Walther Rathenau. Grenzgänger zwischen Kaiserreich und Republik

Walther Rathenau. Grenzgänger zwischen Kaiserreich und Republik

Veranstalter
Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Veranstaltungsort
Hans-Dietrich-Genscher-Haus / Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
PLZ
10117
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
10.11.2022 - 11.11.2022
Deadline
01.11.2022
Von
Wolther von Kieseritzky, Public History / Archiv des Liberalismus, Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Die letzte wissenschaftliche Bestandsaufnahme zum Wirken Rathenaus liegt rund zwei Jahrzehnte zurück. Der 100. Jahrestag seiner Ermordung ist Anlass, im 20. Kolloquium zur Liberalismus-Forschung die Vielfalt und Widersprüchlichkeit des liberalen Politikers, Unternehmers und Publizisten sowie dessen zentrale gesellschaftlichen Leitbilder unter aktueller Perspektive in den Blick zu nehmen.

Walther Rathenau. Grenzgänger zwischen Kaiserreich und Republik

Der Industrielle, Publizist und Politiker Walther Rathenau (1867–1922) gehört zu den bedeutendsten deutsch-jüdischen Persönlichkeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Er profilierte sich als wortgewaltiger Kritiker des politischen Systems, der gesellschaftlichen Verhältnisse und herrschenden Kultur seiner Zeit. Zugleich Wirtschaftsethiker und Literat verstand er sich als Wortführer einer Moderne und nahm – keineswegs gefeit vor Irrtümern – mit seinen Zukunftsentwürfen manche Entwicklungen vorweg. Als erster liberaler Außenminister der Weimarer Republik wurde er zum Wegbereiter einer Verständigungspolitik. Seine Ermordung durch rechtsextremistische Verschwörer 1922 erschütterte die Republik.

Als wichtiger Akteur in den Netzwerken der Wirtschaft, der Politik, der Soziologie und der Kunst wirkte Rathenau vom Kaiserreich bis in die ersten Jahre der Weimarer Republik mitgestaltend in einer Zeit voller Umbrüche und Konflikte. Selten traten in einer Person Wechselbeziehungen und Widersprüche zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Kultur in Deutschland so deutlich vor Augen wie in seinem Leben und Werk. Er war ein Grenzgänger, der das Spannungsverhältnis zwischen dem Geltungsverlust früherer Ordnungsmuster und der Konjunktur neuer Deutungen – von Geschlechterbildern, bürgerlichen Persönlichkeitskonzepten und Identitätsfragen – beispielhaft verkörperte. Zugleich zeigen sich in ihm die Bruchlinien und Traditionsüberhänge, die für den Liberalismus stets kennzeichnend waren und die „Synthese eines ganzen Bündels von Kulturen und Ideenströmen“ (Sebastian Haffner) bedeuteten.

Die letzte wissenschaftliche Bestandsaufnahme von Leben und Wirken Rathenaus liegt rund zwei Jahrzehnte zurück. So soll es anlässlich des 100. Jahrestages seiner Ermordung das Ziel des diesjährigen Liberalismus-Kolloquiums sein, die Vielfalt und Widersprüchlichkeit des liberalen Politikers Rathenau und die zentralen gesellschaftlichen Leitbilder unter aktueller Perspektive in den Blick zu nehmen: Welche Spannungen löste Rathenaus „beunruhigende Komplexität“ (Shulamit Volkov) als Jude, Unternehmer, Homme des lettres und liberaler Politiker im aufgeheizten Klima der neuen Republik und ihrer gewalttätigen Gegner aus? Was führt von seiner Politik der internationalen Verständigung in die heutige Zeit der Globalisierung? Zudem soll Rathenau in den Kontext seiner Zeit und in die Geschichte des deutschen und europäischen Liberalismus eingeordnet werden.

Programm

Donnerstag, 10. November 2022

13:30 Begrüßung

13:45–15:30 Uhr:
Sektion I: Rathenau und die Außenpolitik
- Nation, Europa und Weltpolitik: Der Erste Weltkrieg und Rathenaus Friedens- und Kriegsziele (Wolfgang Michalka, Karlsruhe)
- Wegbereiter der Entspannungspolitik? Rathenau, die Reparationsfrage und die deutsche Außenpolitik (Christiane Scheidemann, Berlin)
- „Rapallo“ und die Folgen: Deutschland, Russland und Osteuropa (Manfred Hildermeier, Göttingen)

16:00–17:45 Uhr:
Sektion II: Rathenau und die Organisation der Wirtschaft
- Rathenau, die Kriegswirtschaft und der Wiederaufbau (Heike Knortz, Karlsruhe)
- Walther Rathenau als Unternehmer (Joachim Scholtyseck, Bonn)
- „Die Wirtschaft ist unser Schicksal“ – Rathenaus Wirtschaftsethik (Andrea Rehling, Augsburg)

19:30 Uhr:
Abendveranstaltung (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften):
Vortrag: Bürgertum, Liberalismus, Moderne: Walther Rathenau im Zeitalter der Extreme (Jörn Leonhard, Freiburg i.Br.)

Anschließend Verleihung des Preises der Wolf-Erich-Kellner-Gedächtnisstiftung an Theo Jung (Halle)

Freitag, 11. November 2022

09:00–10:45 Uhr:
Sektion III: Vom Kaiserreich zur Republik
- Von Dingen, die nicht kamen. "Der neue Staat" und "Die neue Wirtschaft" in der Geschichte des Zukunftsdenkens (Rüdiger Graf, Potsdam)
- Vernunftrepublikaner? Rathenau, der organisierte Liberalismus und die parlamentarische Demokratie (Ewald Grothe, Gummersbach/Wuppertal)
- Emotion, Gewalt und Extremismus (Carola Dietze, Jena)

11:00–13:00 Uhr:
Sektion IV und Schlussdiskussion: Experimentierfelder – Rathenau als Grenzgänger
- Identitätsfragen: Rathenaus Auseinandersetzung mit dem Judentum (Ulrich Sieg, Marburg)
- Walther Rathenau in den Neuordnungsdiskursen 1917–1919 (Gangolf Hübinger, Frankfurt/O.)
- Rathenau und die Nachwirkungen: Erinnerungsort, schillernde Ikone, Epochengestalt? (Martin Sabrow, Potsdam)

Kontakt

Dr. Wolther von Kieseritzky
Public History/Archiv des Liberalismus
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Karl-Marx-Str. 2
14482 Potsdam
E-Mail: wolther.von-kieseritzky@freiheit.org

https://www.freiheit.org/de/adl
Redaktion
Veröffentlicht am
19.10.2022
Klassifikation
Region(en)
Weitere Informationen
Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
Sprache der Ankündigung