: Hugo Preuß. Biografie eines Demokraten. Stuttgart  2018. ISBN 978-3-515-12168-2

: Freiheitliches Bürgertum in Deutschland. Der Weimarer Demokrat Eduard Hamm zwischen Kaiserreich und Widerstand. Stuttgart  2018. ISBN 978-3-515-12094-4

Rezensiert für H-Soz-Kult von
Reinhard Mehring, Pädagogische Hochschule Heidelberg

Das „antidemokratische Denken“ und der Untergang der Weimarer Republik standen nach 1945 ganz oben auf der ideen- und zeitgeschichtlichen Forschungsagenda. Erst seit einigen Jahren erforscht man dagegen verstärkt auch das demokratische Denken und die offenen Möglichkeiten der Weimarer Republik. Eine breite problemgeschichtliche Analyse der liberalen Antworten auf den Weimarer Krisendiskurs publizierte unlängst Jens Hacke sehr souverän.[1] Die folgende Rezension stellt nun zwei personenzentrierte Biographien von DDP-Politikern, liberaldemokratischen Begründern und Trägern der Weimarer Republik näher vor. Während Hugo Preuß als einer der „Verfassungsväter“ der Weimarer Republik häufiger dargestellt wurde und seit einigen Jahren eine große Gesamtausgabe seiner Schriften entsteht, ist Eduard Hamm als Figur der zweiten Reihe bislang kaum bekannt. Personenzentrierte Darstellungen sind oft Dissertationsliteratur. Dreyer und Hardtwig sind dagegen seit Jahrzehnten als Autoren und Professoren bekannt. Beide verfügen über breites Hintergrundwissen und die Übersicht, die politischen Biographien von Preuß und Hamm im Kontext darzustellen.

Michael Dreyer, seit 2005 als Professor für Politikwissenschaften in Jena lehrend, publizierte endlich seine unveränderte Habilitationsschrift aus dem Jahre 2002. In einer ergänzenden Einleitung skizzierte er nur den Fortschritt der Erschließung des Werkes von Hugo Preuß sowie den „Paradigmenwechsel“ (S. XIX) zur Umstellung der Betrachtungsweise auf die offenen Anfänge und Möglichkeiten Weimars in der gesamteuropäischen Lage nach Versailles. Das Alter der vorliegenden Studie zeigt sich nur gelegentlich bei der zitierten Sekundärliteratur. Sachlich liest sich diese emphatische Erinnerung an den „Vordenker“ und Verfassungsvater Weimars, den „Praktiker und Theoretiker“ (S. 451) der wehrhaften Demokratie frisch und eindrücklich. Ein „Vorbild“ (S. 11) war Wolfgang Mommsens wegweisende Dissertation über Max Weber und die deutsche Politik von 1890 bis 1920 aus dem Jahre 1959. Kritisierte Mommsen den „Machtstaatsgedanken“ und machte er Weber ein Stück weit für Carl Schmitt und die antiliberalen Folgen mit verantwortlich, so hat Dreyer an Preuß als Vordenker und Praktiker liberaler Demokratisierung fast nichts auszusetzen; er zeigt Preuß als aktuellen Autor (S. 451f.). Nur beiläufig erwähnt er einmal, dass der Einfluss Webers auf die Weimarer Verfassung – nicht zuletzt unter dem Eindruck von Mommsens Darstellung – „gerne überschätzt“ (S. 352) werde und Preuß’ Werk für die positive Betrachtung der demokratischen Möglichkeiten nicht weniger lehrreich sei; anders als Weber war Preuß’ Werk ganz auf die Demokratisierung des Weimarer „Obrigkeitsstaats“ durch den „Volksstaat“ fokussiert. Der Leser wird dem am Ende schwerlich widersprechen.

Die prägnante Choreographie und Dramaturgie zeigt eine demokratische Mission: Detailliert zeigt Dreyer zunächst auf, wie Preuß (Jahrgang 1860) die Genossenschaftslehre Gierkes, die Laband kritisierte, vom intensiven Studium der Kommunalverfassungen und eigener kommunalpolitischer Praxis und Erfahrung her liberalisierte, die an einer liberalen Idealisierung des Freiherrn vom Stein orientiert war (S. 122f.). Dreyer macht dabei klar, dass Preuß den „organischen“ Begriff der Genossenschaft von allen romantischen und auch sozialdarwinistischen Assoziationen befreite und in Richtung eines „demokratischen Pluralismus“ entwickelte. Als linksliberaler Kommunalpolitiker kooperierte er verstärkt mit der aufstrebenden Sozialdemokratie. Als Jude nach seiner Habilitation an der Berliner Universität nicht weiter befördert, wurde Preuß, von Hause aus großbürgerlich wohlhabend, 1907 endlich an die neubegründete Berliner Handelshochschule berufen.

Dreyer stellt Preuß, nach dem Vorbild Mommsens, stets souverän in den historischen Kontext. Mit dem Übergang von der – klar ausgeleuchteten – Theorie zur politischen Praxis wird sein Buch immer interessanter. Es wird deutlich, dass gerade die kommunalpolitischen Herausforderungen und die Verfassung Berlins schon im Wilhelminismus einen Hebel für Liberalisierungen und Modernisierungen boten. Berlin war liberaler als Preußen. Preuß war als Stadtrat bald unter anderem mit der Verkehrspolitik betraut. Als politischer Professor stets geachtet, blieb er in seiner Partei mehr ein Randgänger. In den letzten Kriegsjahren wurde er mit seinem „Gegensatz von Obrigkeitsstaat und Volksstaat“ publizistisch sehr bekannt und dann am 15. November 1918 ziemlich plötzlich und überraschend von Ebert zum Staatssekretär des Innern, bald auch kurzzeitig zum Minister berufen, der die Federführung für den Verfassungsentwurf übernahm (S. 336ff.). Alternativ war Max Weber in Betracht gekommen. Dass Preuß mit seinem ganzen Lebenswerk und seiner Konzeption vom „Volksstaat“ für Ebert aus mancherlei Gründen besser geeignet schien, hätte Dreyer gegen den Weber-Hype vielleicht noch deutlicher herausstellen sollen.

Seine Darstellung des Weimarer Verfassungsprozesses ist aber höchst eindrucksvoll: Während Preuß die ersten Grundlinien vorgab, geriet er im Prozess der Kompromissfindung in vielen Fragen in die Defensive und wurde letztlich zu einem Verlierer, sodass er nach 1919 bald von der eigenen Partei ausgemustert wurde, auf die Rolle eines einfachen preußischen Abgeordneten zurückgestutzt, der nach 1919 dann in seinen letzten Lebensjahren bis 1925 einigermaßen skeptisch und kritisch auf die Entwicklung der Republik und deren Umgang mit dem Verfassungswerk zurückblickte. Preuß hatte zwar einen starken Reichspräsidenten gewollt, den bald einsetzenden extensiven Umgang mit Artikel 48 aber abgelehnt, einen „hypertrophen“ (S. 396) Grundrechtsteil gefürchtet und für eine durchgreifende Gebietsreform und Teilung Preußens plädiert. Gerade diese Preußen-Kritik wurde zum Einfallstor rechter Polemik und Marginalisierung von Preuß’ Rolle. Die „fatale Verzögerung“ (S. 395) des Ratifizierungsprozesses brachte die Verfassung in das Kielwasser des Versailles-Traumas, sodass die Verfassung auch mit dem Odium der Niederlage und des Diktates verbunden blieb. In der DDP stand Preuß bald am Rand, kämpfte als Angeordneter aber weiter für die Föderalisierung Preußens wenigstens auf Verwaltungsebene. Besorgt sah er den Rechtsruck der Republik, insbesondere Bayerns, und wünschte eine wehrhafte Republik, trat aber nicht mehr mit einem finalen Werk hervor, das die verfassungstheoretischen Kontroversen Weimars erneut positiv hätte beflügeln können.

Mit Dreyers großer Gesamtdarstellung der politischen Biographie steht Preuß als demokratischer „Vordenker“ nun gleichrangig neben Weber. Seine Darstellung muss den Vergleich mit Mommsen nicht scheuen. Seine Beschränkung auf eine politische Biographie war dabei auch den Quellen geschuldet. Dreyer betont, dass die privaten Quellen des Nachlasses fehlen. Er verzichtet auf jede psychologische Annäherung an Preuß und stellt dessen liberaldemokratische Positionen umso entschiedener als vertretbar und vorbildlich heraus. Großbürgertum und Judentum werden zwar genannt, als motivierende Prägungen aber nicht weiter erörtert. Das ist eine Stärke, aber auch eine Grenze der Darstellung, die sich fast vorbehaltlos emphatisch und entschieden hinter die politischen Überzeugungen von Preuß stellt. Ein behutsamer Vergleich mit Weber hätte die psychobiographischen Motive vielleicht etwas verdeutlichen können.

Wolfgang Hardtwigs zeitlich gut anschließende Hamm-Biographie erörtert ebenfalls einen DDP-Politiker und Minister der frühen Weimarer Republik, der mehr dem wirtschaftsliberalen Flügel angehörte; sie basiert aber stark auf familiengeschichtlichen Zugängen und Quellen. Wolfgang Hardtwig wurde 2009 an der Berliner Humboldt-Universität emeritiert und ist durch zahlreiche Publikationen zur Geschichte des deutschen Bürgertums bekannt. Niemand sonst konnte die Biographie Eduard Hamms so schreiben: Hardtwig stützt sich auf seine fachliche Expertise und als Enkel auf private Archive und familiengeschichtliche Erinnerungen. Einleitend schreibt er: „Eine Biographie über den wenig bekannten Eduard Hamm zu schreiben, bedarf an sich keiner ausführlichen Begründung. Er war der einzige Reichsminister der Weimarer Republik, der im Zusammenhang mit dem 20. Juli 1944 ums Leben kam. Das deutsche Bürgertum hat wenige Persönlichkeiten von vergleichbarer Lebensleistung und politisch-moralischer Integrität aufzuweisen. […] Eduard Hamm [Jahrgang 1879] kam aus dem bayerischen Beamtentum, wechselte im Frühjahr 1919 in die Politik, amtierte 1919 bis 1922 als Bayerischer Staatsminister für Handel, Industrie und Gewerbe, 1922/23 in der Regierung Cuno als Staatssekretär in der Reichskanzlei sowie 1923-1925 als Reichswirtschaftsminister in den ersten beiden Regierungen Marx. Vom Februar 1925 bis zum April 1933 führte er als Geschäftsführendes Präsidialmitglied des DIHT einen der Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft.“ (S. 11) „Ich habe meinen Großvater zwar nicht mehr kennengelernt, aber die über die Eltern vermittelte Erinnerung an ihn war seit dem Beginn meines bewussten Lebens gegenwärtig. Dass dies ein hilfreiches orientierendes Erbe sein kann, aber auch eine bedrückende Last, bedarf keiner weiteren Erläuterung.“ (S. 20) Es ist also ein sehr besonderes Buch, das als Darstellung eines nationalliberalen Politikers ansonsten etwa mit der Naumann-Biographie von Theodor Heuss oder der neueren Heuss-Biographie von Joachim Radkau vergleichbar wäre.

Hardtwig erzählt ein „exemplarisches Bürgerleben“ (S. 25) auf breiter Quellenbasis mit reichem Bildmaterial und Schwerpunkt auf das politische Wirken in der Weimarer Republik. Als Jurist strebte Hamm in den Staatsdienst und die Politik. Als Bayer wechselte er aus etatistischen Motiven in die Reichspolitik, als Nationalliberaler dachte er wirtschaftspolitisch in staatlicher Verantwortung und als Wirtschaftsliberaler übersah er den rechtsstaatlichen Rahmen sozialer Verantwortung der Wirtschaft nicht. Hardtwig nennt Hamm einen „Herzensdemokraten“ (S. 368), aber auch einen „Nationalisten“ (S. 436ff.). „Bei Hamm stand der ethisch überhöhte Staat über der Nation“ (S. 45). Auf ein Etikett legt Hardtwig Hamm nicht fest, sondern er zeigt vielmehr, wie Hamm, aus dem Beamtentum kommend, sich schon 1919 in der Münchner Revolution für die Stabilisierung der Weimarer Republik und die Demokratie als „Gegengift der Revolution“ (S. 59) engagierte, mittelstandsfreundliche Positionen vertrat, gegen den bayerischen Rechtsruck und Separatismus für einen Primat des Reiches optierte und deshalb auch als DDP-Politiker unter Cuno und Marx in die Reichspolitik wechselte.

Hardtwig beschreibt die Geschichte der Weimarer Republik aus der Perspektive eines nationalliberalen Wirtschaftspolitikers, der als Staatssekretär, Minister und dann ab 1925 hoher Verbandspolitiker um die wirtschaftliche Konsolidierung und Stabilisierung der Republik rang. Seine Darstellung fesselt vor allem durch diese weniger bekannte Optik und Innensicht und bietet viel Material, um die politische Bewertung etwa des Ruhrkampfes oder der Präsidialregime zu überdenken. Hardtwig betont Hamms zentrale Rolle in der Reichskanzlei bei der „Koordinierung“ (S. 101, 105) des Ruhrkampfes, das Umdenken in Richtung Verständigungspolitik und die relative Kontinuität wirtschaftspolitischer Stabilisierungsbemühungen nach dem Wechsel von 1925 in die Geschäftsführung des Deutschen Industrie- und Handelstages. Solche Wechsel abgewählter Politiker in die Wirtschaft sind heute erneut umstritten. Hardtwig zeigt aber, dass der DIHT unter der Leitung von Franz von Mendelssohn, anders als andere Industriellenverbände, moderate und staatspolitisch verantwortliche Positionen vertrat und Hamm deshalb auch nach seinem Wechsel in den Lobbyismus weiter in staatspolitischer Verantwortung agierte.

Eine wirtschaftliche Konsolidierung der Republik war nach der Hyperinflation unter den Bedingungen der Reparationslasten nur durch florierenden Export möglich. Die Zollpolitik war hier eine zentrale Frage. Eine liberale Weltmarktorientierung musste mit den Agrarinteressen und auch „großdeutschen“ nationalen Sehnsüchten vereinbar bleiben. Eine deutsch-österreichische Zollunion gehörte zur nationalliberalen Agenda. Schon vor dem „Schwarzen Freitag“ der Weltwirtschaftskrise stieß die Weimarer Deflationspolitik an sozialpolitische Grenzen. Der DIHT und Hamm öffneten sich hier für ein Umdenken und akzeptierten auch Konjunkturprogramme des Staates. Den Nationalsozialismus lehnten sie deutlich ab. Hamm sah allerdings eine Parlamentarismuskrise und unterstützte Reichsreformen (S. 347ff.) in Richtung einer kommissarischen „‚Vertrauensdiktatur’“ (S. 361) des Präsidialregimes und expertokratischer Aufwertung des Reichswirtschaftsrates.

Hardtwig deutet Hamms Politik als Kampf um den Erhalt Weimars. Es dürfte eine der wichtigsten Anstöße seines Buches sein, dogmatische Vorurteile über den „Ruhrkampf“, die kommissarischen Diktaturbefugnisse, wirtschaftspolitischen Liberalisierungen und reichspolitischen Überlegungen zu überdenken. Hardtwig deckt diese Wertungsfragen nicht mit einem einfachen Etikett zu, sondern bietet ein Spektrum politischer Letztbegriffe an: von Nationalismus und Liberalismus über Vernunft- und Herzensrepublikanismus bis „Herzensdemokratie“. Mir erscheint es nach der Darstellung von Hamms moderierenden Bemühungen nicht unstrittig, wenn Hardtwig schreibt: „Herzensdemokrat dürfte Eduard Hamm wenigstens bis zur Machtergreifung Hitlers geblieben sein.“ (S. 369) Der Konjunktiv meldet einen gewissen Vorbehalt an, die Rede von der „Machtergreifung Hitlers“ ist auch nicht ganz unstrittig und die Einschränkung bezieht sich auf die verfassungspolitischen Überlegungen der Widerstandsgruppe des Sperr-Kreises (S. 403ff.), der Hamm angehörte. Sie gruppierte sich ab 1935 um den bayerischen Kronprinzen Ruprecht. Hardtwig schreibt dazu: „Im Falle Hamms erstaunt der Kurswechsel von 1918/19 hin zum überzeugten Demokraten und Republikaner im Grunde mehr als die Rückwendung zur konstitutionellen Monarchie unter den Bedingungen des NS-Regimes.“ (S. 410) Hamm hatte 1933 seine Stellung im DIHT verloren, fand als Rechtsanwalt, politisch kaltgestellt, keine Mandanten mehr und zog sich notgedrungen nach Reit im Winkl zurück. Auch als Gegner Hitlers war er 1938/39 „im Bann des Reichsmythos“ (S. 422) zunächst großdeutsch und revanchistisch begeistert, suchte aber in „konspirativer Netzwerkbildung“ nach verfassungspolitischen Alternativen. Er wünschte den Sturz Hitlers, ohne ein Attentat nachweislich zu unterstützen, wurde nach dem Stauffenberg-Attentat verhaftet und beging im Berliner Gefängnis vermutlich Suizid, um niemanden zu verraten.

In seinem zusammenfassenden Resümee spricht Hardtwig von einem „demokratischen Nationalismus“ und auch von „Staatsidealismus“ (S. 446). Er bietet einige Letztbegriffe auf und überlässt das dogmatische Urteil als Historiker wie als familiär befangener Enkel doch letztlich dem Leser. Dabei stellt er sich im Detail sehr weitgehend hinter Hamms einzelne politische Maßnahmen, ohne die Motive im „Geheimnis der Persönlichkeit“ (S. 447) letztlich bewerten zu wollen. Es kommt nicht auf die Ideologie, sondern das politische Wirken an. Da spricht schon der Freitod für sich. Der Leser bucht Hamm als tatkräftigen und mutigen Praktiker und entschlossenen Nationalliberalen ab. Seine Biographie erlaubt einen Blick hinter die Kulissen und verdeutlicht das Politikfeld der Wirtschaft als zentrale Aufgabe und Herausforderung der ganzen Gesellschaft.

Die Doppelbesprechung muss keine allgemeinen Bemerkungen über die Lage, Krise oder Schwäche des politischen Liberalismus der Zwischenkriegszeit anschließen. Dafür sei erneut auf Hacke verwiesen. Nur eine Bemerkung soll noch folgen: Preuß war ein linksliberaler Vordenker und Vorkämpfer, Hamm dachte als Jurist stärker wirtschaftspolitisch und deutlich konservativer. Beide Bücher erörtern liberale Autoren, die der DDP angehörten, und sprechen im Titel doch schlicht von „Demokraten“. Der ubiquitäre Missbrauch und Verschleiß der Demokratierhetorik wird nicht enden, solange Liberalismus und Demokratie nicht begrifflich getrennt werden und nicht stets deutlich wird, dass die liberale Demokratie das normative Leitbild ist, das wir heute gerne mit Demokratie gleichsetzen. Die Entwicklung der Weimarer Republik hat gezeigt, welche Gefahren bestehen, wenn Liberalismus und Demokratie entkoppelt werden. Das macht die „Neue Rechte“ – mit ungleich niedrigerem intellektuellem Aufwand – heute epigonal erneut. Umso wichtiger ist es, von liberalen Demokraten und Liberaldemokratie zu sprechen und also das einfache Label zu meiden. Das sollten auch die Verlage bedenken.

Anmerkung:
[1] Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie. Zur politischen Theorie des Liberalismus in der Zwischenkriegszeit, Berlin 2018.