Der Wiener Frieden 1864 als deutsches, europäisches und globales Ereignis

Der Wiener Frieden 1864 als deutsches, europäisches und globales Ereignis

Veranstalter
Prof. Dr. Oliver Auge; Prof. Dr. Ulrich Lappenküper; Dr. Ulf Morgenstern
Veranstaltungsort
Otto-von-Bismarck-Stiftung, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh
Ort
Friedrichsruh
Land
Deutschland
Vom - Bis
16.10.2014 - 17.10.2014
Deadline
12.10.2014
Von
Auge, Oliver

Vor dem Hintergrund des 150. Jahrestages des deutsch-dänischen Krieges von 1864, aus dem Preußen und Österreich als Sieger über Dänemark hervorgingen und in dessen Folge Schleswig zum Deutschen Bund geschlagen wurde, beabsichtigt die Kieler Professur für Regionalgeschichte gemeinsam mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh eine internationale Tagung zum Thema „Der Wiener Friede 1864 als deutsches, europäisches und globales Ereignis“. Die Tagung soll am 16. und 17. Oktober 2014 in Friedrichsruh in der Nähe Hamburgs stattfinden. Im Mittelpunkt der Betrachtung soll nicht, wie bisher so oft, die Ereignisgeschichte, sondern vielmehr die Perzeptionsgeschichte des Friedens im zeitlichen Umfeld des Vertragsabschlusses, also der Zeitraum 1863-66 stehen. Ebenfalls soll anders als bislang üblich der deutsch-dänische Krieg von 1864 nicht mehr nur als ein lokaler Konflikt im Ostseeraum begriffen werden, dessen Austragung erhebliche Auswirkungen auf die dänische und deutsche Nationenbildung hatte. Vielmehr soll der vor 150 Jahren im Wiener Frieden beigelegte Krieg als ein Ereignis in den Blick genommen werden, dessen Verlauf und Beendigung nicht nur Folgen für die politische Entwicklung in Dänemark und den deutschen Staaten hatte, sondern als solches auch in den europäischen Machtzentren für Aufhorchen sorgte. Ohne eine teleologische Linie zu den Kriegen von 1866 und 1870/71 ziehen oder sich lediglich der anhaltenden Konjunktur globalgeschichtlicher Fragestellungen bedienen zu wollen, sollen durch die Untersuchung der europäischen und globalen Perzeption des Krieges von 1864 bisher ganz und gar vernachlässigte Aspekte der weltweiten Verflechtung um die Mitte des 19. Jahrhunderts aufgezeigt werden. Wie wurde dieser neuerliche Höhepunkt des preußisch-österreichischen Dualismus bei den politischen und wirtschaftlichen Eliten Deutschlands aufgenommen? Welche Reaktionen führte der Krieg bei den europäischen Großmächten herbei, die zugleich in immer stärkerem Maße koloniale Mächte waren und demzufolge auch überseeische Interessen verfolgten? Und welche Wahrnehmungen evozierte der Wiener Frieden in den wenigen unabhängigen Staat Amerikas und Asiens, die wie die USA, Mexiko und Japan im Begriff waren, die europäischen Mächte durch eine eigene Außenpolitik auf sich aufmerksam zu machen? Diese und weitere Fragen sollen bei der Tagung gestellt und möglichst beantwortet werden. Die Tagung soll in vier territorial-geographisch gegliederte Sektionen aufgeteilt werden: 1. Schleswig-Holstein und Umgebung; 2. Deutschland mit Österreich; 3. Europa; 4. Global. Dieses Vorgehen ist in Bezug auf die Aufarbeitung der Geschichte des Dänisch-Deutschen Krieges und des Wiener Friedens von 1864 ein Novum.

Durch seinen international vergleichenden und vernetzt denkenden Ansatz wird das Tagungsvorhaben nicht nur aktuellen Tendenzen in der allgemeinen Geschichtsforschung gerecht, sondern stellt auch eine sinnvolle und angebrachte Alternative/Ergänzung zur traditionellen Kriegserinnerung in Dänemark und Schleswig-Holstein dar, die sich ohnehin eher auf die Schlacht und das Schlachtfeld von Düppel als auf den Frieden von Wien konzentriert. Gleichfalls lässt sich der neue Ansatz als angebrachte Aktualisierung der Erinnerungsarbeit verstehen: Die Tagung wird einen wichtigen Beitrag zur Verortung der historischen Geschehnisse im „Jetzt“ leisten und obendrein zu einer historisch stimmigen Erinnerungsarbeit und Rückbesinnung auf diese Geschehnisse beitragen. Sie wird in ihrem Ansatz und Anliegen der offenkundig unterschiedlichen Repräsentanz und Gegenwart des Jahres 1864 in der heutigen Zeit und Gesellschaft gerecht. Vor allem aber wird die Tagung dazu beitragen, dass die bislang in der Forschung vorherrschende „Nabelschau“ bzw. die Fokussierung allein auf das deutsch-dänische Verhältnis eine globale Weiterung erfährt. Das relativiert im globalen Kontext einerseits die Bedeutung des „Lokalkonflikts“ von 1864, zeigt andererseits aber auch die schon seinerzeitige Vernetzung der regionalen Konfliktsituation mit den anderen Staaten weltweit auf. Dieser neue Blickwinkel wird der derzeitigen Sensibilität für die globale Vernetzung allgemein in sinnvoller Weise gerecht. Eine Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist vorgesehen.

Die Tagung wird finanziell gefördert von der Otto-von-Bismarck-Stiftung, der Schleswig-Holsteinischen Kulturstiftung, dem Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein und der CAU zu Kiel.

Der Eintritt ist frei! Es wird ein Unkostenbeitrag für die Verpflegung während der Tagung erhoben.

Anmeldung bei:
Otto-von-Bismarck-Stiftung, Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh
Telefon: 04140 / 977110
E-Mail: info@bismarck-stiftung.de

Programm

Donnerstag, den 16. Oktober 2014

10.00 Uhr
Begrüßung durch Prof. Dr. Ulrich Lappenküper (Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh)

10.15 Uhr
Einführung durch Prof. Dr. Oliver Auge (Universität Kiel)

Sektion I
Schleswig-Holstein und Umgebung

10.30 Uhr
Caroline Elisabeth Weber M. A. (Universität Kiel):
Die Wahrnehmung des Wiener Friedens von 1864 durch die Zeitgenossen in den Herzogtümern Schleswig und Holstein bis 1871

11.00 Uhr
Prof. Dr. Thomas Steensen (Nordfriisk Instituut Bredstedt):
Die Aufnahme des Wiener Friedens in Nordfriesland und bei den Friesen

11.30 Uhr
Dr. Detlef Rogosch (Universität Hamburg):
Der Konflikt vor der Haustür. Die Hansestädte und die Auseinandersetzungen um Schleswig und Holstein

12.00 Uhr Diskussion

12.30 – 14.00 Uhr Mittagspause

Sektion II
Deutschland

14.00 Uhr
PD Dr. Martin Ott (Universität München):
Außenpolitik in der staatlichen Krise. Bayern und der Konflikt um
Schleswig und Holstein im Jahr 1864

14.30 Uhr
Prof. Dr. Wolf Dietrich Gruner (Universität Rostock):
Der Deutsche Bund, das „Dritte Deutschland“ und die deutschen Großmächte in der Schleswig-und-Holstein-Frage zwischen Konsens und großmächtlicher Arroganz

15.00 Uhr
Prof. Dr. Dieter Brosius (Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover):
Die Strategie der Selbstbehauptung. Hannover zwischen den Deutschen Großmächten

15.30 Uhr Diskussion

16.00 – 17.00 Uhr Kaffeepause

Anschließend:

17.00 Uhr Transfer zum Tagungshotel nach Reinbek

19.00 Uhr Öffentlicher Abendvortrag (Schloss Reinbek)

Anke Spoorendonk (Ministerin für Justiz und Europa des Landes Schleswig-Holstein):
Grußwort

Prof. Dr. Werner Telesko (Österreichische Akademie der Wissenschaften Wien):
„Pax Europeana“ – die Schrecken des Krieges und die Bemühungen um Frieden in den visuellen Medien des 19. Jahrhunderts

20.00 Uhr Empfang

Freitag, den 17. Oktober 2014

Fortsetzung Sektion II
Deutschland

9.00 Uhr
Prof. Dr. Lothar Höbelt (Universität Wien):
Österreich und der Deutsch-Dänische Krieg

9.30 Uhr
PD Dr. Frank Möller (Universität Kiel):
„Zuerst Großmacht, dann Bundesstaat“. Die preußischen Ziele im Deutsch-Dänischen Krieg 1864

10.00 Uhr
Dr. Ulf Morgenstern (Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh):
Mittelstaatliches Agendasetting gegen die Realpolitik der Großmächte: Sachsen zwischen Bundesreform, Bundesexekution und dem Bankrott seiner souveränen Außenpolitik

10.30 Uhr Diskussion

11.00 – 11.30 Uhr Kaffeepause

Sektion III
Europa

11.30 Uhr
Dr. Steen Bo Frandsen (Universität Sønderborg):
Klein und national: Dänemark und der Wiener Frieden 1864

12.00 Uhr
Prof. Dr. Ulrich Lappenküper (Otto-von-Bismarck-Stiftung Friedrichsruh):
„Il vous sacrifierait demain le Danemarc, s´il y trouverait son compte“. Frankreich, der deutsch-dänische Krieg und der Wiener Frieden von 1864

12.30 Uhr
Prof. Dr. Thomas Otte (University of East Anglia, Norwich):
„Better to increase the power of Prussia“. Great Britain and the Events of 1864

13.00 – 14.30 Uhr Mittagspause

Fortsetzung Sektion III
Europa

14.30 Uhr
Dr. Sinan Kuneralp (Isis-Verlag Istanbul):
Ottoman concerns about the European status quo in the wake of the German-Danish War and the Treaty of Vienna

15.00 Uhr
Dr. Piotr Szlanta (Universität Warschau):
Der Januar-Aufstand, die Galizische Autonomie und der Frieden von Wien. Die Polen im internationalen Kontext 1863–64

15.30 Uhr
Dr. Wasilij Dudarew (Russische Akademie der Wissenschaften Moskau):
Die Gesamtheit der dänischen Widersprüche und der Wiener Frieden im System der Deutsch-Russischen Beziehungen

16.00 Uhr Diskussion

16.30–16.45 Uhr Kaffeepause

Sektion IV
Global

16.45 Uhr
Dr. Jan Schlürmann (Hermann-Ehlers-Akademie Kiel):
Das Reich, in dem die Sonne niemals untergeht II: Lateinamerika, die Habsburger und der Wiener Frieden von 1864

17.15 Uhr
Dr. Niels Eichhorn (Middle Georgia State College Macon, USA):
Von Poison Spring bis Düppel: Die Vereinigten Staaten und der Deutsch-Dänische Krieg

17.45 Uhr
Prof. Dr. Yosuke Iida (Universität Okoyama, Japan):
„1864“ in den Augen Japans

18.15 – 18.45 Uhr Abschlussdiskussion

18.45 Uhr Ende der Tagung

Kontakt

Otto-von-Bismarck-Stiftung

Am Bahnhof 2, 21521 Friedrichsruh

04104 / 977110

info@bismarck-stiftung.de


Redaktion
Veröffentlicht am
01.09.2014
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