Das Ruhrgebiet in Rheinland und Westfalen während des 19. und 20. Jahrhunderts. Selbstverständnis und Fremdwahrnehmung im Raumverbund

Ort
Dortmund
Veranstalter
Westfälisches Institut für Regionalgeschichte; Institut für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum mit finanzieller Unterstützung durch die Fritz Thyssen Stiftung
Datum
13.10.2005 - 15.10.2005
Von
Cordula Obergassel, Münster

Aus den preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen entwickelte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts eine Region, für die sich seit den 1920er Jahren die Bezeichnung "Ruhrgebiet" durchzusetzen begann. Ruhrgebiet, Rheinland und Westfalen bildeten überlappende Räume unterschiedlicher Qualität: Dem Ruhrgebiet fehlten im Unterschied zum Rheinland und Westfalen feste politische Grenzen und Traditionen des Raumbewusstseins, dafür war es wirtschaftlich und sozial wesentlich homogener. Vergleichbar sind die drei Räume am ehesten hinsichtlich der Kriterien Selbstverständnis und Raumbewusstsein. Die Untersuchung dieses Raumbewusstseins mit seinen Konsequenzen für die wechselseitige Wahrnehmung, das soziale Handeln und die politischen Entscheidungen waren das Thema einer Tagung, die das Westfälische Institut für Regionalgeschichte und das Institut für soziale Bewegungen der Ruhr-Universität Bochum mit finanzieller Unterstützung durch die Fritz Thyssen Stiftung vom 13. bis 15. Oktober 2005 im Neuen Rathaus in Dortmund organisierten. Mit einem regionalgeschichtlichen Zugriff sollte also ein in den letzten Jahren intensiver diskutierter Teilkomplex der Kulturgeschichte mit der Sozial- und Politikgeschichte verzahnt werden. Dazu wurde in den Sektionen Rheinland, Westfalen und Ruhrgebiet jeweils das Raumbewusstsein sozialer Gruppen, der Vertreter der Städte und des Staates sowie von Vertretern des kulturellen Lebens behandelt, in einer zusammenfassenden Sektion jeweils eine Synopse des Raumbewusstseins in den vier Räumen gegeben.

Klaus Tenfelde (Bochum) stellte in seinem Einführungsvortrag über "Raumbewusstsein in Territorien und Wirtschaftsregionen" zunächst zwei konkurrierende Perspektiven auf den Raum gegenüber: Mit dem Zitat "Räume sind nicht, Räume werden gemacht" des Berliner Geographen Hans-Dietrich Schultz hob er die aktuell dominierende, konstruktivistische Sicht auf den Raum hervor. Andererseits betonte er die Bedeutung der Industrialisierung für die Entstehung von Räumen. Das Ruhrgebiet sei erst dann zu einem eigenständigen Raum- und Selbstbewusstsein gekommen, als sein wirtschaftlicher Kern, die Schwerindustrie, an Bedeutung verloren habe. Den Grund sah Tenfelde vor allem darin, dass sich hier erst seit den 1960er Jahren mit dem Bürgertum die Schicht entwickelt habe, die Träger eines regionalen Raumbewusstseins sei.

In der von Kurt Düwell (Düsseldorf) geleiteten Rheinland-Sektion warf Martin Schlemmer (Koblenz) in seinem Vortrag "Rheinische Perspektiven auf Rhein, Ruhr und Westfalen" die Frage auf, inwieweit die rheinische Identität Bestand habe oder von den Landesidentitäten überlagert worden sei. Er kam zu dem Schluss, dass es in beiden "Bindestrich-Bundesländern" Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz bestenfalls gelungen sei, eine politische Identität auszubilden. Die Bewohner des Rheinlands hätten dagegen ihre kulturelle Identität bewahrt.

Helmut Rönz (Bonn) betonte in seinem Vortrag "Das Rheinland - ein klassischer Raum? Überlegungen zum Rheinlandbegriff zwischen dem Ende des Alten Reichs und der Bildung der Bundesländer", dass mit Gründung der Rheinprovinz 1822 eine sehr heterogene Region entstanden sei, bei deren Schaffung eher staatliche Effizienz als Fragen von Raumbewusstsein und Identität im Vordergrund gestanden hätten. Der Staat habe in der Folgezeit das Rheinland vor dem Hintergrund politischer, wirtschaftlicher und infrastruktureller Interessen immer wieder neu gegliedert und damit kaum etwas zu dem Raumbewusstsein der Rheinländer beigetragen.

Über die "Megalopolis Rhein-Ruhr-Stadt. Schriftstellervisionen im frühen 20. Jahrhundert" trug Gertrude Cepl-Kaufmann (Düsseldorf) vor. Im Gegensatz zur "fluiden Topographie" der vorherrschenden Rheinromantik hätten Schriftsteller wie Alfons Paquet, Carl Maria Weber und Alfred Joseph Werner Winckler in den 1920er Jahren einen neuen Rhein-Ruhr-Stadtraum, eine Metropolis, mit festen Grenzen entworfen. Dieser Überschreibungsversuch habe jedoch nicht die gesamte Rhein-Ruhr Region in den Blick genommen und sei hinter den Metropolischarakterisierungen von Döblin und Brecht zurückgeblieben.

Den ersten Vortrag innerhalb der von Bernd Walter (Münster) geleiteten Westfalen-Sektion hielt Sandra Schürmann (Hamburg) zum Thema: ",Poahlbürger' versus ,polnische Bergarbeiter'- Westfälische Selbstbilder und der Blick auf das Ruhrgebiet am Beispiel der Stadt Recklinghausen". Schürmann stellte in Anlehnung an Roger Chartiers diskursanalytischen Ansatz, wonach Grenzen zentral für die Konstituierung von Identitäten seien, die Frage, wo diese Grenzen in Recklinghausen verlaufen seien. Es zeige sich, dass den alteingesessenen Bürgern Recklinghausens das Ruhrgebiet, ungeachtet der Bedeutung des Bergbaus für die Entwicklung ihrer Stadt, als Negativfolie und Gegenstand der Abgrenzung gedient habe, während die Zugehörigkeit zu Westfalen betont worden sei. Deshalb hätten sie bis in die 1960er Jahre eine Kulturgrenze durch ihre Stadt gezogen, da in ihrem Süden der Bergbau mit seinen Zuwanderern dominiert habe.

Über "Das Ruhrgebiet in staatlicher Perspektive (1870-1930)" referierte Thomas Küster (Münster). Während den staatlichen Beamten im späten 19. Jahrhundert das Ruhrgebiet mit seinen hohen Anteilen von Arbeitern, Katholiken und polnischen Einwanderern primär als Gefahrenherd erschienen sei, seien sie nach der Jahrhundertwende stärker von der wirtschaftlichen Dynamik und Modernität beeindruckt worden. Nach dem Ersten Weltkrieg und insbesondere nach der Ruhrkrise 1923/24 hätten sich dann die politisch-kulturellen Bemühungen des Staates zur Integration des Ruhrgebiets verstärkt.

Eckhard Trox (Lüdenscheid) stellte seinem Vortrag über "Märkisches Sauerland und märkisches Ruhrgebiet - die tiefgreifende Spaltung regionalen Geschichts- und Raumbewusstseins in den 1880er Jahren" die Prämisse voran, dass Regionen keine festen politischen oder geographischen Gebilde seien, sondern durch verschiedene Faktoren geschaffen würden und dass eine Veränderung dieser Faktoren Folgen für die regionale Identität habe. Am Beispiel von Museumsgründungen, Texten der Schriftsteller Karl Prümer und Heinrich Kämpchen sowie geschichtswissenschaftlichen Deutungen demonstrierte er, wie sich das Regionalbewusstsein in der alten Grafschaft Mark gegen Ende des 19. Jahrhunderts in ein Geschichts- und Raumbewusstsein des märkischen Sauerlandes einerseits, des märkischen Ruhrgebiets andererseits gespalten habe.

Die folgende, von Dietmar Petzina (Bochum) geleitete Ruhrgebiets-Sektion begann mit einem Vortrag von Manfred Rasch (Duisburg) über "Zwei Provinzen - ein Wirtschaftsraum? Zur Wahrnehmung des Ruhrgebiets durch hiesige Industrielle in den Jahren 1815-1918". Rasch demonstrierte anhand einer chronologischen Nachzeichnung der Kartellbildungen des Bergbaus, wie sich die Zuständigkeitsräume erweiterten. Zuerst orientierten sie sich an den Absatzräumen und der Zuständigkeit des Oberbergamtes Dortmund, gegen Ende des 19. Jahrhunderts lösten sich dann die Bergwerksbetreiber von der staatlichen Begriffsbildung und bezeichneten ihre im Jahre 1893 gegründete Vereinigung als Rheinisch-Westfälisches Kohlen-Syndikat.

"Staatliche Raumplanung und städtisches Selbstbewusstsein im Ruhrgebiet am Beispiel der kommunalen Gebietsreform der 1960/70er Jahre" war das Thema des Vortrags von Sabine Mecking (Münster). Mecking fragte nach der Rolle, die das Raumbewusstsein bei den verschiedenen Vorschlägen zur kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen und bei den Protesten gegen diese Reform spielte. Sie kam zu dem Schluss, dass die teilweise sehr heftig geführte Diskussion und ihre Ergebnisse eher von konkreten Machtinteressen als von Raumbewusstsein geprägt wurden.

Jan-Pieter Barbian (Duisburg) stellte in seinem Vortrag ",Schau in den Ofen, da glüht die Kraft'. Der Widerschein des Ruhrgebiets in der Literatur des 20. Jahrhunderts" die Sichtweise von vier Autoren zu vier verschiedenen Zeitpunkten des 20. Jahrhunderts auf das Ruhrgebiet dar. Anders als in den von Cepl-Kaufmann dargestellten Schriftstellervisionen zeige sich hier überwiegend eine kritische Sicht auf das Ruhrgebiet. Erik Reger habe in seinen Romanen schonungslos den Städteegoismus und Provinzialismus des Ruhrgebiets während der Weimarer Republik beleuchtet, Peter von Zahn für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die eng vernetzte, pulsierende Industrieregion mit ihren hart arbeitenden Menschen hervorgehoben, Horst Krüger das Städtekonglomerat sowie die Biederkeit und den Konservatismus ihrer Bewohner kritisiert und Ralf Rothmann schließlich trotz liebevoller Beobachtungen der Menschen und poetischer Beschreibung der Landschaft die seit den 1920er Jahren kursierenden Themen und Klischees geschildert. Es bewahrheite sich die Aussage Heinrich Bölls aus den späten 1950er Jahren, dass die Realität des Ruhrgebiet, die nicht in den Klischees aufgehe, noch nicht entdeckt sei.

Im Rahmen der Tagung und in Zusammenarbeit mit dem "Historischen Verein für Dortmund und die Grafschaft Mark" hielt abends Wilfried Reininghaus (Düsseldorf) einen öffentlichen Vortrag über "Von der Reichsstadt zur Westfalen-Metropole? Dortmunds Selbstwahrnehmung im Raum und in der Zeit". Er betonte für die Zeitspanne vom 13. bis zum 20. Jahrhundert die Dominanz eines reichsstädtischen Bewusstseins und die Wechselhaftigkeit der Raumbezüge; im 20. Jahrhundert seien vor allem die Bezüge zu Westfalen, weniger zum Ruhrgebiet betont worden.

"Gibt es noch das Ruhrgebiet? Innen- und Außensichten" Diesem Thema widmete sich Rainer Danielzyk (Dortmund) im ersten Vortrag der von Hans Heinrich Blotevogel (Dortmund) geleiteten Abschlusssektion. Danielzyk betrachtete Regionen als Ergebnis funktionaler Beziehungen, sozialer Interaktionen und Konstruktionen und definierte regionale Identität in Anlehnung an Paasi und Blotevogel als Regionalbewusstsein - unterteilt in die Komponenten regionales Zugehörigkeitsbewusstsein und regionales Entwicklungsbewusstsein - und Identität einer Region - bestehend aus dem "Image" der Region und ihrer Darstellung mittels empirisch fassbarer Merkmale. Während das Ruhrgebiet regionalökönomisch allmählich in einem Rhein-Ruhr-Raum aufgehe, sei es mental-kulturell in der Selbst- und Fremdwahrnehmung noch vorhanden. Für die künftige Entwicklung hob Danielzyk die besondere Form der Urbanität hervor, die den wohl wichtigsten Bezugspunkt einer zukunftsorientierten regionalen Identifikation darstelle, und wies auf das Spannungsverhältnis zwischen dem Ruhrgebiet und der Metropolregion Rhein-Ruhr hin, die als funktionaler Verflechtungsraum an Bedeutung gewinne.

Das wechselvolle Verhältnis der beiden Teile dieser Metropolregion, ";Rheinschiene' versus ,Ruhrgebiet'. Etappen einer wechselvollen Beziehung (19./20. Jahrhundert)" war das Thema des Vortrags von Jörg Engelbrecht (Düsseldorf). Dieses Verhältnis weise in den letzten 200 Jahren alle Facetten von enger Verflechtung bis zu gegenseitiger Nichtbeachtung auf. Wie in der Vergangenheit so stehe auch bis heute eine enge strukturelle Verflechtung, die in der Realität zu einer "Rhein-Ruhr-City" führe, einer Raumpolitik gegenüber, die an den jeweiligen Stadtgrenzen ende.

Mit den Versuchen westfälischer Identitätsstiftung durch den Westfälischen Heimatbund (WHB) setzte sich Willi Oberkrome in seinem Vortrag "Der Raum und seine Regionen: Westfalen-Lippe im 20. Jahrhundert" auseinander. Oberkrome wies vor allem auf die Grenzen hin, an die der WHB bei seinen Versuchen, ein westfälisches Heimatbewusstsein zu schaffen, gestoßen sei: Weder hätten seine Versuche, die in hohem Maße zugewanderte, massenkulturell interessierte Bevölkerung des Ruhrgebiets zu gewinnen, Erfolg gehabt, noch habe er die in hohem Maße kleinräumig orientierte Bevölkerung Westfalens, die er selbst in acht bis zehn Heimatgebiete organisatorisch untergliedert habe, für ein übergreifendes Westfalenbewusstsein gewinnen können. Dieses sei vielmehr "das artifizielle und extrem pflegebedürftige Konstrukt einer letzthin selbstreferentiellen Elitekultur" gewesen.

Christoph Cornelißen (Kiel) fragte in seinem Vortrag "Die geschichtspolitische Förderung eines Raumbewusstseins Nordrhein-Westfalen (1946 - ca.1980)" danach, wie politisches Handeln zur Generierung eines historisch begründeten Raumverständnisses eingesetzt worden sei. Dieser Frage ging er anhand der Aktivitäten von drei Akteursgruppen nach: den "Machern" (Politiker, Verwaltung), den "Konstrukteuren" (Historiker) und den "Inszenierern" (Gestalter von Ausstellungen). Insgesamt, so Cornelißen, habe sich bislang gezeigt, dass den Versuchen zur Förderung einer historisch begründeten Landesidentität zahlreiche Regionalismen, soziale Teilidentitäten und der bundesweit zu beobachtende Trend zur Regionalisierung von Geschichtskulturen entgegen gestanden hätten.

Einen Überblick für die Abschlussdiskussion gab der Vortrag von Karl Ditt (Münster) "Raumbewusstsein in Rheinland und Westfalen, im Ruhrgebiet und in Nordrhein-Westfalen während des 19. und 20. Jahrhunderts". Er skizzierte zunächst Charakteristika des im frühen 19. Jahrhundert auflebenden Rheinland- und Westfalenbewusstseins und ging dann auf das im frühen 20. Jahrhundert entstehende Ruhrgebietsbewusstsein und die Versuche zur Schaffung eines Nordrhein-Westfalenbewusstseins ein. Abschließend zog er sowohl die Existenz eines NRW- und als auch die Dauerhaftigkeit des Ruhrgebietsbewusstseins, aber auch die Kontinuität des traditionellen Rheinland- und Westfalenbewusstseins in Zweifel; letztere würden in hohem Maße nur noch auf überholten Stereotypen beruhten. Statt dessen würden eher kleinräumige Bezüge an Bedeutung gewinnen.

Das Spezifikum dieser Tagung war also die Untersuchung von Raumbewusstsein in egalitären und hierarchischen Beziehungen, in Koexistenz und Konkurrenz, Aufstieg und Niedergang. Die Vorträge zeigten jenseits der vorgegebenen Gliederung, die das Raumbewusstsein nach ihren Trägern, d. h. nach sozialen Gruppen, Staats- und Stadtverwaltungen sowie Vertretern des kulturellen Lebens behandeln sollten, eine Vielzahl der Zugriffe. Sie reichten von Versuchen, wirtschaftliche und soziale Verflechtungen und Abgrenzungen, die Konstituierung von Organisations- und Verwaltungsräumen und kulturpolitische Identitätsstiftungen nachzuzeichnen, über die Darstellung literarischer Raumbeschreibungen und Raumüberschreibungen, der Integration und Exklusion von Geschichtszeugnissen für die Gründung und Bestückung von Museen, der Auswertung der Lokal- und Regionalhistoriographie bis hin zur lokalen Imageanalyse an Grenzen. Die in der Diskussion gestellte Frage nach der Messbarkeit von Raumbewusstsein wurde damit sehr unterschiedlich beantwortet. Die Vertreter des kulturellen Lebens übernahmen offenbar eine besondere Seismographenfunktion für Raumveränderungen. Deutlich wurde zudem, dass von den sozialen Gruppen vor allem das Bürgertum für die Konstituierung und Ausfüllung von Regionalbewusstsein "zuständig" war und sich dafür gerne der Geschichte bediente. Gegenüber der Übertragbarkeit dieses bürgerlichen Bewusstseins auf die anderen Gruppen der Gesellschaft herrschte Skepsis. Dagegen agierten die Institutionen, die für die Ziehung der politischen Grenzen und die Konstituierung der politischen Räume zuständig waren, primär aufgrund machtpolitischer Interessen und beriefen sich in den Konflikten durchaus auf ein Raumbewusstsein der gesamten Bevölkerung.

Zwei Fragen wurden kontrovers diskutiert: Zum ersten die Frage, inwieweit das Raumbewusstsein den realen Raum und dessen Veränderungen widerspiegelte bzw. inwieweit es eine Konstruktion interessierter Kreise und Instanzen war. Zum zweiten die Frage, ob das primär auf den Besonderheiten von Wirtschaft und Gesellschaft beruhende Raumbewusstsein im Ruhrgebiet sich gegenüber dem primär kulturell-politisch fundierten Rheinland- und Westfalenbewusstsein halten und durchsetzen könne oder ob es mit dem Verschwinden der montanindustriellen Basis in ein regionales und lokales Bewusstsein zerfalle. Insgesamt ließ der Tenor der Beiträge erkennen, dass es zur Schaffung und Aufrechterhaltung eines Raumbewusstseins mittlerer Größenordnung, d. h. insbesondere eines Rhein-Pfalz- und eines Nordrhein-Westfalen-, aber auch eines Rheinland-, Westfalen- und Ruhrgebietsbewusstseins beträchtlicher konstruktiver Anstrengungen bedurfte, während der Bevölkerung das kleinräumige Bewusstsein historisch und emotional sehr viel näher war.

Zitation
Tagungsbericht: Das Ruhrgebiet in Rheinland und Westfalen während des 19. und 20. Jahrhunderts. Selbstverständnis und Fremdwahrnehmung im Raumverbund, 13.10.2005 – 15.10.2005 Dortmund, in: H-Soz-Kult, 16.12.2005, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-978>.