Racial Capitalism: Marxismus trifft Postkoloniale Studien

Racial Capitalism: Marxismus trifft Postkoloniale Studien

Veranstalter
WVEE (PERIPHERIE. Politik - Ökonomie - Kultur)
Ausrichter
PERIPHERIE. Politik - Ökonomie - Kultur
PLZ
48155
Ort
Münster
Land
Deutschland
Findet statt
In Präsenz
Vom - Bis
30.10.2023 -
Deadline
25.04.2024
Von
Michael Korbmacher

Racial Capitalism: Marxismus trifft Postkoloniale Studien

Call for Papers, PERIPHERIE, Ausgabe 175/176 (erscheint im Herbst 2024)

Racial Capitalism: Marxism Meets Postcolonial Studies

Call for Papers, PERIPHERIE, Issue 175/176 (to be published in Fall 2024)

Capitalismo racial: el marxismo se encuentra con los estudios poscoloniales

Convocatoria de artículos, PERIPHERIE, número 175/176 (a ser publicado en otoño de 2024)

Racial Capitalism: Marxismus trifft Postkoloniale Studien

Racial Capitalism: Marxismus trifft Postkoloniale Studien

Call for Papers, PERIPHERIE, Ausgabe 175/176 (erscheint im Herbst 2024)

In den vergangenen Jahren ist racial capitalism zu einem viel diskutierten Begriff avanciert. Nicht zuletzt die "Black Lives Matter"-Bewegung hat, ausgehend von den USA und Großbritannien, dazu beigetragen, dass das Verhältnis von Rassismus und Kapitalismus wieder verstärkt Eingang in aktivistische und wissenschaftliche Diskussionen findet. Inzwischen prägt der Begriff Diskussionen in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen und Disziplinen der kritischen Gesellschaftswissenschaften. Die häufige Verwendung des Konzepts geht jedoch mit unklaren bis widersprüchlichen Argumentationen einher, die u.a. folgende Problemstellungen umfassen: Ist die Verschränkung von Rassismus und Kapitalismus kontingent oder logischerweise notwendig? Wie werden Rassismus und Kapitalismus jeweils definiert und historisch eingeordnet? Wie unterscheidet sich das Verhältnis von Rassismus und Kapitalismus in unterschiedlichen Weltregionen und Zeiträumen? Und wie lässt sich der Herrschaftszusammenhang von Rassismus und Kapitalismus überwinden?
Diese Fragen sind freilich nicht neu und schließen an intensive Debatten der 1980er Jahre sowie frühere Auseinandersetzungen innerhalb von und zwischen anti-kolonialen Bewegungen an. Vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass klassische Werke der sogenannten "Black Radical"-Tradition (WEB Du Bois, Eric Williams, CLR James, Claudia Jones, Frantz Fanon, Walter Rodney, Angela Davis u.a.) neu gelesen und interpretiert werden, um gegenwärtige Verhältnisse zu verstehen, zu kritisieren und zu überwinden. Diese Autor:innen haben ausgehend von marxistischen Kategorien und als Kritik an einem eurozentrischen Marxismus die Relevanz von Rassismus und (Post-)Kolonialismus für kapitalistische Gesellschaften herausgearbeitet. Darüber hinaus sind diese Debatten jenseits des Begriffs racial capitalism von größter Relevanz für eine kritische Gesellschaftstheorie und -praxis.
Spätestens seit den 1990er Jahren überschattet das Spannungsverhältnis zwischen Marxismus und Postkolonialen Studien entsprechende Diskussionen in der Wissenschaft und in sozialen Bewegungen. Bisweilen sind die Fronten derart verhärtet, dass die beiden kritischen Perspektiven in der jeweils anderen einen Antagonisten sehen und theoretische, methodische und politische Differenzen unüberbrückbar erscheinen. Zuletzt wurde dies an der erhitzten Debatte deutlich, die Vivek Chibbers Postkoloniale Theorie und das Gespenst des Kapitals ausgelöst hat. Gegenwärtige Diskussionen zu racial capitalism liefern demgegenüber vielversprechende Ansatzpunkte für eine Forschung, die beiden Perspektiven gerecht wird.

Beiträge können etwa zu folgenden Themenfeldern und Fragestellungen eingereicht werden:

Marxismus und Postkolonialismus
- Welche ontologischen, epistemologischen und politisch-strategischen Spannungen ergeben sich aus historisch-materialistischen und poststrukturalistischen Erklärungsansätzen zur Verflechtung von Rassismus und Kapitalismus und wie können diese überwunden werden?

Rassismus und Kapitalakkumulation
- Wie artikuliert sich das Verhältnis von Rassismus und Kapitalismus in gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen?
- Welche Rolle spielen staatliche Organe (z.B. die Polizei, Grenz- und Migrationsregime, autoritär-rassistische Regierungen) für die Absicherung der rassistisch-kapitalistischen (Re-)Produktionsweise?
- Welche Rolle spielt rassistische Unterdrückung in Prozessen der Kapitalakkumulation und umgekehrt (anhand historisch und geografisch spezifischer Analysen)?
- Wie verändern Trends der Finanzialisierung und Digitalisierung die Muster rassistischer Unterdrückung und Ausbeutung?
Neo-Kolonialismus und Imperialismus in den internationalen Beziehungen
- Inwiefern sind Geopolitik, Imperialismus und Neo-Kolonialismus heute von und durch Rassismus geprägt?
- Wie manifestiert sich diese Verflechtung in der internationalen Zusammenarbeit/Entwicklungspolitik?
- Welche Bedeutung kommt dabei gegenhegemonialen Foren der internationalen politischen Ökonomie zu (z.B. in der Tradition von Bandung, Trikont, Neue Weltwirtschaftsordnung)?

Globale Wertschöpfung und internationale Arbeitsteilung
- Welche Bedeutung hat Rassismus in globalen Wertschöpfungsketten?
- Wie wird durch die internationale Arbeitsteilung zugleich ökonomische (Über-)Ausbeutung wie auch rassistische Unterdrückung reproduziert und von sozialen Kräften herausgefordert?

"Rasse", Klasse und Geschlecht
- Inwiefern sind Regime und Krisen der sozialen Reproduktion sowie vergeschlechtlichte Arbeitsteilung und patriarchale Herrschaft von Rassismus durchzogen?
- Wie wird Rassismus im Alltag erlebt und welche Rolle spielen Klasse und Geschlecht in diesem Erleben?
- Welche Perspektiven bieten feministische politökonomische Ansätze, um marxistische und postkoloniale Forschungsperspektiven intersektional zusammenzudenken?
Klimagerechtigkeit
- Wie sind die eskalierende Klimakrise, fossile Infrastrukturen, Strategien einer grünen Ökonomie sowie Kämpfe um Klimagerechtigkeit von und durch (Anti-)Rassismus bzw. (Anti-)Kapitalismus geprägt?

Politische Strategien sozialer Bewegungen
- Welche Fragen und Erkenntnisse bietet die politische Praxis/Organisierung emanzipatorischer Kämpfe für die oben genannten Fragen?
- Welche praktischen Konsequenzen resultieren aus der Synthese historisch-materialistischer und postkolonialer Forschung?
- Welche Widersprüche und Möglichkeiten ergeben sich für internationale Solidarität, Arbeitskämpfe und Strategien sozialer Bewegungen (Identitätspolitik, verbindende Klassenpolitik, etc.)?

Redaktionsschluss für Artikel ist der
25. April 2024.

Manuskripte, Rücksprachen zu möglichen Beiträgen und weitere Fragen richten Sie bitte an info@zeitschrift-peripherie.de. Weitere Hinweise für Autor:innen stehen auf unserer Website unter https://www.zeitschrift-peripherie.de zum Herunterladen bereit.

Racial Capitalism: Marxismus trifft Postkoloniale Studien

Racial Capitalism: Marxism Meets Postcolonial Studies

Call for Papers, Peripherie, Issue 175/176 (to be published in Fall 2024)

After decades of academic neglect, racial capitalism has advanced as a much-discussed concept. In recent years the "Black Lives Matter" movement has raised awareness for the complex relationship between racism and capitalism which is again debated in both activist and academic discussions. Meanwhile, the concept is gaining impact on numerous social fields and disciplines of critical social sciences. However, the frequent use of the concept is accompanied by unclear or even contradictory lines of argument, such as the following problems: Is the entanglement of racism and capitalism contingent or does it follow a line of causations? How are racism and capitalism defined and how have they been historically classified? How does the relationship between racism and capitalism differ in different world regions and time periods? And how can the domination nexus of racism and capitalism be overcome?
These questions are admittedly not new and date back to intense debates already fought the 1980s; furthermore they are closely connected to strategic struggles within anti-colonial movements. Against this backdrop, it is hardly surprising that the classical works of the "Black Radical" tradition (WEB Du Bois, Eric Williams, CLR James, Claudia Jones, Frantz Fanon, Walter Rodney, Angela Davis and others) are being re-read and reinterpreted in order to understand, criticize and overcome current conditions. These authors have worked out the relevance of racism and (post-)colonialism for capitalist societies based on Marxist categories and as a critique of a Eurocentric Marxism. Moreover, beyond the concept of racial capitalism, these debates are of utmost relevance for a critical social theory and practice.
Since the 1990s at the latest, the tension between Marxism and postcolonial studies has overshadowed corresponding discussions in academia and in social movements. At times, the fronts have hardened to such an extent that the two critical perspectives see each other as antagonists and theoretical, methodological and political differences seem unbridgeable. Most recently, this was evident in the heated debate that Vivek Chibber's Postcolonial Theory and the Spectre of Capital has triggered. In contrast, current discussions on racial capitalism provide promising starting points for research that does justice to both perspectives.

We invite contributions which engage with the following topics and issues:

Marxism and Postcolonialism
- Which ontological, epistemological and politico-strategic tensions arise from historical-materialist and post-structuralist explanations of the relationship between racism and capitalism? How can they be overcome?

Racism and Capital Accumulation
- How is the relationship between racism and capitalism articulated in contemporary social relations?
- What role do state organs (e.g. the police, border and migration regimes, authoritarian-racist governments) play in securing the racist-capitalist (re)mode of production?
- What role does racist oppression play in processes of capital accumulation and vice versa (using historically and geographically specific analyses)?
- How do trends of financialisation and digitalisation change patterns of racist oppression and exploitation?
Neo-colonialism and imperialism in international relations
- To what extent are geopolitics, imperialism and neo-colonialism shaped by and through racism today?
- How does this interconnectedness manifest itself in international cooperation/development policy?
- What is the significance of counter-hegemonic forums of international political economy (e.g. in the tradition of Bandung or the struggle for a New World Economic Order)?

Global value creation and the international division of labour
- How do global value chains reflect racist structures?
- How does the international division of labour simultaneously reproduce economic (over)exploitation as well as racist oppression and challenge social forces?

Race, class and gender
- To what extent are regimes and crises of social reproduction, gendered labour division, and patriarchal domination permeated by racism?
- How is racism experienced in everyday life and what role do class and gender play in this experience?
- What perspectives do feminist political economy approaches offer for intertwining Marxist and postcolonial research perspectives on an intersectional scale?

Climate justice
- How are the climate crisis, fossil infrastructures, strategies of a green economy, and struggles for climate justice shaped by and through (anti-)racism and (anti-)capitalism?

Political strategies of social movements
- What questions and insights does the political practice/organisation of emancipatory struggles offer for engaging with race, class, and capital?
- What practical consequences result from the synthesis of historical-materialist and postcolonial research?
- What contradictions and possibilities arise for international solidarity, labour struggles and social movement strategies (identity politics, unifying class politics, etc.)?

The editorial deadline for articles is
25 April 2024.

Manuscripts, feedback on possible contributions and further questions should be sent to info@zeitschrift-peripherie.de. Further instructions for authors are available for download on our website at https://www.zeitschrift-peripherie.de.

Racial Capitalism: Marxismus trifft Postkoloniale Studien

Capitalismo racial: el marxismo se encuentra con los estudios poscoloniales

Convocatoria de artículos, PERIPHERIE, número 175/176 (a ser publicado en otoño de 2024)

En los últimos años, el capitalismo racial se ha convertido en un concepto muy debatido. No en vano, el movimiento "Black Lives Matter" (Las vidas de los negros importan), iniciado en EE.UU. y Gran Bretaña, ha contribuido a que la relación entre racismo y capitalismo vuelva a abrirse paso cada vez más en los debates activistas y académicos. Mientras tanto, el concepto está dando forma a debates en numerosos campos sociales y disciplinas de las ciencias sociales críticas. Sin embargo, el uso frecuente del concepto va acompañado de argumentaciones entre confusas y contradictorias, que incluyen los siguientes problemas: ¿La imbricación entre racismo y capitalismo es contingente o lógicamente necesaria? ¿Cómo se definen y clasifican históricamente el racismo y el capitalismo respectivamente? ¿En qué difiere la relación entre racismo y capitalismo en las distintas regiones del mundo y períodos de tiempo? ¿Y cómo puede superarse la relación de dominación entre racismo y capitalismo?
Es cierto que estas cuestiones no son nuevas y son la continuación de los intensos debates de los años ochenta, así como de anteriores enfrentamientos en el seno de los movimientos anticoloniales y entre ellos. En este contexto, no es de extrañar que se relean y reinterpreten obras clásicas de la llamada tradición "radical negra" (WEB Du Bois, Eric Williams, CLR James, Claudia Jones, Frantz Fanon, Walter Rodney, Angela Davis y otros) para comprender, criticar y superar las condiciones actuales. Estos autores han elaborado la relevancia del racismo y del (pos)colonialismo para las sociedades capitalistas basándose en categorías marxistas y como crítica a un marxismo eurocéntrico. Además, más allá del concepto de capitalismo racial, estos debates son de la máxima relevancia para una teoría y una práctica sociales críticas.
Desde la década de 1990 a más tardar, la tensión entre el marxismo y los estudios poscoloniales ha ensombrecido los debates correspondientes en el mundo académico y en los movimientos sociales. En ocasiones, los frentes se han endurecido hasta tal punto que las dos perspectivas críticas se ven mutuamente como antagonistas y las diferencias teóricas, metodológicas y políticas parecen insalvables. Más recientemente, esto ha quedado claro en el acalorado debate que ha suscitado la obra de Vivek Chibber Postcolonial Theory and the Spectre of Capital. En cambio, los debates actuales sobre el capitalismo racial ofrecen puntos de partida prometedores para una investigación que haga justicia a ambas perspectivas.

Pueden presentarse contribuciones sobre los siguientes temas y cuestiones:

Marxismo y poscolonialismo
- ¿Qué tensiones ontológicas, epistemológicas y político-estratégicas surgen de las explicaciones histórico-materialistas y post-estructuralistas de la imbricación entre racismo y capitalismo y cómo pueden superarse?

Racismo y acumulación de capital
- ¿Cómo se articula la relación entre racismo y capitalismo en las relaciones sociales contemporáneas?
- ¿Qué papel desempeñan los órganos del Estado (por ejemplo, la policía, los regímenes fronterizos y migratorios, los gobiernos autoritarios-racistas) en el afianzamiento del (re)modo de producción racista-capitalista?
- ¿Qué papel desempeña la opresión racista en los procesos de acumulación de capital y viceversa (utilizando análisis histórica y geográficamente específicos)?
- ¿Cómo modifican las tendencias de financialización y digitalización los modelos de opresión y explotación racistas?

Neocolonialismo e imperialismo en las relaciones internacionales.
- ¿En qué medida la geopolítica, el imperialismo y el neocolonialismo se configuran hoy en día por y a través del racismo?
- ¿Cómo se manifiesta esta interconexión en la cooperación internacional/política de desarrollo?
- ¿Qué importancia tienen los foros contra-hegemónicos de la economía política internacional (por ejemplo, en la tradición de Bandung, Trikont, Nuevo Orden Económico Mundial)?

Creación de valor global y división internacional del trabajo
- ¿Qué importancia tiene el racismo en las cadenas de valor mundiales?
- ¿Cómo reproduce la división internacional del trabajo, la (sobre)explotación económica, así como la opresión racista, y cómo desafía a las fuerzas sociales?

"Raza", clase y género
- ¿Hasta qué punto están impregnados de racismo los regímenes y las crisis de reproducción social, así como la división del trabajo en función del género y la dominación patriarcal?
- ¿Cómo se experimenta el racismo en la vida cotidiana y qué papel desempeñan la clase y el género en esta experiencia?
- ¿Qué perspectivas ofrecen los enfoques de la economía política feminista para pensar conjuntamente las perspectivas de investigación marxista y poscolonial de forma interseccional?

Justicia climática
- ¿Cómo se configuran la creciente crisis climática, las infraestructuras fósiles, las estrategias de una economía verde y las luchas por la justicia climática a través del (anti)racismo o el (anti)capitalismo?

Estrategias políticas de los movimientos sociales
- ¿Qué preguntas y perspectivas ofrece la práctica/organización política de las luchas emancipadoras para las cuestiones anteriores?
- ¿Qué consecuencias prácticas se derivan de la síntesis de la investigación histórico-materialista y postcolonial?
- ¿Qué contradicciones y posibilidades surgen para la solidaridad internacional, las luchas laborales y las estrategias de los movimientos sociales (políticas de identidad, políticas de clase unificadoras, etc.)?

La fecha límite para la presentación de artículos es
25 de abril de 2024.

Se ruega enviar manuscritos, comentarios sobre posibles contribuciones y otras preguntas a info@zeitschrift-peripherie.de. Puede descargar más instrucciones para los autores en nuestro sitio web: https://www.zeitschrift-peripherie.de.

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