Weltmusik in postkolonialer Perspektive

Weltmusik in postkolonialer Perspektive (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

Veranstalter
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM), Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw), Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung
PLZ
79098
Ort
Freiburg i. Br.
Land
Deutschland
Vom - Bis
12.05.2022 - 13.05.2022
Deadline
10.01.2022
Von
Johannes Müske, Universität Freiburg, Zentrum für Populäre Kultur und Musik

Die Tagung nimmt populäre Musik unter dem Label »Weltmusik« in den Blick. »Klassik«, »Black Music«, »Weltmusik« und viele mehr – diese Kategorien stehen durch postkoloniale Perspektiven in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft zunehmend in der Kritik – das »decentering« europäisch-hegemonialer Wissensordnungen ...

Weltmusik in postkolonialer Perspektive (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)

»Klassik«, »Black Music«, »Weltmusik« und viele mehr – diese Kategorien stehen durch postkoloniale Perspektiven in Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft zunehmend in der Kritik. Die Hinterfragung kanonisierter Ordnungen und Konzepte von Musik – das »decentering« europäisch-hegemonialer Wissensordnungen – hat auch längst die Musikwissenschaft und benachbarte Disziplinen wie die Theater,- Film- und Medienwissenschaft erreicht. Die kritischen Debatten betreffen gesellschaftliche Themen, zunehmend aber auch die Perspektiven der Geistes- und Kulturwissenschaften als Teil der Gesellschaft selbst.

Die Tagung am ZPKM nimmt populäre Musik unter dem Label »Weltmusik« in den Blick. Der Begriff ist in den späten 1980er Jahren als Vermarktungsstrategie entstanden, um die Suche nach populärer Musik zu erleichtern, die in »westlich« geprägten Begrifflichkeiten nicht definierbar war. Es entstand ein Marketinglabel, das die Vermischung von »eurologischer Musik« – also einer Musik, die sich bewusst auf die kulturelle Logik und das universelle Weltbild Europas stützt – mit nicht-eurologischer Musik kenntlich machen sollte (vgl. Sandeep Bhagwati 2020). Historisch gesehen begünstigte die Nähe der Weltmusik zur damaligen New-Age-Bewegung und dem »Ethnoboom« romantisierende Projektionen des »Anderen« und vermittelte den scheinbaren Dialog auf Augenhöhe.

Seit seinem Gebrauch wird das Etikett Weltmusik (ähnlich wie »Volksmusik« oder andere vage und ideologisch aufgeladene Genrebegriffe) kontrovers diskutiert. Zwar ermöglicht dieses Label Musizierenden außerhalb des europäischen und US-amerikanischen Raums Sichtbarkeit. Aber es produziert seit seinem Bestehen systematisch Alterität – beispielsweise indem Stereotype und Klischees vermeintlich fester kultureller Identitäten reproduziert werden.

Kritische Debatten behandeln die mangelnde definitorische Trennschärfe, den Euro-zentrismus, das Problem kultureller Aneignung, die Ghettoisierung durch Nischenprogram-mierung oder die implizite Annahme, dass die »Welt« der »Rest« außerhalb des europäi-schen und US-amerikanischen Raums sei. Wissenschaftler:innen, Künstler:innen oder Akti-vist:innen aus unterschiedlichen Bereichen weisen darauf hin, dass dem Etikett Weltmusik problematische Vorstellungen von »whiteness«, dem »Eigenen« und »Fremden«, »legitimen« Geschmacksvorstellungen oder willkürliche Einteilungen zugrunde liegen und Prozesse des »Otherings« bzw. hegemoniale Machtdynamiken bestehen bleiben. Dennoch wird dieses
Label in der Praxis weiterhin genutzt, und es existieren um die sogenannte Weltmusik ein Musikmarkt, Studiengänge, Festivals usw.

Diese aktuellen kritischen Forschungs-, Diskussions- und Praxisansätze zusammenzubringen, ist das Ziel der Tagung. Musikologisch, historisch und kulturwissenschaftlich bzw. -anthropologisch Forschende sowie Praktizierende sind eingeladen, Beiträge zum Thema einzureichen, beispielsweise:
- Geschichte der Weltmusik und ihre Konzeptualisierungen in postkolonialer Perspektive
- Weltmusik im Kontext des »Ethnobooms« der 1970/80er Jahre
- Weltmusik und die Repräsentation des »Anderen«, z.B. auf Plattencovern oder in audiovisuellen Medien
- Weltmusik als »musikalischer Imperialismus«?
- Weltmusik, Cultural Appropriation and Re-Appropriation
- Weltmusik, Partizipation und Repräsentation des »Anderen« in Forschung und Lehre, Museen und Sammlungen
- Aktuelle Trends der Weltmusik im globalisierten/digitalisierten Musikschaffen und bei Live-Events

Abstracts
Interessierte Wissenschaftler:innen aller Qualifikationsstufen und Praktiker:innen sind herz-lich eingeladen, bis zum 10.01.2022 ein Abstract mit Kurz-CV und Angaben zum theoretischen/ empirischen/ methodischen Zugang einzureichen (dt. oder engl., im Umfang von ca. 300 Wörtern).

Bitte senden Sie Ihren Themenvorschlag parallel an:
fuchs-maria@mdw.ac.at
johannes.mueske@zpkm.uni-freiburg.de

Die Übernachtungskosten für Referierende werden übernommen. Vortragende ohne eigene Stelle/Finanzierung können darüber hinaus formlos einen Reisekostenzuschuss beantragen. Eine Publikation der Beiträge wird angestrebt.

Organisation
Prof. Dr. Dr. Michael Fischer, ZPKM Freiburg
Dr.in Maria Fuchs, mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Dr. Johannes Müske, ZPKM Freiburg

Veranstalter
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Zentrum für Populäre Kultur und Musik (ZPKM)
in Kooperation mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (mdw), Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung

Tagungsort
Zentrum für Populäre Kultur und Musik
Rosastraße 17–19
D-79098 Freiburg i. Br.
http://www.zpkm.uni-freiburg.de

Kontakt
Dr.in Maria Fuchs (fuchs-maria@mdw.ac.at)
Dr. Johannes Müske (johannes.mueske@zpkm.uni-freiburg.de)

Kontakt

Maria Fuchs (fuchs-maria@mdw.ac.at)
Johannes Müske (johannes.mueske@zpkm.uni-freiburg.de)

https://www.zpkm.uni-freiburg.de/
Redaktion
Veröffentlicht am
31.08.2021
Klassifikation
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung