Erst Überfluss, dann überflüssig? Erneuerungsdialoge zwischen Unternehmensgeschichte und (allgemeiner) Geschichtswissenschaft (AKKU Jahrestagung)

Erst Überfluss, dann überflüssig? Erneuerungsdialoge zwischen Unternehmensgeschichte und (allgemeiner) Geschichtswissenschaft (AKKU Jahrestagung)

Veranstalter
Juliane Czierpka (Bochum) / Boris Gehlen (Stuttgart) / Nina Kleinöder (Bamberg) / Christian Marx (München)
Ausrichter
Arbeitskreis für Kritische Unternehmens- und Industriegeschichte (AKKU)
Veranstaltungsort
Ruhr-Universität Bochum / Digital
PLZ
44801
Ort
Bochum
Land
Deutschland
Vom - Bis
04.11.2021 - 05.11.2021
Deadline
26.10.2021
Von
Juliane Czierpka

Seit den 1990er-Jahren hat die Unternehmensgeschichte vor allem durch ihre Studien zu Zwangsarbeit und „Arisierung“ wichtige Beiträge zur allgemeinen Geschichtswissenschaft geliefert. Die Tagung setzt sich zum Ziel, den dauerhaften wechselseitigen Austausch zwischen Unternehmensgeschichte und allgemeiner Geschichtswissenschaft zu befördern, die Anwendungsmöglichkeiten des jeweiligen methodischen Instrumentenkastens besser kennenzulernen, um neue Themenfelder für beide Seiten zu erschließen.

Erst Überfluss, dann überflüssig? Erneuerungsdialoge zwischen Unternehmensgeschichte und (allgemeiner) Geschichtswissenschaft (AKKU Jahrestagung)

Zahlreiche methodisch reflektierte Arbeiten lösten den Anspruch an eine moderne Geschichtswissenschaft ein und gaben zugleich Impulse für andere Fachteile. Dennoch kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass standardisierte Unternehmensstudien zu einer gewissen Innovationsträgheit des Fachs geführt haben. Vor allem aber bleibt die Unternehmensgeschichte bei zu vielen übergreifenden geschichtswissenschaftlichen Debatten außen vor, obwohl das Interesse an ökonomischen Zusammenhängen in der Geschichtswissenschaft wie auch in der Öffentlichkeit seit Jahren zunimmt. Die Wiederentdeckung des Kapitalismus (und seiner Krisen) als historiographisches Konzept sowie die Debatten über Einkommens- und Vermögensverteilung, über Digitalisierung der Arbeitswelt, über die Auswirkung von „Vermarktlichung“ und „Finanzialisierung“ seit den 1970er-Jahren, Ressourcenkonflikte und Energiewende oder Protektionismus und „Handelskriege“ mögen als Schlagworte genügen.

Die Tagung setzt sich daher zum Ziel, den dauerhaften wechselseitigen Austausch zwischen Unternehmensgeschichte und allgemeiner Geschichtswissenschaft zu befördern, die Anwendungsmöglichkeiten des jeweiligen methodischen Instrumentenkastens besser kennenzulernen und auf diese Weise neue Themenfelder für beide Seiten zu erschließen.

Um einen initialen Dialog zu eröffnen, wurden jeweils ein(e) Vertreter:in aus Unternehmensgeschichte und ausgewählter anderer Fach- bzw. Teilbereiche zusammenspannt. Ihre bislang gemeinsam erstellten Beiträge folgen fünf Leitfragen, die (vergangene) Versäumnisse und (künftige) Erträge einer Kooperation zwischen Unternehmensgeschichte und anderen geschichtswissenschaftlichen Teildisziplinen aufzeigen. Diese sollen auf der Tagung weiter vertieft werden:

1. Wie nehmen sich die Unternehmensgeschichte und das jeweils andere Spezialgebiet wahr? Welche Inhalte/Methoden werden rezipiert? Gibt es Kooperationen oder eher Frontstellungen?
2. Zu welchen aktuellen Fachdebatten könnte das jeweils andere Spezialgebiet beitragen? Welche Fragestellungen lassen sich mithilfe der anderen Seite neu generieren oder besser beantworten?
3. Welche inhaltlichen Leerstellen können gefüllt werden, d.h. vor allem welche Entwicklungen, die bislang mit standardisierten bzw. simplifizierenden Annahmen erklärt werden, ließen sich in ihrer historischen Komplexität durch gemeinsames Arbeiten besser fassen?
4. Welche methodischen Impulse könnten dem jeweils anderen Fach neue Perspektiven erschließen?
5. Inwiefern kann die jeweils andere Disziplin zum besseren Verständnis des eigenen Fachs beitragen?

Die Tagung findet am 4./5. November 2021 virtuell über Zoom statt. Interessierte werden gebeten, sich bis zum 26. Oktober 2021 bei den Veranstalter:innen (marxchr@uni-trier.de) zu melden.

Programm

Donnerstag, 04.11.2021

13.00 Uhr Begrüßung (Kleinöder) und Einführung (Gehlen)

13.30–15.30 Uhr Unternehmensgeschichte in disziplinärer Sicht

Moderation und Kommentar: Lutz Budraß (Bochum)
1. Sibylle Lehmann-Hasemeyer (Hohenheim) / Boris Gehlen (Stuttgart): Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte
2. Knud Andresen (Hamburg) / Ingo Köhler (Göttingen/Darmstadt): Sozial- und Unternehmensgeschichte
3. Martin Lutz (Berlin) / Simone Derix (Erlangen-Nürnberg): Kultur- und Unternehmensgeschichte
4. Andrea Rehling (Augsburg) / Silke Mende (Münster): Politik- und Unternehmensgeschichte

15.30–16.00 Uhr Kaffeepause

16.00–17.30 Uhr Unternehmensgeschichte in epochaler Perspektive

Moderation und Kommentar: Martin Lutz (Berlin)
5. Ralf Banken (Frankfurt/Main) / Magnus Ressel (Frankfurt/Main): Unternehmensgeschichte in der Frühen Neuzeit
6. Felix Selgert (Bonn) / Guido Thiemeyer (Düsseldorf): Unternehmensgeschichte im 19. Jahrhundert
7. Christian Marx (München) / Sabine Pitteloud (Genf/Boston): Unternehmens- und Zeitgeschichte

17.30 Uhr Verleihung des AKKU-Nachwuchspreises

18.30 Uhr AKKU-Mitgliederversammlung 2021

Freitag, 05.11.2021

9.00–10.30 Uhr Untersuchungsfelder I

Moderation und Kommentar: Florian Triebel (München)
8. Alfred Reckendrees (Kopenhagen) / Isabel Heinemann (Münster): Gender Studies und Unternehmensgeschichte
9. Werner Plumpe (Frankfurt am Main) / Gunnar Take (Regensburg): Biographien und UnternehmerInnen-Geschichte
10. Christian Bunnenberg (Bochum) / Juliane Czierpka (Bochum): Public History und Unternehmensgeschichte

10.30–11.00 Uhr Kaffeepause

11.00–12.30 Uhr Untersuchungsfelder II

Moderation und Kommentar: N.N.
11. Nina Kleinöder (Bamberg) / Kim Todzi (Hamburg): (Post-)Kolonialgeschichte und Unternehmensgeschichte
12. Roman Köster (München) / Sebastian Haumann (Darmstadt): Umweltgeschichte und Unternehmensgeschichte
13. Ralf Ahrens (Potsdam) / Uwe Müller (Leipzig): Unternehmen, Wirtschaftssysteme, (National-)Staaten

12.30–13.30 Uhr Mittagspause

13.30–15.30 Uhr Untersuchungsfelder III

Moderation und Kommentar: Gisela Hürlimann (Dresden)
14. Jaromír Balcar (Berlin) / Michael Schneider (Düsseldorf): Wissenschafts- und Technikgeschichte und Unternehmensgeschichte
15. Louis Pahlow (Frankfurt/Main) / Eva Roelevink (Mainz): Rechts- und Unternehmensgeschichte
16. Stefanie van de Kerkhof (Mannheim) / N.N.: Militär- und Unternehmensgeschichte
17. Simone Müller (München) / Heidi Tworek (Vancouver): Globalgeschichte und Unternehmensgeschichte

15.30–16.30 Uhr Abschlussdiskussion und Verabredungen zum Buchprojekt

Kontakt

Christian Marx
E-Mail: marxchr@uni-trier.de

https://www.kritische-unternehmensgeschichte.de/