in the Context of his Canonization

Andreea Badea (Frankfurt am Main): On the Road to Sanctity? The Construction of María de Ágreda as a Franciscan Saint between Missionary Zeal and Scholarly Debates

Jodi Bilinkoff (Greensboro): Fathers, Friars, Sons, and Saint-Makers. John of the Cross and His Earliest Discípulos

Jonathan Greenwood (Ottawa): Ignatius of Loyola between the Americas and Europe. Transatlantic Networks of Miracles, News, and Devotional Objects

Comment: Eva Brugger (Zürich)

Final Discussion