Digitale Kommunikation und Kommunikationsgeschichte: Perspektiven, Potentiale, Problemfelder

Digitale Kommunikation und Kommunikationsgeschichte: Perspektiven, Potentiale, Problemfelder

Veranstalter
Fachgruppen Kommunikationsgeschichte und Digitale Kommunikation der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), Prof. Dr. Christian Pentzold, Dr. Erik Koenen, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen
Veranstaltungsort
Haus der Wissenschaft
Ort
Bremen
Land
Deutschland
Vom - Bis
16.01.2019 - 18.01.2019
Deadline
01.10.2019
Von
Dr. Christian Schwarzenegger

Die Tagung verfolgt das Ziel, digitale Kommunikation in Bezug zu ihrer eigenen Geschichte und der Kommunikationsgeschichte generell zu setzen. Digitale Kommunikation hat Gesellschaften und Formen sozialen Lebens fundamental verändert, der Verlauf dieses unabgeschlossenen Wandels ist aber noch nicht hinreichend erforscht.

Vor diesem Hintergrund ist es an der Zeit, die historischen Entwicklungen, die Herausbildung und Durchsetzung von Digitalisierung und Vernetzung, des Internets und der digitalen Kommunikation zu untersuchen. Angesichts der dichten Innovationsfolge und des rasanten Fortschritts werden vernetzte Kommunikationstechnologien und -dienste in schneller Folge abgelöst. Während einerseits neue Sektoren, Intermediäre und kommunikative Praktiken digitaler Kommunikation entstehen, wandeln sich andererseits die traditionellen Institutionen der öffentlichen Kommunikation.

Digitale Kommunikation ist nicht einfach aus dem Nichts entstanden, sondern innerhalb von Gesellschaften, Nutzungsmustern und bestehenden Medienumgebungen gewachsen und geformt worden. In diesen Kontexten werden Kommunikationssysteme und Medienrepertoires verändert, neue Formen hervorgebracht bzw. bestehende Formen der Kommunikation transformiert und das Verhältnis von Medien und Kommunikationsmitteln zueinander verändert. Die Tagung zielt in diesem Sinne auf die historische Einordnung und Perspektivierung sehr gegenwärtiger Phänomene.

Inhaltliche Schwerpunkte der Tagung
Um Perspektiven, Potentiale und Problemfelder des Themas auszuleuchten und einzuschätzen, erbitten die Fachgruppen „Digitale Kommunikation“ und „Kommunikationsgeschichte“ Einreichungen, die sich insbesondere Fragen aus den nachfolgend skizzierten Themenfeldern widmen:

1) Digitale Kommunikation historisch begreifen und verorten
- Was heißt es, eine Geschichte digitaler Medien/digitaler Kommunikation zu schreiben? In welchem Verhältnis steht ein solches Vorhaben zu anderen Bereichen und Aspekten historischer Kommunikationsforschung?
- Wie kann mit der Unabgeschlossenheit von Prozessen digitaler Kommunikation umgegangen werden? Welche Folgen haben die hohe Innovations- und Ereignisdichte in der Entwicklung digitaler Kommunikation für eine Historisierung bzw. Kontextualisierung und welche Temporalstrukturen sind zu bedenken?
- Wie lässt sich der gegenwärtige Wandel historisch einordnen und beurteilen? Wie lassen sich Wechselwirkungen zwischen der Digitalisierung und Vernetzung von Medienkommunikation und anderen Phänomenen gesellschaftlichen Wandels begreifen?
- Welche Diskurse, Narrative und Ideologien haben die kulturelle und individuelle Bedeutung, die technologische Konstruktion und die Regulierung von Internet, Web und anderen digitalen Technologien begleitet und geprägt?
- Sind national oder regionalräumlich lokalisierte Geschichten digitaler Kommunikation möglich oder müssen solche zwingend translokal bzw. transnational gedacht werden?

2) Digitale Kommunikation in der Geschichte
- Wie kann in Geschichten einzelner Anwendungen und Dienste als auch grundlegender Infrastrukturen die Entwicklung von Technologien, soziale Institutionalisierung und kulturelle Einbindung verknüpft werden? Was wissen wir über Aufstieg und Niedergang digitaler Medien (StudiVZ, Second Life, etc.)?
- Wie verändern sich Formen und Arenen öffentlicher Kommunikation im Zuge ihrer Digitalisierung, welche historischen Brüche etwa zur prä-digitalen Ära lassen sich ausmachen?
- Welche Transformation haben Kommunikationsberufe (Journalismus, Werbung, PR, etc.) und Arbeitswelten (Gesundheitswesen, Politik, Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen, etc.) durch digitale Kommunikation erfahren?
- Wie haben sich Sprache, Normen, Kompetenzen und auch ethische Bewertung von Kommunikation durch digitale Medien gewandelt?
- Welche Kontinuitäten und welche neuen Formen der Mobilisierung und Artikulation ergeben sich für soziale Bewegungen und politischen Aktivismus durch digitale Kommunikation?

3) Vergangenheit in der Digitalen Kommunikation
- Wie prägen digitale Medien kollektive Gedächtnisse sowie die Erinnerungsformen von Individuen, Familien, Gruppen und (trans-)nationalen Kollektiven?
- Welche verschiedenen Rollen können historische Inhalte in der digitalen Kommunikation spielen und was sind Spezifika des Umgangs mit historischem Material?
- Welche Bedeutung haben Retro-Inhalte und Nostalgie im Umgang mit prädigitalen Medientechnologien und was lässt sich in diesem Zusammenhang über medienkulturellen Wandel lernen?

4) Methodische Herausforderungen und Quellen für eine diachrone und retrospektive Analyse von (digitaler) Kommunikation
- Wie verändern digitale Verfahren, digitalisierte Quellen und neue methodische Möglichkeiten die Strategien, Arbeitsweisen und Erkenntnisperspektiven der historischen Kommunikationsforschung?
- Welche Herausforderungen und Besonderheiten des Umgangs mit Inhalten digitaler Kommunikation – von Quellenkritik zu Datenkritik etwa – ergeben sich aus dem Umgang mit digitalen Spuren für Kommunikationsforschung und Medienanalyse?
- Wie können die Inhalte von sozialen Medien für historische Analysen gesichert, zugänglich und analysierbar gemacht werden?
- Welche Konsequenzen erwachsen aus der Dominanz kommerzieller Plattformen und der von ihnen gesammelten Daten?

Einreichungen
Aussagekräftige „Extended Abstracts“ (4.000 bis 5.000 Zeichen inklusive Leerzeichen, exklusive Literaturverzeichnis und ggf. Anhänge) können bis zum 1. Oktober 2018 eingereicht werden. Die Abstracts sind durch ein abtrennbares Deckblatt und Entfernung aller Autorinnen bzw. Autoren identifizierenden Angaben aus Text und Dokumenten-Einstellungen zu anonymisieren.

Die Einreichung erfolgt ausschließlich über die E-Mail-Adresse: petra.cullmann@phil.uni-augsburg.de
Alle Einreichungen werden in einem Peer-Review und nach den folgenden, in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft üblichen Kriterien begutachtet: theoretische Fundierung, Relevanz der Fragestellung, Angemessenheit der Methode/Vorgehensweise, Neuigkeitswert/Originalität, Klarheit sowie Prägnanz der Darstellung. Die Ergebnisse des Reviewverfahrens werden bis Mitte November 2018 bekannt gegeben.

Organisation
Die Tagung findet vom 16. bis zum 18. Januar 2019 in Bremen statt. Veranstalter ist das Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung der Universität Bremen. Aktuelle Informationen finden Sie auf der Tagungswebsite: http://www.zemki.uni-bremen.de/de/veranstaltungen/tagungen/digitale-kommunikation-und-kommunikationsgeschichte-perspektiven-potentiale-problemfelder.html
Auf dieser Website werden Angaben zum Veranstaltungsort, zum Programmablauf, zur Anmeldung sowie zu Unterkunfts- und Anreisemöglichkeiten ergänzt.

Programm


Redaktion
Veröffentlicht am
29.07.2018
Klassifikation
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Land Veranstaltung
Sprache Veranstaltung