Repräsentationen der Arbeit. Neue Perspektiven auf die Gewerkschaftsgeschichte IV

Ort
Düsseldorf
Veranstaltungsort
Hans-Böckler-Stiftung, Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf
Veranstalter
Kooperationsprojekt „Jüngere und jüngste Gewerkschaftsgeschichte“ des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung
Datum
07.11.2013 - 08.11.2013
Bewerbungsschluss
15.06.2013
Von
Dr. Johannes Platz

Den zentralen Gegenstand der Tagung bilden die unterschiedlichen, mit dem Konzept „Arbeit“ verknüpften Repräsentationsformen und -modi. Dazu zählen auch die Repräsentanten von Arbeit wie Gewerkschaften, Betriebsräte oder Arbeitende im politischen Raum. Zu berücksichtigen sind vor allem aber die Vorstellungen von (industriellen) Arbeitswelten sowie Bilder von Arbeit in den darstellenden Künsten (Museen, Architektur, Malerei, Film, Literatur und Musik) sowie in der Wissenschaft. Ein übergeordnetes Untersuchungsziel der Tagung bildet die Frage, wie das Bild der Arbeit in andere Bedeutungssysteme – zum Beispiel der Politik, der Kultur und der Wissenschaft – übersetzt wurde und wird.

Der Begriff der Repräsentation soll im Rahmen dieser Tagung in einem Doppelsinn gefasst werden. Die Tagung fragt sowohl nach Phänomenen der politischen Repräsentation von Arbeit, als auch nach ästhetischen medialen Repräsentationen und symbolischen Formen der Repräsentation in Bildern, Filmen, Denkmälern, Museen usw., die unser Bild von Arbeit, vom Konflikt zwischen Kapital und Arbeit und von gewerkschaftlicher Interessenvertretung im sozialen, politischen und kulturellen Raum geprägt haben.

Es ist beabsichtigt, in den einzelnen Panels Beiträge zur politisch-gewerkschaftlichen Repräsentation der Arbeit mit solchen zu ihrer symbolischen Repräsentationen zu koppeln, um so unterschiedliche Disziplinen und Felder der Geschichtswissenschaften miteinander in Dialog zu bringen.

Dabei sollen in erster Linie neben den Funktionsweisen und Intentionen der (gewerkschafts)politischen Repräsentation von Arbeit auch ihre Wirkungen in den Blick genommen werden. Zweitens wird auch nach den spezifischen kulturellen Codes der Darstellung von Gegensätzen zwischen Kapital und Arbeit, von Solidarität und „Entfremdung“ im Arbeitsleben gefragt werden. Drittens schließlich interessieren die Semantiken, Diskurse und Doxa, die durch die wissenschaftliche Beschäftigung mit Arbeit (vom Scientific Management über die Betriebspsychologie bis zur Industriesoziologie) bzw. in popularisierten Wissensformen in ihrer politisch-gesellschaftlichen Repräsentation geprägt sind.

Mögliche Themenfelder:

Gewerkschaftliche Aktion und Akteure im Bild – Streiks und die Repräsentation der Arbeiter

Erinnerungsorte der Arbeit – etwa der 1. Mai, der Acht-Stundentag, das Gewerkschaftshaus, die Einheitsgewerkschaft, der Betriebsrat

Semantiken der Heroisierung von Arbeit im Stalinismus, Bilder des Arbeiters im Nationalso-zialismus und Vergleiche zu Bildern der Arbeit in demokratisch verfassten Gesellschaften

Geschichtspolitiken der Arbeit – Musealisierung der Arbeit, etwa in Technikmuseen, Indust-riedenkmälern, Denkmälern der Arbeit und der Arbeitenden sowie in wissenschaftlichen Institutionen

Arbeit im Fordismus – „entfremdete“ Arbeit, Rationalisierung und Fließarbeit als Sujet der Darstellung von Arbeit

Der Wandel von Arbeit – Digitalisierung/Computerisierung der Arbeit, die biotechnische Revolution und der Strukturwandel der Arbeit und der Arbeitwelt

Geschlechterbilder der Arbeit – weibliche und männliche Codierungen der Arbeit, Körpergeschichte der Arbeit

Die Repräsentation von Nicht-Arbeit – Arbeitslosigkeit, Arbeitsverweigerung und utopische Entwürfe der Reduzierung gesellschaftlicher Arbeit

Die Arbeitenden als Gegenstand des Dokumentarischen – Industriefotografie, -film und -reportage

Die Arbeitenden als Künstler und Gegenstand der Kunst – Arbeiterfotografie, Arbeiterliteratur, Arbeiterfilm und Arbeitergemälde, Karikaturen, Plakatkunst u. ä.

Diskurse der Arbeit – wissenschaftliche Repräsentationen von Arbeit und den Arbeitenden in den Humanwissenschaften

Wir bitten um Exposés zu Untersuchungen aus dem deutschen und europäischen Raum, einschließlich Osteuropa; globalgeschichtlich erweiterte Papers sind ebenfalls willkommen. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich auf das 19. und 20. Jahrhundert, mithin den Zeit-raum vom Beginn der industriellen Revolution bis zum Zeitraum „nach dem Strukturbruch“ als unmittelbarer Vorgeschichte der Problemlagen der Gegenwart. Konzeptionell und methodisch sollen die Papers der neueren Kulturgeschichte gegenüber aufgeschlossen sein und/oder Themen der Gewerkschaftsgeschichte/Geschichte der (industriellen) Arbeitswelten aufgreifen. Besonders begrüßt werden dabei Arbeiten, die Perspektiven und Ansätze aus den Gender Studies einbeziehen. Grundsätzlich gefragt sind quellengestützte Arbeiten, die sich auch mit interdisziplinären Ansätzen und Forschungsfragen befassen, einzelne Problemstudien ebenso wie vergleichende Arbeiten. Eine Veröffentlichung der Tagungsergebnisse ist geplant.

Wir bitten um Exposés einer Länge von 3000 Zeichen, die bis zum 15. Juni 2013 an die Ad-resse des Projekts „Jüngere und jüngste Gewerkschaftsgeschichte“ eingesandt werden sollen (bevorzugt per E-Mail).

Zum Projekt „Jüngere und jüngste Gewerkschaftsgeschichte

Das Projekt ist ein Netzwerkprojekt der Hans-Böckler-Stiftung und des Archivs der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, das im August 2008 eingerichtet wurde, um die his-torische und politikwissenschaftliche Forschung zu gewerkschaftlichen Themen an universi-tären und anderen interessierten Forschungs- und Bildungseinrichtungen anzuregen, einschlägige Projekte bzw. Publikationen organisatorisch und inhaltlich zu unterstützen, ein Ex-pertennetzwerk zu initiieren und Veranstaltungen sowie Fachtagungen zur historischen Gewerkschaftsforschung zu organisieren, die die Kommunikationsstrukturen und den Austausch zwischen Forscherinnen und Forschern vertiefen und schließlich interessierte ge-werkschaftliche Institutionen über aktuelle historische und politikwissenschaftliche Diskurse der Gewerkschaftsforschung zu informieren. Seitens der Friedrich-Ebert-Stiftung ist der zuständige Referent Dr. Johannes Platz, in der Hans-Böckler-Stiftung wird das zuständige Referat der Forschungsförderung von Dr. Michaela Kuhnhenne betreut.

Organisationsteam der Tagung:

Dr. Knud Andresen (Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg), Dr. Michaela Kuhnhenne (Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf), Prof. Dr. Jürgen Mittag (Deutsche Sporthochschule Köln), Dr. Stefan Müller (Universität Duisburg-Essen), Dr. Johannes Platz (Archiv der sozialen Demokratie, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn)

Kontakt

Friedrich-Ebert-Stiftung
Archiv der sozialen Demokratie
Referat „Public History“
Projekt „Jüngere und jüngste Gewerkschaftsgeschichte“
Dr. Johannes Platz
Godesberger Allee 149
53175 Bonn
Tel. 0228/883-8072
Fax 0228/883-9204
E-Mail: Johannes.Platz@fes.de

Zitation
Repräsentationen der Arbeit. Neue Perspektiven auf die Gewerkschaftsgeschichte IV, 07.11.2013 – 08.11.2013 Düsseldorf, in: H-Soz-Kult, 21.04.2013, <www.hsozkult.de/event/id/termine-21703>.