Historikertag 2008: Alte Geschichte

Von
Monika Schuol, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin

Besprochene Sektionen

"Das Leben der Hauptstädter. Spätantike Städte als Herrscherresidenzen"
"Manche sind gleicher. Institutionelle Stabilisierung von Ungleichheit von der Antike zur Moderne"
"Politisch-kulturelle Ungleichheiten im Spannungsverhältnis zwischen 'Orient' und 'Okzident' "
"Demokratie in der hellenistischen Polis?"

Zweifellos ist das Programm des 47. Deutschen Historikertags dominiert von zwei großen neuzeitlichen Themenfeldern, nämlich dem Nationalsozialismus und der DDR. Besondere Aufmerksamkeit wurde dem Bericht der Historikerkommission zur Ermittlung der Opferzahlen der Luftangriffe auf Dresden vom 13.-15. Februar 1945 gewidmet.[1] Zudem wurde am zweiten Tagungstag (1. Oktober) die DFG-Wanderausstellung „Wissenschaft, Planung, Vertreibung – Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten“ an ihrer letzten Station, an der TU Dresden, eröffnet. Dennoch waren auch die althistorischen Sektionen gut besucht und die Veranstaltungsräume häufig bis auf den letzten Platz besetzt oder sogar überfüllt.

Vorbemerkungen
Wie verträgt es eine Stadt, wenn sie unvermittelt Kaiserresidenz wird? Wie wird eine Spannungsbalance zwischen den beiden Polen „faktisch bestehende Ungleichheiten“ und „Forderungen nach Gleichheit“ institutionell stabilisiert? Wie gestalten sich Konzeptualisierung und Darstellung von Ungleichheiten im Umgang mit kulturellen Grenzen? Können hellenistische Poleis als Demokratien bezeichnet werden? Dies waren die Leitfragen der drei althistorischen Sektionen und einer epochenübergreifenden Sektion. Schon dieser Fragenkatalog lässt das breite Spektrum der hier präsentierten Themen erkennen.

Überblick über die Sektionen
Den Auftakt machte die Sektion „Das Leben der Hauptstädter. Spätantike Städte als Herrscherresidenzen“. Einer exemplarischen Betrachtung unterzogen wurden zunächst vier Städte (Antiochia, Mailand, Ravenna, Karthago), die in der Spätantike zeitweilig als Herrscherresidenzen dienten. Der Fokus der Beiträge richtete sich auf die Besonderheiten dieser Plätze vor und nach ihrer Residenzwerdung. Gefragt wurde nach den Veränderungen für die frischgebackenen Hauptstädter, eingenommen wurde also der Blickwinkel der Bevölkerung, nicht die Perspektive der Herrscher. RENE PFEILSCHIFTER (TU Dresden) arbeitete heraus, dass in Antiochia die Infrastruktur günstig gewesen sei für die Beherbergung des Kaisers, aber dessen ungeachtet sich für Julian Apostata als ein schwieriges Pflaster entpuppt habe; und es fand sich in der Stadt auch keine von allen Parteien gleichermaßen als Autorität akzeptierte Person (powerbroker) zur Vermittlung in dem Konflikt, denn es hätten sich praktisch keine Kontakte zwischen den Kaisern und den Antiochenern entwickelt. Die Besonderheiten von Mailand vor und nach der Etablierung der Kaiserresidenz skizzierte CLAUDIA TIERSCH (Universität Leipzig): Wenngleich hinter anderen Städten zurückstehend, sei Mailand eine wirtschaftlich bedeutende Stadt gewesen, die ebenso wie hochkarätige Gelehrte (Augustinus) auch in Luxus lebende Hofbedienstete und Verwaltungsangestellte zu ihren Bürgern zählen konnte. Die kuriale Oberschicht der Metropole sei jedoch konturlos geblieben und nicht in hohe Reichsämter aufgestiegen. Als einschneidendes Ereignis für Mailand müsse die Wahl des Ambrosius zum Bischof gewertet werden, denn Ambrosius habe die politische und kulturelle Identität seiner Residenz entscheidend geprägt, zur Integration des Kaiserhofes in die Stadt beigetragen und Mitgliedern der Mailänder Oberschicht zu Karrieren im Dienst des Kaisers verholfen. Völlig anders als in Antiochia gestaltete sich die Situation seit der Etablierung des kaiserlichen Hofes (402 n.Chr.) unter Kaiser Honorius in Ravenna, wie ANDREAS GOLTZ (Universität Bamberg) herausstellte: Die Stadtbevölkerung Ravennas einschließlich der Kurialen habe sich unabhängig von der kaiserlichen Präsenz in der Stadt entwickelt, ohne dass es zu Unruhen kam, denn die Einwohner seien seit langem die Präsenz von Militär gewohnt gewesen. Den größten Gewinn aus der Residenzwerdung Ravennas habe der dortige Bischof gezogen: Er habe als Berater und Vertreter des Kaisers fungiert, sei in den Genuss materieller Zuwendungen gekommen, und das ravennatische Bistum habe Mailand den Rang abgelaufen. Für Karthago vertrat KONRAD VÖSSING (Universität Bonn) die durchaus überzeugende These, dass sich vandalische und römische Eliten in Parallelgesellschaften aufhielten; dabei sei auf Seiten der Vandalen dem arianischen Glaubensbekenntnis eine zentrale Funktion in der Abgrenzung von der Romania zugekommen. Einen Ausblick in die frühislamische Zeit boten die Ausführungen von ISABEL TORAL-NIEHOFF (FU Berlin) zu der am Stadtbild deutlich ablesbaren „Orientalisierung“ von Damaskus: Bereits in der Spätantike seien das Straßennetz „verwildert“ und Sackgassen entstanden, öffentlicher Raum sei reduziert worden. Mit der islamischen Eroberung hätten die Araber ein funktionierendes urbanes Zentrum übernommen, die griechische Verwaltung habe weiterhin bestanden, die damaszenischen Christen hätten den Status von Schutzbefohlenen erhalten, die Kirche Johannes’ des Täufers sei im 8. Jahrhundert in eine Moschee umgewandelt worden.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen zumeist Einzelprobleme, so etwa im Fall von Mailand Nachfragen zur Funktion der Heiden im Veränderungsprozess der Metropole, dem Zusammenhang von Hauptstadtfunktion und Literaturproduktion und zu baulichen Veränderungen infolge der Residenzwerdung. Meines Erachtens zeichnete sich diese Sektion aus durch eine besonders stimmige Konzeption und durch eine Fragestellung mit großem innovativen Potential. Die exemplarische Betrachtung von fünf Städten mit hohem Bekanntheitsgrad regt an zur Untersuchung weiterer Orte, die ebenfalls vorübergehend Hauptstadtfunktionen übernahmen, aber aufgrund einer eher disparaten Quellenlage und einer nicht ganz so spektakulären Entwicklung zumindest auf den ersten Blick als ein weniger attraktiver Forschungsgegenstand erscheinen mögen; zu nennen wären hier etwa Trier als Residenz der römischen Kaiser im Westen, Split mit dem Diokletianspalast oder Tolosa (Toulouse) als Hauptstadt des Tolosanischen Reiches.

In der epochenübergreifenden Sektion „Manche sind gleicher. Institutionelle Stabilisierung von Ungleichheit von der Antike zur Moderne“ präsentierten sich Mitglieder des Dresdner SFB 537 „Institutionalität und Geschichtlichkeit“. Über diese Sektion liegt bereits ein ausführlicher Bericht vor [2], daher möge hier ein kurzer Abriss genügen. Im Mittelpunkt des althistorischen Vortrags von MARTIN JEHNE (TU Dresden) stand der römische Senat als Verwalter der Privilegien und Wächter der dignitas: Mit der Zulassung von Ausnahmen von der Gleichhheit vor dem Gesetz für verdiente Persönlichkeiten bei gleichzeitiger Einschränkung der Freiheit (libertas) der Bürger gehe nicht nur eine Hierarchisierung im Senat selbst einher; vielmehr zeige die demonstrative Überhöhung der Senatoren steile hierarchische Unterschiede in der gesamten Gesellschaft auf, die von der Bevölkerung auch wahrgenommen und akzeptiert worden seien. Die Stabilisierung derartiger Spannungszustände wertete Martin Jehne als die größte Leistung der institutionellen Ordnung. Das Spannungsverhältnis zwischen Egalitätsanspruch und faktischer Ungleichheit stand auch im Zentrum der beiden Beiträge zur spätmittelalterlich-frühneuzeitlichen Ständegesellschaft von GERD SCHWERHOFF (TU Dresden) und zur vergleichenden Deutung der Sozialstrukturen in der DDR und der BRD von KARL-SIEGBERT REHBERG (TU Dresden). Themen waren die Erkennbarkeit sozialer Differenzierung (z.B. durch die Kleiderordnung), die Zementierung sozialer Ungleichheit (durch Ehrzuweisungen und Privilegien) im Widerspruch zur postulierten bürgerlichen Gleichheit vor Recht und Gesetz in der städtischen Gesellschaft und die in Ost und West gleichermaßen langfristig nicht erfüllten Konsumerwartungen eines Teils der Bevölkerung gegenüber der regelmäßigen und abgesicherten Teilhabe am Konsum anderer Teile der Gesellschaft als Ausdruck einer nicht überwundenen Klassendifferenzierung. Als Fazit dieser Sektion bleibt festzuhalten, dass das Spannungsverhältnis von Behauptung von Gleichheit und Bestreitung von Ungleichheit bestehen bleibt; Ungleichheiten werden durchaus offen zur Schau gestellt, in Ritualen choreographiert und inszeniert, aber auch durch institutionelle Mechanismen ausbalanciert.

Die Sektion „Politisch-kulturelle Ungleichheiten im Spannungsverhältnis zwischen ‚Orient‘ und ‚Okzident‘“ widmete sich den Ungleichheitswahrnehmungen zwischen den Hochkulturen Vorderasiens einschließlich Ägyptens auf der einen Seite und Griechenland und Rom auf der anderen Seite. Auch hier wird lediglich ein summarischer Abriss gegeben, da der Bericht zu dieser Sektion bereits vorliegt.[3] Thematisiert wurde das Verhältnis zwischen Vorderasien und Rom und dem gräko-ägyptischen Herrscherkult. Die wiederholten militärischen Konfrontationen und die in diesem Kontext erfolgten Begegnungen von kulturell höchst unterschiedlich geprägten politischen Gebilden wurden am Beispiel Persiens und Roms sowohl aus der Sicht der östlichen Kontrahenten als auch aus der Perspektive Roms betrachtet (JOSEF WIESEHÖFER (Universität Kiel) und ROLF SCHNEIDER (LMU München)): Darstellungen der besiegten Römer und in sasanidische Gefangenschaft geratener römischer Kaiser in literarischen und ikonographischen Zeugnissen persischer Provenienz hätten dem spezifisch römischen Umgang mit kultureller Ungleichheit durch das Medium der Bilder (z.B. Überführung des Kultes der Kybele als Magna Mater auf den Palatin, Ikonographie des schönen Orientalen, Aufstellung von Obelisken in Rom) gegenüber gestanden. Die Harmonisierung und Konstituierung politischer Ungleichheiten im ptolemäischen Ägypten durch die Etablierung eines Herrscher- und Dynastiekultes erörterten GREGOR WEBER (Universität Augsburg), SITTA VON REDEN (Universität Münster) und STEFAN PFEIFFER (Universität Mannheim): In einer Phase des Experimentierens mit theologischen Konzeptionen und deren Umsetzung in die kultische Praxis sei ein letztendlich eigenständiger Dynastiekult der Ptolemäer mit Anbindung an die griechisch-makedonische Herrscherverehrung und an ägyptische Tradition entwickelt worden. Die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung habe man durch Beteiligung an mehrtägigen öffentlichen Festen erreicht (vgl. Dekret von Rosette). Dabei hätten die neuen politischen Oberherren Ägyptens das Ziel verfolgt, religiöse Ungleichheit aufzuheben und die Fremdheit des Fremdherrschers zu überwinden; die Träger dieser Entwicklung seien einflussreiche Kreise der Priesterschaft gewesen. Jenseits einiger in der Diskussion schnell geklärter Sachfragen blieb allerdings offen, ob nicht mit der Ausdehnung griechisch-römischer Herrschaft und Kultur auf Ägypten Ungleichheit überhaupt erst entstanden ist.

Die letzte althistorische Sektion („Demokratie in der hellenistischen Polis?“) des Historikertages 2008 nahm den Charakter der hellenistischen Städte in den Blick. Im Mittelpunkt stand die Forschungskontroverse, ob die hellenistischen Poleis als Demokratien bezeichnet werden können; und damit verbunden war eine kritische Auseinandersetzung mit Jochen Bleickens scharfer Abgrenzung des Hellenismus von der klassischen Demokratie. Dem Beitrag von CHRISTIAN MANN (Universität Frankfurt am Main) lagen zwei jüngst erschienene Monographien zur Demokratie im Hellenismus zugrunde [4]: Volker Grieb betrachtet schwerpunktmäßig die Bürgerschaft und die Polis-Institutionen und schlussfolgert, dass das Ende der Klassik nicht das Ende der Demokratie bedeutet hätte; vielmehr habe eine Oligarchisierung erst Mitte des 2. Jahrhunderts v.Chr. als Folge der freilich unausweichlichen Anlehnung an Rom stattgefunden. In den hellenistischen Poleis seien einflussreiche Bürger, von deren Beziehungen die Polis profitierte, sehr viel stärker honoriert worden, als dies in Athen der Fall gewesen sei, wo herausragende Persönlichkeiten wie Themistokles ostrakisiert worden seien. Die hellenistische Polis hätte also eine größere Stabilität in der politischen Führungsschicht gewährleistet als das klassische Athen. Die Gleichheit und Ungleichheit in den griechischen Städten der hellenistischen Zeit wurde von PATRICE HAMON (Universität Rouen) konkret herausgearbeitet am Beispiel von Smyrna und dem dortigen epigraphischen Befund, der im Späthellenismus eine Ausdehnung von koinonia und isotes auf die gesamte Gesellschaft dokumentiert habe, also ein Verschwimmen von Statusgrenzen und eine Entpolitisierung der Begriffe erkennen lasse. Das Gerichtswesen als möglichen Hinweis auf die demokratische Ordnung der hellenistischen Poleis nahm ANDREAS VICTOR WALSER (Deutsches Archäologisches Institut München) unter die Lupe und gelangte zu dem Fazit, dass die Entwicklung der Rechtsprechung für eine schrittweise Oligarchisierung spreche: Entgegen der Idealvorstellung von großen Gerichtshöfen und aus dem Volk gelosten Richtern als wesentliche Merkmale eines demokratischen Gemeinwesens der klassischen Zeit sei bereits mit der Entsendung von Fremdenrichtern das Losverfahren außer Kraft gesetzt worden; und in einem weiteren Schritt hätte man richterliche Fähigkeiten nur noch den Reichsten zugestanden. Gestützt u.a. auf Polybios, die Stoa und die Epikureer untersuchte PETER SCHOLZ (Universität Stuttgart) die Bedeutung von demokratia im Hellenismus als traditions- und gesetzesgebundene Herrschaft der gesamten Menge in Abgrenzung zur Pöbelherrschaft (Polybios) und die Idealvorstellungen von politischer Betätigung zum Wohl des Staates sowie das Verhältnis von Volk und politischen Eliten. In seinem Resumée zu dieser Sektion sprach MARTIN ZIMMERMANN (LMU München) (in Vertretung für Hans-Ulrich Wiemer) nochmals die wichtigsten Charakteristika der institutionellen Ordnung der hellenistischen Poleis an, z.B. die Verpflichtung der Eliten zur Legitimierung, die Neudefinition der Bürgergemeinden, das Funktionieren von Institutionen sowie die architektonische Ausprägung und die Veränderung der Demokratie als verschiedene Aspekte ein und derselben Entwicklung. Als dringendes Desiderat künftiger althistorischer Forschung bezeichnete er die Beschäftigung mit der hellenistischen Epigraphik.

Gibt es neue Forschungstendenzen in der Alten Geschichte?
Der Historikertag ist mit durchschnittlich 3.000 Teilnehmern der größte geisteswissenschaftliche Fachkongress Europas. Mehr als an kleinere, nur von einer begrenzten Anzahl von Wissenschaftler/innen besuchte Tagungen zu Spezialthemen wird deshalb an den Historikertag die Erwartung herangetragen, neuere Forschungsprojekte aus verschiedenen Bereichen des Faches kennen zu lernen. Bezweifeln möchte ich aber, ob tatsächlich eine größere Anzahl von Historikertagsbesucher/innen darauf gehofft hat, aus erster Hand über neue Themen, Fragestellungen, Methoden und Theorieansätze im eigenen Fach informiert zu werden, die tatsächlich das Prädikat „aktuelle Forschungstrends“ für sich in Anspruch nehmen könnten.

So lässt der Überblick über die Sektionen zwar das Fazit zu, dass die meisten Beiträgerinnen und Beiträger durchaus interessante Einzelaspekte im Hinblick auf das Schwerpunktthema „Ungleichheiten“ beleuchteten. Sie schöpften aber insgesamt aus ihren bereits veröffentlichten Forschungsarbeiten und traten gar nicht mit dem Anspruch an, die althistorische Forschung zu revolutionieren. Geboten wurde anstatt dessen ein breites Themenspektrum, das vom klassischen Griechenland bis in die Spätantike reichte. Selbst wenn man neben den einzelnen Sektionen auch die mit dem Hedwig-Hintze-Preis ausgezeichnete Dissertation von Andreas Victor Walser [5] berücksichtigt, zeichneten sich auf dem diesjährigen Historikertag keine neuen Trends in der Alten Geschichte ab: Auch wenn vielleicht manch’ eine Erwartung nicht erfüllt worden sein mag, hat gerade diese große Bandbreite althistorischer Forschung auch etwas Beruhigendes – würde doch die Ausrufung eines neuen Trends eine Einschränkung der bisherigen Vielfalt bedeuten und insbesondere die Nachwuchswissenschaftler/innen in eine bestimmte, ihnen aufoktroyierte Richtung drängen. Generell sollten meines Erachtens aber nicht die Präsenz oder das Fehlen bestimmter Themen im Programm eines Historikertages als einziges Indiz für neue Forschungstendenzen angesehen werden: Der Personenkreis der Bewerber/innen ist nicht zwangsläufig repräsentativ für das ganze Fach, und schon aus organisatorischen Gründen kann auch nur ein Teil der beantragten Sektionen tatsächlich ins Programm aufgenommen werden. So ist zwar ein neuer Trend auf einer ganz anderen Ebene oder besser gesagt: die stärkere Ausprägung einer bereits auf früheren Historikertagen hervortretenden Tendenz festzustellen, nämlich das zunehmende Engagement von Nachwuchswissenschaftler/innen mit der Organisation mehrerer Sektionen und der Präsentation eigener Beiträge. Ein aktueller Forschungstrend zeichnete sich aber auch in diesen Sektionen nicht ab. Um neue Trends aufzuspüren, müsste über die auf dem Historikertag präsentierten Beiträge hinaus die Gesamtheit der althistorischen Publikationen und der laufenden Forschungsprojekte ausgewertet werden, was dann auch eher zu einem realistischen Bild von langsamen Veränderungen führen würde anstatt kurze Zyklen von allenfalls zwei Jahren zu suggerieren.

Anmerkungen:
[1] Holger Starke, Tagungsbericht HT 2008: Dresden und die unbekannten Toten. 30.09.2008-03.10.2008, Dresden. In: H-Soz-u-Kult, 04.12.2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2403> (20.12.2008).
[2] Jörg Sonntag, Tagungsbericht HT 2008: Institutionelle Stabilisierung von Ungleichheit. Historische Fallstudien von der Antike bis zur Neuzeit. 30.09.2008-03.10.2008, Dresden. In: H-Soz-u-Kult, 06.11.2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2337> (20.12.2008).
[3] Astrid Möller, Tagungsbericht HT 2008: Politisch-kulturelle Ungleichheiten im Spannungsverhältnis zwischen »Orient« und »Okzident«. 30.09.2008-03.10.2008, Dresden. In: H-Soz-u-Kult, 06.11.2008, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2336> (20.12.2008).
[4] Susanne Carlsson, Hellenistic Democracies. Freedom, Independence and Political Procedure in Some East Greek City-States, Uppsala 2005; Volker Grieb, Hellenistische Demokratie. Politische Organisation und Struktur in freien griechischen Poleis nach Alexander dem Großen, Stuttgart 2008.
[5] Andreas Victor Walser, Bauern und Zinsnehmer. Politik, Recht und Wirtschaft im frühhellenistischen Ephesos (= Vestigia 59), München 2008.

Zitation
Historikertag 2008: Alte Geschichte, in: H-Soz-Kult, 23.12.2008, <www.hsozkult.de/debate/id/diskussionen-1061>.