Fußball als Instrument der Nationenbildung I: Deutschland, Westeuropa, Zentral- und (Süd-)Osteuropa. 9. Sporthistorische Konferenz Irsee

Fußball als Instrument der Nationenbildung I: Deutschland, Westeuropa, Zentral- und (Süd-)Osteuropa. 9. Sporthistorische Konferenz Irsee

Veranstalter
Schwabenakademie Irsee
Ort
Irsee
Land
Deutschland
Vom - Bis
12.02.2016 - 14.02.2016
Deadline
11.02.2016
Von
Markwart Herzog/Dominik J. Schaller

„Some people believe football is a matter of life and death, I am very disappointed with that attitude. I can assure you it is much, much more important than that.“
Die Aussage des ehemaligen Trainers des FC Liverpool Bill Shankly erhielt am 14. Oktober 2014 eine eindrückliche Bestätigung, als das EM-Qualifikationsspiel zwischen Serbien und Albanien in Belgrad abgebrochen werden musste, nachdem albanische Nationalisten mit einer Drohne die „großalbanische“ Flagge über das Stadion hinwegfliegen ließen und damit eine tätliche Auseinandersetzung zwischen albanischen und serbischen Spielern provoziert hatten.
Wie dieser Vorfall zeigt, greift das Narrativ zu kurz, das Fußball in erster Linie mit Völkerverständigung in Verbindung bringt. Die Sozial- und Geschichtswissenschaften haben sich denn auch eingehend mit der Thematik „Fußball und Gewalt“ befasst. Sozialpsychologen untersuchen ferner die Rolle des Fußballs für die Konstruktion sozialer sowie regionaler und nationaler Identitäten. Ein Aspekt, der bisher aber nur wenig Beachtung gefunden hat, ist die von Eric Hobsbawm genannte Bedeutung, die dem Sport im Rahmen der Entstehung von Nationen zukommt: „The imagined community of millions seems more real as a team of eleven named people.“
Die beiden Weltkriege, die Dekolonisation und das Ende des Kalten Kriegs haben im 20. Jahrhundert eine neue internationale Ordnung hervorgebracht, deren Grundbaustein der Nationalstaat ist. Die Nationenbildung ist ein komplexer Prozess, der sowohl die Etablierung gemeinsamer kultureller Standards wie zuweilen auch die willkürliche Schaffung nationaler Identität umfasst (Stichwort: „invention of tradition“).
Die 9. Sporthistorische Konferenz Irsee zum Thema „Fußball als Instrument der Nationenbildung“ wird gefördert von der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes. Sie will aus zeitgeschichtlicher Perspektive diskutieren, inwiefern Fußball als massen- und medientaugliches Spiel zu einem zentralen Element und Instrument von Nationenbildung geworden ist.
Im Februar 2017 wird eine weitere Konferenz – „Soccer as an Instrument of Nation-building II: (South-)East-Europe and overseas countries“ – die Thematik weiterführen und abschließen.

Programm

Freitag, 12. Februar 2016

16.00 Uhr
Markwart Herzog, Schwabenakademie Irsee/Dominik Schaller, Universität Heidelberg: Begrüßung

I. DEUTSCHLAND

16.15 Uhr
René Wiese, Zentrum deutsche Sportgeschichte, Berlin: Der Traum von der Einheit – deutsch-deutscher Fussball in den 1950er Jahren zwischen politischer Rhetorik, Abbruch und Rückzug

17.00 Uhr
Christian Becker, Westfälische Wilhelms-Universität Münster: Von der Auswahl- zur Nationalmannschaft? Die Identitätspolitik der frühen DDR am Beispiel des Fußballs

17.45 Uhr
Dr. Johannes Schütz, Dresden: Das nationale Nicht-Ereignis? Das Fußballländerspiel zwischen der BRD und der DDR am 22. Juni 1974

18.30 Uhr
Dr. Sven Ismer, Freie Universität Berlin: „Wir“ und „die Anderen“. Der ‚neue Patriotismus‘ in der Fußballberichterstattung

19.15 Uhr Abendessen

Samstag, 13. Februar 2016

II. WESTEUROPA

9.00 Uhr
Prof. Dr. Werner Suppanz, Universität Graz: Fußball und österreichische Nation: Identitätspolitik zwischer „Londoner Wunderspiel“ und „Cordoba“

9.45 Uhr
Dr. Philippe Vonnard/Dr. Grégory Quin, Universität Lausanne: The Making of the “National” Team, 1890–1914. Analysis on the Swiss Nation Building before World War I

10.30 Uhr Kaffeepause

10.45 Uhr
Dr. Bernd Reichelt, ZfP Südwürttemberg, Ravensburg, Forschungsbereich Geschichte & Ethik in der Medizin: Die „Grande Nation“ und der lothringische Fußball nach dem Ersten Weltkrieg. Die ehemals deutschen Fußballvereine in Lothringen im Spannungsfeld von nationaler Inszenierung und sportlichem Eigensinn, 1918–1939

11.30 Uhr
Dr. Pierre Weiss, Universität Luxemburg/Dr. Jean Christophe Meyer, Universität Straßburg: Bevölkerungsverschmelzung und Mechanismen der Identifizierung. Fußball und „Diversität“ in Deutschland und Frankreich, 1950–2014

12.15 Uhr
Nicola Sbetti, Research fellow of the University of Bologna: The „Azzurri“ as a unifying symbol in a politically divided post-fascist Italy, 1945–1950

13.00 Uhr Mittagessen

14.00 Uhr
Dr. Markwart Herzog, Schwabenakademie Irsee: Führung durch Kloster Irsee und die Euthanasie-Gedenkstätten

15.30 Uhr
Julian Rieck, Humboldt-Universität zu Berlin: Real Madrid zwischen „Franco-Club“ und „Botschafter Spaniens“

16.15 Uhr Kaffeepause

16.30 Uhr
Valentyna Kotenko, National Taras Shevchenko University Kiew: Cream Meringues vs. a „divine t-shirt“. Catalan Identity in the Spanish Sports Discourse

17.15 Uhr
Dr. Anders Ravn Sørensen, Copenhagen Business School: Zlatan Ibrahimović and Volvo: Pushing the boundaries of Swedishness

18.00 Uhr Key note
Dr. Sven Güldenpfennig, Vohburg: Der politisch neutrale Eigensinn des Fußballsports – eine Standortbestimmung

19.00 Uhr Abendessen

Sonntag, 14. Februar 2016

9.00 Uhr
Dr. Constantinos Adamides, University of Nicosia /Dr. Sertac Sonan, Cyprus International University: Soccer as an Instrument of Nation-Building in a Reunified Cyprus?

III. ZENTRAL- UND (SÜD-)OSTEUROPA

9.45 Uhr
Dr. Stefan Zwicker, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Zwischen interethnischer Rivalität und „freundschaftlichen Verhältnissen“ – der Fußball in den böhmischen Ländern/der Tschechoslowakei bis 1938/39

10.30 Uhr Kaffeepause

10.45 Uhr
Dr. Manfred Zeller, Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen: Fußballmaidan. Die ukrainische Nation in sozialen Netzwerken rechtsradikaler Fussballfans, 2013/14

11.30 Uhr
Dario Brentin/Dr. Tamara Pavasović Trošt, Universität Graz: Football, Nation and Identity. Nation-Building and Nation-Branding through Football in Post-Yugoslav Countries

12.15 Uhr
Schlussrunde: Systematische Perspektiven

12.45 Uhr Mittagessen – Tagungsende – Abreise

Kontakt

Markwart Herzog

Schwabenakademie Irsee
Klosterring 4, 87660 Irsee
+49 (0)8341 906 660
+49 (0)8341 906 669
buero@schwabenakademie.de

http://www.schwabenakademie.de
Redaktion
Veröffentlicht am
15.12.2015
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