Landesentwicklung durch Gartenkultur. Gartenbau, Obstbau sowie Gartenkunst und Landschaftsgestaltung in ländlichen Regionen im Zuge der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert

Landesentwicklung durch Gartenkultur. Gartenbau, Obstbau sowie Gartenkunst und Landschaftsgestaltung in ländlichen Regionen im Zuge der Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert

Veranstalter
Prof. Dr. Gabi Dolff-Bonekämper / Dr.-Ing. Sylvia Butenschön, Fachgebiet Denkmalpflege, Institut für Stadt- und Regionalplanung, Technische Universität Berlin
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
14.09.2012 - 15.09.2012
Deadline
15.03.2012
Von
Butenschön, Sylvia

Zwischen 1750 und 1850 war die Entwicklung der ländlichen Regionen ein wichtiges Anliegen in nahezu allen europäischen Staaten. Die dabei verfolgten Ziele waren zumeist eine Steigerung der Einnahmen und die Entschärfung sozialer Konflikte durch die Verbesserung der Lebensbedingungen auf dem Lande. Dazu wurden Programme zum Ausbau der Infrastruktur aufgelegt, aber auch der Aufbau einer effektiven Verwaltung vorangetrieben. Neben dem Wasser- und Chausseebau, der Einführung der Seidenraupenzucht und des Tabakanbaus sowie der Verbesserung der Land- und Forstwirtschaft wurde der Verbreitung des Obstbaus in vielen Territorien große Bedeutung beigemessen. Ein Beispiel ist die unter der Regierung von Georg III. im Kurfürstentum Hannover systematisch betriebene Förderung der Obstbaumzucht, die gegenwärtig im Rahmen eines DFG-Forschungsprojektes am Fachgebiet Denkmalpflege der TU Berlin untersucht wird. Ausgehend von der "Plantage" genannten Baumschule in Hannover-Herrenhausen wurde ein landesweites Verteilungsnetz zur kostenlosen Abgabe von Obstgehölzen aufgebaut. Dabei bediente man sich der bestehenden Verwaltungsstruktur, denn die Bestellung der Gehölze erfolgte über die Ämter. So wurde versucht, durch die Verbreitung der Gartenkultur der Bevölkerung auch in abgelegenen Gegenden die Vorzüge der Obstbaumzucht zu vermitteln, ihr neue Erwerbsmöglichkeiten zu erschließen und dadurch den allgemeinen Lebensstandard zu heben.

Im Rahmen der geplanten Tagung soll die Thematik von verschiedenen Seiten betrachtet werden. Im Vergleich unterschiedlicher Regionen soll insbesondere der Erfolg solcher Programme beurteilt und dargestellt werden, welche Bedeutung die Gartenkultur in den Bemühungen um die Entwicklung des ländlichen Raums hatte. Gleichzeitig soll der gesellschaftspolitische Rahmen, die Zeit der Aufklärung, näher untersucht werden, um zu klären, welche gesellschaftlichen Gruppen an der Konzeption solcher Programme beteiligt und wer die Nutznießer waren. Schließlich soll an Beispielen der ländlichen Gartenkunst konkret die Auswirkung auf das Landschaftsbild dargestellt werden.

Themenfeld 1: Die Rolle der Aufklärung in der Landeskultur
Welchen Stellenwert haben Konzepte zur Förderung des Landes in aufgeklärten Staaten? Bilden Gärten "zentrale Orte" auf dem Land, die der Kulturentwicklung förderlich sind? Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Förderung des Gartenbaus und den Anfänge der Landesverschönerung von staatlicher und bürgerschaftlicher Seite? Welche Bedeutung hat der Gartenbau im Vergleich mit anderen Programmen der Infrastrukturentwicklung z.B. Chausseebau und -bepflanzung oder Wasserbau? Welche gesellschaftlichen Gruppen waren die treibenden Kräfte, wo liegen die Motive? Wer waren die Nutznießer?

Themenfeld 2: Gartenbau als Triebkraft der Landesentwicklung
Welchen Beitrag liefert die Entwicklung von Erwerbsobst- und Erwerbsgartenbau für die Regionen, z.B. in Franken, im Alten Land oder in Werder? Welche Auswirkungen haben herrschaftliche Entwicklungsprogramme, die sich in gesetzlichen Regelungen wie Baumpflanzverordnungen niederschlagen? Wie funktioniert das Vertriebswesen für Garten- und Obstbauprodukte oder auch Ziergehölze? Wie verändern sich Landschaftsstruktur und Landschaftsbild durch die Förderung des Gartenbaus?

Themenfeld 3: Ländliche Gartenkunst
In dieser Sektion soll es um Form, Gestaltung und Ausprägung ländlicher Gärten zwischen etwa 1750 und 1850 gehen. Wie zeigt sich die Gartenkunst in Gutsgärten, Pfarrgärten oder Bauerngärten? Wie vollzieht sich der Wandel vom formalen zum landschaftlichen Garten in der Peripherie? Welches Pflanzmaterial wird verwendet – wann werden erste Exoten in ländlichen Gärten angepflanzt? Wie ist das Verhältnis Nutzwert – Zierwert in diesen Gärten? Wie wird der Begriff des „Zweckmäßigen“ in Bezug auf die ländliche Gartenkunst von verschiedenen Autoren verwendet bzw. definiert?

Die Tagung wendet sich an Interessierte und Forschende aus den Disziplinen Geschichte, Kunstgeschichte, Gartenbau, Gartenarchitektur und Landschaftsplanung sowie sonstigen Fächern, die sich den angesprochenen Themenfeldern widmen.

Vorschläge für Beiträge werden bis spätestens 15. März 2012 an die folgende E-Mail-Adresse erbeten: s.butenschoen@isr.tu-berlin.de
Abstracts sollten ca. 2500 Zeichen umfassen und eine kurze biografische Notiz sowie die Darstellung des Forschungszusammenhangs, aus dem der Beitrag hervorgeht, enthalten. Ein Tagungsband ist geplant.

Programm

Kontakt

Sylvia Butenschön

TU Berlin
Hardenbergstr. 40a
10623 Berlin

s.butenschoen@isr.tu-berlin.de