J. Gill: Napoleon and His German Allies in the 1809 Campaign

Cover
Titel
With Eagles to Glory. Napoleon and His German Allies in the 1809 Campaign


Autor(en)
Gill, John H.
Erschienen
Barnsley 2011: frontline books
Anzahl Seiten
539 S.
Preis
£ 29,99
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Alexander Querengässer, Leipzig

John H. Gill ist einer der bedeutendsten Experten zum Feldzug Napoleons im Jahr 1809. In den letzten vier Jahren erschien sein dreibändiges Werk „Thunder over the Danube“, welches wohl als die umfangreichste neuere Aufarbeitung eines napoleonischen Feldzuges einzuschätzen ist.

Es lag daher für Autor und Verlag nahe, Gills bereits 20 Jahre altes Buch „With eagles to Glory“ noch einmal gründlich zu überarbeiten und es seiner neuen Feldzugsgeschichte hinzuzufügen. In der deutschen Militärgeschichte haben selbst Einzeldarstellungen von Rheinbundkontingenten in den letzten 50 Jahren sehr wenig Platz gefunden, und Gill bemängelt einleitend, dass der Beitrag deutscher Divisionen für Napoleons Feldzüge von westlichen Autoren nur zu gern übersehen wird. Er konzentriert sich in seinem Buch auf den Feldzug von 1809, da dieser ein Wendepunkt in Napoleons militärischer Karriere darstellt (bei Aspern-Essling wurde er das erste Mal geschlagen) und da die deutschen Kontingente erstmals das Schwergewicht der kaiserlichen Armee bildeten. Gill klassifiziert seine Arbeit selbst als rein operationsgeschichtliche Darstellung der einzelnen Armeen, ohne größeren Fokus auf Uniformkunde und Darstellung der jeweiligen Ausrüstung.

Das Buch ist in zwei Teile untergliedert. Der erste nimmt den Titel von Gills späterer Trilogie „Thunder over the Danube“ vorweg und beginnt mit einer Überblicksdarstellung des Krieges 1809, wobei sich der Autor nicht einseitig auf die Ereignisse im Donautal bis zur Schlacht bei Znaim konzentriert, sondern auch die Kämpfe in Dalmatien, Italien, Polen, Sachsen, sowie die Aufstände in Tirol, Westfalen und den Streifzug Schills knapp skizziert, sodass der Leser einen hervorragenden Überblick über diese komplexen Ereignisse erhält.

Im Anschluss gibt Gill detaillierte Feldzugberichte der einzelnen Kontingente. Er beginnt mit der hervorragend organisierten und effektiv geführten Bayerischen Armee, dem größten Rheinbundkontingent. Dann folgen die Württemberger, die von Napoleon und auch ihren französischen Kommandeuren als tapfere, den Franzosen gleichwertige Soldaten anerkannt wurden. Die badische Brigade war nach ihrem schlechten Abschneiden in den Feldzügen 1805 und 1806/07 eben erst reorganisiert und bereits 1803 von knapp 2.000 auf über 8.000 Soldaten verstärkt worden. Auch sie erlangte das Vertrauen des Kaisers. Hessen stellte trotz des Umstandes, dass es bereits ein Regiment nach Spanien geschickt hatte, fast die doppelte Anzahl der geforderten Soldaten. Obwohl die Infanterie nicht nach dem neuesten Stand organisiert war, zeichnete sie sich in allen Gefechten und Schlachten aus. Die sächsische Armee war im Gegensatz zu den bisher aufgezählten Truppenteilen noch ganz im friderizianischen Jahrhundert verhaftet. Zwar galt die Kavallerie, deren Taktik sich während der Napoleonischen Zeit nicht grundlegend geändert hatte, als eine der besten der Welt. Aber die Infanterie war auf dem Marsch zu langsam und im Gefecht zu starr. In Kombination mit dem sächsischen Korpskommandeur, dem zaudernden Marschall Bernadotte, führte dies trotz der Tapferkeit der sächsischen Soldaten zu einer irreparablen Rufschädigung dieser Armee.

Dem Kapitel über die sächsische Armee mangelt es im Aufbau an Stringenz. Zwar beschreibt Gill auch die Kampfhandlungen der sächsischen Kontingente im Herzogtum Warschau, doch er übergeht, im Gegensatz zu den Schilderungen der Bayern, Württemberger und Badener, die Verteidigung des Mutterlandes, welche er erst in einem späteren Kapitel wieder aufgreift.

Im zweiten Abschnitt seines Buches geht Gill auf die Nebenkriegsschauplätze ein. Er beginnt mit einem ausführlichen Kapitel über die Kämpfe in Tirol. Es wäre sinnvoller gewesen, die Abschnitte über Vorstöße der Tiroler nach Bayern und Württemberg diesem Kapitel voranzustellen, statt sie, aus dem Zusammenhang gerissen, in die Darstellung der jeweiligen Heere einzufügen. Es folgt ein Kapitel, welches sich mit Struktur, Organisation und Einsätzen jener Kontingente aus den Kleinfürstentümern des Rheinbunds beschäftigt, welche im 1. bis 7. Rheinbundregiment zusammengefasst waren und von denen viele bereits Truppen nach Spanien entsandt hatten. Hier zeigt sich die detailsichere Tiefgründigkeit von Gills Recherche. Das Kapitel über die westfälische Armee offenbart hingegen wieder die strukturellen Probleme, denn es bietet eine Schilderung aller Kämpfe in Zentral- und Norddeutschland. Neben dem Dörnberg-Aufstand in Westfalen werden die Streifzüge Schills und des Schwarzen Korps geschildert. Er beschäftigt sich aber auch in mehreren Abschnitten mit der Verteidigung Sachsens. Das letzte Kapitel fasst die Leistungen der kleinen Fürstentümer zusammen, deren Heere nur begrenzt am Feldzug von 1809 beteiligt waren: das Großherzogtum Berg, welches bereits beträchtliche Truppen nach Spanien entsendet hatte, Frankfurt, die mecklenburgischen Staaten, die jedoch in Kämpfe mit Schill verwickelt waren, das Herzogtum Oldenburg und die Hansestädte.

Gill schließt sein Buch mit einer vergleichenden Einschätzung der Qualität aller Rheinbundtruppen. Es folgt ein umfangreicher Anhang mit Statistiken, ein Glossar, welches vor allem den englischen Lesern deutsche Begriffe erklären soll, sowie ein Anmerkungsapparat mit Verbesserungen für die zweite Auflage. Warum diese nicht direkt in den ohnehin überarbeiteten Text eingeflossen sind, bleibt unverständlich.

Gills Buch ist alles in allem hervorragend recherchiert, leidet aber an einigen schwer lösbaren strukturellen Problemen. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Schilderung der inneren Zustände der Rheinbundstaaten. Dann skizziert der Autor die Verhältnisse in den jeweiligen Armeen, mögliche Reformen, Struktur, taktische Schulung und Uniformierung, ehe er zur Feldzugsgeschichte übergeht. Dieser Aufbau funktioniert für jedes Kapitel einzeln betrachtet sehr gut. Kapitelübergreifend kommt es jedoch im Lauf des Lesens immer wieder zu einer Art Dejavu-Erlebnis. Weil oftmals verschiedene Rheinbundarmeen Schulter an Schulter in bestimmten Schlachten gekämpft haben (zum Beispiel Bayern und Württemberger bei Abensberg, 20. April, Württemberger und Sachsen bei Linz, 17. Mai), wiederholen sich in den einzelnen Berichten die Beschreibungen, was das Lesevergnügen schmälert. Auch der Umstand, dass die Verteidigung der jeweiligen Mutterländer bei Bayern und Württemberg direkt in die entsprechenden Kapitel eingeflochten wurde, im sächsischen Fall aber mit dem westfälischen verflochten wurde, ist wenig stringent. Es hätte sich eventuell angeboten, die Kämpfe in Deutschland in eigenen Kapiteln zu schildern.

Gills Arbeit stützt sich auf tiefschürfende Literaturrecherchen. Sein Verzeichnis bietet eine nahezu vollständige Bibliographie der Feldzugs- und Regimentsgeschichten, sowie etlicher Selbstzeugnisse. Als solche ist sie jedem, der zur Geschichte eines Rheinbundkontingents forscht, zu empfehlen. Nicht aufgelistet sind dagegen Archivdokumente. Gill erwähnt zwar im Fußnotenapparat immer wieder, dass er in Archiven recherchiert hat, welche Quellen hier ausgewertet wurden, geht aus dem Verzeichnis jedoch nicht hervor, weswegen zu vermuten ist, dass er sich überwiegend auf die Historiografie des 19. Jahrhunderts stützt. Hervorzuheben sind auch die vielen detailreich und übersichtlich gestalteten Karten des Buches, heutzutage leider längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

„With Eagles to Glory“ füllt eine Lücke in der Napoleonischen Militärgeschichte. Es wäre wünschenswert, wenn auch die deutsche Forschung sich jenseits der preußischen und österreichischen Armeen mehr mit dem „dritten Deutschland“ auseinandersetzen würde.

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Veröffentlicht am
17.04.2012
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