Verwandtschaft

Verwandtschaft

Veranstalter
17. Herbsttagung des Arbeitskreises Historische Demographie der Deutschen Gesellschaft für Demographie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltungsort
Martin-Luther Universität Halle, Institut für Geschichte, Hoher Weg 4, 1. Etage, Seminarraum 222
Ort
Halle an der Saale
Land
Deutschland
Vom - Bis
29.10.2010 - 30.10.2010
Von
Margareth Lanzinger

Verwandtschaft war im deutschsprachigen Raum vergleichsweise lange und trotz des Erfolges der Historischen Familienforschung nicht wirklich ein Thema der Sozialgeschichte und der Historischen Demographie. Diese Perspektive ist in jüngerer Zeit datentechnisch, historiografisch und gesellschaftstheoretisch aufgebrochen worden. So stellt sich u. a. die Frage nach den Potenzialen der Verwandtschaftsforschung in Verbindung mit Historischer Demographie, die im Rahmen der Herbsttagung 2010 ausgelotet werden sollen.
Eine besondere Herausforderung liegt dabei im Bezug zwischen der genealogisch rekonstruierbaren Verwandtschaft und den konkret als verwandt wahrgenommenen und in soziale Beziehungsgefüge involvierten Personen. Verwandtschaft konstituiert immer nur ein Potenzial, das durch Kontakte und Beziehungen aktiviert und gepflegt werden muss. Dabei stellt sich auch die Frage nach dem Wissen um Verwandtschaft, wobei von einer Gleichzeitigkeit verschiedener Logiken auszugehen ist: Wen man zur Hochzeit einlädt, wer Anspruch auf Erbanteile hat und wer unter die Verwandten-Eheverbote fällt, sind Kreise, die sich überschneiden, aber nicht deckungsgleich sind. Dies kann reichen Stoff für die Diskussion liefern: vor allem im Zusammenhang mit Verwandtennetzwerken in verschiedenen sozialen Milieus, in Form von Heiratskreisen und verschiedenen Ausprägungen von Endogamie, als Frage der Interaktion zwischen vertikalen und horizontalen, zwischen agnatischen und kognatischen Verwandtschaftsachsen, als Feld der Kooperation oder als Arena der Konkurrenz und des Konflikts, als Informations- oder Unterstützungsnetz.
Ziel der Tagung ist es, die Diskussion an diversen Schnittstellen zu intensivieren. Was leistet die formale Analyse von Verwandtschaftsnetzwerken? Wo und wie können und müssen darüber hinaus Schnittstellen zu sozialen, kulturellen, rechtlichen, geschlechtsspezifischen etc. Interpretationsansätzen gesucht und genutzt werden?

Programm

Freitag, 29. Oktober

14.00 Begrüßung der Teilnehmer und einleitende Bemerkungen (Margareth Lanzinger)

14.15 Sabine von Heusinger (Konstanz): Gleich und gleich gesellt sich gern? Heiratskreise in den mittelalterlichen Zünften

15.00 Britta Schneider (Bamberg): „dann wann das Gelt hin, werd die Vetterschaft auch aus“ − Die Krisen der Familienhandelsgesellschaft der Fugger im Spiegel von Prozessakten (1560–1597/98)

15.45 Kaffeepause

16.00 Christof Jeggle (Bamberg): Geschäfte unter Verwandten? Verwandtschaftsbeziehungen von Kaufleuten im transalpinen Handel des 17. Jahrhunderts

16.45 Margareth Lanzinger (Wien), Michaela Hohkamp (Berlin): Grenzen von Zahlen
- Verwandtenehen und Evidenzen im 19. Jahrhundert
- Viele Nichten – großes Netz, wenig Nichten – kleines Netz? Tanten-Nichten Beziehungen im 17. und 18. Jahrhundert

18.15 Ende

Samstag, 30. Oktober

9.00 Hermann Metzke (Jena): Sozialstatus und Verwandtschaftskreise im mitteldeutschen Raum im 17. und 18. Jahrhundert

9.45 Klaus Ries (Jena): Wissen als soziales Kapital: Netzwerkbildungen in Weimar-Jena um 1800

10.30 Kaffeepause

10.45 Siegfried Gruber (Rostock): Patrick Heady (Halle): Household structures and marriage net-works in contemporary Europe

11.30 Christine Fertig (Münster): Soziale Beziehungen und familiäre Strategien in der ländlichen Gesellschaft: Verwandtschaft, Patenschaft und soziale Klassen (Westfalen, 19. Jahrhundert)

12.15 Herbert Juling (Bremen): Computergenealogie und Historische Demographie

13.00 Abschließende Diskussion und Mitgliederversammlung

Kontakt

Margareth Lanzinger

Institut für Geschichte, Universität Wien

margareth.lanzinger@univie.ac.at