Irony and Democracy in Classical Antiquity and Modernity

Irony and Democracy in Classical Antiquity and Modernity

Veranstalter
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltungsort
Blue Square, Raum 2/02, Kortumstraße 90
Gefördert durch
DFG; Gerda Henkel Stiftung
PLZ
44787
Ort
Bochum
Land
Deutschland
Vom - Bis
23.05.2022 - 24.05.2022
Von
Carlotta Voß, Friedrich-Meinecke-Institut, Freie Universität Berlin

Das Phänomen der Ironie polarisiert: Dem einen gilt es als inhärent emanzipatorisch, subversiv, kritisch, dem anderen als inhärent restaurativ, ästhetizistisch, anti-solidarisch. Die interdisziplinäre Konferenz macht sich zur Aufgabe, die Ironiediskurse der Moderne und der Klassischen Antike vergleichend aus politiktheoretischer, historischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive zu beleuchten und auf ihre Aussagekraft über demokratische Ideologien zu befragen.

Irony and Democracy in Classical Antiquity and Modernity

Die historische Betrachtung erlaubt das Postulat zu formulieren, dass in demokratischen Kontexten Ironie, vor allem aber die normative Auseinandersetzung mit Ironie als Kommunikationsmedium und Weltverständnis, Konjunktur hat. Viele der überlieferten Texte des 5. und frühen 4. Jahrhunderts, die im Umfeld der athenischen Demokratie entstanden sind, zeichnen sich nicht nur durch einen ironischen Stil aus: Es lässt sich aus ihnen auch ein kritischer Diskurs um die politischen und ethischen Implikationen von Ironie rekonstruieren. So scheinen etwa Aristophanes, Platon/Sokrates und Thukydides mit der demokratischen polis als politischem Funktionsraum im Blick eine didaktische, konstruktive Ironie zu entwickeln, die zur Ausbildung der politischen Entscheidungskompetenz des (demokratischen) Bürgers angelegt ist. Gleichzeitig berichtet Platon in seinen Dialogen, dass Sokrates‘ Ironie immer wieder Gegenstand einer Kritik wurde, deren Stoßrichtung auf die demokratische Werteordnung Athens zu verweisen scheint, insofern sie die Vorwürfe der Verstellung und Überheblichkeit im Zentrum hat. In der Moderne – zu deren Signum „Ironie“ schon oft erklärt wurde – ist die demokratische Folie im politischen Diskurs um Ironie unübersehbar: Ironie wird hier einerseits affirmiert als Mittel der Subversion, der Entlarvung von Ideologien, der Selbstkritik, der Konstitution politischer Gemeinschaft unter den Bedingungen des Kontingenzbewusstseins und der Pluralität – andererseits wird sie kritisiert als restaurativ, ästhetizistisch, elitär und anti-solidarisch.

Die Tagung an der Ruhr-Universität Bochum soll der wechselseitigen Untersuchung des modernen und des klassischen Ironiediskurses auf ihren jeweiligen Zusammenhang zu Demokratievorstellungen hin dienen. Mit diesem Vorhaben sind eine historische, eine systematische, und eine demokratietheoretische Zielsetzung verbunden:

1. soll der klassische Ironiediskurs auf sein Potenzial für eine neue Perspektive auf das Demokratieverständnis der klassischen Zeit hin erschlossen werden,
2. sollen die historischen Voraussetzungen und normativen Prämissen des modernen politischen Ironiediskurses beleuchtet werden,
3. soll die weiterführende Aufgabe einer Hermeneutik klassischer ironischer Texte als Reflexionsfläche für die modernen Demokratietheorien entwickelt werden.

Anmeldungen zur Präsenz-Teilnahme an der zweitägigen Tagung bitte per E-Mail bis spätestens 20. Mai 2022 an: christian.wendt@rub.de.

Programm

23.05.2022

Panel 1: The classical irony discourse I: Socrates

09.30 am Clifford Orwin: Does Thrasymachus play the city? The critique of irony and popular resentment of philosophy

10:15 am John Lombardini: Aristophanes’ Un-Ironic Socrates

Coffee break

11:30 am Francesco Mari: Angry at Socrates. Politeness and Irony in Plato

12:15 am Tobias Joho: Tragic Irony in the Democratic Court: On Plato’s Apology

01:00 pm Lunch

Panel 2: The modern irony discourse

02:30 pm Elizabeth Markovits: The Power of Shamelessness: Irony and Demagoguery in Contemporary US Discourse

03:15 pm Hans-Martin Schönherr-Mann: „Die Wahrheit zum Lachen bringen“ (Eco)! Oder ist die Ironie in der Krise?

Coffee break

04:30 pm Walther Reese-Schäfer: Risiken und Verständnisprobleme der Ironie

05:15 pm Anna Schober: Visual irony, ambivalence and polarization. The body and the public sphere in the transmedia works of Nilbar Güreş

07:00 pm Conference dinner

24.05.2022

Panel 3: The classical irony discourse II: Beyond Socrates

09:30 am Jonas Grethlein: Gorgianic Irony

10:15 am Carlotta Voß: Discovering the political. Thucydides, irony, and democracy

Coffee break

11:30 am Christian Wendt: Ironische Portraits politischer Größen bei Herodot

12:15 am Pascal Matheus: Herodotus and the Limits of Power – Irony in the Histories

01:00 pm Lunch

02:30–03:30 pm Round Table Discussion

Redaktion
Veröffentlicht am
27.04.2022
Beiträger
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