"Natur und Politik" HannahArendt.net 11/2021

Veranstalter
HannahArendt.net
PLZ
14195
Ort
Berlin
Land
Deutschland
Vom - Bis
23.02.2021 -
Deadline
30.06.2021
Von
Wolfgang Heuer, Politische Wissenschaften, FU Berlin

Mit dieser Schwepunktausgabe von HannahArendt.net machen wir uns auf die Suche nach Elementen eines politischen Denkens, das die Natur nicht als etwas außerhalb des Politischen Stehendes begreift - mit Hannah Arendt und über Hannah Arendt hinaus.

"Natur und Politik" HannahArendt.net 11/2021

Wie menschliche Gesellschaften mit der Natur umgehen, wird in der Gegenwart immer mehr zu einer zentralen politischen Frage. Der menschengemachte Klimawandel, die Zerstörung von Ökosystemen, die unbegrenzte Plünderung der natürlichen Ressourcen - dies alles sind zentrale Themen politischer Aushandlungen und Konflikte der Gegenwart. Dies wirft eine Reihe von Fragen für das politische Denken auf. Natur und Politik sind in der westlichen Ideengeschichte für lange Zeit - wenn auch nicht unbestrittene - Gegensätze gewesen. Heute gilt es, diesen Dualismus zu überwinden und Natur als politischen Begriff zu verstehen. Ansätze dazu finden sich vor allem an den Rändern und jenseits der westlichen Ideengeschichte: in den Kosmologien nicht-westlicher Gesellschaften ebenso wie z.B. bei Alexander von Humboldt.

Mit dieser Ausgabe von HannahArendt.net machen wir uns auf die Suche nach Elementen eines politischen Denkens, das die Natur nicht als etwas außerhalb des Politischen Stehendes begreift - mit Hannah Arendt und über Hannah Arendt hinaus.

In Arendts Werk findet sich kein eindeutiger Naturbegriff. Ihr Verständnis von Natur schillert. Neben einem traditionellen Naturbegriff, der die Natur als physis objektiviert und der menschengemachten Geschichte und Kultur gegenübergestellt ist, finden wir eine Vielzahl von Reflexionen zum Verhältnis von Politik und Natur, Geschichte und Natur zu Identität und menschlicher Bedingtheit, die auf den ersten Blick keinen eindeutig bestimmbaren Naturbegriff erkennen lassen. Für sie bildet die physische Natur zum einen die Grundlage des menschlichen Lebens auf der Erde. Menschen begreift sie als erdgebundene und damit “bedingte” Wesen, die zugleich der Natur “nicht absolut verpflichtet” (Vita activa, 1981, S. 8) sind. Der Raum der Freiheit, den Arendt damit bestimmt, ist jedoch nicht unendlich groß, sondern kann nur existieren, wenn seine von der Natur gesteckten Grenzen respektiert werden. Wie diese wenigen Schlaglichter zeigen, ist der Naturbegriff zentral für Arendts Denken. Zugleich ist er auch einer der schwierigsten und dunkelsten Begriffe in ihrem Werk. Vielfach scheint Arendt dabei die traditionelle Dichotomie von Natur und Kultur zu durchkreuzen und ein Drittes (z.B. Welt, Verstehen, Urteilen) einzuführen.

Gesucht werden Reflexionen, Essays und Übungen im politischen Denken, die im Ausgang von, in Berührung mit oder in einem Spannungsverhältnis zu Arendts Denken einzukreisen versuchen, wie wir Natur politisch denken können. Anknüpfungen etwa an die aktuellen Debatten um das Anthropozän, die Covid-19-Pandemie, gegenwärtige Protestbewegungen oder eine nachhaltige (Umwelt-)politik und ökologische Fragen sind ebenso erwünscht wie das Aufgreifen von theoretischen und philosophischen Positionen, die die traditionellen Entgegensetzungen zwischen Natur und Kultur sowie Materie und Leben thematisieren. Als Leitgedanke für diese Ausgabe von HannahArendt.net dient die Frage: Wie lässt sich eine Natur-Politik denken und formulieren, die einen nicht destruktiven Umgang mit der Natur ermöglicht und zugleich die für den Erhalt einer stabilen und lebenswerten Menschenwelt wichtige Begrenzung des Handelns in die Politik einführt?

Vor der Einreichung von Texten bitten wir um die Zusendung von abstracts mit einer Länge von bis zu 500 Wörtern bis Ende März 2021, der Beiträge dann bis Ende Juni 2021.
Kontakt: wheuer@zedat.fu-berlin.de

Redaktion
Veröffentlicht am
26.02.2021
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