Szenenwechsel: Zur Konstruktion von Normalität und Abweichung im deutschsprachigen Spielfilm

Ort
Groningen
Veranstaltungsort
Rijksuniversiteit Groningen
Veranstalter
Dr. Lars Koch, Prof. Dr. Wara Wende
Datum
24.09.2008 - 26.09.2008
Bewerbungsschluss
01.01.2008
Von
Dr. Lars Koch

Szenenwechsel:
Zur Konstruktion von Normalität und Abweichung im deutschsprachigen Spielfilm

Gesellschaftliche Transformationsprozesse können in der beobachtenden Kommentierung als Fortschritt, Modernisierung und Aufstieg, aber auch als Niedergang, Degeneration und Desaster gedeutet werden. Im Hinblick auf die Interpretationsgeschichte des 20. Jahrhunderts stehen Modelle des kontinuierlichen Wandels und der erneuernden Veränderung neben solchen der Eskalation und der Krise. In diesem Sinne etwa hat Giorgio Agamben den Ausnahmezustand als topologischen Prozess definiert, in dem »nicht nur Ausnahme und Regel, sondern auch Naturzustand und Recht, das Draußen und das Drinnen ineinander übergehen«. Die Abweichung von dem zu einem bestimmten Zeitpunkt als normal und vernünftig Empfundenen stellt die Konstruktion eingeführter Gewohnheiten und vertrauter Ordnungen in Frage, Veränderungen entwickeln ein gleichermaßen innovatives wie destruktives Potenzial. So verstanden sind Ausnahmezustände – die Dekonstruktion von anerkannter Normalität – Momente großer gesellschaftlicher Intensität, die der kollektiven Kommentierung und der erinnerungskulturellen Einordnung bedürfen.
Das Medium Spielfilm – das man mit einigem Recht als das Leitmedium des 20. Jahrhunderts begreifen kann – hat sich über die letzten rund 100 Jahre hinweg immer wieder als Seismograph, Katalysator und Reflexionsmedium von als krisenhaft erlebten Ausnahmezuständen und Zuspitzungen erwiesen. Als Massenmedium nimmt es dabei eine Mittlerfunktion zwischen gesellschaftlichen Ereignissen einerseits und ihren symbolischen Ausdeutungen anderseits war, so dass seine Analyse im Sinne Michel Foucaults auch als Sichtbarmachung der »Positivität des Diskurses« verstanden werden kann.

Der interdisziplinäre workshop "Szenenwechsel" will sich vor diesem Hintergrund in exemplarischer Weise auf Ausnahmezustände und Zuspitzungen der deutschen Geschichte fokussieren. Von Interesse sind Referate zur zeitnahen wie retrospektiven filmischen Konstruktion von Normalität und Abweichung, wobei es sowohl um kollektive wie um individuelle Reaktionen auf die Abweichung von dem als „normal“ Empfundenen gehen soll. Im Einzelnen sind Vorträge zu folgenden Themenfeldern vorstellbar:

1. Theoretische Hintergründe:
a.) Analysen zur Funktion des Spielfilms mit Blick auf die Interpretationsgeschichte gesellschaftlicher Wandlungsprozesse.
b.) Darstellung der spezifischen Gestaltungsmöglichkeiten des Films, die sich zur Inszenie-rung von als krisenhaft empfundenen Ereignissen besonders anbieten.
c.) Charakterisierungen von bestimmten Topologien und rhetorischen Figuren der Abweichung und des Normalen

2. Historische Perspektiven:
- Weimarer Kino
- Drittes Reich
- Nachkriegsfilm
- Neuer deutscher Film
- Postmoderner Film
- Film heute

3. Einzelfallstudien
a.) zu einzelnen Themenfeldern (z.B. Nationalsozialismus, Wiederaufbau und Wirtschaftwunder, Heimat, Migration, Terrorismus, Heimat)
b.) zu einzelnen Regisseuren (z.B. Fritz Lang, G.W. Pabst, Friedrich Wilhelm Murnau, Rainer Werner Fassbinder, Edgar Reitz, Werner Herzog, Volker Schlöndorff, Wolfgang Petersen etc.)
c.) zu einzelnen Genres
Kriminalfilm, Melodram, Kriegsfilm, Horror, Politfilm, Komödie etc.

Der workshop "Szenenwechsel" findet vom 24.-26. September 2008 an der Rijksuniversiteit Groningen statt. Vorgesehen sind Präsentationen von 25-30 Minuten Länge. Ein Tagungsband ist geplant.

Vortragsskizzen von circa einer Seite sind bis zum 01. Januar 2008 zu schicken an die beiden Organisatoren: Dr. Lars Koch: dr.lars.koch@web.de und Prof. Dr. Waltraud >Wara< Wende: wara.wende@uni-wh.de

Kontakt

Lars Koch

Universiteit Groningen

dr.lars.koch@web.de

Zitation
Szenenwechsel: Zur Konstruktion von Normalität und Abweichung im deutschsprachigen Spielfilm, 24.09.2008 – 26.09.2008 Groningen, in: H-Soz-Kult, 11.09.2007, <www.hsozkult.de/event/id/termine-7855>.
Redaktion
Veröffentlicht am
11.09.2007
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