Wirtschaftsgeschichte des Ersten Weltkriegs. Ökonomische Ordnung und Handeln der Unternehmen, Teil 2: Arbeitskräfte zwischen militärischer und wirtschaftlicher Mobilisierung

Wirtschaftsgeschichte des Ersten Weltkriegs. Ökonomische Ordnung und Handeln der Unternehmen, Teil 2: Arbeitskräfte zwischen militärischer und wirtschaftlicher Mobilisierung

Veranstalter
Lehrstuhl Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, Ruhr-Universität Bochum; Equipe Langues et cultures européennes (LCE), université Lumière Lyon 2; Institut de recherches historiques du Septentrion (IRHiS, UMR 8529), université Lille 3; Centre Roland Mousnier (UMR 8596), université Paris Sorbonne (Paris IV); Laboratoire Triangle. Action, discours, pensée politique et économique (UMR 5206); Centre de recherche sur les économies, les sociétés, les arts et les techniques (CRESAT), université de Haute-Alsace
Veranstaltungsort
Institut für soziale Bewegungen, Clemensstr. 17-19, 44789 Bochum
Ort
Bochum
Land
Deutschland
Vom - Bis
05.11.2015 - 06.11.2015
Deadline
04.11.2015
Von
Marcel Boldorf, Lyon

Wirtschaftsgeschichte des Ersten Weltkriegs. Ökonomische Ordnung und Handeln der Unternehmen,
Teil 2: Arbeitskräfte zwischen militärischer und wirtschaftlicher Mobilisierung

Da sowohl in Frankreich als auch in Deutschland mit einer kurzen Dauer des Krieges gerechnet wurde, wurden zunächst keinerlei Vorkehrungen getroffen, die Einberufungen mit den Erfordernissen der Kriegswirtschaft zu koordinieren. Nach dem bedeutenden Einzug männlicher Arbeitskräfte in die Armee fand in den Betrieben ein Austausch statt: die eingezogenen Facharbeiter wurden vielfach durch Ungelernte ersetzt. Darüber hinaus wurden ganze Belegschaften in Rüstungsbetriebe versetzt, sodass als Gegenstück zu diesen Maßnahmen zahlreiche Betriebsschließungen zu verzeichnen waren. Die Beschäftigten konnten von der gestiegenen Nachfrage nach ihrer Arbeitskraft profitieren, indem sie eine Verbesserung ihrer Lohnabschlüsse erwirkten. Überhaupt gewannen die Gewerkschaften, besonders auf betrieblicher Ebene, während des Kriegs an Gewicht. Aufgrund der Engpässe auf dem Arbeitsmarkt gab es frühzeitig Bestrebungen, die Arbeitsvermittlung unter staatliche Aufsicht zu bringen. Sie kulminierten in dem erwähnten Hilfsdienstgesetz, das den Kern der Arbeitskräfteregimes des Ersten Weltkriegs bildete. Strafmaßnahmen wurden z.B. Betriebswechslern angedroht, denen man einen sofortigen Fronteinsatz in Aussicht stellte.

Die Mobilisierung des Faktors Arbeitskraft blieb über den ganzen Krieg hinweg kritisch. Die Frauenbeschäftigung wurde stark gefördert, doch ließ sich die Frauenerwerbsquote nur mit Mühe steigern. Die Lenkung fand vor allem in Rüstungsbereiche oder in rüstungsnahe Branchen wie Metallverarbeitung, Maschinenbau oder Chemie statt. Ein weiterer Weg zur Beschaffung von Arbeitskräften war der Einsatz ausländischer Arbeiter. Von den 2,5 Millionen Kriegsgefangenen wurden 1,6 Millionen zwangsweise eingesetzt, etwa zur Hälfte in der Landwirtschaft und zu einem Drittel im Industriesektor. Der Einsatz ausländischer Zivilisten konzentrierte sich auf die Rekrutierung polnischer Arbeitskräfte, die aus der traditionell üblichen Saisonwanderung hervorging. In der internationalen Presse viel beachtet war die Heranziehung von knapp 80.000 belgischen Arbeitskräften, die vor allem im Ruhrbergbau beschäftigt wurden.

In Frankreich wurden zu Kriegsbeginn knapp 3 Mio. Mann einberufen, deren Zahl sich bis zum Frühjahr 1915 auf 5 Mio. Mann erhöhte. Bei einer Gesamtzahl aller männlichen Beschäftigten, die im letzten Vorkriegsjahr bei etwa 12,6 Mio. gelegen hatte, ist klar, dass ein länger andauernder Krieg so nicht zu führen war. Daran änderten auch die aus den besetzten Gebieten geflohenen Arbeitskräfte nichts und auch die Versuche, Arbeitskräfte aus Spanien und Portugal anzuwerben, brachten keine Entlastung. Hinzu kam, dass die Saisonarbeitskräfte aus Italien nach Kriegsausbruch in ihre Heimat zurückkehren mussten und im weiteren Verlauf des Krieges nicht mehr nach Frankreich ausreisen durften, um die Einberufenen im eigenen Land zu ersetzen. Erst in der zweiten Jahreshälfte 1915 erkannten die Militärbehörden, dass sie auf einen Teil der Einberufenen verzichten mussten, um den Mangel an Waffen und Munition zu bekämpfen. So konnte zwar die Zahl der Arbeitskräfte seit 1916 in der Metall verarbeitenden und der Chemieindustrie wieder auf den Vorkriegsstand gebracht werden. Aber eine Arbeitskräftemobilisierung wie durch das Vaterländische Hilfsdienstgesetz in Deutschland unterblieb.

Programm

Donnerstag, 5. November, 14 Uhr – 18 Uhr

Begrüßung / Accueil : Dieter Ziegler (Professor für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, Ruhr-Universität Bochum)
Einführung / Introduction : Marcel Boldorf (professeur de civilisation allemande, université Lumière Lyon 2)
Vorsitz/Présidence : Hervé Joly (directeur de recherche CNRS, Laboratoire Triangle, Université de Lyon)

Stephanie Tilly (Lehrstuhlvertretung Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte, Universität zu Köln)
Arbeitsmarkt unter Druck?  Industrieller Arbeitsmarkt im Ersten Weltkrieg / Un marché de l’emploi sous pression ? L’industrie pendant la Première Guerre mondiale

Antoine Vernet (doctorant en histoire contemporaine, Laboratoire Triangle, université Lumière Lyon)
Arbeitskräftepolitik im Ersten Weltkrieg. Das Beispiel eines mittleren Metallunternehmens in Saint-Etienne / La gestion de la main-d'œuvre ouvrière durant la Grande Guerre, la pratique d'une entreprise moyenne de l’industrie métallurgique stéphanoise

Kai Rawe (Leiter des Stadtarchivs, Mülheim an der Ruhr)
Zwangsarbeit im Ruhrbergbau im Ersten Weltkrieg / Travail forcé dans les mines de la Ruhr pendant la Première Guerre mondiale

Jean-François Grevet (maître de conférences en histoire contemporaine, Université d’Artois, CRE Histoire et sociétés)
An der französischen Arbeitsfront. Kriegsführung und Arbeitskräftepolitik in der französischen Automobilindustrie (1914-1920) /
Sur le front du travail en France. Effort de guerre et gestion de la main-d'oeuvre dans l'industrie automobile (1914-1920) /

Freitag, 5. November, 9 Uhr - 13 Uhr

Vorsitz/Présidence : Nicolas Stoskopf (professeur d’histoire contemporaine, université de Haute-Alsace, CRESAT)

Michael Rösser/Mark Spoerer (Master-Student/Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Regensburg)
Kontinuitäten der Zwangsarbeit vom kolonialen Deutsch-Ostafrika zum Ersten Weltkrieg (Belgien, Polen und Litauen) / Continuités dans le travail forcé des colonies allemandes en Afrique orientale à la Première Guerre mondiale (Belgique, Pologne, Lituanie)

Béatrice Touchelay (professeur en histoire contemporaine, université de Lille 3, IRHiS)
Arbeiter ohne Arbeit, Unternehmen ohne Ressourcen. Wirtschaftliches Überleben in Lille während der deutschen Besatzung (1914-1918) / Salariés sans ouvrage, entreprises sans ressource, comment survivre à Lille sous l'occupation allemande (1914-1918)

Ralf König ( Wiss. Mitarbeiter, Technische Universität Darmstadt)
Jenseits der Fabriken: Kriegerfrauen als Heimarbeiterinnen
Au-delà des usines : les femmes des combattants comme travailleuses à domicile

Peggy Bette (ingénieure de recherche au CERHIO, université Rennes 2)
Der Staat als Arbeitgeber für Kriegswitwen. Spezifische Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen in Frankreich während des Ersten Weltkriegs / L'État-employeur au secours des veuves de guerre : retour sur les politiques d'emplois réservés mises en place en France

Zusammenfassung/Conclusions
Dominique Barjot (professeur d’histoire contemporaine, université Paris-Sorbonne, Centre Roland Mousnier)

Interessierte Gäste sind herzlich willkommen!

Kontakt

Marcel Boldorf

Université Lyon 2 Lumière

0170/7767506

marcel.boldorf@univ-lyon2.fr


Redaktion
Veröffentlicht am
18.10.2015
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