Kleine Bischöfe im Alten Reich. Strukturelle Zwänge, Handlungsspielräume und soziale Praktiken im Wandel (1250–1650)

Kleine Bischöfe im Alten Reich. Strukturelle Zwänge, Handlungsspielräume und soziale Praktiken im Wandel (1250–1650)

Veranstalter
Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald; Prof. Dr. Oliver Auge (Abteilung für Regionalgeschichte, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel), Prof. Dr. Andreas Bihrer (Abteilung für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel), Dr. Nina Gallion (Abteilung für Regionalgeschichte, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)
Ort
Greifswald
Land
Deutschland
Vom - Bis
03.05.2018 - 05.05.2018
Deadline
19.04.2018
Von
Frederieke Maria Schnack

Die historische Forschung urteilt bislang weitgehend einheitlich, dass dem Episkopat im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Reich wenig bis gar keine Handlungsspielräume beschieden waren. Insbesondere den ,kleinen Bischöfen‘ im Reich, die nur über ein kleines, gering dotiertes Hochstift verfügen konnten, deren Einfluss durch konkurrierende Kräfte wie Landesfürsten, ein dominantes Domkapitel oder eine selbstbewusste Kathedralstadt stark eingeschränkt war und die am Königshof kein Gewicht besaßen, wird praktisch keine Bedeutung im Gefüge des Alten Reichs zugesprochen. Bei Einzelbetrachtungen werden freilich ganz unterschiedliche Befunde zur Frage nach den Handlungsspielräumen aus den überlieferten Quellen hervorgebracht, und selbst vermeintlich ‚kleine‘ Bischöfe erscheinen aus regionaler Perspektive überraschend groß. Diesen offensichtlichen Widerspruch möchte die internationale und interdisziplinäre Tagung zum Anlass nehmen, um sich grundsätzlich mit der Thematik auseinanderzusetzen und auf diese Weise sowohl der Erforschung der ,Germania Sacra‘ im Alten Reich als auch der Beschäftigung mit Kultur-, Sozial-, Verfassungs- und Politikgeschichte im Bereich der spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bischöfe und Bistümer weitere Impulse zu vermitteln. Im Zentrum werden dabei die Fragen stehen, (a) wie die Akteure und darunter in erster Linie die Bischöfe und ihr Umfeld in strukturelle Zwänge eingebunden waren, (b) welche Handlungsspielräume sie sich erarbeiten konnten und (c) mit welchen sozialen Praktiken sie ihren Rang und ihre Position zu verbessern oder zu kompensieren versuchten.

Programm

Donnerstag, 3. Mai

14.00–14.45 Uhr
Begrüßung und Einführung in das Tagungsthema
Profes. Dres. Oliver Auge und Andreas Bihrer (beide Kiel) und die wissenschaftliche Leitung des Alfried Krupp Wissenschaftskollegs Greifswald

I. Bistümer im Nordosten

Moderation: Prof. Dr. Andreas Bihrer (Kiel)

14.45–15.30 Uhr
Zwischen Kaiser, König und Herzog: Handlungsoptionen und -möglichkeiten Schleswiger Bischöfe im Hoch- und Spätmittelalter
Prof. Dr. Oliver Auge (Kiel)

15.30–16.15 Uhr
Die Bischöfe von Ratzeburg – episkopale Handlungsspielräume im Windschatten der Städte Hamburg und Lübeck
Prof. Dr. Stefan Petersen (Leipzig)

16.15–16.45 Uhr
Kaffeepause

Moderation: Dr. Martin Schoebel (Schwerin/Greifswald)

16.45–17.30 Uhr
Die Handlungsspielräume von Schweriner Bischöfen adeliger wie nicht-adeliger Herkunft am Beispiel von Ludolf von Bülow (1331–1339), Rudolf, Herzog von Mecklenburg-Stargard (1391–1415) und Nikolaus Böddeker (1444–1457)
Dr. Andreas Röpcke (Schwerin)

17.30–18.15 Uhr
Von Königsferne zu Reichsnähe: das Erzstift Riga „an den äußersten Enden der Christenheit“ unter Erzbischof Wilhelm von Brandenburg (1530/39–1563)
Prof. Dr. Klaus Neitmann (Potsdam)

18.15–19.30 Uhr
Abendessen

19.30 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag
Kleine Bischöfe im nord- und mitteldeutschen Raum und ihre heraldische Repräsentation
Dr. Ralf-Gunnar Werlich (Greifswald)
Moderation: Prof. Dr. Andreas Bihrer (Kiel)

Freitag, 4. Mai

II. Bistümer im Nordwesten

Moderation: PD Dr. Joachim Krüger (Greifswald)

9.00–9.45 Uhr
Nie ohne die Verwandten? Umfang und Bedeutung familiären Einflusses auf die Mindener Bischofsherrschaft im 14. Jahrhundert
Frederieke Maria Schnack M. A. (Kiel)

9.45–10.30 Uhr
Kurzzeitig bedeutend? Die Verdener Bischöfe und ihr Bistum im Großen Abendländischen Schisma
Prof. Dr. Thomas Vogtherr (Osnabrück)

10.30–11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00–11.45 Uhr
Die Hildesheimer Bischöfe in ihrem sozialen Beziehungsgeflecht
Dr. Nathalie Kruppa (Göttingen)

III. Bistümer im Südwesten

Moderation: Prof. Dr. Gerhard Weilandt (Greifswald)

11.45–12.30 Uhr
Zwischen allen Stühlen? Die Wormser Bischöfe, ihr Hochstift, ihre Stadt und das Bistum (ca. 1300 bis 1600)
Dr. Gerold Bönnen (Worms)

12.30–14.00 Uhr
Mittagspause

14.00–14.45 Uhr
Kleiner Bischof an der Peripherie: Der Bischof von Basel
Prof. Dr. Christian Hesse (Bern)

IV. Bistümer im Südosten

Moderation: Dr. Ralf-Gunnar Werlich (Greifswald)

14.45–15.30 Uhr
Vom König vergessen, von Nachbarn bedrängt – das Bistum Eichstätt auf dem verspäteten Weg zum Hochstift
Prof. Dr. Helmut Flachenecker (Würzburg)

15.30–16.00 Uhr:
Kaffeepause

16.00–16.45 Uhr
"Seht, da kommt der halbe Papst, der selbst Bischöfe machen kann!" Der Salzburger Erzbischof und seine Eigenbistümer
PD Dr. Johannes Lang (Bad Reichenhall)

16.45–18.00 Uhr
Abendessen

18.00 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag
Würdenträger wider Willen? Fürstensöhne als ‚kleine Bischöfe‘ im Mittelalter
Prof. Dr. Karl-Heinz Spieß (Greifswald)
Moderation: Prof. Dr. Oliver Auge (Kiel)

Samstag, 5. Mai

V. Bistümer im Osten

Moderation: Prof. Dr. Oliver Auge (Kiel)

9.00–9.45 Uhr
Die Bischöfe von Merseburg
Dr. Gerrit Deutschländer (Hamburg)

9.45–10.30 Uhr
Die Bischöfe von Meißen
Prof. Dr. Enno Bünz (Leipzig)

10.30–11.00 Uhr
Kaffeepause

11.00–12.00 Uhr
Zusammenfassung
Dr. Nina Gallion (Kiel)

12.00 Uhr
Abschlussdiskussion

Kontakt

Dennis Gelinek

Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald, 17487 Greifswald

+49 3834 420–5029
+49 3834 420–5005
dennis.gelinek@wiko-greifswald.de

https://www.wiko-greifswald.de/programm/allgemeines/veranstaltungskalender/veranstaltung/n/kleine-bischoefe-im-alten-reich-strukturelle-zwaenge-handlungsspielraeume-und-soziale-praktiken-im-wa/