Besondere Häuser. Haus und Haushalt jenseits der erweiterten Kernfamilie

Besondere Häuser. Haus und Haushalt jenseits der erweiterten Kernfamilie

Veranstalter
Arbeitskreis "Haus im Kontext – Kommunikation und Lebenswelt"; in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, Universität Osnabrück; und dem Centre Georg Simmel - Recherches franco-allemandes en sciences sociales, EHESS/CNRS Paris
Ort
Rheinfelden
Land
Deutschland
Vom - Bis
05.03.2015 - 07.03.2015
Deadline
31.01.2015
Von
Falk Bretschneider

Seit geraumer Zeit hat das Haus als offener Kommunikations- und Handlungszusammenhang neue Aufmerksamkeit in der Geschichtswissenschaft und in anderen Sozialwissenschaften gefunden. Dabei gehen die aktuellen Forschungen inzwischen weit darüber hinaus, O. Brunners Paradigma des „ganzen Hauses“ als grundlegende soziale Organisationsform „Alteuropas“ zu dekonstruieren. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen vielmehr neue theoretische und methodische Ansätze, die vor allem die Kommunikations- und Interaktionsbeziehungen der Akteure in den Blick nehmen, die Spannungen zwischen normativen Setzungen und der soziokulturellen Praxis häuslicher Lebenswelten ausloten und die Position des Hauses im Gesamtgeflecht sozialer Ordnung (Nachbarschaft, Gemeinde, Beziehungen zu den Obrigkeiten) untersuchen.

Empirisch konzentriert sich die historische Hausforschung jedoch weiterhin vor allem auf die Sphäre der erweiterten Kernfamilie. Als Nukleus des sozialen Lebens erscheint das Haus hier als das Reservat eines Arbeitspaares mit seinen Kindern, weiteren Familienangehörigen und dem zugehörigen Gesinde. In dieser Gestalt wirkt es als kleinste Ordnungseinheit der Gesellschaft, der die anderen – z. B. herrschaftlichen oder kirchlichen – Institutionen quasi vor- oder aufgesetzt sind. Ausgeblendet bleibt dabei, dass auch in diesen Organisationen häusliche Formen des Lebens und Wirtschaftens eine zentrale Rolle spielten. Entstanden sind dabei Häuser, die sich etwa durch ihre Größe, aber auch durch besondere Bezeichnungen von denen der Untertanen abhoben (wobei jedoch in vielen Fällen durch die Beibehaltung des Wortes „Haus“ im Namen der Rückbezug auf das soziale Modell bestehen blieb). Ziel der Tagung ist es, solche „besondere“ Häuser näher in den Fokus zu rücken und sie in einer vergleichenden Perspektive mit den Ergebnissen der neueren Hausforschung zu konfrontieren.

Programm

Donnerstag, 5. März 2015

16:00-16:30: Ankommen bei Kaffee und Kuchen

16:30-17:30: Tagungseröffnung

Inken Schmidt-Voges (Osnabrück): Begrüßung und Vorstellung des Arbeitskreises, Vorstellungsrunde
Falk Bretschneider (Paris): Besondere Häuser – Einleitung in das Tagungsthema
Diskussion

18:00: Abendessen

19:30: Abendvortrag:
Thomas K. Kuhn (Greifswald): Für das Reich Gottes erziehen – Schloss Beuggen als „Rettungshaus“ im 19. Jahrhundert

Freitag, 6. März 2015

09:00-10:30: Herrschaftliche Häuser I (Moderation: Simone Derix, Mainz/München)

Stefan Brakensiek (Essen): Amtshäuser und ihre Bewohner
Nanina Egli (Zürich): Hausen in der Kaiserburg. Die Pintenwirtsfamilie Hummel in der Stammburg des Hauses Habsburg (1738-1930)

10:30-11:00: Kaffeepause

11:00-12:30: Herrschaftliche Häuser II

Christopher Pihl (Uppsala): The State as a Household. Gender division of labour and female work in state administration

Kommentar Michaela Hohkamp (Hannover) und Diskussion

12:30-14:00: Mittagessen

14:00-15:30: Spitäler und Rettungshäuser I (Moderation: Elizabeth Harding, Wolfenbüttel)

Sarah Pichlkastner (Wien): „Armenhaus Bürgerspital“ – Das frühneuzeitliche Wiener Bürgerspital als virtuelles „Riesen-Haus“
Irmtraut Sahmland (Marburg): Das Hohe Hospital Haina in Hessen zwischen häuslichem Regiment und institutioneller Direktion

15:30-16:00: Kaffeepause

16:00-18:00: Spitäler und Rettungshäuser II

Martin Scheutz (Wien): Wirtschaften, Pflegen und Beten im Haus. Ordnungsstrukturen österreichischer Spitäler in der Frühen Neuzeit
Christina Vanja (Kassel): Heilanstalten im langen 19. Jahrhundert – das „ganze Haus“ in neuem Gewand

Kommentar Gerhard Ammerer (Salzburg) und Diskussion

18:00: Abendessen

Samstag, 7. März 2015

09:00-10:30: Häuser der Macht I (Moderation: N.N.)

Karsten Voss (Frankfurt/O.): Besondere Häuser in der französischen Kolonie Saint-Domingue: Die habitations esclavistes (1697-1791)
Alfred Stefan Weiß (Salzburg): Bruderhäuser als konfliktreiche Kommunikationsräume? Das Beispiel Österreich (1500-1800)

10:30-11:00: Kaffeepause

11:00-12:30: Häuser der Macht II

Lukas Künzler (Bern): Die Armenerziehungsanstalt Trachselwald im Kontext der sozial-politischen Programmatik von Albert Bitzius (Jeremias Gotthelf), (1797-1854)

Kommentar Margareth Lanzinger (Innsbruck) und Diskussion

12:30-13:00: Abschluss der Tagung

Abschlusskommentar Joachim Eibach (Bern) und Diskussion

13:00-14:00: Mittagessen

ab 14:00: Interne Sitzung des Arbeitskreises

Kontakt

Falk Bretschneider

Centre Georg Simmel – Recherches franco-allemandes en sciences sociales
96, boulevard Raspail - 75 006 Paris |

bretschn@ehess.fr