Vom Pöbel zum Proletariat? Demographie der Unterschichten und soziale Mobilität

Vom Pöbel zum Proletariat? Demographie der Unterschichten und soziale Mobilität

Veranstalter
Georg Fertig / Ulrich Pfister, Arbeitskreis Historische Demographie der DGD; in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Leibniz Universität Hannover
Ort
Hannover
Land
Deutschland
Vom - Bis
26.10.2012 - 27.10.2012
Von
Katrin Moeller

Vom Pöbel zum Proletariat? Demographie der Unterschichten und soziale Mobilität. 19. Herbsttagung des Arbeitskreises Historische Demographie der DGD

Ein zentrales Thema der deutschen Geschichtswissenschaft besteht in der Frage, woher die Unterschichten eigentlich kommen. Dass es in Deutschland Unterschichten gibt, ist nicht nur für die heutige Politik ein Stein des Anstoßes. Auch die Sozialgeschichte (etwa W. Conze in seinem klassischen Aufsatz „Vom Pöbel zum Proletariat“) und die demographische Theoriebildung (etwa durch G. Mackenroth) interpretierten die Existenz von Unterschichten lange Zeit als dysfunktional: Eigentlich seien Wirtschaft und Bevölkerung in der Vormoderne so aufeinander abgestimmt gewesen, dass es Familien ohne sichere Existenzgrundlage nicht geben konnte, und erst durch die Auflösung der alten Ordnung habe eine Überschwemmung der Gesellschaft durch proletarisierte Massen gedroht – ein demographischer Prozess, der als treibende Kraft sozialen Wandels im 19. und 20. Jahrhunderts gilt. Eine kritische Auseinandersetzung mit dieser überkommenen Sicht erfordert es, systematisch nach der Entstehung und Rekrutierung von Unterschichten zu fragen. Dabei kommt es sowohl auf den empirischen Befund als auch auf die soziale Auseinandersetzung um mögliche Abwehr- oder Steuerungsstrategien an. Folgende Felder erscheinen uns besonders untersuchenswert: (1) Soziale Mobilität, insbesondere Abstiegs- und Aufstiegsmobilität sowie Migration; (2) differentielle Reproduktion, insbesondere Heiratsbeschränkungen, Nichtehelichkeit und soziale Unterschiede im Fertilitätsverhalten.

Neben den hier skizzierten Fragestellungen bietet die Tagung auch Raum für Projektvorstellungen außerhalb des Schwerpunktthemas.
Vorschläge für ein Referat (Arbeitstitel und kurzes Abstract) werden bis zum 15. Juni 2012 an Georg Fertig oder Ulrich Pfister erbeten, die die inhaltliche Organisation der Tagung übernehmen. Die Tagungssprache ist deutsch, auch Beiträge in englischer oder französischer Sprache sind möglich.

Programm

Kontakt

Georg Fertig

Institut für Geschichte, Hoher Weg 4
06120 Halle
+49 (0)345 55-24273- 27287

georg.fertig@geschichte.uni-halle.de

http://www.geschichte.uni-halle.de/aktuelles/tagungen/
Redaktion
Veröffentlicht am
10.05.2012
Beiträger