Planungsgeschichte zwischen „rechten Räumen“ und „Social Engineering“

Hein, Carola (Hrsg.): The Routledge Handbook of Planning History. . London  2018. ISBN 978-1-138-85698-1

Christian, Michel; Kott, Sandrine; Matějka, Ondřej (Hrsg.): Planning in Cold War Europe. Competition, Cooperation, Circulations 1950s–1970s. Berlin  2018. ISBN 978-3-11-052656-1

Fischer, Karl Friedhelm; Altrock, Uwe (Hrsg.): Windows Upon Planning History London  2018. ISBN 978-1-4724-6956-4

Rezensiert für H-Soz-Kult von
Christoph Bernhardt, Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, Erkner

Gegenstand und Begriff der „Planungsgeschichte“ haben in den Sozial-, Kultur- und Raumwissenschaften seit etlichen Jahren eine bemerkenswerte Konjunktur erfahren. „Planung“ gilt als eine der Signaturen des 20. Jahrhunderts, als „Vorgriff auf die Zukunft“ (Dirk van Laak), Kernstrategie einer „Ordnung der Moderne“ (Thomas Etzemüller), des „Ordnens von Räumen“ (Ulrike Jureit), der Gesellschaftssteuerung in der Bundesrepublik und der DDR nach 1945 (Elke Seefried / Dierk Hoffmann) sowie als „rationales Streben zur Verbesserung städtischer Räume“ vermittels der Stadtplanung (Carola Hein).[1] Doch driften Grundverständnis, Untersuchungsansätze und -gegenstände der verschiedenen in diesem Feld aktiven Disziplinen derart weit auseinander, dass der Begriff zuweilen nur als ein schillerndes, fast beliebig ausdeutbares Label erscheint. Zumindest finden sich unter ihm sehr heterogene, teilweise gegensätzliche oder sich wechselseitig ignorierende Forschungsansätze.

Ein grelles Licht auf einige Ungereimtheiten in diesem Feld wirft derzeit eine heftige Debatte um „rechte Räume“, in der sich zwei architekturpolitische Lager planungsgeschichtlicher Referenzbeispiele und Argumente bedienen. Angestoßen von einer Gruppe um den Stuttgarter Architekturprofessor Stephan Trüby und die Zeitschrift ARCH+[2] werden hier ernstzunehmende Warnungen vor revisionistischen Tendenzen in der Architekturgeschichtsschreibung und vor einer Instrumentalisierung traditionalistischer Konzepte des Städtebaus durch rechtsextreme Strategen vermischt mit argumentfreien Attacken auf die als Leitbild und Forschungsgegenstand breit diskutierte „europäische Stadt“, bis hin zu persönlichen Angriffen auf weithin anerkannte Städtebauhistoriker.[3] Der erhitzte Streit für oder gegen bauliche Rekonstruktionen, wie etwa jüngst der Frankfurter Altstadt, zeigt die starke normative Aufladung und architekturpolitische Instrumentalisierung dieser Art von Planungsgeschichte. Ob der von den Protagonisten formulierte Anspruch einer seriösen wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem zweifellos überaus wichtigen Forschungsthema der „rechten Räume“ sich auf diese Weise wird einlösen lassen, muss sich erst noch erweisen und erscheint derzeit zumindest zweifelhaft.[4]

Einen Gegenentwurf zu solchen in die Tagespolitik reichenden Kontroversen über planungsgeschichtliche Fragen an der Grenze zwischen publizistischer Polemik und universitärer Forschung bilden geschichtswissenschaftliche Studien zur planerischen Gesellschaftssteuerung im mittleren Drittel des 20. Jahrhunderts. Im Zentrum des ertragreichen Sammelbandes „Planning in Cold War Europe“ von Michel Christian, Sandrine Kott und Ondřej Matějka stehen die Gemeinsamkeiten und Austauschbeziehungen in der Gesellschaftsplanung über den „Eisernen Vorhang“ hinweg sowie die Zusammenarbeit von Experten aus sozialistischen und westlichen Ländern in internationalen Organisationen. Der Band geht auf eine Konferenz des von Sandrine Kott geleiteten Genfer Forschungsprojekts „Competing Modernities, Shared Modernities. Europe between East and West“ gemeinsam mit Kolleg/innen an der Universität Prag zurück. Er relativiert erfolgreich – in den Worten der Herausgeber – das „master narrative of the clash between two super powers“ (S. 16) zugunsten eines multipolaren Bildes vielfältiger Vermittlungsinstanzen und Formen der Zusammenarbeit bzw. des Transfers.

Die Beiträge konzentrieren sich weitestgehend auf die politische Steuerung der Wirtschaftsplanung und des „Social Engineering“. Nur im Einzelfall greifen sie auch auf andere Felder der Planung aus. Dies gilt etwa für Michael Hutters instruktiven Beitrag über frühe Anläufe zu einer transnationalen, computergestützten Umweltforschung und -planung am Beispiel des von zahlreichen sozialistischen und westlichen Regierungen getragenen „International Institute for Applied Systems Analysis“ (IIASA) bei Wien (1972–1980). Daneben tragen auch Aufsätze von Ondřej Matějka zum Dialog der 1960er-Jahre zwischen tschechischen Kirchenvertretern, KP-Mitgliedern und Wissenschaftlern über Religionspolitik und Glaubensfragen als Spielart des „Social Engineering“ oder von Benedetto Zaccaria zur Rezeption des jugoslawischen Modells der „Selbstverwaltung“ unter westeuropäischen Sozialisten (1968–1975) dazu bei, dass ein ausgesprochen differenziertes Bild von der Dichte und Vielfalt an Austauschbeziehungen zwischen Ost und West entsteht. Dies gilt umso mehr für die Beiträge zu scheinbaren „Randstaaten“ wie Finnland (Sari Autio-Sarasmo) und Österreich (Katja Naumann), die faktisch als Vermittler oder Drehscheiben der Ost-West-Kooperation fungierten.

Die beiden zentralen inhaltlichen Schwerpunkte, denen jeweils mehrere Beiträge gelten, bilden Management-Praktiken und deren Vermittlung zwischen West und Ost sowie das inzwischen schon fast klassisch gewordene Feld der Geschichte internationaler Organisationen. Sandrine Kotts Beitrag verbindet diese Aspekte für die Phase von 1950 bis 1980 am Beispiel von Projekten der International Labour Organisation (ILO) im Rahmen entwicklungspolitischer Programme der UNO (UNDP), die in Form von Fellowships, Seminaren und der Gründung von Forschungs- und Bildungs-Zentren in Polen und anderen sozialistischen Ländern durchgeführt wurden. Weitere Aufsätze zu diesem Themenbereich erhellen die Politik der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD, Michel Christian) sowie der OECD (Jenny Anderson) in den 1970er-Jahren.

Die Stärke des Bandes und der bemerkenswerte Ertrag, den er für ein differenziertes Verständnis der Ost-West-Beziehungen auf dem Feld der Planung bringt, vermag allerdings zwei Schwachpunkte nicht zu überdecken: Zum einen wird der Planungsbegriff vielfach recht diffus verwandt, zudem faktisch weitgehend begrenzt auf die Wirtschaftspolitik und das „Social Engineering“, und bleibt somit hinter den differenzierteren Konzepten etwa bei van Laak oder Seefried und Hoffmann deutlich zurück. Zuweilen erscheint „Planung“ nur als Klammerbegriff für die Analyse verschiedenster transnationaler Austauschprozesse und Initiativen im Dienste der Gesellschaftssteuerung, insbesondere von deren Trägern und Kommunikationskanälen. Konkrete Planungsprogramme und -projekte treten demgegenüber eher in den Hintergrund. Zweitens bleiben die Konzepte der Herausgeber zu den „Spaces of Planning“ und die Synthese zu den diesbezüglichen Erträgen des Bandes hinter dem Stand der raumhistorischen Forschung deutlich zurück, nehmen sie doch eine recht traditionelle Skalierung von nationaler, kontinentaler und globaler Ebene der Planung sowie von zentralen und peripheren Räumen vor (S. 10f.). Damit werden neuere Leitfragen zum Beispiel nach einer „Multilevel Governance“ und überhaupt die wichtigen Strategien des politischen Agierens über Skalen hinweg vernachlässigt.[5]

Ein Buch von ganz anderem Format und Anspruch liegt mit dem Routledge Handbook of Planning History vor, herausgegeben von Carola Hein. Es spannt einerseits erfolgreich eine globale Perspektive jenseits des Eurozentrismus traditioneller Planungsgeschichtsschreibung auf – hier liegt der Hauptertrag des Bandes –, konzentriert sich andererseits allerdings weitgehend auf die Geschichte der städtischen Planung und deren Historiographie, obwohl der Titel aus disziplinübergreifender Sicht eigentlich ein breiteres Spektrum erwarten lässt. Nicht aufgenommen in das rund 500 Seiten starke, eng bedruckte Kompendium wurden unter anderem Fragen von Umwelt- und Sozialplanung sowie Mehrebenen-Probleme, wie eher nebenbei in einem Halbsatz mitgeteilt wird (S. 8). Damit grenzt das Handbuch sein Thema faktisch ähnlich stark ein wie der zuvor besprochene Band, allerdings inhaltlich diametral entgegengesetzt. In beiden Fällen wird dieser Zuschnitt leider kaum expliziert oder kritisch reflektiert und so bleiben zugleich die Verbindungslinien zwischen diesen beiden Feldern von Planung bzw. Planungsgeschichte weitgehend unsichtbar.

Der Herausgeberin ist es gelungen, die große Zahl von 38 Beiträgen führender Forscher/innen mit jeweils unterschiedlichem Zugriff überzeugend in vier Abschnitte strukturiert zu bündeln. Diese gelten den Institutionen, Theorien und Methoden einer zeitgemäßen Historiographie des Planens (I), deren regionalen Varianten von Europa über Afrika und Lateinamerika bis nach Südostasien (II), zentralen Sachthemen, etwa Häfen oder Suburbanisierungen (III), sowie den Perspektiven einer zukünftigen Planungsgeschichtsschreibung (IV). Mit Blick auf das erklärte Ziel von Herausgeberin und Verlag, sowohl den Bedürfnissen von Studierenden gerecht zu werden als auch die Bedeutung der Planungsgeschichte für die Praxis der Stadtplanung nachzuweisen (S. 4, S. 6), ist der zugleich erhobene Anspruch eines innovativen Konzepts und der Entwicklung zukunftsweisender Perspektiven mutig, wird aber durchaus eingelöst. Am überzeugendsten gelingt dies in Beiträgen zu Fragen der Methodik, etwa biographischer Forschung (Robert Freestone) sowie von Macht und postkolonialer Planung (Robert Home), zur Planungsgeschichte Chinas (Daniel B. Abramson) oder der arabischen Welt (Éric Verdeil und Joe Nasr) sowie zu Fragen resilienter Planung gegen Katastrophen (Peter J. Larkham) und zu den Perspektiven einer zukünftigen Planungsgeschichtsschreibung im Zeichen von „Death of the Author, Center, and Meta-Theory“ (Tom Avermaete). Dass neben diesen Texten eher traditionell angelegte oder knapp ausfallende Beiträge stehen, etwa zu den Pionieren und Institutionen der neueren Planungsgeschichte (Stephen V. Ward) oder zu Wohnungsproblemen (Cor Wagenaar), ist im Sinne des Handbuch-Formats angemessen. Nur dem offensichtlich in jeder Publikation dieser Variante von Planungsgeschichte unvermeidlichen, allgegenwärtigen Protagonisten der Gartenstadt-Idee Ebenezer Howard (1850–1928) und dessen Modell-Schema wäre der Rezensent gern etwas weniger oft begegnet.

Im Übrigen bietet das Handbuch mit einer großen Zahl an bibliographischen Verweisen sowie mit gut ausgewählten und reproduzierten, wenngleich teilweise etwas klein geratenen Abbildungen einen exzellenten Einstieg in die Planungsgeschichte der Stadt bzw. des Städtebaus und in den Forschungsstand in zahlreichen Teilgebieten. Ein umfangreiches Register erschließt den Band. Gleichwohl ist mit Bedauern festzuhalten, dass als Folge der thematischen Eingrenzung auf die Stadtplanung der Moderne selbst große planungsgeschichtliche Themen wie die Zeit vor 1850, der Umgang mit ländlichen Gebieten oder die Raumplanung nicht wenigstens in Form von Überblicksbeiträgen aufgenommen wurden. Hier haben sich die Bindungen an eine disziplingeschichtliche Perspektive, die sich bewusst an den universitären Architektur- und Städtebau-Instituten und deren Studieninhalten orientiert, wohl als übermächtig erwiesen.

Der gleichen Variante von (Stadt-)Planungsgeschichte ist der aus einer Tagung in Kassel 2013 hervorgegangene, von Karl Friedhelm Fischer und Uwe Altrock herausgegebene Sammelband „Windows upon Planning History“ verpflichtet. Er versucht insofern einen roten Faden einzuziehen, als die titelgebende „Fenster“-Metapher in mehreren Beiträgen als erkenntnisleitendes Instrument aufgenommen wird. Den Herausgebern ist es gelungen, zahlreiche führende Vertreter des Fachs zu versammeln. So steuert Michael Hebbert einen grundlegenden Text über die Leitfigur der neueren Stadtforschung Peter Hall bei sowie Giorgio Piccinato einen Essay zu den Herausforderungen einer disziplinübergreifenden Erforschung von Städten, stadtbezogenen Modellvorstellungen und Bürgerrechten im Rahmen der „Urban Studies“.

Mehrere Aufsätze präsentieren lokale Fallstudien, etwa zum Wiederaufbau der britischen Stadt Coventry nach 1945 (Fischer und Larkham, die einen Akzent auf politische Konstellationen und Governance-Probleme setzen) sowie zur Verkehrsplanung in Boston vom späten 19. Jahrhundert bis zum Ende der 1990er-Jahre (Jeffry M. Diefendorf). Gegenüber diesen überaus anregenden, aber im Zugang eher konventionellen Analysen lenken die im Abschnitt „Presentations and Paradigms“ gebündelten Beiträge den Blick auf bisher wenig beachtete Zusammenhänge. Dabei konvergieren die Beiträge von Robert Freestone über Städtebau-Ausstellungen im frühen 20. Jahrhundert und von Harald Bodenschatz zu solchen im Lissabon der 1940er- und 1950er-Jahre während der diktatorischen Herrschaft Salazars. Beide Texte zeigen überzeugend, wie das Medium Ausstellung in demokratischen und autoritären Regimen zum Zweck der „Planungskommunikation“ und Legitimationsbildung jeweils instrumentalisiert wurde. Susanne Hausers Beitrag über „Signs and symbols in planning processes (1975–1995)“ ergänzt diesen Blick in gewisser Weise mit einer Reflexion über die Bedeutung von städtischer Architektur als visueller Zeichensetzung und über die Rolle des „Visual Thinking“ in der neueren Architektur.

Zusammengenommen reklamieren die Herausgeber von „Windows upon Planning History“ in ihrem resümierenden Schlussbeitrag mit Recht, dass die Texte eine „neue Planungsgeschichte“ repräsentieren, bei der räumliche Planung eingebettet in sozio-ökonomische, politische und kulturelle Kontexte analysiert wird (S. 265). Auch die Verfolgung langfristiger Entwicklungspfade, die kritische Rekonstruktion und Reflexion von planungsgeschichtlichen Wendepunkten auf lokaler Ebene – etwa nach dem Zweiten Weltkrieg – sowie von Paradigmenwechseln zählen zu den Stärken des Bandes. Demgegenüber wird die „Windows“-Metapher überstrapaziert, die zwar in einer beachtlichen Zahl von Beiträgen aufgenommen wird und damit das in thematisch disparaten Sammelbänden notorische Problem des „roten Fadens“ zu lösen scheint. Doch bringt ihr sehr flexibler Einsatz – einmal im Sinne „neuer Blickwinkel der Forschung“, dann als „Gelegenheitsfenster in historischen Prozessen“ oder „Paradigmenwechsel in der Geschichte der Planung“ – diese Metapher an den Rand der Beliebigkeit, wodurch sie ihre heuristische Fruchtbarkeit doch einbüßt.

Es sind im Wesentlichen drei Schlüsse, die sich in programmatischer Absicht aus dieser Lektüre von Publikationen der neueren Planungsgeschichte ziehen lassen: Erstens zeigt sich entlang der nicht selten stark normativ grundierten Positionen von Vertretern der Architektur- und Städtebaugeschichte die Grenze eines seriösen transdisziplinären Dialogs im sozial- und kulturwissenschaftlichen Verständnis vor allem dann, wenn die Debatten in wissenschaftsferne Argumentationsmuster und persönliche Angriffe auf Forscher/innen abgleiten. In solchen Fällen wird die Stärke der großen Sichtbarkeit von Forschung in öffentlichen Deutungskämpfen vermittels normativer Stellungnahmen zum Hindernis. Zweitens wird dieser Dialog von bemerkenswert selbstverständlich abgesteckten, ja faktisch kaum reflektierten Begrenzungen des Horizonts in den beteiligten Disziplinen beeinträchtigt. Als Folge eines spezifisch eingeengten Verständnisses von „Planung“ werden dabei entweder Fragen der Gesellschaftsplanung oder solche der räumlichen bzw. Stadtplanung wechselseitig weitgehend ausgeklammert. Drittens aber – und das ist die gute Nachricht – belegen die hier besprochenen Publikationen (und nicht nur sie) eine erfreuliche Offenheit für neue Fragen, Theorien und Methoden sowie einen fortgeschrittenen Stand transnationaler, auch blockübergreifender planungsgeschichtlicher Forschung, der vor ein oder zwei Jahrzehnten noch kaum denkbar erschien.

Anmerkungen:
[1] Vgl. stellvertretend: Dirk van Laak, Planung. Geschichte und Gegenwart des Vorgriffs auf die Zukunft, in: Geschichte und Gesellschaft 34 (2008), S. 305–326, sowie ebd. den Themenschwerpunkt „Planung im 20. Jahrhundert“; ders., Planung, Planbarkeit und Planungseuphorie, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 16.02.2010, http://docupedia.de/zg/van_laak_planung_v1_de_2010 (13.08.2019); Thomas Etzemüller (Hrsg.), Die Ordnung der Moderne. Social Engineering im 20. Jahrhundert, Bielefeld 2009; Ulrike Jureit, Das Ordnen von Räumen. Territorium und Lebensraum im 19. und 20. Jahrhundert, Hamburg 2012; Elke Seefried / Dierk Hoffmann (Hrsg.), Plan und Planung. Deutsch-deutsche Vorgriffe auf die Zukunft, Berlin 2018; Carola Hein, The What, Why and How of Planning History, in dem in dieser Sammelrezension auch besprochenen Band „The Routledge Handbook of Planning History“, S. 1–10, hier S. 2.
[2] Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf das Heft Nr. 235/2019 von ARCH+ (https://www.archplus.net/home/archiv/ausgabe/46,231,1,0.html, 13.08.2019) und verzichten auf die Einbeziehung der größeren Debatte zu diesem Thema, die sich u.a. in zahlreichen Zeitungsartikeln und einer Unterschriftenliste niederschlug. Vgl. den die Debatte auslösenden Beitrag von Stephan Trüby, Wir haben das Haus am rechten Fleck, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.04.2018, S. 46, sowie den offenen Brief von Wissenschaftler/innen zu den Reaktionen auf diesen Beitrag in der Presse, 02.05.2018, https://www.archplus.net/home/news/7,1-17179,1,0.html (13.08.2019).
[3] So ignoriert das Editorial des Heftes souverän die umfangreichen und kontroversen Debatten um die „europäische Stadt“ von Forschern wie Hartmut Kaelble, Friedrich Lenger oder Walter Siebel und beschränkt sich auf die These, „dass das nebulöse Label der europäischen Stadt von Anfang an anschlussfähig für das identitäre Programm der Neuen Rechten“ gewesen sei (S. 3). Auch der amateurhafte Versuch einer geschichtswissenschaftlichen Argumentation mit Bezug auf Walter Benjamin im Editorial deutet darauf hin, dass die Zeitschrift ein handfestes Problem bei der Qualitätskontrolle hat, jedenfalls bei diesem Text. Die Formulierung im einführenden Beitrag von Stephan Trüby, Städtebauhistoriker wie Harald Bodenschatz betrieben „das populistische und sozial neutralisierte Geschäft identitärer Stadtraumbildung“ (S. 11), gleitet wiederum in sachferne, persönliche Angriffe ab; dies verfehlt das wichtige Desiderat einer analytisch differenzierten Bestandsaufnahme der Positionen im Spannungsfeld von baulicher Rekonstruktion und Rechtspopulismus.
[4] Wer, wie Stephan Trüby, „rechte Räume“ und „identitäre Stadtraumbildungen“ wissenschaftlich ernsthaft untersuchen will, müsste sein Vorhaben wohl auf eine breitere disziplinäre Grundlage stellen als auf architekturtheoretische Ansätze in Anlehnung an den Philosophen Slavoj Žižek (S. 10f.). Referenzen zu laufenden, einschlägigen Großvorhaben der raumsoziologischen und kulturgeschichtlichen Forschung in diesem Feld, etwa zum Sonderforschungsbereich „Re-Figuration von Räumen“ an der Technischen Universität Berlin oder zum Forschungsverbund „Historische Authentizität“ der Leibniz-Gemeinschaft, sucht man in dem Heft vergebens.
[5] Vgl. hierzu die Beiträge des Themenschwerpunkts „Spatial Dimensions of Governance in 20th Century Political Struggles“, hrsg. von Christoph Bernhardt, in: Historical Social Research 42/2 (2017), S. 199–366, https://www.gesis.org/hsr/volltext-archiv/2017/422-religious-denomination-spatial-dimensions (13.08.2019); Markus Wissen / Bernd Röttger / Susanne Heeg (Hrsg.), Politics of Scale. Räume der Globalisierung und Perspektiven emanzipatorischer Politik, Münster 2008.