Ernährung, Essen und Trinken aus medizin-, wissenschafts- und technikhistorischer Perspektive

Ernährung, Essen und Trinken aus medizin-, wissenschafts- und technikhistorischer Perspektive

Veranstalter
Deutsche Gesellschaft für Geschichte der Medizin e.V. (DGGMNT); Gesellschaft für Technikgeschichte e.V.
Ort
Maastricht
Land
Netherlands
Vom - Bis
24.09.2010 - 27.09.2010
Von
Vorstände der DGGMNT und der GTG

Ernährung ist ein historisches Totalphänomen. Essen und Trinken bestimmen den Alltag eines jeden Menschen, ein Leben lang. Das Einnehmen eines Mahles zu bestimmten Zeiten des Tages prägt die Organisation des Tagesablaufes und bestimmt den körperlichen Rhythmus von Nahrungsaufnahme und Verdauung. Zugleich strukturieren Arbeitsrhythmen unsere Essrhythmen. Nahrung und Ess- bzw. Trinkrituale sind seit den frühen Hochkulturen Ausdruck hybrider Kulturaktivität, bei der sich Religion und Wissenschaft, Kultur und Natur, Ratio und Emotio kreuzen und überlappen.

Die gemeinsame Tagung der DGGMNT und der GTG möchte sich dem Thema Ernährung aus medizin-, wissenschafts- und technikhistorischer Perspektive annähern. Erwünscht sind Vorträge, die dabei die Rolle von Technik und Wissenschaft in der Erforschung, der Analyse, der Herstellung, der Konservierung, dem Transport, der Verteilung, dem Konsum und auch der Entsorgung von Nahrungsmitteln diskutieren. Neben diesem im engeren Sinne instrumentellen Verhältnis zwischen Wissenschaft, Technik und Nahrungsmitteln interessiert uns auch, wie sich Ess- und Trinkgewohnheiten im Zuge der Verwissenschaftlichung, Technisierung und Industrialisierung unserer Ernährungskultur verändert haben und welche medizinischen, diätetischen, wissenschaftlichen Debatten diese Prozesse geprägt oder kritisch begleitet haben.

Die Tagung versteht sich als Forum für die kritische Diskussion unterschiedlicher disziplinärer Herangehensweisen wie epochaler Schwerpunkte.

Themenkreise, die untersucht werden können, sind z.B.:

- Verhältnis von Körper, Ernährung und der wissenschaftlichen Definition von Gesundheit
- Geschichte der Diätetik und der medizinisch-philosophischen Konzepte von gesunder Ernährung bzw. schädlicher Stoffe und Ernährungsgewohnheiten
- Erforschung, Produktion und Konsum von Ersatzstoffen, künstlichen Aromen oder Geschmacksverstärkern
- Prozesse der Übertragung der Logik des Industriesystems auf die Herstellung, Verteilung und den Konsum von Nahrungsmitteln und seine Folgen
- Sicherheit und Gefahr – Zur Rolle von Medizin, Wissenschaft und Technik bei der Institutionalisierung von Vertrauen in Nahrungsmittel
- Entwicklung, Implementierung und Folgen von Verpackungs- und Konservierungstechniken
- Wissenschaftliche Forschungsphasen, Instrumente und Theorien zur Bestimmung, Analyse und Erklärung der Wirkung von Nahrungsmitteln im menschlichen Körper (etwa das Denken in Energie- und Stoffbilanzen, ganzheitliche Ansätze, …)
- Wissenschaftliche Ernährungsforschung im disziplinären (Spannungs-) Feld von Physiologie, Medizin, Chemie und Physik
- Ernährungsforschung und Politik: Nahrung und Ernährung im Kontext von Kolonisierung, totalitärer Regime, Entwicklungshilfe und internationaler (Hilfs-) Organisationen
- Politische und ideologische Diskurse der Nützlichkeit / Schädlichkeit von Nahrungsmitteln oder bestimmter Ess- und Trinkrituale
- Ursachen und Folgen historischer Hunger- bzw. Überflussphänomene.
- Einfluss der Verwissenschaftlichung, Industrialisierung und Technisierung auf Ess- und Trinkgewohnheiten
Willkommen sind sowohl Vorschläge zu Einzelvorträgen als auch zu Sektionen. Diese können aus 3 oder 4 Personen bestehen (2 Sprecher/innen, 1 Kommentar und 1 Moderator/in oder 3 Sprecher/innen und 1 Moderator/in). Bei der Zusammenstellung von Sektionen ist darauf zu achten, dass genügend Zeit für die Diskussion bleibt (Zeitfenster von eineinhalb Stunden pro Sektion).

Den Bewerbungen für Einzelvorträge sind Abstracts (maximal 1 Seite) beizureichen. Bei Sektionen bitte Abstracts für die Einzelvorträge und eine allgemeine Beschreibung der Sektionen einreichen.

Abstracts bis zum 31. März 2010 bitte an: PD Dr. Sabine Schleiermacher. Email: sabine.schleiermacher@charite.de
Zusätzlich veranstaltet die GTG ein nicht an das Tagungsthema gebundenes Posterforum für Doktorand/innen der Technikgeschichte. Die besten Präsentationen werden prämiert. Vorschläge hierzu sind bis zum 31. März 2010 bei Dr. Stefan Krebs (s.krebs@tue.nl) einzureichen, der auch nähere Informationen zum Ablauf erteilt. Hierzu wird auch ein gesonderter Call for Posters erscheinen.

Programm