Gefährdete Demokratie. Rechtskatholizismus in der Weimarer Republik

Gefährdete Demokratie. Rechtskatholizismus in der Weimarer Republik

Veranstalter
Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Wesfalen; LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte; LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte; LWL-Medienzentrum für Westfalen; Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Nell-Breuning-Haus Herzogenrath
Ausrichter
Nell-Breuning-Haus
Veranstaltungsort
Herzogenrath
Gefördert durch
Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Wesfalen; Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Nell-Breuning-Haus Herzogenrath
PLZ
52134
Ort
Herzogenrath
Land
Deutschland
Vom - Bis
19.05.2022 - 21.05.2022
Deadline
05.05.2022
Von
Julia Paulus, Neuere und Neueste Geschichte, LWL-Institut für Regionalgeschichte

Die wissenschaftliche Fachtagung fragt mit besonderem Augenmerk auf das Rheinland und Westfalen nach Schwerpunkten und Netzwerken der rechtskatholischen Akteure, nach ihrer tatsächlichen Relevanz für das Ende der parlamentarischen Demokratie und die Errichtung der NS-Diktatur, und schließlich nach den historischen Kontinuitäten, zur „Neuen Rechten“ der Bundesrepublik bis zu den rechtspopulistischen Ideologien der Gegenwart.

Gefährdete Demokratie. Rechtskatholizismus in der Weimarer Republik

Das Scheitern der ersten deutschen Demokratie hat vielfältige Ursachen. Eine wesentliche liegt nach allgemeiner Überzeugung bei den alten reaktionär gesinnten konservativen Eliten des Kaiserreichs. Diese werden ganz überwiegend dem preußischen Protestantismus zugeordnet. Demgegenüber wird die katholische Bevölkerungsminderheit im Reich als weitgehend republikfreundlich und gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus eindeutig ablehnend eingestellt wahrgenommen. Gleichwohl gab es auch im weltlichen Katholizismus (u. a. im Adel) sowie im Klerus konservativ bis reaktionär eingestellte Kräfte, deren Ziel in einer Überwindung der „mechanischen Massendemokratie“ und der Etablierung eines autoritären Ständestaats bestand. Nationalistische Wehrverbände wie der „Stahlhelm“ und die DNVP wurden dabei als Bundesgenossen, Hitler und die Nationalsozialisten als nützliche Instrumente bei der Beseitigung der republikanisch-demokratischen Ordnung betrachtet. Zwar blieben die Exponenten dieser Richtung innerhalb des Zentrums und der Amtskirche in der Minderheit und allgemein eher im Hintergrund, dennoch gelang ihnen die Schaffung der Strukturen, die spätestens mit der Reichskanzlerschaft Franz von Papens, einem ihrer prominentesten Wortführer, das Ende der Weimarer Republik besiegelten.

Die wissenschaftliche Fachtagung fragt mit besonderem Augenmerk auf das Rheinland und Westfalen nach Schwerpunkten und Netzwerken der rechtskatholischen Akteure, nach Verbindungen in die deutsche Amtskirche, aber auch in den Vatikan, nach ihrer tatsächlichen Relevanz für das Ende der parlamentarischen Demokratie und die Errichtung der NS-Diktatur, nach ihrer Funktion als „Brückenbauer“ zwischen Katholischer Kirche und NS-Ideologie und schließlich nach den historischen Kontinuitäten, zur „Neuen Rechten“ der Bundesrepublik bis zu den rechtspopulistischen Ideologien der Gegenwart.

Programm

19. Mai 2022

I. Rechtskatholizismus in der Weimarer Republik – Definition und Abgrenzung in der Weimarer Republik

Christoph Hübner: Ursprünge – Strukturen – Entwicklungen

Olaf Blaschke: Völkisch, antisemitisch und katholisch – zeitgenössische Logiken und Begriffe

Manfred Gailus: Inwieweit existierte in der Weimarer Republik neben dem Nationalprotestantismus auch ein expliziter "Rechtsprotestantismus"?

(Moderation: Uwe Puschner)

19:30 Uhr Abendvortrag: Wolfgang Schieder, Der katholische Philofaschismus in der Weimarer Republik

(Moderation: Guido Hitze)

20. Mai 2022

II. Rechtskatholizismus und Amtskirche

Guido Hitze: Kardinal Bertram, das katholische Adelsnetzwerk Schlesiens und der Rechtskatholizismus

Klaus Große Kracht: Laien an die Front? – Die Katholische Aktion und ihre politischen Implikationen

Klaus Unterburger: Die römische Kurie, Nuntius Eugenio Pacelli und der deutsche Rechtskatholizismus

(Moderation: Julia Paulus)

III. Rheinisch-Westfälische Netzwerke

Keywan Klaus Münster: Kardinal Schulte und das rechtskatholische Netzwerk im Rheinland

Josephine von Weyhe: Zwischen Rechtskatholizismus und politischem Katholizismus

Gabriele Clemens: Martin Spahn und die Netzwerke des Rechtskatholizismus im Rheinland und in Westfalen

(Moderation: Georg Mölich)

21. Mai 2022

IV. Überregionale und transnationale Perspektiven

Patrick Ostermann: Katholisch-faschistische Intellektuellengruppen zwischen Deutschland und Italien

(Moderation: Olaf Blaschke)

V. Gegenwartsperspektiven: Wieviel Katholisches steckt heute in rechten Strömungen?

Andreas Püttmann: Impulsreferat

Podiumsdiskussion mit Thomas Sternberg, Arnulf von Scheliha, Sonja Strube

(Moderation: Manfred Körber)

Kontakt

Nell-Breuning-Haus
Wiesenstrasse 17
52134 Herzogenrath
Rita Krull
E-Mail: seminar@nbh.de
Tel.: 02406-9558-0

https://nbh.de/
Redaktion
Veröffentlicht am
09.02.2022
Beiträger
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