Atmosphären und klimatische Topografien. Luft-Kulturen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Atmosphären und klimatische Topografien. Luft-Kulturen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Veranstalter
Dr. Falko Schnicke (JKU), Assoz. Univ.-Prof. Mag. Dr. Regina Thumser-Wöhs (JKU)
Veranstaltungsort
Johannes Kepler Universität Linz - über Zoom
PLZ
4040
Ort
Linz
Land
Austria
Vom - Bis
09.12.2021 - 10.12.2021
Deadline
15.07.2021
Von
Falko Schnicke, Institut für Neuere Geschichte und Zeitgeschichte, Johannes Kepler Universität Linz

Die Tagung untersucht Luft- und Klima-Diskurse des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, um Kulturen des Atmosphärischen neu fassen zu können. Dabei sollen bewusst Grenzen bestehender Subdisziplinen überschritten werden, um sie in einen Dialog zu bringen und die Luft-Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus sich ergänzenden Blickwinkeln zu thematisieren.

Atmosphären und klimatische Topografien. Luft-Kulturen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts

Die Bestimmtheit von Luft wurde seit dem späten 18. Jahrhundert neu definiert. Die Warnung vor der Gefahr der Bergluft für den Menschen (sich zwischen den Bergen stauende, schädliche Luft, platzende Adern) wurde von der Kur in gesunder, frischer Luft abgelöst. Für verschiedene Arbeitswelten wurde die Beeinträchtigung durch Staub diskutiert (beispielsweise in Archiven, Bergwerken und städtischen Wäschereien). Ganze Regionen erhielten damit eine neue Zuschreibung und Wertigkeit. Zu historisieren sind des Weiteren sensorische Wahrnehmungen von Luft durch die Sinne, etwa der Geruchs-/Geschmackssinn, (Duft versus Gestank etc.), der Tastsinn und die Soundscapes (Wohlklang/Schall versus Lärm).

Auch das Klima und der Klimawandel in Folge des Endes der sogenannten Kleinen Eiszeit (ca. 1300–1850) wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert wesentlich an Luftschichten festgemacht. Klima wurde denn als „Luftbeschaffenheit“ übersetzt. Beobachtet wurden verschiedene Winde und Luftzirkulationen. Sie wurden nach ihren interregionalen Verbindungen befragt, um den globalen Zusammenhang und den Systemcharakter dieser Luftströmungen zu klären. Zu verweisen ist beispielsweise auf die weltweiten klimatischen Einflüsse durch den Ausbruch des Vulkans Tambora auf Sumbawa im Jahr 1815. Zudem wurden die Auswirkungen auf den Menschen diskutiert und seine Abhängigkeit von der Natur vermessen. Dabei greifen klimatologische, geografische, technische, medizinische, koloniale und rassistische Diskurse ineinander, wenn zum Beispiel über die luftbedingte Krankheitsanfälligkeit der indigenen Bevölkerung Amerikas im Gegensatz zur weißen Bevölkerung Europas diskutiert wird. Dieser Unterschied ist oft Ausgangspunkt nicht Ergebnis der Texte, die sich damit befassen.

Die Tagung untersucht Luft- und Klima-Diskurse des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, um Kulturen des Atmosphärischen neu fassen zu können. Dabei sollen bewusst Grenzen bestehender Subdisziplinen (wie der Umwelt-, Sozial-, Wirtschafts-, Klima-, Geschlechter-, Körper-, Medizin-, Wissens- und Kulturgeschichte, der Animal Studies sowie der Sensory und Sound Studies) überschritten werden, um sie in einen Dialog zu bringen und die Luft-Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aus sich ergänzenden Blickwinkeln zu thematisieren.

Mögliche Themenbereiche und Fragen sind:
- Welcher Wandel lässt sich in der Diskussion von Luft/Atmosphäre beobachten?
- In welchen Kontexten werden Luft und Klima/„Luftbeschaffenheit“ diskutiert und dokumentiert (Industrialisierung, Kolonialismus, Medizin- und Kulturtechniken etc.)? Welche Rolle spielte Luft z.B. für die Genesung?
- Wer sind die ‚Luftakteur:innen‘? Wer nimmt Luft wahr, zeichnet sie auf, dokumentiert den Wandel?
- Wie wird der Einfluss des Klimas/des Klimawandels auf die Gesundheit unterschiedlicher sozial differenzierter Bevölkerungsgruppen regional/global diskutiert?
- Was gilt als „gute“ , was als „schlechte“ Luft (Wolken, Sturm, Rauch, Gestank etc.)? Welche sich wandelnde Zuschreibungen gab es und wodurch waren sie geprägt?
- Welche Zäsuren sind im Bewusstsein um die Verschmutzung von Luft auszumachen (Lärm, Staub, Schmutz)?
- Welche Eingriffe wurden erwogen, um die Luftqualität zu beeinflussen? Welche Agency wird dem Menschen über die Natur dabei zugeschrieben – oder abgesprochen?
- Wie wurde Luft mittels der Sinne wahrgenommen, über Augen, Ohren, Mund und Haut?
- Wie prägte Luft die Soundscapes/Schall-/Klangwelten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts?

Ort des Workshops: Johannes Kepler Universität Linz - über Zoom
Zeitraum: 09.-10.12.2021
Organisation: Dr. Falko Schnicke (JKU), Assoz. Univ.-Prof. Mag. Dr. Regina Thumser-Wöhs (JKU)

Bitte senden Sie Vorschläge für Einzelvorträge mit Abstracts von maximal 350 Wörtern und einen kurzen CV (halbe Seite) bis zum 15.07.2021 per E-Mail an falko.schnicke@jku.at UND regina.thumser-woehs@jku.at. Bitte geben Sie als Teil Ihres Abstracts an, auf welcher Quellenbasis Sie Ihr Argument aufbauen werden.

Eine Zu- oder Absage erfolgt bis 31.07.2021, die Aussendung des vorläufigen Tagungsprogramms bis Mitte September 2021.

Kontakt

falko.schnicke@jku.at; regina.thumser-woehs@jku.at

Redaktion
Veröffentlicht am
02.06.2021
Beiträger
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