Podiumsdiskussion „Was kann Angewandte Geschichte? Erkundungen des Verhältnisses von Wissenschaft und Öffentlichkeit“

Podiumsdiskussion „Was kann Angewandte Geschichte? Erkundungen des Verhältnisses von Wissenschaft und Öffentlichkeit“

Veranstalter
Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in Kooperation mit dem Imre Kertész Kolleg Jena
Veranstaltungsort
Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Landshuter Str. 4, Raum 017 (EG)
Ort
Regensburg
Land
Deutschland
Vom - Bis
11.05.2015 -
Von
Juliane Tomann

Nicht nur bei runden Jahrestagen sind Historiker und Historikerinnen gefragt, die Vergangenheit einem breiten Publikum im Radio, Fernsehen oder den Printmedien zu erklären - wie etwa 2015 zwanzig Jahre nach Ende des Bosnienkrieges. Aktuell ist die Expertise von Osteuropa-HistorikernInnen auch in Bezug auf den Konflikt mit Rußland um die Ukraine oder die Reparationsforderungen Griechenlands an Deutschland aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges begehrt.

Geschichte in der Öffentlichkeit ist jedoch mehr als die Summe der Medienauftritte einiger renommierter Historiker. Auch Historienfilme, Computerspiele sowie Unternehmen nutzen Geschichte auf ihre Art. Und Laien erkunden die Geschichte ihrer näheren Umgebung in Projektformaten. Mit Geschichte wird also nicht nur Wissen und Politik, sondern auch Kapital und Zivilgesellschaft „gemacht“. Was Geschichte als öffentliches Gut heutzutage bedeutet, wie die Wissenschaft damit umgeht und ob öffentliche Geschichte überhaupt historisches Bewusstsein fördert oder nicht eher verfälscht, sind Ausgangsfragen der Angewandten Geschichte.

Die Chancen und Grenzen einer neuen Perspektive auf Geschichte in der Öffentlichkeit sehen die Akteure Angewandter Geschichte ganz unterschiedlich. Geht es für die einen darum, ein möglichst zielgruppengerechtes historisches 'Produkt' zu erschaffen, interessieren sich andere dafür, welcher Kompetenzen es bedarf, um historische Narrationen im öffentlichen Raum dekonstruieren zu können. Für den Bereich der Ost- und Südosteuropastudien hat diese Reflektion aufgrund des andauernden Bedarfs an historisch fundierten Wissens zum östlichen Europa in der Öffentlichkeit besondere Relevanz.

Die Bandbreite der möglichen Antworten auf die Frage, was das Kerngeschäft Angewandter Geschichte sein kann, betrifft demnach nicht nur die Geschichtswissenschaften und das Phänomen der Erinnerungskultur, sondern die Didaktik ebenso wie die neu eingerichteten Public-History Studiengänge sowie alle diejenigen die in zivilgesellschaftlichen Vereinen oder marktorientierten Firmen mit Geschichte umgehen.

Als Ausgangspunkt und Anlass für die Diskussion kann der Band "Angewandte Geschichte - Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit" gesehen werden, der 2014 im Schöningh Verlag erschienen ist. Einige Autoren des Bandes werden ihre Sicht auf Ziele, Aufgaben aber auch Grenzen Angewandter Geschichte vorstellen, die kritisch kommentiert und diskutiert werden.

Programm

Teilnehmer des Podiums:
Prof. Robert Traba (Polnische Akademie der Wissenschaften Berlin und Borussia e.V.),
Dr. Marcus Ventzke (Geschichtsdidaktik KU Eichstätt und Institut für digitales Lernen),
Dr. Irmgard Zündorf (Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und AG Angewandte Geschichte im Historikerverband)


Es kommentiert Birgit Schwelling, Kulturwissenschaftliches Institut Essen.

Moderation: Juliane Tomann (Imre Kertész Kolleg Jena und Institut für angewandte Geschichte e.V.), Jacqueline Nießer (Graduiertenschule für Ost- und
Südosteuropastudien und Institut für angewandte Geschichte e.V.)

Kontakt

Juliane Tomann

Imre Kertész Kolleg Friedrich-Schiller-Universität Jena Leutragraben 1 D-07743 Jena

juliane.tomann@uni-jena.de

http://www.imre-kertesz-kolleg.uni-jena.de/
Redaktion
Veröffentlicht am
04.05.2015
Beiträger