Recherche nach NS-Raub- und Beutebüchern im Bestand der Göttinger Universitätsbibliothek

Recherche nach NS-Raub- und Beutebüchern im Bestand der Göttinger Universitätsbibliothek

Projektträger
Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Ort des Projektträgers
Göttingen
Land
Deutschland
Vom - Bis
01.06.2009 - 31.05.2010
Von
Dr. Wilfried Enderle

Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen beschäftigt sich seit dem 1. September 2008 mit der systematischen Ermittlung von NS-Raub- und Beutegut in ihren Beständen. Im Rahmen eines Vorprojekts, das durch das Präsidium der Universität Göttingen sowie aus Eigenmitteln der Bibliothek finanziert wurde, konnte eine erste Bestandsaufnahme der Buchbestände vorgenommen werden. Dabei wurden sämtliche 100.000 Eintragungen in den Zugangsbüchern von 1933 bis 1950 geprüft, um den Umfang verdächtiger Erwerbungen festzustellen. Aufbauend auf diese ersten Ergebnisse wurde ein detailliertes Projektkonzept erarbeitet. Unter dem Titel „Ermittlung und Restitution von NS-Raubgut der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen“ wird seit dem 1. Juni 2009 vom Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) ein Projekt über einen Zeitraum von einem Jahr mit Mitteln aus dem Haushalt des Kulturstaatsministeriums gefördert. Das Projekt, an dem Wissenschaftler und Bibliothekare der SUB beteiligt sind, kooperiert mit einem parallel laufenden Forschungsprojekt des Seminars für Deutsche Philologie, in dem mehrere tausend Erwerbungen für die germanistische Seminarbibliothek während des Dritten Reiches geprüft werden.

Nach den bisherigen Untersuchungen ist davon auszugehen, dass die Bibliothek in der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig Bücher in ihre Bestände aufnahm, die zuvor von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden waren. Mittlerweile sind im Rahmen des Projektes an der SUB Göttingen rund 7.000 Werke als eventuelle Raub- oder Beutebücher in einer Datenbank erfasst worden. Sie werden derzeit auf mögliche Provenienzeinträge hin untersucht. Begleitend werden in verschiedenen Archiven genauere Informationen über die jeweilige Art und die Umstände der Erwerbung gesucht. Ziel des Projektes ist neben der Ermittlung von Raub- und Beutegut auch die Vorbereitung und Durchführung einer Restitution der unrechtmäßig erworbenen Bücher an ihre ursprünglichen Eigentümer bzw. deren Rechtsnachfolger. Zusätzlich sollen bei allen unrechtmäßig erworbenen Büchern im Bibliothekskatalog Hinweise auf die Umstände der Erwerbung und ggf. vorhandene Provenienzeinträge gegeben werden. Informationen über die Ziele des Projektes, aktuelle Ergebnisse und die bereits als Raub- und Beutegut ermittelten Bücher werden auch, sowie gesicherte Ergebnisse vorliegen, über die Website des Projektes (http://www.sub.uni-goettingen.de/ebene_1/1_geschichte_raubgut.htm.de) öffentlich zugänglich gemacht. Daneben werden kontinuierlich die neuesten Forschungsergebnisse in Vorträgen und begleitenden Publikationen vorgestellt. Generell dient das Forschungsprojekt als Grundlage für eine weiterführende wissenschaftliche Beschäftigung mit der Geschichte der Universitätsbibliothek und ihrer Erwerbungspolitik in der Zeit des Dritten Reiches.

Redaktion
Veröffentlicht am
15.09.2009
Klassifikation
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