Innovative Perspektiven auf die Geschichte der internationalen Beziehungen. Akteure, Milieus und Orte (19.–20. Jahrhundert)

Von
Deutsches Historisches Institut DHIP

Die Sommeruniversität des Deutschen Historischen Instituts in Paris wird im Juni 2023 innovative Perspektiven auf die Geschichte der internationalen Beziehungen in den Vordergrund stellen. Die viertägige Veranstaltung ist Forschungen gewidmet, die neue Methoden anwenden oder Studienobjekte untersuchen, die bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten haben.

Innovative Perspektiven auf die Geschichte der internationalen Beziehungen. Akteure, Milieus und Orte (19.–20. Jahrhundert)

Sommeruniversität des Deutschen Historischen Instituts Paris organisiert in Kooperation mit der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne/UMR SIRICE und der Universität Marburg

Etwa 15 Promovierende und Postdocs, die sich mit der Geschichte der internationalen Beziehungen beschäftigen, werden mit erfahrenen Kolleg:innen zusammenkommen, um den Austausch über Praktiken und Perspektiven der Forschung zu fördern und einen Beitrag zur Vernetzung einer neuen Generation von Historiker:innen zu leisten. Die für die Sommeruniversität gewählte Thematik greift die Erneuerung dieses Gebiets in den letzten zwanzig Jahren auf, die insbesondere durch neue Ansätze für die Erforschung von Interaktionen über nationale Grenzen hinweg gekennzeichnet ist. Die Sommeruniversität soll dazu beitragen, die Grenzen zwischen Ansätzen und Themenfeldern zu überwinden und die Geschichte der internationalen Beziehungen anhand von bisher wenig bearbeiteten Studienobjekten und mit neuen analytischen Zugängen zu erkunden.

Seit mindestens zwanzig Jahren konzentriert sich die Forschung kaum noch auf die Ergebnisse diplomatischer Verhandlungen. Stattdessen liegt nun verstärkt der Fokus darauf, wie Verhandlungen geführt werden, wer sie führt und an welchen Orten sie stattfinden. Zunehmend werden auch transnationale Dynamiken untersucht und die internationalen Beziehungen in Prozesse der Europäisierung und Globalisierung eingebettet. Immer mehr Forschungsarbeiten befassen sich mit internationalen Beziehungen in einem multilateralen Rahmen und innerhalb spezifischer Gremien (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Internationale Arbeitsorganisation, Internationale Atomenergiebehörde, Europäischer Gewerkschaftsbund usw.). So wurden beispielsweise die im Geheimdienstbereich entstandenen Formen der Koordination mit Gewinn untersucht. Emotionen in den internationalen Beziehungen sind zu einem interessanten Studienobjekt geworden und erfordern die Entwicklung neuer Methoden und Analyseraster, um ihren Einfluss auf die Definition außenpolitischer Positionen und auf die Haltung der Zivilgesellschaft zu erfassen. Diese neuen Fragen erfordern einen neuen Blick auf das Quellenmaterial und die Mobilisierung anderer Quellen, nicht zuletzt, weil die Digitalisierung die Arbeit von Historiker:innen ebenso wie das Handeln der von ihnen untersuchten Akteure verändert.

Die Sommeruniversität möchte ein breites Spektrum an Akteuren berücksichtigen, die an internationalen Beziehungen beteiligt waren, und so die Vielzahl der Prozesse des internationalen Austauschs abbilden, die neben den diplomatischen Verhandlungen im engeren bestanden. Viele Akteure der öffentlichen Sphäre, wie z.B. politische Parteien, religiöse Organisationen oder Vereine, waren häufig in Aktivitäten involviert, die über den nationalen Rahmen hinausgingen. Kontakte fanden im bilateralen oder multilateralen Rahmen statt, entweder am Rande oder innerhalb von eigens zu diesem Zweck geschaffenen Strukturen. Neue Ansätze zu den zwischenstaatlichen Beziehungen, die sich beispielsweise auf die diplomatischen Praktiken oder die Soziabilität des diplomatischen Personals konzentrieren, haben ebenfalls ihren Platz in der Sommeruniversität. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Auswirkungen der Wandel der Staatlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert und die Vorstellungen der Gesellschaft von der Rolle des Staates auf die internationalen Beziehungen hatte. Welche Erkenntnisperspektiven erlauben schließlich die neuen Ansätze auf traditionelle Kategorien des Studiums der internationalen Beziehungen wie Macht, Hegemonie, Souveränität, Krieg und Frieden usw.?

Das wissenschaftliche Komitee, das die Sommeruniversität leitet, begrüßt insbesondere Beiträge, die sozialhistorische oder kulturhistorische Perspektiven auf die Geschichte der internationalen Beziehungen einnehmen, d.h. Forschungen, die die Verankerung der Akteure in ihrem Umfeld berücksichtigen und „Milieus“ im soziologischen Sinn betrachten, unter Berücksichtigung von Netzwerken, Profilen und Praktiken. Wir fordern auch junge Forscher:innen zur Bewerbung auf, die sich mit den internationalen Beziehungen von Akteuren des politischen (politische Parteien, Ministerien, Umweltverbände usw.), kulturellen (Orchester, Theatergruppen usw.) oder wirtschaftlichen (Unternehmen, Regulierungsbehörden usw.) Lebens befassen. Die Berücksichtigung nicht-staatlicher Akteure und der öffentlichen Sphäre kann auch die Wechselwirkungen zwischen Innen- und Außenpolitik thematisieren. Beiträge, die sich der Geschichte der internationalen Beziehungen mit Methoden der transnationalen Geschichte annähern sich mit dem Transfer von diplomatischen Praktiken beschäftigen, sind ebenfalls willkommen.

Auch die Orte, an denen internationale Beziehungen entstanden sind (internationale Konferenz- oder Kongressstädte, Hauptstädte, Botschaften, Außenministerien usw.), können Thema eines Beitragsvorschlags sein, um so die Einbettung der internationalen Beziehungen im Raum zu beleuchten. Dabei können sowohl klassische (erwartbare) Räume der internationalen Beziehungen in den Blick kommen wie auch Räume des inoffiziellen oder informellen Austauschs.

Vorbehaltlich der Finanzierung durch Drittmittel werden die Fahrtkosten der Teilnehmenden erstattet und ein erheblicher Zuschuss zu den Unterbringungskosten gewährt. Die Arbeitssprachen der Sommeruniversität sind Deutsch und Französisch, doch sind auch Vorträge auf Englisch möglich. Die aktive Beherrschung einer der Arbeitssprachen und das passive Verständnis der beiden anderen genannten Sprachen werden vorausgesetzt.

Die Bewerbungsunterlagen sollten eine Zusammenfassung des geplanten Vortrags von maximal 4.000 Zeichen (einschließlich Leerzeichen) enthalten, außerdem einen Lebenslauf, der die akademische Ausbildung darstellt und die Sprachkenntnisse beschreibt, sowie schließlich (falls vorhanden) eine Liste der Veröffentlichungen.

Die Bewerbungsunterlagen können bis zum 31. Januar 2023 in deutscher oder französischer Sprache an folgende E-Mail-Adresse geschickt werden: sommeruni@dhi-paris.fr.

Die erfolgreichen Bewerber:innen werden gebeten, einen Arbeitstext von 20.000 bis 50.000 Zeichen (einschließlich Leerzeichen) zum Thema ihres Vorschlags zu verfassen und diesen Text bis zum 15. Mai 2023 einreichen. Es kann sich beispielsweise um einen Entwurf für einen Artikel, einen Auszug aus einem Kapitel, oder auch um eine Reflexion über methodische Fragen handeln, gerne mit Erläuterungen zum Kontext des Forschungsprojekts. Die Texte werden als Diskussionsgrundlage dienen. Die Teilnehmer:innen werden außerdem während der Sommeruniversität gebeten, eine kurze mündliche Zusammenfassung der Präsentation eines anderen Teilnehmers oder einer anderen Teilnehmerin zu liefern, wenn möglich in einer anderen Sprache als jener der Präsentation.

Kontakt

E-Mail: sommeruni@dhi-paris.fr

https://www.dhi-paris.fr/de/newsroom/detailseite/news/detail/News/call-for-papers-innovative-perspektiven-auf-die-geschichte-der-internationalen-beziehungen-akteure.html
Redaktion
Veröffentlicht am
13.01.2023
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Land Veranstaltung
Sprach(en) der Veranstaltung
Deutsch
Sprache der Ankündigung