Bäuerlich-Bürgerliche Eliten in Europa, 17.-19. Jahrhundert / Internationale Konferenz

Bäuerlich-Bürgerliche Eliten in Europa, 17.-19. Jahrhundert / Internationale Konferenz

Veranstalter
Prof. Dr. Dagmar Freist, Universität Oldenburg, Geschichte der Frühen Neuzeit
Ort
Oldenburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
20.09.2012 - 22.09.2012
Von
Dagmar Freist, Universität Oldenburg

Verflechtungsprozesse Europas in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht sind in den vergangenen Jahren verstärkt von der Forschung in den Blick genommen worden. Nahezu völlig ausgeblendet wurde bislang allerdings die Frage nach der Verflechtung ländlicher Regionen mit europäischen Märkten, der Konsum von Luxusgütern sowie die Bedeutung von Bildung und Handel, politischer Ämter, Konsumgüter, Geschmack und Kennerschaft für die Herausbildung distinkter sozialer Gruppen in der ländlichen Gesellschaft.

Ausgehend von vielfältigen regionalen Ausprägungen bäuerlich-bürgerlicher Eliten auf dem Lande geht es in der Konferenz zum einen um eine vergleichende europäische Sicht auf ländliche Oberschichten, die die regionale Vielfalt politischer und rechtlicher Rahmenbedingungen und sozialer und kultureller Ausdrucksformen sichtbar macht. Zum anderen wird die Einbindung vieler Großbauern seit dem 17. Jahrhundert als„Unternehmer Bauern“ oder „Händler-Bauern“ in grenzüberschreitende Handelsaktivitäten mit in den Blick genommen werden. Erst in diesem Wechselspiel lokaler und globaler Kultur lässt sich die Herausbildung der bäuerlich-bürgerlichen Eliten seit dem späten 17. Jahrhundert und damit der gesellschaftliche Wandel erklären, so eine leitende These der Konferenz.

Ziel der einzelnen Sektionen dieser Konferenz ist es, durch eine Verknüpfung wirtschafts-, sozial- und kulturgeschichtlicher/-wissenschaftlicher Fragestellungen im Kontext praxeologischer Ansätze und moderner Globalisierungstheorien das Selbstverständnis der bäuerlich-bürgerlichen Elite im europäischen Vergleich nachzuzeichnen, ihr Innovationspotential zu untersuchen und damit einen Beitrag zu einer differenzierteren Betrachtungsweise der vormodernen ländlichen Gesellschaft sowie ihrer interkulturellen Verflechtung und Transformation zu leisten.

Die Konferenz ist interdisziplinär angelegt und ermöglicht einen wissenschaftlichen Austausch zwischen Wissenschaftlern an Museen, in Archiven und Universitäten. Von zentraler Bedeutung für diesen Austausch ist die sich wechselseitig ergänzende Analyse von vorhandener Sachkultur und Schriftquellen, die es erlaubt, gesellschaftliche Transformationsprozesse über soziale Praktiken, die die Verwendung von Artefakten dezidiert mit einbeziehen, zu untersuchen.

Die Konferenz steht im Kontext des von der VW-Stiftung geförderten Forschungsprojekts „Hinter dem Horizont...“ Bäuerlich-bürgerliche Eliten in den friesischen Marschen und den angrenzenden Geestgebieten, an dem die Museen Cloppenburg und Jever, die Universität Oldenburg, Institut für Geschichte, Abt. Geschichte der Frühen Neuzeit, sowie das Staatsarchiv Oldenburg beteiligt sind.

Programm

Donnerstag, 20.09.2012, Campus Haarentor, A5 0-054

09.00 Uhr
Ankunft und Begrüßung

09.30
Gunter Mahlerwein (Saarbrücken/Mainz)
„Oben bleiben“ – Strategien wirtschaftlicher, politischer und kultureller Positionierung der bäuerlichen Oberschicht in Südwestdeutschland 1750-1850

10.15
Erwin Karel/ Richard Paping (Groningen)
Dutch farmer elites from the 17th -19th centuries: between nobles and peasants.

11.00
Kaffeepause

11.30
Jessica Cronshagen (Oldenburg)
Vornehme Polderbauern, europäischer Handel und die Pfeife vor dem Kamin. Ländliche Elitebildungsprozesse in den friesischen Marschen des 17. und 18. Jahrhunderts

12.15
Martin Schennach (Innsbruck)
„Weilen unseren Unterthanen nit gepürt, darüber zu handlen und zu ratslagen ...“. Zwischen Partizipation und landesfürstlicher potestas legislatoria – zur politischen Repräsentation ländlicher Gerichte in der oberösterreichischen Ländergruppe

13.00
Mittagspause

14.30
Klaus Joachim Lorenzen-Schmidt (Hamburg)
Reiche Bauern am Markt. Die Bauern der holsteinischen Elbmarschen als Anbieter von Agrarerzeugnissen und Konsumenten gehobener Bedarfsgüter 1700-1918

15.15
Philippe Jarnoux (Brest)
Wealth, consumption and social respectability in breton rural society in the 18th century

16.00
Kaffeepause
16.30
Frank Schmekel (Oldenburg)
Glokalisierung in den friesischen Marschen

17.15
Dagmar Freist (Oldenburg)
Dress to impress: Mode als Medium sozialer Distinktion in der ländlichen Oberschicht Nordwestdeutschlands

19.30 Abendvortrag im Staatsarchiv Oldenburg
Stefan Brakensiek (Duisburg)
Kommerzialisierung vor der Industrialisierung. Regionale Differenzierungsprozesse ländlicher Ökonomien in Europa

20.30
Empfang in der Villa GeistReich, Oldenburg, Am Damm 41

Freitag, 21.09.2012, Campus Haarentor, A5 0-054

09.00
Philipp Zitzlsperger (Berlin)
Der Impetus der Dinge - Raumkonzepte und Werttheorien zwischen Mittelalter und Moderne

09.45
Uwe Meiners (Cloppenburg)
Glaube verpflichtet.
Religiöses Sebstverständnis in der materiellen Kultur ländlicher Eliten Nordwestdeutschlands

10.30
Kaffeepause

11.00
Lutz Volmer (Cloppenburg)
Zur Analyse der Sozialstruktur von Gebäuden. Fallbeispiele aus der bäuerlich-bürgerlichen Oberschicht im nordwestlichen Niedersachsen

11.45
Karin Dannehl (Wolverhampton)
Assuming Space(s) - Consuming Space(s): chattels in rural work and living spaces in early modern England
12.30
Christine Aka (Münster)
Bäuerliche Repräsentationskultur im 17.-19. Jahrhundert

13:30
Mittagspause

15.00
Gerd Steinwascher (Oldenburg)
Selbstverwaltung und Streitkultur der bäuerlichen Gesellschaft im deutschen Nordwesten

15.45
Reiner Prass (Erfurt)
Die Verwaltung von Kirchengemeinden in Burgund und Westfalen im 17. und 18. Jahrhundert

16.30
Kaffeepause

17.00
Daniel Schläppi (Bern)
Alltags-, Schul- und praktisches Fachwissen. Zum Stellenwert von Bildung für ländliche Eliten und die korporative Selbstverwaltung der vormodernen Schweiz.

17.45
Antje Sander (Jever)
Ein weiter Horizont. Wissenschaft und Bildung in den friesischen Marschen um 1800

19.15
Dinner

Samstag, 22.09.2012, Campus Haarentor, A5 0-054

09.00
Erik Thoen and Kristof Dombrecht (Gent)
Dutch farmer elites from the 17th -19th centuries: between nobles and peasants

09.45
Peter McNeil (Sidney)
‘In defence of my tail’: young men’s hair and fashionability in 18th-century England

10.30
Kaffeepause

11.00
Heide Wunder (Kassel)
Thesen zur Genese der „bürgerlichen Gesellschaft” in der Frühen Neuzeit

11.45
Otto Samuel Knottnerus (Winschoten)
Zwischen Holland und Hamburg: großbäuerliche, bürgerliche und ständische Repräsentationskultur in den Nordseemarschen (16. bis 19. Jahrhundert)

12.30
Abschlussdiskussion

Kontakt

Dagmar Freist / Frank Schmekel

Universität Oldenburg / Institut für Geschichte
Ammerländer Heerstr. 114-118 / 26129 Oldenburg

dagmar.freist@uni-oldenburg.de / f.schmekel@uni-oldenburg.de


Redaktion
Veröffentlicht am
09.09.2012
Beiträger
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Region(en)
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