Museen und Hochschulen der Vielfalt. Wie leben und lernen Museen und Kunsthochschulen Diversität aktiv? / Museums and Universities of Diversity: How Can Museums and Art Universities Take an Active Approach to Living and Learning Diversity?

Von
Anja Skowronski, Outreach und Gesellschafft, Staatliche Kunstsammlungen Dresden

"Museen und Hochschulen der Vielfalt. Wie leben und lernen Museen und Kunsthochschulen Diversität aktiv?"

Digitales Symposium der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden, 26. und 27. November 2020

Das Gehirn ist der komplexeste Baustein des menschlichen Körpers. Täglich verarbeiten über 100 Milliarden Neuronen unzählige Informationen und sortieren oder verankern diese unter den richtigen Voraussetzungen im festen Wissensbestand. Die Internetkultur und der nutzergenerierte Content verantworten einen Großteil der Informationsflut, der viele Menschen täglich ausgesetzt sind, und beinhalten das verstärkte Auftreten von Phänomenen wie Schwarmdenken mit weitreichenden soziopolitischen bis hin zu globalen Konsequenzen. Auch Museen und Kunsthochschulen nehmen in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle ein, da sie durch die (Kunst- und Kultur-) Geschichtsschreibung und deren Vermittlung zum Informationsfluss und –transfer maßgeblich beitragen.
Welches Wissen geben Kunsthochschulen und Museen über welche Methoden weiter? Was können und müssen die Institutionen selbst von anderen Kulturen, Ländern und Disziplinen in Bezug auf die Vermittlungsarbeit lernen oder auch wieder verlernen? Das digitale Symposium „Museen und Hochschulen der Vielfalt. Wie leben und lernen Museen und Kunsthochschulen Diversität aktiv?“ legt den Fokus auf die Konzeption und Realisierung von partizipativen und demokrati-schen Prozessen in Museen und Kunstinstitutionen sowie auf das Generieren von mehr Diversität und Inklusion über innovative und transkulturelle Vermittlungsformate, die Raum für Prozesse und Entwicklungen lassen.

Im Vordergrund des ersten Tages stehen Lernkonzepte aus unterschiedlichen kulturellen und historischen Kontexten, die neue Anstöße für die Arbeit und Lehre an Museen und Kunsthoch-schulen bieten. Ein prominentes Beispiel für die Beschäftigung mit der Geschichte eines anderen Kulturkreises ist die Weltuniversität von Rabindranath Tagore (1861–1941). In seiner 1919 gegründeten internationalen Kunsthochschule in Shantiniketan galten Kunst, Handwerk und Kunsthandwerk gleichermaßen als Quelle lebendiger Kreativität, und über den Einbezug von anderen Kulturen wurden laut Tagore innovative Transformationen in der „eigenen“ Kultur ermöglicht. Auch der brasilianische Pädagoge Paulo Freire (1921–1997) liefert mit seiner „Befreiungspädagogik“ wichtige Impulse für die heutige Gesellschaft. Er betrachtet die Erziehung als einen Prozess, währenddessen der Mensch zu einem demokratischen und selbstreflektierenden Individuum gebildet wird, das in der Lage ist, frei zu denken und so die Gesellschaft mit zu verändern.

Der Open Call für diesen ersten Teil sucht explizit nach innovativen Methoden, die einen transkulturellen und/oder einen migrationspädagogischen Aspekt berücksichtigen. Im Fokus stehen Methoden und Formate, die Sprecher_innenperspektiven kritisch hinterfragen, verschiedene Facetten von Objekten und Erzählungen für ein breites Publikum sichtbar machen und zudem darstellen, dass Kultur und kulturelle Artefakte ständigem Wandel, Wechselwirkungen sowie Grenzüberschreitungen unterworfen sind.

Am zweiten Tag des Symposiums ist der Fokus auf innovative Konzepte im Umgang mit Raum und Material gelegt. Durch die Aktivierung von unterschiedlichen Arealen im Gehirn, basierend auf auditiver, visueller, motorischer oder kommunikativer Ebene, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass der Mensch Informationen im festen Wissensbestand abspeichert. Daher werden haptische und partizipative Erfahrungen als wichtiger Bestandteil von Vermittlungsarbeit betrachtet. Das Erarbeiten und das Anbieten von Vermittlungsformaten, die eine partizipative oder aktive Tätigkeit berücksichtigen oder das Publikum in die Forschung und Konzeption von Ausstellungen mit ein-beziehen, stehen hierbei im Vordergrund. Aus unterschiedlichsten Perspektiven werden der Um-gang und der Einfluss auf Lernprozesse durch Räume und Materialien analysiert, diskutiert und hinterfragt. Des Weiteren bieten die beiden Panels die Möglichkeit, das Diskutierte in digitalen Vermittlungsformaten gemeinsam zu erproben und zu vertiefen.

Das erste Panel zum Thema Raum verhandelt Fragen zur Gestaltung und Atmosphäre der idealen Lernumgebung in Hinblick auf Raumkonzeption, Architektur, Ausstellungsgestaltung und Vermittlung. Wie können Räume für ein diverses und aktives Publikum gedacht werden? Was regt Besucher_innen zur Wissensaufnahme in Museen an und welche optimale Umgebung ist dazu nötig? Die Einflüsse von Architektur und Bewegung im Raum auf Lernprozesse und kreatives Tun werden vorgestellt und in Online-Workshops interaktiv erlebbar gemacht. Gemeinsam eignen wir uns Räume für mehr Sichtbarkeit und aktive Teilhabe in und an Ausstellungen an.

Die Frage, was und wie der Mensch von materiellen Herstellungsprozessen und haptischen Erfahrungen lernen kann, bildet den Schwerpunkt des zweiten Panels zum Thema Material. Hierbei werden nicht nur handwerkliche Prozesse, künstlerische und experimentelle Umgangsweisen mit Material berücksichtigt, sondern auch die Vielschichtigkeit von Materialität und die Multiperspektive in Forschung und Vermittlung von Kunstwerken und Objekten im digitalen und analogen Raum. Daran angeknüpft sind die Fragestellungen: Woraus bestehen künstlerische und kunsthandwerkliche Fähigkeiten in einer digitalen Welt, und wie können sie im (realen oder digitalen) Raum vermittelt werden? Welche Bedeutung hat der Umgang mit Material in der Vermittlung? Wie ist unser Blick auf handwerkliche Techniken und deren Entstehung geprägt und entstanden?

Mit einem Open Call möchten wir das Symposium bewusst für vielfältige, andersdenkende und diverse Projekte und Netzwerke öffnen und zu einem anregenden und interdisziplinären Austausch einladen. Gefragt sind Beispiele aus der Praxis ebenso wie die historische Auseinandersetzung mit verschiedenen Lernkonzepten, aktuelle Lernmethoden, die einen migrationspädagogischen oder transkulturellen Ansatz haben oder die das aktive Tun in den Fokus stellen. Wir freuen uns über Abstracts zu Ideen oder Vermittlungsformaten, die an die Themen und das Überthema „Wie leben und lernen Museen und Kunsthochschulen Diversität aktiv?“ anknüpfen oder dieses kritisch hin-terfragen.

Wir bitten um Einreichung eines Abstracts in deutscher oder englischer Sprache bis zum 15. September 2020 an: outreach@skd.museum. Bitte schicken Sie Angaben zu dem Projekt oder Vortrag sowie Informationen zu der Gruppe oder Person, die diese durchführt oder präsentieren soll. Die Abstracts sollten auf zwei Seiten die wichtigsten Aspekte der Projekte und Ideen darstellen und eine kurze Information geben, wer den Beitrag präsentiert.

Das Symposium wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Es findet in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden im Rahmen des Projektes EU4ART statt und steht thematisch in Verbindung mit dem Symposium „Wie kann dezentrale Vermittlung gelingen?“, welches 2021 von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden veranstaltet wird.
Wir freuen uns auf Ihr digitales Kommen.

Termin: Donnerstag, 26. November und Freitag, 27. November 2020
Ort: Das Symposium findet digital in deutscher und englischer Sprache statt.

English version below.

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"Museums and Universities of Diversity: How Can Museums and Art Universities Take an Active Approach to Living and Learning Diversity?"

Online symposium hosted by the Staatliche Kunstsammlungen Dresden in cooperation with the Dresden University of Fine Arts (HfBK) – 26-27 November 2020

The brain is the most complex organ in the human body. Every day, over 100 billion neurons pro-cess countless pieces of information, categorising them or, under the right conditions, anchoring them in our long-term knowledge store. Internet culture and user-generated content are respon-sible for a large proportion of the flood of information that many people are exposed to on a daily basis, which includes the increasing emergence of phenomena such as collective intelligence, with its far-reaching socio-political and global consequences. Museums and art universities also play an important role in this context, as they contribute significantly to the flow and transfer of infor-mation through the study and interpretation of (art and cultural) history and its communication.
What knowledge do art universities and museums communicate, and by what methods? What can and must institutions themselves learn, or even unlearn, from other cultures, countries and disci-plines in terms of education and outreach? The online symposium “Museums and Universities of Diversity: How Can Museums and Art Universities Take an Active Approach to Living and Learning Diversity?” focuses on the conception and implementation of participatory and democratic pro-cesses in museums and art institutions, as well as on expanding diversity and inclusion through innovative and transcultural educational formats that leave room for new processes and develop-ments.

The first day of the symposium will focus on educational concepts from different cultural and his-torical contexts that offer stimulating ideas for the working and teaching activities of museums and art universities. A prominent example of engaging with the history of a different cultural envi-ronment is the World University founded by Rabindranath Tagore (1861-1941). At his international art college in Shantiniketan, founded in 1919, art, crafts and decorative arts were held in equal regard as sources of creative vitality. According to Tagore, the inclusion of other cultures enables innovative transformations in one’s own culture. The Brazilian educator Paulo Freire (1921–1997) also provides important impulses for today’s society with his concept of “education for liberation”. He perceived education as a process that forms democratic and self-reflecting individuals who are able to think freely and thus help change society.

The open call for this first day of the symposium is explicitly seeking innovative methods that take account of transcultural and/or migration-related educational issues. The focus of this section will be on methods and formats that speakers’ perspectives will critically interrogate, making various facets of objects and narratives visible to a broad audience, and also demonstrating how culture and cultural artefacts are subject to constant change, interaction and blurring of boundaries.
The second day of the symposium will focus on innovative concepts regarding the use of space and materials. By activating different areas of the brain on the basis of auditory, visual, kinaesthetic or communicative stimuli, there is a greater probability of information being retained in the long-term knowledge store. Therefore, tactile and participatory experiences are regarded as important as-pects of educational practice. The main priorities in this connection are the development and implementation of educational formats which include participative or active engagement, or which involve the public in research and the planning of exhibitions. How learning processes are ad-dressed and influenced through spaces and materials will be analysed, discussed and examined from a wide variety of perspectives. In addition, the two panels will offer the opportunity to try out digital educational formats in order to explore the topics discussed more thoroughly.

The first panel, on the topic of space, will deal with questions regarding the design and atmos-phere of an ideal learning environment, including room layout, architecture, exhibition design and content presentation. How can spaces be conceptualized for a diverse and active audience? What encourages visitors to absorb knowledge in museums and what is the optimal environment for them to do so? The influences of architecture and movement in space on learning processes and creative action will be presented and demonstrated in interactive online workshops. Together, we will utilise spaces for greater visibility and more active participation in exhibitions.

The question of what and how learning can occur through creating materials and by means of hap-tic experiences will be the focus of the second panel on materials. Attention will be paid not only to manual processes and the artistic and experimental treatment of materials, but also to the complexity of materiality and multiple perspective approaches in research and communication about works of art and objects in digital and analogue space. These topics are linked to the follow-ing questions: What determines artistic and artisan skills in a digital world, and how can these skills be communicated in (real or digital) space? What is the importance of handling materials in educational programmes? How have our views of craft techniques and their origins been created and shaped?

By issuing an open call, we are specifically inviting diverse projects and networks with a wide range of novel perspectives to participate in the symposium and contribute to an inspiring and interdis-ciplinary exchange of ideas. We are interested in real-life practical examples as well as historical investigations of various learning concepts, current learning methods utilising transcultural or migration-informed approaches, or with a focus on active engagement. We look forward to receiv-ing abstracts on ideas or educational formats that consider or engage critically with the topics and the general theme of “Museums and Universities of Diversity: How Can Museums and Art Uni-versities Take an Active Approach to Living and Learning Diversity?”

You are invited to submit an abstract in German or English by 15 September 2020 to:
outreach@skd.museum. Please include information about the project or lecture, as well as about the individual or group who will conduct or present it. The abstracts should consist of two pages explaining the most important aspects of the projects or ideas and briefly stating who will give the presentation.
The symposium is being funded by the Federal Government Commissioner for Culture and the Media. It will take place in cooperation with Dresden University of Fine Arts (HfBK) as part of the EU4ART project and is thematically related to the symposium “How Can Decentralised Education Succeed?”, which will be organised by the Staatliche Kunstsammlungen Dresden in 2021.

We look forward to your online participation.

Date: Thursday 26 November and Friday 27 November 2020
Location: The symposium will take place online in German and English.

Programm

Kontakt

Anja Skowronski

Taschenberg 2, 01067 Dresden

outreach@skd.museum


Redaktion
Veröffentlicht am
02.08.2020
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